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Chinin

Wirkungsweise

Chinin ist ein aus der Chinarinde gewonnener Stoff, der gegen Malaria und bei nächtlichen Wadenkrämpfen eingesetzt wird. In dem hier besprochenen Präparat wird die Wirkung von Chinin auf die Muskeln genutzt. Es verringert die Erregbarkeit der Stelle, an der ein Impuls vom Nerven auf einen Muskel übertragen wird. In der Folge zieht sich der Muskel nicht mehr so stark zusammen. Zusätzlich hemmt Chinin Vorgänge in der Erholungsphase des Muskels.

In einer aktuellen Übersichtsarbeit wurden die vorliegenden Studien zu Chinin bei nächtlichen Wadenkrämpfen zusammenfassend ausgewertet. In diesen Studien wurde geprüft, ob nach der Einnahme von Chinin weniger Wadenkrämpfe auftreten und ob es deutlich weniger sind als nach der Einnahme eines Scheinmedikaments. Das Ergebnis war wenig beeindruckend: Statt neun Wadenkrämpfen innerhalb von zwei Wochen traten bei täglicher Einnahme von Chinin sechs bis sieben Krämpfe auf. Sie waren zudem etwas weniger stark. Dem stehen jedoch Berichte über schwerwiegende Nebenwirkungen gegenüber. So wurden nach der Einnahme von Chinin Blutbildveränderungen beobachtet, durch die die Gefahr schwerwiegender Blutungen besteht. Auch schwere Seh- und Hörstörungen sowie Herzrhythmusstörungen sind aufgetreten. Bei hoher Dosierung oder Überdosierung sind auch schwere Augenschäden, in Einzelfällen bis hin zur Blindheit vorgekommen. Einem relativ geringen Nutzen steht also ein deutlich erhöhtes Nebenwirkungsrisiko gegenüber. Zur regelhaften Behandlung von Wadenkrämpfen gilt Chinin daher als "wenig geeignet".

Mit chininhaltigen Präparaten kann allenfalls bei ausgewählten Personen ein Therapieversuch unternommen werden. Voraussetzungen sind, dass sich der Betroffene durch häufige nächtliche Wadenkrämpfe in seiner Nachtruhe erheblich gestört fühlt und dass andere, weniger risikoreiche Maßnahmen nicht den erhofften Erfolg gebracht haben.

Anwendung

Es wird empfohlen, zwei bis drei Wochen lang vor dem Schlafengehen 200 bis höchstens 400 Milligramm Chinin einzunehmen. Bessern sich die Beschwerden, sollten Sie die Einnahme beenden. Häufig stellt sich dann heraus, dass das Medikament nicht mehr notwendig ist. Eine Chininbehandlung sollte nicht länger als zwei Monate ohne Unterbrechung fortgeführt werden.

Achtung

Chinin kann die Haut empfindlicher für UV-Strahlen machen. Vermeiden Sie deshalb Sonnenbäder und Solarien.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie das Mittel nicht anwenden:

  • Sie leiden an Myasthenia gravis, einer Autoimmunerkrankung, bei der die Nervenimpulse nicht richtig auf die Muskeln übertragen werden.
  • Sie haben eine schwere Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen oder Ihr Blut enthält zu wenig Kalium.
  • Sie nehmen Medikamente ein, die den Herzrhythmus beeinflussen.
  • Sie haben Hörstörungen, z. B. Klingeln in den Ohren oder Tinnitus.
  • Ihr Sehnerv ist geschädigt.

Wenn die Gefahr einer Elektrolytstörung besteht, sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Chinin besonders sorgfältig abwägen. Zudem sollte er das Blut auf seinen Gehalt an Mineralstoffen untersuchen lassen. Eine Elektrolytstörung tritt bei Durchfall- und Nierenerkrankungen und bei Menschen mit Magersucht häufig auf. Auch Medikamente wie Diuretika (bei hohem Blutdruck) und Abführmittel (bei Verstopfung) können eine Elektrolytstörung hervorrufen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Durch Mittel, die den Urin alkalisch reagieren lassen, wie z. B. Natron und Antazida mit Aluminium- oder Magnesiumverbindungen (bei Sodbrennen), kann Chinin langsamer ausgeschieden werden. Dann steigt das Risiko für unerwünschte Wirkungen.
  • Entwässernde Mittel (Diuretika, bei hohem Blutdruck, Nierenstörungen) und der ständige Gebrauch von Abführmitteln können die Zusammensetzung des Blutes an Mineralstoffen verändern. Wird dann noch Chinin eingenommen, erhöht sich das Risiko für Herzrhythmusstörungen.

Unbedingt beachten

  • Digitalis (bei Herzschwäche) kann durch Chinin stärker wirken. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel bei Herzschwäche: verstärkte Wirkung.
  • Chinin kann die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden, verstärken. Sie müssen deshalb die Blutgerinnung häufiger als sonst selbst kontrollieren oder vom Arzt kontrollieren lassen und gegebenenfalls nach Absprache mit dem Arzt die Dosis der Gerinnungshemmer verringern. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.
  • Chinin soll nicht gleichzeitig mit Medikamenten angewendet werden, die sich auf den Herzrhythmus auswirken können. Hierzu gehören Flecainid, Sotalol und Amiodaron (bei Herzrhythmusstörungen), Amitriptylin und Maprotilin (bei Depressionen), viele Neuroleptika (bei Schizophrenien und anderen Psychosen), Erythromycin und Moxifloxacin (bei bakteriellen Infektionen) sowie Ebastin (bei Allergien). Bei einer solchen Kombination können unter Umständen lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen auftreten. Näheres hierzu siehe Mittel bei Herzrhythmusstörungen: verstärkte Wirkung.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Wenn Sie das Mittel einnehmen, sollten Sie keine chininhaltigen Getränke wie Tonic Water und Bitter Lemon trinken. Sonst kann das Risiko für unerwünschte Wirkungen ansteigen.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Es kann zu Magen-Darm-Störungen wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall kommen.

Muss beobachtet werden

Kopfschmerzen können auftreten. Halten sie länger als zwei bis drei Tage an, sollten Sie den Arzt informieren.

Bei der Anwendung von Chinin kann sich die Haut verstärkt röten und jucken. Dann reagieren sie vermutlich allergisch auf das Mittel und sollten es absetzen. Sind die Hauterscheinungen einige Tage später nicht deutlich abgeklungen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Tritt zusätzlich zu den oben genannten Hautreaktionen Fieber mit zum Teil erheblichen Atembeschwerden oder Atemnot auf und bemerken Sie flohstichartige Hautblutungen oder vermehrt blaue Flecken, sollten Sie das Medikament absetzen und sich umgehend mit einem Arzt in Verbindung setzen. Diese Symptome können auf eine schwere Chininallergie hinweisen.

Es kann zu Sehstörungen kommen, die sich durch Lichtempfindlichkeit, Nachtblindheit, das Sehen von Doppelbildern und durch Gesichtsfeldausfälle äußern. Hörstörungen machen sich zunächst dadurch bemerkbar, dass man hohe Töne schlechter wahrnimmt. Auch Ohrgeräusche (Tinnitus) kann es geben. Bei diesen Beschwerden sollten Sie das Medikament absetzen und sich umgehend mit einem Arzt in Verbindung setzen.

Herzklopfen, Herzstolpern und Schwindel zeigen schwerwiegende Herzrhythmusstörungen an. Setzen Sie das Medikament dann sofort ab und wenden Sie sich an einen Arzt. Dieser sollte die Herzfunktion mit einem EKG überprüfen.

Wenn Sie oder Angehörige bemerken, dass Ihre Wahrnehmung gestört ist, Sie verwirrt sind und vielleicht sogar Krampfanfälle bekommen, sollten Sie das Medikament absetzen und umgehend einen Arzt informieren.

Bei einem Kreislaufzusammenbruch muss sofort der Notarzt (Telefon 112) gerufen werden.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Chinin kann – insbesondere bei hoher Dosierung – beim sich entwickelnden Kind Augenschäden und Hörstörungen hervorrufen und bei der Mutter schwere Unterzuckerungen und frühzeitige Wehen auslösen. Das Mittel darf während der gesamten Schwangerschaft nicht zur Behandlung nächtlicher Wadenkrämpfe eingenommen werden. Das Gleiche gilt für die Stillzeit, da Chinin in die Muttermilch übergeht.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Wenn bei der Behandlung mit Chinin Seh- und Wahrnehmungsstörungen auftreten, kann das die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Dann sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs