Medikamente im Test

Bupropion

Wirkungsweise

Depressionen

Bupropion (oder Amfebutamon) wirkt gegen Depressionen. Der Wirkstoff verhindert, dass die an den Nervenenden freigesetzten Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin wieder in die Nervenzelle aufgenommen und dadurch unwirksam gemacht werden. So steht dem Gehirn mehr von diesen Botenstoffen zur Signalübertragung zur Verfügung und das auch noch für längere Zeit. Das spielt insofern eine Rolle, als man davon ausgeht, dass sich die Verfügbarkeit der Botenstoffe im zentralen Nervensystem bei psychischen Störungen ändert.

Die Studien, mit denen die therapeutische Wirksamkeit von Bupropion geprüft wurde, zeichnen kein einheitliches Bild. Verglichen mit einer Behandlung mit einem Scheinmedikament wird die Behandlung mit Bupropion einmal als nützlich angesehen, ein andermal schwächt es die Symptome der Depression nicht deutlich genug ab. Im direkten Vergleich mit Venlafaxin, einem sicher geeigneten Depressionsmittel, lindert Bupropion die depressiven Beschwerden weniger gut. Bupropion kann aber beispielsweise eine Behandlungsoption sein, wenn durch SSRI ausgelöste Sexualstörungen als Problem empfunden werden und eine Behandlung mit müdemachenden Mittel wie Mirtazapin oder trizyklischen Antidepressiva statt dessen nicht infrage kommt.

Die unerwünschten Wirkungen von Bupropion lassen sich noch nicht sicher überschauen. Aufgrund seiner chemischen Struktur sind ernsthafte Auswirkungen auf Herz und Kreislauf zu befürchten. Ferner ist nicht ausgeschlossen, dass Bupropion zu missbräuchlicher Verwendung verleitet.

Aus diesen Gründen wird Bupropion zur Behandlung von Depressionen als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.

Raucherentwöhnung

Bupropion (oder Amfebutamon) unterstützt eine Nikotinentwöhnung. Es sorgt dafür, dass die Nervenendigungen die Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin im Nervensystem nicht erneut aufnehmen können. Auf welche Weise dies das Verlangen nach Nikotin beeinflusst, ist nicht bekannt. Bupropion einzusetzen, kann infrage kommen, wenn eine Entzugsbehandlung mithilfe von Nikotinersatzpräparaten erfolglos geblieben ist.

Laut Studienergebnissen verdoppelt sich die Erfolgsrate einer Raucherentwöhnung gegenüber der Einnahme eines Scheinmittels, wenn zusätzlich zu einer psychologischen Beratung Bupropion eingenommen wird. Nach einer Behandlung mit Bupropion kommen 19 von 100 Menschen nach sechs bis zwölf Monaten immer noch ohne Zigaretten aus. Wird nur eine psychologische Beratung wahrgenommen, sind es nach dem gleichen Zeitraum noch 11 von 100 Behandelte.

Einige Studien legen zwar nahe, dass Bupropion etwas besser hilft als Nikotinpflaster oder -kaugummis. Werden aber alle Studien hierzu gemeinsam ausgewertet, ist es nicht besser wirksam als Nikotinzubereitungen.

Verglichen mit Vareniclin – einem anderen Medikament zur Nikotinentwöhnung – scheint Bupropion etwas weniger erfolgreich zu sein. Überprüft wird noch, ob eine kombinierte Gabe von Bupropion und Nikotinpräparaten die Entwöhnung erleichtert. Einige klinische Studien sprechen zwar dafür, doch für ein abschließendes Urteil sind Studien über einen längeren Zeitraum erforderlich.

Bei einem Nikotinentzug mithilfe von Bupropion ist die Gewichtszunahme etwas geringer als bei einem Entzug, der ohne Medikamente durchgeführt wird. Dafür sind bei Bupropion aber eine Reihe von Gegenanzeigen und zum Teil schwere unerwünschte Wirkungen zu beachten. Wegen der möglichen psychischen Nebenwirkungen und seiner unklaren Langzeitverträglichkeit auf Herz und Kreislauf wird Bupropion als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.

Anwendung

Depressionen

Die übliche Dosierung bei der Behandlung einer Depression ist eine Tablette mit 150 Milligramm Bupropion pro Tag. Nach vier Wochen kann diese Dosierung bei Bedarf verdoppelt werden. Eine häufige Nebenwirkung von Bupropion ist Schlaflosigkeit. Um dem entgegenzuwirken, sollten Sie das Mittel möglichst morgens einnehmen.

Da das Mittel aus den Tabletten verzögert freigesetzt wird, dürfen diese nicht geteilt oder gekaut werden.

Raucherentwöhnung

Wollen Sie mit dem Rauchen aufhören, sollten Sie mit der Bupropionbehandlung beginnen, während Sie noch rauchen. Dann legen Sie für die zweite Behandlungswoche einen Tag fest, an welchem Sie mit dem Rauchen aufhören.

In den ersten drei Tagen der Medikamenteneinnahme schlucken Sie täglich eine Retardtablette mit 150 Milligramm Wirkstoff. Danach nehmen Sie morgens und im Abstand von mindestens acht Stunden je eine Tablette ein. Da das Mittel Schlafstörungen verursachen kann, sollten Sie eine Einnahme kurz vor dem Schlafengehen vermeiden. Mehr als 300 Milligramm Bupropion dürfen Sie pro Tag nicht einnehmen. Bereits an dem Tag, an dem Sie zu rauchen aufgehört haben, sollten Sie kein Bedürfnis mehr verspüren, zur Zigarette zu greifen.

Nach sieben bis neun Wochen sollten Sie das Medikament ausschleichend absetzen: Drei Tage lang nehmen Sie nur noch eine Tablette ein, dann lassen Sie auch diese weg.

Menschen mit Leber- oder Nierenerkrankungen dürfen nicht mehr als 150 Milligramm Bupropion am Tag einnehmen.

Achtung

Es gibt Hinweise, dass Mittel mit Wirkung auf die Psyche, zu denen auch Bupropion gehört, die Bereitschaft, sich Schaden zuzufügen oder das Leben zu nehmen, verstärken können. Näheres hierzu lesen Sie unter Antidepressiva und Selbsttötung.

Bupropion wird sowohl gegen Depressionen als auch zur Raucherentwöhnung eingesetzt. Um die Tageshöchstdosis nicht zu überschreiten und das Risiko für unerwünschte Wirkungen nicht zu vergrößern, sollte Bupropion nicht gleichzeitig für beide Anwendungsgebiete eingenommen werden.

Raucherentwöhnung

Bei der Anwendung von Bupropion zur Raucherentwöhnung ist zu beachten: Wenn Sie Insulin spritzen (bei Diabetes), gerinnungshemmende Mittel wie Phenprocoumon und Warfarin (bei erhöhter Thrombosegefahr) oder Theophyllin (bei Asthma) einnehmen und dann mit dem Rauchen aufhören, kann die Konzentration dieser Wirkstoffe im Blut deutlich ansteigen. Vor allem in den ersten Tagen des Rauchstopps sollte der Arzt den Wirkstoffspiegel im Blut kontrollieren und gegebenenfalls die Arzneimitteldosierung anpassen.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Bupropion nicht einnehmen:

  • Sie hatten schon einmal einen Krampfanfall (Epilepsieerkrankung).
  • Sie machen während der Behandlungszeit einen abrupten Entzug von Alkohol oder Medikamenten wie z. B. Benzodiazepinen (bei Angst- und Schlafstörungen). Dann kann das Risiko für Krampfanfälle erhöht sein.
  • Sie leiden an einem Tumor des zentralen Nervensystems.
  • Sie haben oder hatten Magersucht oder Bulimie.
  • Sie nehmen einen MAO-Hemmer ein, z. B. Moclobemid oder Tranylcypromin (bei Depressionen).

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken einer Behandlung besonders sorgfältig abwägen:

  • Ihr Blutdruck ist erhöht. Dann muss Ihr Blutdruck während der Behandlung regelmäßig kontrolliert werden.
  • Sie hatten schon einmal eine Schizophrenie oder eine Manie. Das Medikament kann einen Rückfall provozieren.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten, dass Bupropion ein wichtiges Leberenzym hemmt. Dadurch werden einige Medikamente langsamer abgebaut. Da diese dann in der Folge stärker wirken, muss der Arzt die Dosierung dieser Medikamente verringern. Zu diesen Wirkstoffen gehören trizyklische Antidepressiva wie Desipramin und Imipramin, SSRI wie Fluoxetin, Paroxetin und Carbamazepin (alle bei Depressionen), Neuroleptika wie Risperidon und Thioridazin (bei Schizophrenien und anderen Psychosen) und Metoprolol (bei hohem Blutdruck, zur Migränevorbeugung).

Unbedingt beachten

Eine Behandlung von Depressionen mit dem MAO-Hemmer Tranylcypromin muss seit mindestens 14 Tagen beendet sein, bevor Sie Bupropion einnehmen dürfen. Nehmen Sie den MAO-Hemmer Moclobemid ein, genügen 24 Stunden Abstand. Bei einer Kombination dieser Wirkstoffe kann es zu einem bedrohlichen Blutdruckanstieg und Herzrasen kommen.

Bei der gleichzeitigen Einnahme von Bupropion und Flecainid oder Propafenon (bei Herzrhythmusstörungen) kann sich die Wirkung der Herzmittel verstärken. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel bei Herzrhythmusstörungen: verstärkte Wirkung.

Bupropion kann die Umwandlung von Tamoxifen in seine Wirkform und in der Folge möglicherweise auch dessen Wirksamkeit verringern. Das ist für Frauen bedeutsam, deren Brustkrebs mit Tamoxifen behandelt wird und die zusätzlich Bupropion als Antidepressivum oder zur Raucherentwöhnung benötigen. Einer Studie zufolge scheinen mehr Frauen, die während der Tamoxifenbehandlung zusätzlich ein Antidepressivum einnehmen, das wie Bupropion die Umwandlung von Tamoxifen in seine Wirkform verringern kann, an Brustkrebs zu sterben, als dies ohne das Depressionsmittel zu erwarten ist. Es ist aber noch nicht gesichert, dass tatsächlich das Antidepressivum die Ursache für das erhöhte Brustkrebs-Sterberisiko ist. Ebenso ist noch nicht gesichert, dass bei gleichzeitiger Einnahme von Bupropion und Tamoxifen ein erhöhtes Risiko für einen erneuten Brustkrebs besteht.

Depressionen

Dennoch sollte der Arzt für Frauen, die Tamoxifen einnehmen und zugleich ein Antidepressivum brauchen, sicherheitshalber Citalopram, Venlafaxin oder das trizyklische Antidepressivum Clomipramin wählen. Auch Escitalopram oder Sertralin sind möglich.

Raucherentwöhnung

Aus Sicherheitsgründen sollten sich Frauen, die Tamoxifen einnehmen und zugleich vom Rauchen loskommen wollen, dennoch den Entzug eher mit Nikotinpräparaten erleichtern.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Während der Behandlung sollten Sie keinen Alkohol trinken.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Über vorübergehende Schlafstörungen klagen bis zu 40 von 100 Anwendern.

Schwindel und Mundtrockenheit haben bis zu 10 von 100 Personen, die Bupropion einnehmen. Gleich häufig treten Kopfschmerzen auf.

Darüber hinaus kommen bei bis zu 10 von 100 Behandelten Übelkeit, Bauchschmerzen, Verstopfung und Appetitlosigkeit vor.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Solche Hauterscheinungen treten bei bis zu 10 von 100 Anwendern auf. Sie sollten dann einen Arzt aufsuchen.

Bei etwa 1 von 100 Behandelten erhöht sich der Blutdruck, manchmal sogar erheblich. Dann muss der Arzt entscheiden, ob Sie das Mittel weiterhin einnehmen dürfen.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Herz "stolpert" oder ständig zu schnell schlägt, sollten Sie möglichst bald einen Arzt aufsuchen. Es wird vermutet, dass Todesfälle durch Herzinfarkt und Schlaganfall mit der Einnahme von Bupropion zusammenhängen.

Bei etwa 1 von 100 Behandelten können Sehstörungen und Ohrgeräusche auftreten. Wenn diese nach einigen Tagen nicht vergehen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Wenn starker Hautausschlag, Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel auftreten, müssen Sie die Anwendung sofort abbrechen und unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen, weil es sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln kann.

Die oben beschriebenen Hauterscheinungen können auch erste Anzeichen für vereinzelt auftretende, sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arzneimittel sein. Meist entwickeln sie sich etwa drei bis fünf Wochen nach der Anwendung. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus und es bilden sich Blasen. Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich unbedingt an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch verschlimmern.

Etwa 1 von 1 000 Menschen, die Bupropion einnehmen, erleidet einen Krampfanfall. Dieses Risiko besteht besonders, wenn Sie mehr als zwei Tabletten am Tag einnehmen und wenn Sie eine Erkrankung haben, die ohnehin das Anfallrisiko erhöht (Schädel-Hirn-Verletzungen, Tumoren des zentralen Nervensystems, Entzug von Alkohol oder Benzodiazepinen) oder wenn Sie zusätzlich Arzneimittel anwenden, die ebenfalls die Schwelle zur Krampfauslösung senken.

Bupropion kann sich auf die Zusammensetzung des Blutes auswirken, wenn auch nur sehr selten. Wenn Sie grippeartige Beschwerden haben, sich über längere Zeit müde und schlapp fühlen oder wenn Blutergüsse und Blutungen auftreten, sollte umgehend ein Arzt das Blutbild kontrollieren.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Über die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor. Sie sollten diese Medikamente daher nicht bekommen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Das Risiko von Bupropion auf das Ungeborene ist anhand der bisher vorliegenden Daten noch nicht sicher abzuschätzen. In der Schwangerschaft sollten Sie daher besser auf das Mittel verzichten.

Da Bupropion in die Muttermilch übergeht, sollten Sie es auch in der Stillzeit möglichst nicht einnehmen.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs