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Durchfallmittel: Medizinische Hefe

Wirkungsweise

Diese Mittel enthalten Trockenhefe mit lebensfähigen Zellen von Saccharomyces boulardii (auch: Saccharomyces cerevisiae). Das ist eine Wildhefeart, die das Wachstum schädlicher Mikroorganismen im Darm behindert und somit auch die Wirkung der bakteriellen Giftstoffe auf die Darmschleimhaut hemmt. Außerdem sollen sie das im Darm befindliche Immunsystem anregen und so dazu beitragen, dass sich die gesunde Darmflora nach einer Infektion oder Antibiotikatherapie rasch regeneriert beziehungsweise widerstandsfähiger wird.

Durchfall, der im Rahmen einer Antibiotikabehandlung auftritt, kann bei Kindern und Erwachsenen durch Trockenhefe in geringem Umfang reduziert werden. Aber noch sind die Ergebnisse der Studien nicht eindeutig genug, um Hefepräparate allgemein zu empfehlen. Bisher konnte beispielsweise nicht nachgewiesen werden, dass auch ältere Menschen (über 65 Jahre) von der Behandlung profitieren. In einer aktuellen Studie aus Deutschland konnte bei Patienten (Durchschnittsalter von 55 bis 60 Jahre), die im Krankenhaus mit Antibiotika behandelt wurden, durch vorbeugend eingesetzte Hefekapseln Durchfall nicht verhindert werden.

Noch stehen Studien aus, die die therapeutische Wirksamkeit der Mittel zur Vorbeugung von Reisedurchfall zweifelsfrei nachweisen. Hat der Durchfall bereits eingesetzt, bessert er sich mit den Hefepräparaten allein meist nicht deutlich – die Erkrankungsdauer kann bestenfalls um einen Tag reduziert werden.

Da die Hefepräparate überdies zu schwerwiegenden Krankheitszuständen bis hin zu einer Blutvergiftung führen können, wenn eine schwere Erkrankung oder eine Immunschwäche vorliegt, sind sie bei akutem Durchfall nur mit Einschränkung geeignet.

Anwendung

Um Reisedurchfall vorzubeugen, beginnen Sie fünf Tage vor der Abreise mit der Einnahme des Mittels und hören erst drei bis fünf Tage nach der Rückkehr wieder auf.

Wenn der Durchfall akut oder im Zusammenhang mit einer Antibiotikaeinnahme auftritt, nehmen Sie das Mittel noch drei bis fünf Tage nach Abklingen der Beschwerden ein.

Gegenanzeigen

Wenn Sie Hefe nicht vertragen, dürfen Sie diese Mittel nicht einnehmen. Auch wenn Sie Fieber über 38,5 °C oder Blut im Stuhl haben (Hinweis auf eine schwere bakterielle Infektion, die anders behandelt werden muss), dürfen Sie die Mittel nicht anwenden.

Ist Ihr Immunsystem geschwächt (z. B. bei einer HIV-Infektion, nach Bestrahlungen oder während der Behandlung mit Chemotherapeutika im Rahmen einer Krebserkrankung sowie bei schwerem Rheuma), sollten Sie diese Mittel nicht anwenden, da die Gefahr besteht, dass die Mittel eine schwere innerliche Pilzinfektion verursachen. Dies ist auch zu beachten, wenn Sie Patienten mit Abwehrschwäche pflegen oder betreuen und Hefepräparate anwenden.

Um eine Übertragung der Mikroorganismen über Raumluft und Hände auf die Immungeschwächten zu vermeiden, sind bei Gebrauch des Pulvers Hygienemaßnahmen wie sorgfältiges Händewaschen streng einzuhalten. Wenn Sie Kapseln für die Einnahme öffnen, sollten Sie dies nicht im Zimmer von immungeschwächten Patienten tun und ebenfalls strenge Händehygiene einhalten.

Perenterol Junior: Dieses Mittel enthält Fructose. Bei Säuglingen, bei denen eine mögliche Fructoseunverträglichkeit noch nicht erkannt ist, oder bei älteren Kindern und Erwachsenen mit einer solchen Unverträglichkeit ist das problematisch.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente einnehmen, ist zu beachten, dass Itraconazol- und Ketoconazol-Tabletten (bei Pilzinfektionen) Hefepräparate unwirksam machen, weil sie Hefe abtöten.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Sie sollten das Mittel nicht zusammen mit Alkohol oder heißen Speisen einnehmen, weil beides Hefe unwirksam macht.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei mehr als einem von zehn Anwendern kommt es zu Blähungen, die vergehen, sobald Sie das Mittel absetzen.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Haben Sie sich das Mittel zur Eigenbehandlung ohne Rezept besorgt, sollten Sie es absetzen. Sind die Hauterscheinungen auch einige Tage nach dem Absetzen nicht deutlich abgeklungen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen, oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Bei schwerkranken und immungeschwächten Personen (z. B. mit einer HIV-Infektion, Krebserkrankung, nach Transplantation eines fremden Organs) kann es passieren, dass Hefepilze die Darmwand durchdringen und sich über das Blut im Körper verbreiten. Diese Infektion der inneren Organe äußert sich in Fieberschüben, extremer körperlicher Schwäche bis hin zu Bewusstlosigkeit und Kreislaufkollaps. Sollten Sie solche Symptome bemerken, müssen Sie unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen und im Krankenhaus weiterbehandelt werden.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Da Schwangere und Stillende häufig Hefe oder hefeartige Lebensmittel zu sich nehmen und sich dies bisher für das Ungeborene nicht als schädlich erwiesen hat, können Sie davon ausgehen, dass die Anwendung von Hefepräparaten ebenfalls keine Risiken birgt. Da es dazu jedoch keine klinischen Studien gibt, sollten Sie gegebenenfalls vor der Einnahme der Mittel Rücksprache mit einem Arzt halten.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Kinder ab sechs Monaten können das Mittel zur Behandlung eines akuten Durchfalls bekommen. Bis zu einem Lebensalter von zwei Jahren soll die Behandlung aber nur nach Rücksprache mit einem Arzt erfolgen. Bei Kindern sollten Sie zudem besonders darauf achten, dass sie genug trinken.

Zur Vorbeugung von Reisedurchfall sollte Trockenhefe erst ab zwölf Jahren eingenommen werden. Für jüngere Kinder liegen bislang nur wenige Erfahrungen vor.

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