Medikamente im Test

Clostridium botulinum-Toxin

Wirkungsweise

Migräne

Gegen eine häufig wiederkehrende, chronische Migräne wird Botulinumtoxin eingesetzt. Es ist ein Gift (Toxin), das von verschiedenen Typen der Bakterienart Clostridium botulinum gebildet wird. Das Gift ist Auslöser des Botulismus, einer oft tödlichen Lebensmittelvergiftung. Unter dem Handelsnamen Botox ist Botulinumtoxin als Mittel für kosmetisch-ästhetische Anwendungen bekannt. Es wird gespritzt, um Gesichtsfalten zu glätten. In der medizinischen Therapie wird Botulinumtoxin eingesetzt, um lokal begrenzte Muskelverkrampfungen zu behandeln. Mittlerweile ist es auch zur Behandlung von chronischer Migräne verfügbar. Dies bedeutet, dass Migränekopfschmerzen an mehr als 15 Tagen im Monat auftreten. Voraussetzung ist, dass Medikamente zur Migränevorbeugung nur unzureichend gewirkt haben oder nicht vertragen wurden. Dann kann das Toxin alle drei Monate an mehr als 30 Stellen in das Muskelgewebe im Kopf- und Nackenbereich gespritzt werden.

Durch Botulinumtoxin wird der Botenstoff, der für die Funktionsfähigkeit von Nerven erforderlich ist, nicht mehr freigesetzt. In der Folge erhalten die Muskeln, die von diesen Nerven versorgt werden, keinen Impuls mehr, sich zusammenzuziehen; die Verkrampfungen unterbleiben. Auch eine direkte schmerzstillende Wirkung konnte nachgewiesen werden. Sie beruht wahrscheinlich darauf, dass die Substanz die Freisetzung der Botenstoffe hemmt, die an der Entstehung und Aufrechterhaltung von Schmerzen und Entzündungen beteiligt sind.

Die Wirkung des Toxins ist nicht mehr aufzuheben oder rückgängig zu machen. Erst etwa drei Monate nach der Behandlung haben sich so viele neue Nervenendigungen gebildet, dass wieder Impulse auf die Muskeln übertragen werden können.

Studien zeigen, dass Botulinumtoxin nur bei chronischer Migräne wirksam ist – nicht wenn sie episodisch auftritt. 47 von 100 Migränekranken, die im Abstand von zwölf Wochen zweimal mit Botulinumtoxin behandelt wurden, haben nur noch halb so viele Kopfschmerztage wie vor der Behandlung. Doch auch 35 von 100 derjenigen, die ein Scheinmedikament erhielten, berichteten von einer derartigen Verbesserung. Damit profitiert etwa nur jeder achte Behandelte von der Therapie. Gegenüber anderen Vorbeugemitteln bei Migräne wie Amitriptylin, Topiramat und Valproinsäure scheint Botulinumtoxin damit nicht besser wirksam zu sein.

Relativ viele Personen müssen mit Nebenwirkungen rechnen. Darüber hinaus sind die Langzeiteffekte einer solchen Behandlung und seltene unerwünschte Ereignisse noch nicht ausreichend untersucht. Dementsprechend schlecht ist das Risiko der Behandlung einschätzbar. Die Präparate werden als "mit Einschränkung geeignet" beurteilt.

Rheumatische Beschwerden, Kreuz- und Rücken­beschwerden, Verspannungen

Medizinisch wird Botulinumtoxin eingesetzt, um lokal begrenzte Muskelverkrampfungen zu behandeln. Hierzu zählen Lidkrampf, Schiefhals, auf Gehirnschäden beruhende Lähmungen bei Kindern und Verkrampfungen in den Gliedmaßen nach einem Schlaganfall.

Bei dieser Substanz handelt es sich um ein Gift (Toxin), das von verschiedenen Typen der Bakterienart Clostridium botulinum gebildet wird. Botulinumtoxin ist der Auslöser des Botulismus, einer oft tödlichen Lebensmittelvergiftung. Einzige Behandlungsmöglichkeit ist die Injektion eines Gegenmittels.

Durch die Wirkung von Botulinumtoxin wird der Botenstoff, der für die Funktionsfähigkeit von Nerven erforderlich ist, nicht mehr freigesetzt. In der Folge erhalten die Muskeln, die von diesen Nerven versorgt werden, keinen Impuls mehr, sich zusammenzuziehen; die Verkrampfungen unterbleiben. Die Wirkung des Toxins ist nicht mehr aufzuheben oder rückgängig zu machen. Erst etwa drei Monate nach der Behandlung haben sich so viele neue Nervenendigungen gebildet, dass wieder Impulse auf die Muskeln übertragen werden können.

Für den Einsatz bei den genannten Erkrankungen ist die therapeutische Wirksamkeit von Botulinumtoxin ausreichend nachgewiesen. Es wird daher als "geeignet" bewertet.

Ein weiteres, hier nicht näher besprochenes Einsatzgebiet von Botulinumtoxin ist die Glättung von Falten. Hierfür wird die Substanz in die Muskeln gespritzt, die an der Entstehung von Mimikfalten beteiligt sind. Wenn sich diese Muskeln nicht mehr kontrahieren können, entspannt sich der von ihnen angesprochene Bereich. Mit dieser Anwendung ist der Präparatename Botox eng verbunden. Zur kosmetischen Behandlung von Gesichtsfalten ist Botox allerdings nicht zugelassen. Für diese Anwendung sind andere Präparate mit Botulinumtoxin vorgesehen, die hier aber nicht näher besprochen werden.

Anwendung

Migräne

Botulinumtoxin wird bei Migräne in sehr geringen Einzelportionen an sieben spezifischen Punkten im Bereich des Nackens und des Kopfes in die Muskeln gespritzt. Wenn die erste Behandlung keinen Effekt zeigt, kann nach Ablauf von drei Monaten unter bestimmten Bedingungen ein zweiter Versuch gemacht werden. Ist auch ein Monat danach keine Besserung spürbar, sollte die Behandlung beendet werden.

Rheumatische Beschwerden, Kreuz- und Rücken­beschwerden, Verspannungen

Botulinumtoxin wird in sehr geringen Einzelportionen in den jeweiligen Muskel hineingespritzt, der die Verkrampfung verursacht. Die Wirkung setzt nach zwei bis drei Tagen ein und hält ungefähr drei Monate an. Bei Bedarf kann die Behandlung im Abstand von jeweils drei Monaten mehrfach wiederholt werden.

Botulinumtoxin soll nur von Ärzten eingesetzt werden, die sich dafür besonders qualifiziert haben. Das betrifft sowohl die Handhabung des Arzneimittels als auch seine Anwendung. Insbesondere müssen sie darauf eingerichtet sein, bei einer lebensbedrohlichen allergischen Reaktion und bei schwerwiegenden Schluck- und Atembeschwerden sofort eingreifen zu können. Letztere können darauf beruhen, dass sich das Medikament in benachbartes Gewebe ausgebreitet hat.

Achtung

Rheumatische Beschwerden, Kreuz- und Rücken­beschwerden, Verspannungen

Wenn der Betroffene durch die Behandlung wieder besser beweglich geworden ist, sollte er seinen Körper nur langsam ansteigend wieder belasten. Andernfalls muss mit Verspannungen und Muskelkrämpfen gerechnet werden.

Wird Botulinumtoxin sehr häufig und hoch dosiert eingesetzt, kann der Körper Antikörper gegen die Substanz bilden. Dann verliert das Mittel seine Wirksamkeit.

Um diese Wirkminderung zu vermeiden, sollte das Mittel in der geringstmöglichen Dosierung gegeben und die Behandlung erst so spät wie möglich wiederholt werden.

Gegenanzeigen

Botulinumtoxin darf nicht angewendet werden, wenn die vorgesehenen Injektionsstellen akut entzündet sind.

Unter folgenden Bedingungen sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung sorgfältig abwägen:

  • Sie sind an Myasthenia gravis oder dem Lambert-Eaton-Rooke-Syndrom erkrankt – beides Autoimmunkrankheiten, die sich auf die Muskelbeweglichkeit auswirken. Das gilt auch für Patienten mit amyotropher Lateralsklerose (ALS) oder anderen neuromuskulären Erkrankungen, da bei diesen Menschen das Risiko für eine Verschlimmerung der zugrundeliegenden Erkrankung, für Schluckstörungen mit Aspiration und Atemstörungen besonders groß ist.
  • Der Muskel, in den Botulinumtoxin hineingespritzt werden soll, weist bereits eine Schwäche oder Rückbildungstendenz auf.
  • Sie hatten schon einmal eine Schluckstörung oder haben diese im Moment.
  • Sie haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Botulinumtoxin kann sich auf den Herzrhythmus auswirken.
Rheumatische Beschwerden, Kreuz- und Rücken­beschwerden, Verspannungen
  • Sie haben ein Engwinkelglaukom (grüner Star) und Botulinumtoxin soll am Auge angewendet werden.

Nebenwirkungen

Migräne

Etwa 25 von 100 Personen, die mit Botulinumtoxin behandelt werden, beklagen Nebenwirkungen, doch nur 4 von 100 Behandelten brechen die Therapie dann ab.

Keine Maßnahmen erforderlich

Der behandelte Muskel wird schwach und kraftlos. Das ist bei etwa 8 von 100 Behandelten der Fall. Wurde Botulinumtoxin im Gesicht angewendet, führt das bei etwa 5 von 100 Personen dazu, dass die Augenlider herabhängen. Das normalisiert sich nach einigen Tagen bis Wochen wieder.

Bei einer Injektion im Kopf-Hals-Bereich klagt etwa 1 von 100 Behandelten über Veränderungen der Stimme und trockenen Mund.

Rheumatische Beschwerden, Kreuz- und Rücken­beschwerden, Verspannungen

Eine Anwendung am Auge macht mehr als 1 von 100 Personen lichtempfindlich und ruft das Gefühl von trockenen Augen hervor.

Die Injektionsstelle kann sich röten und schmerzen.

Muss beobachtet werden

Verschwommenes oder anderweitig verschlechtertes Sehen kann auf einen erhöhten Augeninnendruck hinweisen. Damit ist bei etwa 1 bis 10 von 1 000 Personen zu rechnen. Die Betroffenen sollten einen Augenarzt aufsuchen.

Migräne

Bei 6 von 100 Behandelten kann die Muskelpartie steif werden und schmerzen oder sich krampfartig zusammenziehen. Das sollten Sie dem Arzt mitteilen. Bei 12 von 100 treten nach der Injektion Nackenschmerzen auf.

Einer bis 10 von 100 Behandelten fühlt sich schwindelig, kraftlos oder benommen.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Wenn sich während der Injektion in der Arztpraxis starker Hautausschlag, Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel einstellen, muss die Anwendung sofort abgebrochen werden. Stellen sich diese Symptome später ein, muss unverzüglich der Notarzt (Telefon 112) gerufen werden. Es kann sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln. Solche anaphylaktischen Reaktionen treten bei 1 bis 10 von 10 000 Behandelten auf.

Bei einer Anwendung im Kopf-Hals-Bereich können milde bis schwere Schluckbeschwerden auftreten. Sie können bis zu drei Wochen nach der Injektion anhalten, haben aber auch schon fünf Monate lang gedauert. In dieser Zeit besteht die Gefahr, dass Nahrungsbrocken in die Luftröhre gelangen, anstatt geschluckt zu werden. Das kann in seltenen Fällen sogar zum Tod führen. Rufen Sie daher bei schweren Schluck-, Sprech- oder Atemstörungen sofort einen Arzt.

In Einzelfällen kann sich der Augeninnendruck so erhöhen, dass es zu einem Glaukomanfall kommt. Symptome dafür sind gerötete, schmerzende Augen, geweitete Pupillen, die sich bei Lichteinfall nicht mehr verengen, sowie sich hart anfühlende Augäpfel. Dann müssen Sie unverzüglich einen Augenarzt oder die nächste Notfallambulanz aufsuchen. Wird ein solcher akuter Glaukomanfall nicht sofort behandelt, können Sie erblinden.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Migräne

Das Mittel soll bei Kindern und Jugendlichen mit Migräne nicht angewendet werden. Es fehlen ausreichende Daten zu klinischer Wirksamkeit und Verträglichkeit.

Rheumatische Beschwerden, Kreuz- und Rücken­beschwerden, Verspannungen

Das Mittel kann bei Kindern ab zwei Jahren eingesetzt werden, die aufgrund von Gehirnschäden Lähmungserscheinungen aufweisen. Für die Behandlung eines angeborenen Schiefhalses und eines Lidkrampfes kommt es erst bei Kindern ab zwölf Jahren in Betracht.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Die Erkenntnisse über die Anwendung von Botulinumtoxin in Schwangerschaft und Stillzeit sind so gering, dass das Risiko für das Ungeborene beziehungsweise den Säugling nicht abschätzbar ist. Das Mittel sollte nicht eingesetzt werden.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Das Mittel kann Sehstörungen, Schwäche, Benommenheit und Schwindel verursachen. Dann sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

Sie sehen nun nur noch Informationen zu: ${filtereditemslist}.