Medikamente im Test

Dopaminagonist: Rotigotin

Wirkungsweise

Parkinsonkrankheit

Die Arzneipflaster mit dem Dopaminagonisten Rotigotin verstärken die Dopaminwirkung und werden daher bei Parkinsonkrankheit eingesetzt. Dopaminagonisten wirken an den Bindungsstellen der Nerven für Dopamin wie dieser körpereigene Botenstoff selbst. Dadurch werden Nervenimpulse besser weitergeleitet, die Bewegungen werden wieder kontrollierbarer.

Üblicherweise beginnt eine Parkinsonbehandlung bei Menschen, die jünger sind als 70 Jahre, mit einem als "geeignet" bewerteten Dopaminagonisten. Die Therapie kann so lange mit dieser Substanz fortgesetzt werden, bis sie nicht mehr ausreicht oder die Dosierung aufgrund der unerwünschten Wirkungen nicht mehr gesteigert werden kann. Dann wird zusätzlich Levodopa in der geringstmöglichen Dosierung gegeben.

Rotigotin gilt als "mit Einschränkung geeignet". Es wird als Pflaster angewendet, weil die geschluckte Substanz von der Leber sofort aus dem Blut entfernt wird. Beim Vergleich von Rotigotinpflastern mit Pramipexol- oder Ropiniroltabletten schneidet das Pflaster aber deutlich schlechter ab. Die Parkinsonsymptome werden bei Weitem nicht so gut abgeschwächt. Hinzu kommt, dass bis zu 40 von 100 Anwendern Hautreizungen bekommen. Für Menschen mit Schluckstörungen kann das Rotigotinpflaster allerdings vorteilhaft sein.

Unruhige Beine

Der Dopaminagonist Rotigotin verstärkt die Dopaminwirkung und wird daher beim Krankheitsbild der "unruhigen Beine" eingesetzt. Es ist für mittelgradige bis schwere Krankheitsbilder zugelassen, weil sich durch den Wirkstoff die Symptomatik deutlich verbessern. In einer Studie gaben 61 von 100 der mit einem Dopaminagonisten wie Rotigotin Behandelten eine Verbesserung an, während es von denen, die eine Placebobehandlung bekamen, nur 41 von 100 waren.

Rotigotin-Pflaster werden wegen der unerwünschten Wirkungen an der Haut bei "unruhigen Beinen" als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Außerdem ist nicht geklärt, ob die Pflaster einen Vorteil gegenüber anderen Medikamenten zum Einnehmen haben.

Anwendung

Zu Beginn der Behandlung verursacht der Dopaminagonist Rotigotin oft Übelkeit, Erbrechen und Blutdruckabfall. Das lässt sich auffangen, indem der Körper langsam an das Medikament gewöhnt wird. Dafür wird die Therapie mit einer geringen Dosis des Wirkstoffs begonnen und die Dosis der Pflaster nach und nach erhöht. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Pflaster nicht zerschnitten werden dürfen.

Um die Magenbeschwerden erträglicher zu machen, kann zusätzlich Domperidon eingenommen werden.

Eine Reihe von Hinweisen soll sicherstellen, dass die Pflaster ordnungsgemäß angewendet werden. Näheres hierzu lesen Sie unter Arzneipflaster richtig anwenden.

Sie sollten regelmäßig Ihre Augen vom Augenarzt kontrollieren lassen, um ein Nachlassen der Sehkraft möglichst früh zu erkennen.

Gegenanzeigen

Die Trägerschicht des Pflasters enthält Aluminium. Wenn bei Ihnen eine Magnetresonanztomografie (MRT) vorgenommen werden soll, muss das Pflaster vorher entfernt werden, um Hautverbrennungen zu vermeiden.

Unter folgenden Bedingungen soll Rotigotin nur nicht angewendet, wenn der Arzt Nutzen und Risiken besonders sorgfältig abgewogen hat:

  • Sie haben hohen Blutdruck, der sich nicht senken lässt.
  • Sie haben niedrigen Blutdruck und Ihnen wird häufiger schwarz vor Augen.
  • Sie leiden an einer koronaren Herzkrankheit oder anderen schweren Störungen des Herz-Kreislauf-Systems.
  • Sie haben Durchblutungsstörungen in den Beinen.
  • Sie haben oder hatten eine schwere psychische Erkrankung, insbesondere eine Psychose.
  • Die Funktion Ihrer Leber ist erheblich gestört.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

Neuroleptika (bei Schizophrenien und anderen Psychosen) – ausgenommen Clozapin – sowie Metoclopramid (bei Übelkeit) sollten nicht gleichzeitig mit Rotigotin eingesetzt werden. Sie können einander in ihrer Wirkung abschwächen. In der Folge kann sich die Beweglichkeit des Parkinsonkranken verschlechtern und es können psychotische Störungen eintreten.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Alkoholkonsum erhöht die Neigung zu Schlafattacken.

Nebenwirkungen

Bei Rotigotin ist es – wie bei allen anderen Dopaminagonisten – schon vorgekommen, dass die Behandelten während Alltagstätigkeiten ohne vorherige Warnzeichen eingeschlafen sind. Manchmal sind sich die Betroffenen der Schlafattacke nicht einmal bewusst. Davon muss umgehend der Arzt informiert werden.

Keine Maßnahmen erforderlich

Etwa 10 von 100 Anwender von Dopaminagonisten wie Rotigotin beklagen insbesondere zu Beginn der Behandlung Übelkeit, Erbrechen, Sodbrennen, Magenbeschwerden, Verstopfung und Durchfall. Die Beschwerden lassen sich eventuell mildern, wenn das Medikament zum Essen eingenommen wird. Sie vergehen häufig wieder, wenn die individuelle Dosis gefunden ist.

Rotigotinpflaster ruft bei bis zu 40 von 100 Anwendern auf der Haut unter dem Pflaster Rötungen und Reizungen hervor.

Es können zusätzlich Mundtrockenheit und übermäßiges Schwitzen auftreten.

Muss beobachtet werden

Unter 100 Anwendern von Rotigotin klagen mehr als 10 über Müdigkeit. Wenn Sie das tagsüber anhaltend beeinträchtigt, sollten Sie das mit einem Arzt besprechen.

Besonders zu Behandlungsbeginn kann der Blutdruck absinken. Das äußert sich durch Müdigkeit, Schwindel, "Anlaufschwierigkeiten" und Schwarzwerden vor den Augen. Fühlen Sie sich dadurch ernstlich beeinträchtigt, sollten Sie das mit dem Arzt besprechen. Werden Sie bewusstlos, sollte der Arzt sofort informiert werden.

Es können Durchblutungsstörungen auftreten, die sich in Form kalter Hände und Füße und bläulicher Verfärbung der Haut äußern. Darüber sollten Sie den Arzt informieren.

Wenn eine mit Rotigotin behandelte Person wiederholt befremdliche Dinge sieht und hört, die andere Menschen nicht bemerken (Halluzinationen), sollte darüber der Arzt informiert werden. Das Gleiche gilt bei paranoidem Erleben; das bedeutet, der Behandelte erlebt und erklärt die Wirklichkeit gänzlich anders, als andere es tun, und zieht daraus Schlussfolgerungen, die andere befremden. Über solche Episoden sollten die Betroffenen oder ihre Angehörigen mit einem Arzt sprechen.

Durch Dopaminagonisten wie Rotigotin kann sich suchtartiges Verhalten entwickeln. Beispielsweise können sich das sexuelle Begehren und der Drang nach sexueller Betätigung suchtartig steigern. Auch Spielsucht, Kaufsucht und Essattacken können vorkommen. Die Veränderung ihres Verhaltens nehmen die Betroffenen selbst oftmals nicht wahr. Dann müssen Familienangehörige den Arzt auf die Verhaltensänderungen aufmerksam machen.

Bei bis zu 10 von 100 Personen kann sich besonders in den Unterschenkeln Gewebeflüssigkeit sammeln (Ödeme). Wenn sich das im Laufe der Behandlung deutlich verschlimmert, sollten Sie das dem Arzt mitteilen.

Wenn sich die Haut rötet, brennt und juckt und sich zudem Blasen bilden, reagieren Sie vermutlich allergisch auf den Arzneistoff oder die Klebesubstanz. Wenn die Hautreaktionen mehrere Tage bestehen bleiben oder sich verschlimmern, sollten Sie dies einem Arzt mitteilen.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Frauen sollten bei Anwendung dieses Mittels für eine sichere Empfängnisverhütung sorgen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Bei Rotigotin ist das Risiko für das Ungeborene nicht bekannt. Die Anwendung während der Schwangerschaft wird nicht empfohlen.

Rotigotin unterdrückt die Milchbildung. Ob der Wirkstoff bei der Frau in die Muttermilch übergeht ist nicht bekannt. Während der Stillzeit sollte es daher nicht eingenommen werden, es sei denn, dass die Milchproduktion gestoppt werden soll.

Für ältere Menschen

Ältere Menschen reagieren empfindlich auf Dopaminagonisten wie Rotigotin. Das gilt besonders, wenn ihre Hirnleistung gestört ist. Es muss verstärkt mit dem Auftreten von Nebenwirkungen gerechnet werden, vor allem mit Erregungszuständen, Desorientiertheit und Psychosen. Dann muss das Medikament schwächer dosiert und die Dosierung zu Beginn der Therapie besonders langsam gesteigert werden.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Wenn bei Ihnen überraschende Einschlafattacken auftreten, für die es keine Warnzeichen gibt, dürfen Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen und nichts tun, was Sie und andere einem Risiko aussetzen könnte. Darüber hinaus kann dieses Mittel weitere unerwünschte Wirkungen haben, die die Sicherheit im Straßenverkehr ebenfalls beeinträchtigen.

Parkinsonkrankheit

Da die Parkinsonkrankheit das Reaktionsvermögen verlangsamt, sind viele Betroffene nicht fahrtüchtig. Wer mit Medikamenten stabil eingestellt ist, kann jedoch unter Umständen wieder am Straßenverkehr teilnehmen. Im Zweifelsfall kann in einer fachärztlichen Untersuchung die Reaktionszeit ermittelt werden.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs