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Calciumkanalblocker: Fampridin

Wirkungsweise

Fampridin soll die Gehfähigkeit bei Patienten mit multipler Sklerose (MS) verbessern. Der Wirkstoff blockiert bestimmte Ionenkanäle in den Membranen von Nervenzellen. Dadurch soll Fampridin die Übertragung von Signalen entlang geschädigter Nerven erleichtern und so die Gehgeschwindigkeit bei den Betroffenen erhöhen.

Fampridin wurde in zwei ähnlich aufgebauten Studien bei Patienten mit MS geprüft. Die Untersuchungen testeten den Wirkstoff gegen ein Scheinmedikament. Dabei zeigte sich zwar, dass die Gehgeschwindigkeit durch Fampridin zunimmt, doch die tatsächlich erzielten Verbesserungen waren nicht bemerkenswert. Die Gehzeit einer Strecke von 7,5 Metern verbesserte sich durchschnittlich um weniger als 1 Sekunde. Insgesamt kann die Gehgeschwindigkeit nur bei wenigen Patienten spürbar verbessert werden. Ob dies dazu beiträgt, den Alltag besser zu bewältigen oder die Lebensqualität zu steigern, ist nicht ausreichend untersucht.

Negativ ist zudem, dass der Wirkstoff vom Gehirn ausgehende Krampfanfälle auslösen kann. Außerdem darf Fampridin nicht bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen eingesetzt werden. Wie sich die Einnahme über lange Zeit auswirkt, ist bislang nicht einschätzbar, da es keine Langzeituntersuchungen gibt. Die Nutzen-Risiko-Bilanz ist also unklar.

Fampridin gilt derzeit als "wenig geeignet". Das Mittel kann allenfalls versuchsweise eingesetzt werden, wenn andere beschwerdelindernde Medikamente und physiotherapeutische Maßnahmen die Beschwerden nicht ausreichend gelindert haben.

Anwendung

Von Fampridin nehmen Sie jeweils morgens und abends zehn Milligramm auf leeren Magen ein – nicht öfter und auch keine höhere Dosis. Haben Sie einmal vergessen, das Mittel einzunehmen, lassen Sie diese Tablette aus und nehmen Sie die nächste wie gewohnt ein.

Zwei Wochen nach Behandlungsbeginn sollte der Arzt testen, ob sich die Gehfähigkeit tatsächlich verbessert hat. In einem Gehtest sollte sich nach dieser Zeit die Gehgeschwindigkeit um mindestens 20 Prozent gesteigert haben. Ist das nicht zu erkennen oder bemerken Sie selbst keinen positiven Effekt, sollte das Mittel abgesetzt werden. Dies gilt auch, wenn sich die Gehfähigkeit während der Behandlung verschlechtert. Ist eine Besserung eingetreten, sollte der Therapieerfolg nach drei und sechs Monaten erneut überprüft werden.

Bei eingeschränkter Nierenfunktion darf Fampridin nicht eingesetzt werden. Daher sollte der Arzt die Nierenfunktion vor und auch während der Behandlung kontrollieren; das gilt besonders für Menschen über 65 Jahre.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie nicht mit Fampridin behandelt werden:

  • Sie haben schon einmal einen epileptischen Anfall gehabt oder leiden immer noch unter solchen Krampfanfällen.
  • Sie haben eine Nierenfunktionsstörung, gleich welchen Schweregrads. Bei einer solchen Störung wird Fampridin verzögert ausgeschieden. Das erhöht das Risiko für unerwünschte Wirkungen insbesondere im zentralen Nervensystem.
  • Sie werden mit Cimetidin (bei Sodbrennen, Magengeschwüren) behandelt.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie haben Herzrhythmusstörungen. Für den Einsatz bei solchen Patienten gibt es noch zu wenig Erfahrungen.
  • Ihr Risiko für einen Krampfanfall ist erhöht, z. B. nach einer Kopfverletzung oder einem Schlaganfall.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

Bei gleichzeitiger Anwendung von Fampridin und einer Reihe anderer Wirkstoffe kann sich die Krampfbereitschaft erhöhen. Zu diesen Mitteln gehören Neuroleptika wie Chlorprothixen, Fluspirilen und Melperon (bei Schizophrenien und anderen Psychosen), trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin und Doxepin, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wie Citalopram und Fluoxetin, Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer wie Duloxetin und Venlafaxin (alle bei Depressionen), Antimalariamittel wie Chloroquin und Mefloquin, das Schmerzmittel Tramadol, das Asthmamittel Theophyllin, Glucocorticoide zum Einnehmen wie Dexamethason und Prednisolon (bei Entzündungen, Immunreaktionen und schwerem Asthma), Antibiotika aus der Gruppe der Chinolone wie Ciprofloxacin und Levofloxacin (bei bakteriellen Infektionen) und müdemachende Antihistaminika wie Clemastin und Hydroxyzin (bei Allergie).

Unbedingt beachten

Fampridin und Cimetidin (bei Sodbrennen, Magengeschwüren) dürfen nicht gemeinsam angewendet werden. Cimetidin hemmt das Enzym, das notwendig ist, damit der Körper Fampridin ausscheiden kann. Bei zu hoher Fampridinkonzentration im Blut können vermehrt Krämpfe, Schwindel, Gangunsicherheiten und andere Nebenwirkungen auftreten.

Nebenwirkungen

Die unerwünschten Wirkungen von Fampridin sind nicht ausreichend untersucht, obwohl die Substanz schon viele Jahre in Gebrauch ist. Mit den bisher vorliegenden klinischen Studien lassen sich eventuelle Auswirkungen auf das Immunsystem und eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen nicht ausschließen.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei 1 bis 10 von 100 Patienten kann es zu Übelkeit und Erbrechen, Verdauungsbeschwerden und Verstopfung kommen. Ebenso häufig können Rückenschmerzen auftreten. Diese Beschwerden sollten nach einigen Tagen vergehen.

Muss beobachtet werden

Mehr als 1 von 10 Anwendern bekommen einen Harnwegsinfekt. Dieser macht sich durch häufigen Harndrang und Schmerzen beim Wasserlassen bemerkbar. Haben sich die Beschwerden nach drei Tagen nicht gebessert oder sogar verschlimmert, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

1 bis 10 von 100 Behandelten klagen über Kopfschmerzen, Zittern, Missempfindungen wie Kribbeln und Ameisenlaufen sowie über Gleichgewichtsstörungen und Schwindel. Das kann das Risiko für Stürze erhöhen. Wenn sich die Beschwerden nicht nach wenigen Tagen bessern, sollten Sie mit Ihrem Arzt darüber sprechen. Das Gleiche gilt bei plötzlichen Schlafstörungen und Angst ohne erkennbaren Anlass.

Bei 1 bis 10 von 1 000 Patienten kann Fampridin zu einem Krampfanfall führen. Dieser macht sich durch plötzliche Benommenheit oder Bewusstlosigkeit bemerkbar, die Muskulatur kann steif werden oder beginnt krampfartig zu zucken. Auch Gefühlsstörungen und ungewöhnliche Sinneswahrnehmungen können auftreten. Suchen Sie nach einem solchen Anfall bald einen Arzt auf und nehmen Sie das Mittel nicht mehr ein.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen. Bei 1 bis 10 von 1 000 Anwendern zeigen sich solche Hautreaktionen, teilweise mit kleinen Bläschen.

Sofort zum Arzt

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten schwellen Gesicht, Lippen und Zunge an. Dann drohen Atemnot und Erstickungsanfälle (Angioödem). Hierbei ist sofort eine ärztliche Behandlung notwendig. Bei derartig schweren allergischen Reaktionen muss Fampridin abgesetzt werden und darf auch später nicht mehr eingenommen werden.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Für die Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine ausreichenden Erkenntnisse vor. Fampridin sollte daher in dieser Zeit sicherheitshalber nicht eingenommen werden.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Über die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Fampridin darf bei ihnen nicht angewendet werden.

Für ältere Menschen

Bei älteren Menschen kann die Nierenfunktion eher beeinträchtigt sein als bei jüngeren. Dann kann sich Fampridin im Körper anreichern, stärker wirken und es können häufiger Nebenwirkungen auftreten. Für ältere Menschen ist eine Kontrolle der Nierenfunktion daher besonders wichtig.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Wenn Sie durch die Einnahme von Fampridin Schwindelzustände bekommen, sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs