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Entwöhnungsmittel: Acamprosat

Wirkungsweise

Acamprosat soll helfen, die Alkoholabstinenz nach einem Entzug aufrechtzuerhalten. Es beeinflusst die Botenstoffe im Gehirn und soll so die Wirkung von Alkohol abschwächen und das Verlangen nach Alkohol vermindern.

In einer Übersichtsarbeit sind viele Studien zur Wirksamkeit von Acamprosat gemeinsam ausgewertet worden. Hierbei erhielten Alkoholkranke nach der Phase des akuten Entzugs drei bis höchstens zwölf Monate lang entweder Acamprosat oder ein Scheinmedikament. In dieser Zeit wurde ihr Trinkverhalten beobachtet. Etwa 25 von 100 Alkoholkranken, die Acamprosat eingenommen hatten, gelang es, bis zum Ende der Studie vollständig auf Alkohol zu verzichten. Von denjenigen, die ein Scheinmedikament erhalten hatten, schafften das nur etwa 16 von 100. Die Zahl derjenigen, die in der Zeit der Behandlung in einen übermäßigen Alkoholkonsum zurückfielen, ließ sich allerdings nicht verringern. Auch ist unklar, ob die Alkoholabstinenz andauert, nachdem das Medikament abgesetzt wurde. In jedem Fall muss die medikamentöse Unterstützung eingebunden sein in ein psychotherapeutisches Konzept zur Alkoholentwöhnung. Man geht davon aus, dass vor allem diejenigen von einer Arzneimitteltherapie profitieren, die einer Entzugsbehandlung motiviert gegenüber stehen, in einer vertrauensvollen Umgebung leben und insgesamt sozial integriert sind. Unter dieser Voraussetzung wird Acamprosat als "mit Einschränkung geeignet" beurteilt, um eine Alkoholentzugsbehandlung zu unterstützen.

Die Symptome eines Alkoholentzugs kann Acamprosat nicht mildern.

Anwendung

Die Behandlung mit Acamprosat sollte unmittelbar nach dem Entzug beginnen.

Das Mittel muss dem Körpergewicht entsprechend dosiert werden. Die Tabletten werden gleichmäßig auf morgens, mittags und abends aufgeteilt. Am besten nehmen Sie die Tabletten zu den Mahlzeiten ein.

Wenn Sie mehrmals vergessen, die Tabletten einzunehmen, kann das Verlangen nach Alkohol wieder durchschlagen, weil die Wirkung auf die Botenstoffe im Gehirn ausbleibt.

Es wird empfohlen, die Therapie ein Jahr lang fortzuführen und sie auch bei einem Rückfall fortzusetzen.

Gegenanzeigen

Sie dürfen Acamprosat nicht anwenden, wenn Sie eine schwere Leber- oder Nierenfunktionsstörung haben.

Wenn Sie bereits einmal Nierensteine hatten, sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Behandlung sehr sorgfältig abwägen.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei etwa 9 von 100 Behandelten kommt es zu Juckreiz. Durch eine gute Hautpflege lässt sich das abschwächen.

Sexuelle Funktionsstörungen einschließlich Impotenz bemerken bis zu 6 von 100 Behandelten. Allerdings ist nicht sicher auszumachen, ob das durch die Alkoholkrankheit oder die Entzugsbehandlung bedingt ist. Beruht es auf der Medikamenteneinnahme, normalisiert sich das nach dem Ende der Behandlung wieder.

Es kann verstärktes Schwitzen auftreten.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Ein Fünftel der Behandelten klagt zu Beginn der Einnahme über Durchfall, seltener auch über Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Hat sich das nach fünf Tagen nicht normalisiert, wenden Sie sich an den Arzt.

Bei Schlafstörungen, Verwirrtheit und Gefühlsstörungen sollten Sie ebenfalls zum Arzt gehen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Für Kinder ist die Anwendung von Acamprosat nicht untersucht. Sie dürfen mit dem Mittel nicht behandelt werden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Über die Anwendung in der Schwangerschaft gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Acamprosat sollte daher nur angewendet werden, wenn die Frau ohne das Mittel nicht abstinent bleiben kann, sodass für das Kind das Risiko besteht, durch Alkohol geschädigt zu werden.

In der Stillzeit darf Acamprosat nicht eingenommen werden. Ist eine Behandlung nicht zu umgehen, muss abgestillt werden.

Für ältere Menschen

Über die Risiken einer Anwendung bei Menschen über 65 Jahre gibt es keine Erkenntnisse. Sicherheitshalber sollten sie mit diesem Mittel nicht behandelt werden.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs