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Entwöhnungsmittel: Clomethiazol

Wirkungsweise

Clomethiazol wird bei einem Alkoholentzug eingesetzt, um die Gefahr eines schweren Entzugssyndroms zu verhindern. Der Wirkstoff verstärkt den Effekt bestimmter Botenstoffe im Gehirn, die dämpfend wirken. Auf diese Weise bremst es Angst, Unruhe, Erregung und verringert das Risiko für Krampfanfälle. Diese Eigenschaften werden bei Alkoholkranken genutzt, die sich kurz vor oder bereits im Entzugsdelir befinden (Prädelir, Delirium tremens). Verringert man dann schrittweise die Dosierung von Clomethiazol, wird aus dem abrupten Entzug ein langsamer, der leichter zu ertragen und auch weniger gefährlich ist. Testergebnis Clomethiazol

Es ist belegt, dass Clomethiazol die Symptome eines akuten Alkoholentzugs mildert. Allerdings darf das Mittel nur im Rahmen eines Krankenhausaufenthalts eingesetzt werden, da das Risiko sehr groß ist, dass sich eine Abhängigkeit entwickelt, wenn es länger als zwei Wochen angewendet wird. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass Alkoholkranke, die weiterhin Zugang zu ihrem Suchtstoff haben, das Mittel zusammen mit Alkohol anwenden und dann schnell von beiden Stoffen abhängig werden. Außerdem kann diese Kombination zu lebensbedrohlichen Situationen führen, weil der Alkohol die unerwünschten Wirkungen von Clomethiazol auf das Herz-Kreislauf-System und die Atmung verstärkt. Die Verordnung von Clomethiazol an Alkoholkranke außerhalb der Klinik ist als ärztlicher Kunstfehler anzusehen.

Anwendung

Die Dosierung des Mittels richtet sich nach der körperlichen Verfassung des Patienten. Er muss trotz Dämpfung durch das Arzneimittel noch ansprechbar bleiben. Innerhalb von zwei Stunden dürfen maximal acht Kapseln (1 536 Milligramm Clomethiazol) oder maximal 40 Milliliter der Mixtur (1 260 Milligramm Clomethiazol) gegeben werden.

Nach höchstens zehn Tagen sollte die Behandlung beendet werden.

Eine Behandlung mit Clomethiazol sollte immer ausschleichend beendet werden, indem die Dosis langsam verringert wird. Geschieht das nicht, können erneut Entzugssymptome wie innere Unruhe, Angstzustände, Schlafstörungen, Halluzinationen und Krampfanfälle auftreten.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen darf Clomethiazol nicht angewendet werden:

  • Sie schnarchen sehr stark und halten im Schlaf immer wieder längere Zeit die Luft an (Schlafapnoesyndrom).
  • Es liegt eine akute Vergiftung mit Alkohol oder Wirkstoffen vor, die das zentrale Nervensystem dämpfen, zum Beispiel Schlafmittel.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken besonders sorgfältig abwägen:

  • Die Atemfunktion ist eingeschränkt (z. B. bei Asthma), es besteht eine akute Bronchial- oder Lungenerkrankung oder eine chronische Atemwegserkrankung.
  • Es ist zu erwarten, dass der Behandelte die Dosierung eigenmächtig erhöhen wird.
  • Es ist anzunehmen, dass der Patient weiterhin Alkoholmissbrauch betreiben wird. Besonders bei Menschen, die eine Leberzirrhose haben, kann das zu einem Atemstillstand führen.
  • Die Funktion der Leber und der Nieren ist eingeschränkt. Besonders bei einer schweren Leberstörung kann die Dämpfung durch Clomethiazol ein beginnendes Leberkoma verschleiern.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten, dass sich die Wirkung von Clomethiazol auf das Atemzentrum durch dämpfend wirkende Arzneimittel, z. B. Benzodiazepine, derart verstärken kann, dass ein Atemstillstand droht.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Während einer Behandlung mit Clomethiazol Alkohol zu trinken, kann lebensgefährlich sein. Es droht ein Atemstillstand.

Nebenwirkungen

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Bei der Entscheidungsfindung im Hinblick auf die Einnahme von Clomethiazol ist zu bedenken: Auch ein fortgesetzter Alkoholkonsum kann die Leber schädigen.

Muss beobachtet werden

Gelegentlich treten Magenschmerzen auf, Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Diese Beschwerden werden üblicherweise nach einigen Tagen schwächer oder klingen ganz ab. Halten sie jedoch mehr als fünf Tage an, sollten Sie sich an einen Arzt wenden.

Eine Bindehautentzündung mit verstärktem Augentränen sollten Sie ebenfalls nach fünf Tagen ärztlich beurteilen lassen.

Bei mehr als 10 von 100 Behandelten ist der Speichelfluss sehr verstärkt.

Da Clomethiazol die Atemwege zu einer vermehrten Flüssigkeitsproduktion anregt, kann es wiederholt zu Atemwegsinfektionen kommen. Das müssen vor allem Menschen mit Asthma und Lungenerkrankungen berücksichtigen. Das Risiko muss der Arzt kalkulieren und die Patienten darüber aufklären.

Clomethiazol macht müde und kann den Blutdruck senken. Aber auch das Umgekehrte ist möglich: Sie werden nervös, vielleicht aggressiv und der Blutdruck steigt. Besprechen Sie sich dann mit einem Arzt.

Halten Kribbeln in Armen und Beinen und Verwirrtheit länger als einen Tag an, sollte ein Arzt informiert werden.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt und Sie ein Alternativmedikament benötigen.

Sofort zum Arzt

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Menschen mit angegriffener Leber reagieren besonders empfindlich auf dieses Medikament. Wenn der Behandelte sehr müde wirkt, nur noch selten Luft holt und eine graue Gesichtsfarbe bekommt, sollte sofort der Arzt gerufen werden.

Menschen mit Asthma und Lungenerkrankungen sowie bettlägerige Patienten und solche, die medikamentös stark gedämpft sind, können schwerwiegende Atemstörungen bekommen. Dann muss sofort ein Arzt gerufen werden.

Das Mittel kann die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind: eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Über die Anwendung in der Schwangerschaft und die Auswirkungen von Clomethiazol auf das Ungeborene gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Clomethiazol darf nur angewendet werden, wenn die Risiken einer solchen Behandlung als weniger schwerwiegend eingestuft werden als der Alkoholmissbrauch und das beim Entzug auftretende Delir.

Clomethiazol geht in die Muttermilch über. Während der Stillzeit darf Clomethiazol nicht angewendet werden. Ist eine Behandlung nicht zu umgehen, muss abgestillt werden.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Über die Risiken einer Anwendung bei Menschen unter 18 Jahren gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Sicherheitshalber sollten sie mit diesem Mittel nicht behandelt werden.

Für ältere Menschen

Bei Menschen über 70 Jahre kann Clomethiazol deutlich stärker und länger wirken. Das muss bei der Dosierung berücksichtigt werden.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Das Mittel erzeugt eine ausgeprägte Schläfrigkeit, die jede verantwortungsvolle Tätigkeit und damit auch die aktive Teilnahme am Verkehr, das Bedienen von Maschinen und Arbeiten ohne festen Halt unmöglich macht.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs