Medikamente im Test

Cortison: Beclometason, Budesonid, Ciclesonid, Fluticason und Mometason (zum Inhalieren)

Wirkungsweise

Cortisonhaltige Mittel (medizinisch Glucocorticoide) unterdrücken die Entzündung in den Bronchien. Beclometason ist der Standardwirkstoff unter den Glucocorticoiden zum Inhalieren. Budesonid, Ciclesonid, Fluticason und Mometason wirken stärker und können deshalb meist niedriger dosiert werden.

Asthma

Bei Asthma gehören Glucocorticoide zum Inhalieren zu den Basismedikamenten. Die dauerhafte Behandlung mit diesen Mitteln ist bei Erwachsenen und Kindern durch die derzeit vorhandenen Studiendaten am besten belegt. Bei regelmäßiger Anwendung der Glucocorticoide zum Inhalieren werden die typischen Asthmabeschwerden gelindert, Asthmaanfälle vermieden und die Lungenfunktion verbessert. Glucocorticoide zum Inhalieren sollten deshalb bei Asthma dann täglich angewendet werden, wenn bei Erwachsenen häufiger als zwei Mal pro Woche ein Bedarfsmedikament zur Kontrolle des Asthmas benötigt wird. Bei Kindern ist jeglicher Gebrauch von Bedarfsmedikation ein Grund, eine Dauertherapie zu beginnen. Selbst bei langjähriger Anwendung sind die damit verbundenen möglichen unerwünschten Wirkungen sehr gering. Das gilt auch für die Anwendung durch Kinder.

Zur Behandlung eines akuten Asthmaanfalls eignen sich diese Mittel nicht.

Chronisch obstruktive Bronchitis

Bei COPD sind cortisonhaltige Sprays zum Inhalieren zur Dauerbehandlung mit Einschränkung geeignet. Bei leichtgradiger COPD und überwiegend auch bei mittelgradiger COPD fehlt es noch an Belegen für die therapeutische Wirksamkeit. Es ist nicht gesichert, dass die Mittel die chronischen Entzündungsprozesse verhindern oder die Lungenfunktion verbessern. Vielmehr gibt es Hinweise, dass das Risiko für eine Lungenentzündung mit der Dosis der inhalierten Glucocorticoide ansteigen kann. Jedoch können Glucocorticoide zum Inhalieren zusätzlich zu langwirkenden bronchienerweiternden Mitteln sinnvoll sein, wenn das Risiko, dass sich das Krankheitsbild akut verschlechtert, deutlich ansteigt. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn die Einschränkungen der Lungenfunktion fortschreiten. Werden die Glucocorticoide dann zusammen mit langwirkenden bronchienerweiternden Mitteln verabreicht, können sie die Anzahl akuter Verschlechterungen verringern. Voraussetzung dafür ist, dass sich die Krankheit im vorausgegangenen Jahr trotz Dauerbehandlung mit Beta-2-Sympathomimetika oder Anticholinergika bereits mehr als einmal akut verschlechtert hat. Die Glucocorticoide können dann die Rate solcher Exazerbationen verringern, die Lungenfunktion beeinflussen sie jedoch nicht.

Alle drei Monate sollte der Arzt den Therapieerfolg überprüfen. Wenn sich die Beschwerden nicht deutlich bessern, sollten Sie in Absprache mit dem Arzt die Anwendung beenden.

Anwendung

Inhalieren Sie am besten vor dem Essen, dann werden Wirkstoffreste aus der Mundhöhle mit den Speisen entfernt. Wirken sie längere Zeit auf Mundhöhle und Rachen ein, begünstigen sie das Wachstum von Pilzen (siehe auch Unerwünschte Wirkungen). Das lässt sich verhindern, indem Sie Mund und Rachen nach dem Inhalieren gründlich mit Wasser ausspülen oder etwas essen.

Sie dürfen die Mittel nicht plötzlich absetzen, weil dann unerwünschte Wirkungen wie Mattigkeit und depressive Verstimmung auftreten können.

Asthma

Je nachdem, wie ausgeprägt Ihre Beschwerden sind, inhalieren Sie den Wirkstoff in regelmäßigen Abständen zweimal, höchstens viermal täglich. Bei Budesonid kann bei leichtem bis mittelschwerem Asthma auch eine einmalige tägliche Anwendung genügen. Wenn Sie vorher noch nicht mit inhalativen Glucocorticoiden behandelt wurden, dauert es bei regelmäßiger Einnahme ungefähr eine Woche, bis sich die Atembeschwerden merklich bessern.

Ist das Asthma gut kontrolliert und sind die Krankheitssymptome stabil, kann die Menge auf die niedrigst erforderliche Dosis abgesenkt werden. Verschlechtern sich die Beschwerden, kann das Mittel entsprechend der individuellen Erfordernisse bis zur empfohlenen Höchstmenge aufdosiert werden.

Treten während der Anwendung erneut Anfälle von Atemnot auf, die mit bronchienerweiternden Mitteln   (z. B. Beta-2-Sympathomimetika zum Inhalieren) nicht gut behandelt werden können, sollten Sie den Arzt aufsuchen. Dies kann darauf hindeuten, dass das Asthma mit den derzeitigen Präparaten nicht mehr ausreichend gut unter Kontrolle ist.

Bei Ciclesonid kann es ausreichen, nur einmal täglich zu inhalieren. Es kann jedoch sein, dass Sie zwei oder mehr Hübe täglich benötigen, um die Entzündung in den Bronchien zu dämpfen. Welche Dosis genügt, sollten Sie gemeinsam mit dem Arzt herausfinden. Da der Wirkstoff erst in der Lunge in die aktive Form umgewandelt wird, ist das Risiko für Pilzinfektionen im Mund bei diesem Mittel gering.

Achtung

Nach Ansicht von Suchtexperten kann der als Hilfsstoff in einigen Inhalaten und Dosieraerosolen verwendete Alkohol bei Menschen mit Alkoholproblemen eine einmal erreichte Entwöhnung wieder gefährden. Diese Personen sollten daher auf die Anwendung dieser Mittel verzichten. Ob das von Ihnen verwendete Mittel Alkohol enthält, steht in der Packungsbeilage.

Die Anwendung dieser Mittel kann bei Dopingkontrollen zu positiven Ergebnissen führen.

Alle Mittel zum Inhalieren können in Einzelfällen zu krampfartigen Verengungen in den Bronchien führen (Bronchospasmen), die mit bronchienerweiternden Mitteln wie Beta-2-Sympathomimetika zum Inhalieren akut behandelt werden müssen.

Chronisch obstruktive Bronchitis

Bei COPD können die Mittel das Risiko für eine Lungenentzündung erhöhen. Das gilt insbesondere bei hoher Dosierung und wenn gleichzeitig noch weitere Risikofaktoren vorliegen, z. B. eine bereits fortgeschrittene COPD, Rauchen, höheres Alter und ein niedriges Körpergewicht.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken einer Anwendung dieser Mittel sorgfältig abwägen:

  • Sie haben oder hatten Lungentuberkulose.
  • Sie haben eine durch Pilze, Viren oder Bakterien ausgelöste Infektion in den Atemwegen.
  • Ihre Leberfunktion ist eingeschränkt. Dann werden Glucocorticoide langsamer ausgeschieden, wodurch sich das Risiko für Nebenwirkungen im ganzen Organismus erhöhen kann.

Budesonid, Ciclesonid, Fluticason: Wenn Ihre Leberfunktion stark eingeschränkt ist, sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung dieser Mittel sorgfältig abwägen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente einnehmen, ist zu beachten, dass Ketoconazol und Itraconazol (beide bei Pilzerkrankungen) sowie antivirale Mittel wie Ritonavir oder Nelfinavir (bei HIV-Infektion, Aids) den Abbau der Glucocorticoide zum Inhalieren hemmen. Insbesondere bei Daueranwendung der Mittel besteht die Gefahr verstärkter Nebenwirkungen wie Akne, Gewichtszunahme und erhöhter Blutdruck. Die gemeinsame Anwendung dieser Wirkstoffe sollte wenn möglich vermieden werden. Ist sie dennoch erforderlich, sollten Sie die Mittel mit möglichst großem zeitlichen Abstand anwenden.

Wenn Sie blutzuckersenkende Medikamente einnehmen (bei Typ-2-Diabetes), insbesondere in hoher Dosierung, können Glucocorticoide zum Inhalieren diese Mittel in ihrer Wirkung abschwächen. Sie sollten deshalb zu Beginn der Behandlung oder wenn Sie die Dosis erhöhen, die Blutzuckerspiegel kontrollieren lassen und der Arzt muss gegebenenfalls die Dosis der Mittel anpassen.

Nebenwirkungen

Im Vergleich zu Präparaten zum Einnehmen treten bei Glucocorticoiden zum Inhalieren kaum unerwünschte Wirkungen auf, weil die Wirkstoffe überwiegend vor Ort und nicht im Blutkreislauf wirken. Selbst wenn die Glucocorticoide aufgrund einer falschen Inhalationstechnik versehentlich verschluckt werden, werden sie zum großen Teil direkt in der Leber verstoffwechselt und gelangen dadurch nur in geringen Mengen in den Körper. Bei Ciclesonid, Fluticason und Mometason ist dieser Anteil besonders gering. Darüber hinaus ist die zum Inhalieren eingesetzte Dosis erheblich niedriger als bei Tabletten. Die vielfach herrschende Cortisonangst ist deshalb unbegründet.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten können die Schleimhäute in Mund und Rachen vorübergehend etwas trocken werden. Bei 1 bis 10 von 100 Anwendern kommt es vorübergehend zu Husten.

Muss beobachtet werden

Bei 5 bis 10 von 100 Behandelten treten Heiserkeit und Pilzinfektionen in Mund und Rachen auf (Soor). Bei Ciclesonid kommt dies seltener vor. Der Pilzbefall zeigt sich an weißen Stippchen oder Flecken auf den Schleimhäuten, die sich nur schwer abstreifen lassen.* Er lässt sich – ebenso wie die Heiserkeit – vermeiden, wenn der Mund nach dem Inhalieren mit Wasser ausgespült wird. Ist das nicht möglich, können die Mittel unmittelbar vor dem Essen angewendet werden, dann werden die Wirkstoffreste auf den Schleimhäuten durch Speisen und Getränke verdünnt. Bei Pilzbefall sollte mit einem wirksamen Pilzmittel behandelt werden. Näheres dazu lesen Sie unter Pilzinfektionen im Mund. Die cortisonhaltigen Mittel zum Inhalieren können und sollten Sie auch während dieser Therapie weiter benutzen.

Sofort zum Arzt

Bei etwa 1 bis 10 von 10 000 Behandelten können sich die Bronchien nach dem Inhalieren verengen (paradoxe Reaktion) und es kann ein pfeifendes Atemgeräusch entstehen. Dann sollten Sie das Mittel nicht weiter anwenden und möglichst rasch einen Arzt aufsuchen.

In Einzelfällen kann sich ein starker Hautausschlag mit Juckreiz ausbilden. Treten zusätzlich Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel auf, müssen Sie die Anwendung sofort abbrechen und unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen, weil eine solche Allergie rasch lebensbedrohlich werden kann. Dies gilt auch, wenn Schwellungen im Gesicht auftreten, zum Beispiel an Lippen, Zunge sowie im Rachenraum.

Wenn Sie Fieber, Schüttelfrost, Husten und ein allgemeines Krankheitsgefühl haben, kann dies auf eine Lungenentzündung hinweisen. Dann müssen Sie sich sofort in ärztliche Behandlung begeben. Innerhalb eines Jahres kommt das bei 1 bis 10 von 100 Behandelten vor. Bei COPD-Patienten treten Lungenentzündungen häufiger auf als bei an Asthma Erkrankten.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Asthma

Die Auswahl der Präparate richtet sich bei Kindern nach der Schwere der Erkrankung. Für Kinder mit leichtem oder mittelschwerem Asthma stehen spezielle Zubereitungen mit geringerer Wirkstoffmenge zur Verfügung. Für schwere Fälle können die normalen Zubereitungen eingesetzt werden. Wenn die Mittel über sehr lange Zeiträume und in sehr hoher Dosierung angewendet werden, können sie das Längenwachstum der Kinder vorübergehend beeinträchtigen. Fluticason ist ein stark wirkendes Glucocorticoid, das aufgrund seiner chemischen Eigenschaften mit ansteigender Dosierung vermehrt in den Organismus aufgenommen wird. Das Risiko für unerwünschte Wirkungen ist dann besonders bei Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren erhöht. Das Risiko dafür lässt sich verringern, wenn die Dosis herabgesetzt wird, sobald das Asthma in einem kontrollierten Zustand ist. Bei langjähriger Anwendung sollten Kinder die Mittel deshalb in möglichst niedriger Dosierung erhalten, auch sollte der Arzt das Wachstum des Kindes in regelmäßigen Abständen kontrollieren. Die Erfahrung zeigt, dass die Kinder am Ende der Pubertät ebenso groß sind wie gesunde Gleichaltrige, selbst wenn das Wachstum durch die Therapie zeitweise verzögert ist. Keinesfalls sollte auf eine Behandlung mit Glucocorticoiden aus Angst vor negativen Auswirkungen auf das Wachstum verzichtet werden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Sie können Glucocorticoide zum Inhalieren auch in Schwangerschaft und Stillzeit anwenden. Da mit Beclometason und Budesonid am meisten Erfahrungen vorliegen, sollte einer dieser Wirkstoffe bevorzugt werden.

**korrigiert am 28.06.2019

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs