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Durchfallmittel: Racecadotril

Wirkungsweise

Racecadotril wird über den Darm aufgenommen und im Blut zu dem eigentlichen Wirkstoff Thiorphan umgebaut. Dieser verhindert, dass die Darmwand zu viel Flüssigkeit und Salze (Elektrolyte) in das Darminnere abgibt. Die Darmbewegungen werden dabei nicht beeinflusst. Die Ausscheidung des Wirkstoffs erfolgt mit dem Urin über die Nieren. Nach drei Stunden ist Thiorphan zur Hälfte abgebaut.

Für die Selbstbehandlung von Durchfall ohne Rücksprache mit einem Arzt ist Racecadotril nur bei der Behandlung von Erwachsenen vorgesehen. Im Vergleich mit einem Scheinmedikament kann Racecadotril die Häufigkeit von Durchfällen etwas verringern und die Dauer von leichtem bis mittelschwerem akutem Durchfall um etwa einen Tag verkürzen. In diesen Fällen ist das Mittel mit Einschränkung geeignet.

Allerdings lässt sich mit den bisher vorliegenden Studien noch nicht beurteilen, ob das Mittel ebenso gut wirksam ist wie Loperamid. Wenn jedoch die Gefahr eines Darmverschlusses oder einer Darmlähmung besteht und Loperamid nicht eingesetzt werden kann, kann stattdessen Racecadotril eingenommen werden. Bei diesem Mittel sind solche Nebenwirkungen nach den bisherigen Erkenntnissen seltener zu befürchten.

Bei chronischem Durchfall (z. B. im Zusammenhang mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen) sowie bei durch Antibiotika-Einnahme ausgelöstem Durchfall wurde Racecadotril nicht ausreichend geprüft und sollte deshalb nicht angewendet werden.

Vaprino Hartkapseln sind rezeptfrei für die Behandlung von Durchfall bei Erwachsenen auf dem Markt. Tiorfan dagegen ist rezeptpflichtig (siehe Übersicht), steht aber in Dosierungen für Säuglinge, Kinder oder Erwachsene zur Verfügung.

Bei Kindern

Das Mittel ist vor allem in der Behandlung von Säuglingen und Kleinkindern bedeutsam, wenn der Durchfall mit Elektrolytmischungen nicht ausreichend zurückgeht. In dieser Altersgruppe ist der Verlust von Flüssigkeit und Salzen rasch bedrohlich. Neben den Elektrolytmischungen gab es bis vor der Einführung von Racecadotril noch kein Arzneimittel, das für den Einsatz bei Kleinkindern und Säuglingen unter zwei Jahren zugelassen war. Diese therapeutische Lücke hat Racecadotril, mit dem schon Säuglinge ab dem dritten Lebensmonat behandelt werden können, geschlossen.

Studien zeigen, dass Racecadotril den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust gut eindämmen kann. Es ist deshalb zur Behandlung von Durchfall bei Kindern ab dem dritten Lebensmonat in Ergänzung zu Elektrolytmischungen geeignet.

Das Tiorfan-Granulat für Kinder ist rezeptpflichtig.

Anwendung

Racecadotril sollte immer nur ergänzend zu einer Behandlung mit Elektrolytmischungen und ausreichend Flüssigkeitszufuhr angewendet werden. Bei schwerem, anhaltendem Durchfall sind Infusionen oder eine stationäre Behandlung im Krankenhaus nötig.

Die Kapseln nehmen Sie dreimal täglich ein. Gleich zu Beginn werden zwei Kapseln auf einmal eingenommen, gefolgt von je einer Kapsel zu den Hauptmahlzeiten. Länger als drei Tage sollte die Eigenbehandlung nicht durchgeführt werden. Chronische Beschwerden sollten nur nach Rücksprache mit einem Arzt behandelt werden.

Bei Kindern

Das Granulat wird dreimal täglich in abgekochtem Wasser, stillem Wasser oder Tee aufgelöst und sofort zu trinken gegeben. Das Kind sollte so lange behandelt werden, bis zwei normale Stuhlgänge hintereinander aufgetreten sind, allerdings nicht länger als sieben Tage.

Achtung

Wenn Fieber über 38,5 °C und/oder Blut im Stuhl auftreten, kann das auf eine schwere bakterielle Infektion hindeuten, die anders behandelt werden muss.

Gegenanzeigen

Sie dürfen das Mittel nicht anwenden, wenn der Durchfall während einer Behandlung mit Antibiotika aufgetreten ist.

Wenn die Funktion Ihrer Leber oder Niere eingeschränkt ist, sollte der Arzt Nutzen und Risiken einer Anwendung besonders sorgfältig abwägen. Bei starkem Erbrechen kann es sein, dass weniger Wirkstoff in den Blutkreislauf aufgenommen wird.

Bei Kindern

Das Mittel darf nicht angewendet werden, wenn das Kind so stark erbricht, dass die Aufnahme des Wirkstoffs in den Körper nicht gewährleistet ist. Auch wenn Leber und Nieren des Kindes nur eingeschränkt arbeiten, darf es das Mittel nicht bekommen, weil nicht genügend Erfahrungen zum Einsatz des Wirkstoffs unter diesen Bedingungen vorliegen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie Racecadotril zusammen mit ACE-Hemmern (z. B. Captopril oder Ramipril, bei hohem Blutdruck, Herzschwäche) anwenden, kann sich das Risiko erhöhen, dass das Unterhautgewebe im Gesicht anschwillt. Diese Erscheinungen – Quincke-Ödem oder angioneurotisches Ödem genannt – können bedrohlich verlaufen. Informieren Sie daher vor der Anwendung von Racecadotril Ihren Arzt, wenn Sie ACE-Hemmer einnehmen.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Granulat für Kinder: Während der Behandlung kommt es bei etwa 5 von 100 Kindern zu Erbrechen und bei etwa 2 von 100 Kindern zu Fieber. Dies kann auch an dem Magen-Darm-Infekt selbst liegen.

Kapseln für Erwachsene: Bei etwa 2 von 100 Behandelten treten Übelkeit und Erbrechen oder Kopfschmerzen auf. Bei 1 bis 10 von 1 000 kommt es zu Appetitlosigkeit, Durst oder Fieber. Dies kann auch auf den Magen-Darm-Infekt selbst zurückgehen.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Haben Sie sich das Mittel zur Eigenbehandlung ohne Rezept besorgt, sollten Sie es absetzen. Sind die Hauterscheinungen auch einige Tage nach dem Absetzen nicht deutlich abgeklungen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Hat dagegen ein Arzt Ihnen das Mittel verordnet, sollten Sie ihn aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen.

Kapseln für Erwachsene: Im Laufe der Behandlung kann sich bei 1 bis 10 von 1 000 behandelten Erwachsenen eine Verstopfung entwickeln. Halten die Beschwerden länger als zwei bis drei Tage an, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

In Einzelfällen kann es zu einer Darmlähmung kommen. Anzeichen dafür sind heftige Bauchschmerzen mit Blähungen, stark aufgetriebener Bauch und Erbrechen bei gleichzeitigem Ausbleiben von Stuhlgang. In solchen Fällen müssen Sie sofort einen Arzt aufsuchen oder den Notarzt (Telefon 112) rufen.

Sehr selten kann das Unterhautgewebe anschwellen. Geschieht dies im Gesicht, an Lippen oder Zunge, drohen Atemnot und Erstickungsanfälle (Quincke-Ödem oder angioneurotisches Ödem). Dann müssen Sie umgehend den Notarzt (Telefon 112) rufen. Das Risiko für eine derartige Reaktion ist erhöht, wenn Sie gleichzeitig ACE-Hemmer (wie z. B. Captopril oder Ramipril, bei hohem Blutdruck, Herzschwäche) einnehmen.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Da es keine ausreichenden Erfahrungen zur Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit gibt, sollten Sie das Mittel sicherheitshalber nicht anwenden.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Das Tiorfan-Granulat ist für Kinder ab dem dritten Lebensmonat zugelassen. Es muss vom Arzt verordnet werden.

Das rezeptfreie Vaprino ist hoch dosiert und darf nicht bei Kindern und Jugendlichen angewendet werden.

Für ältere Menschen

Wenn die Funktion von Leber und Nieren eingeschränkt ist, was bei älteren Menschen häufiger vorkommt, sollte der Arzt Nutzen und Risiken einer Anwendung von Racecadotril besonders sorgfältig abwägen.

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