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Cholinergikum: Pyridostigmin

Wirkungsweise

Pyridostigmin soll die Kraft und Leistungsfähigkeit der Muskeln bei Menschen mit Myasthenia gravis stärken, indem es den Abbau von Acetylcholin abbremst. Durch die längere Wirkung von Acetylcholin verbessert sich die Signalübertragung der Nerven- auf die Muskelzellen.

Der Wirkstoff stammt aus der afrikanischen Kalabarbohne, auch Gottesurteilbohne, die vor allem auf Grund ihrer Giftigkeit bekannt ist.

Pyridostigmin wird schon seit vielen Jahren zur Behandlung von Myasthenia gravis eingesetzt und gilt als Mittel der ersten Wahl. Diese Einschätzung beruht jedoch vornehmlich auf den in der Praxis beobachteten Effekten, weniger auf Studien, die seine therapeutische Wirksamkeit und seinen Nutzen untersuchen. Bis diese vorliegen, wird Pyridostigmin als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.

Anwendung

Pyridostigmin kann, nachdem die individuelle Dosierung gefunden ist, auch in Form von Zubereitungen eingenommen werden, die den Wirkstoff verzögert freisetzen. Dann muss das Mittel statt mehrmals täglich nur noch zweimal täglich eingenommen werden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie das Mittel nicht einnehmen:

  • Ihre Gallen- oder Harnwege sind nicht durchgängig.
  • Sie haben Asthma oder COPD.
  • Sie haben eine Entzündung der Regenbogenhaut des Auges.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie haben ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür oder wurden kürzlich an Magen oder Darm operiert.
  • Bei Ihnen liegt eine Herzschwäche vor, der Blutdruck ist besonders niedrig oder Ihr Herz schlägt sehr langsam. Diese Erkrankungen können sich durch die Myastheniemedikamente verschlimmern. Das Gleiche gilt für Epilepsie, Parkinsonkrankheit und andere Muskelerkrankungen.
  • Sie hatten vor Kurzem einen Herzinfarkt.
  • Bei Nierenschwäche ist eine besonders sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiken notwendig. Gegebenenfalls muss der Arzt die Dosierung von Pyridostigmin verringern.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Bei Anwendung von Pyridostigmin sollten Sie kein Insektenschutzmittel mit dem Wirkstoff DEET (z. B. Anti Brumm forte, Nobite Hautspray) auf die Haut auftragen. Andernfalls können sowohl die Wirkung als auch die Nebenwirkungen des Myastheniemedikaments verstärkt werden.
  • Bei gemeinsamer Anwendung mit Betablockern wie Atenolol oder Metoprolol (bei hohem Blutdruck) oder Fingolimod (bei multipler Sklerose) können sich die unerwünschten Wirkungen am Herzen verstärken. Dann kann sich z. B. der Herzschlag sehr verlangsamen.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Etwa 10 von 100 Personen berichten über Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Die Augen können tränen, die Nase läuft und es bildet sich viel Speichel. Zudem kann sich das Schwitzen deutlich verstärken.

Vermehrter Harndrang kann auftreten.

Muss beobachtet werden

Einige Behandelte bemerken insbesondere im Gesicht ein leichtes Muskelzittern, -krämpfe und -schwäche bis hin zu Lähmungserscheinungen.

Atembeschwerden bis hin zu Atemnot sollten Sie möglichst bald mit einem Arzt besprechen.

Das Mittel verlangsamt den Herzschlag und senkt den Blutdruck. Wenn Sie ungewöhnlich müde sind und sich schwindlig fühlen, sollten Sie sich an einen Arzt wenden.

Sofort zum Arzt

Das Mittel beeinflusst den Gehirnstoffwechsel. Bei Menschen mit einer psychischen Erkrankung steigt dann die Gefahr, dass sich ihre Beschwerden bis zur Psychose verstärken. Wenden Sie sich dann umgehend an einen Arzt.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Pyridostigmin kann während der Schwangerschaft eingesetzt werden, wenn der Arzt die Behandlung für unbedingt erforderlich hält. Es ist nicht nachgewiesen, dass das Mittel das Ungeborene schädigt. Eltern, die über die Entwicklung ihres Kindes vor der Geburt möglichst genau informiert sein wollen, können dazu spezielle Ultraschalluntersuchungen machen lassen.

Auch während der Stillzeit kann das Mittel angewendet werden, wenn dies für die Mutter unbedingt erforderlich ist. Das Mittel geht eventuell in geringen Mengen in die Muttermilch über. Der Arzt sollte die körperliche Entwicklung des Kindes daher genau beobachten. Nebenwirkungen wie Speichelfluss oder Bauchschmerzen und infolge dessen eine unzureichende Gewichtszunahme deuten darauf hin, dass das Mittel auch in den kindlichen Organismus gelangt.

Wenn Sie jegliche Gefährdung des Babys ausschließen wollen, müssen Sie abstillen.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Pyridostigmin kann bei Kindern angewendet werden. Die Dosierung richtet sich nach ihrem Gewicht. Mehr als 360 Milligramm pro Tag sollten aber nicht gegeben werden.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Das Mittel kann die Anpassungsfähigkeit der Augen an unterschiedliche Lichtverhältnisse beeinträchtigen. Dann sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs