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Blutfettsenker: Colestyramin

Wirkungsweise

Colestyramin senkt die Blutfette. Es ist schon lange auf dem Markt, wurde dann aber durch die besser wirksamen Statine weitestgehend verdrängt. Dennoch gehört der Wirkstoff noch zu den meist verordneten Mitteln. In bestimmten Fällen wird es noch als alleiniges Mittel eingesetzt, oft in Kombination mit anderen Blutfettsenkern.

Der Wirkstoff, ein basisches Anionenaustauscherharz, ist ein sehr großes, wasserunlösliches Molekul, das nicht in den Körper aufgenommen wird. Er wirkt auf die Blutfette, indem er im Darm Gallensäuren bindet. Normalerweise werden Gallensäuren aus dem Darm wieder in den Organismus aufgenommen. Weil sie aber während der Behandlung zusammen mit Colestyramin ausgeschieden werden, fehlen dem Körper Gallensäuren bei der Verdauung. Die Leber versucht in der Folge den entstandenen Mangel auszugleichen. Um Gallensäuren zu bilden, braucht der Körper Cholesterin, das er dem Blutkreislauf entnimmt. Der Cholesterinspiegel im Blut sinkt in Abhängigkeit von der Colestyramin-Dosis dadurch um 10 bis etwa 24 Prozent. Colestyramin ist damit wirksam, aber deutlich weniger als Statine.

Studienergebnisse aus der Zeit vor Einführung der Statine zeigen, dass bei der alleinigen Anwendung von Colestyramin weniger Herzinfarkte und tödliche Herz-Kreislaufereignisse auftreten als bei der Einnahme eines Scheinmedikaments. In der heutigen Zeit, muss belegt werden, dass genau die Patienten, bei denen Statine nicht infrage kommen, von einer Behandlung mit Colestyramin profitieren. Auch der Umfang der Chlosterinsenkung bei dieser Patientengruppe muss noch weiter untersucht werden. Für die alleinige Anwendung gilt Colestryamin zur Blutfettsenkung als „mit Einschränkung geeignet“. Es können belastende Magen-Darm-Beschwerden und zahlreiche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten.

Das Mittel kann auch zusätzlich zu einem Statin, wenn das Statin alleine den Cholesterinspiegel nicht ausreichend senkt, eingesetzt werden. Ob durch diese Behandlung dann aber auch tatsächlich weniger Herz-Kreislauferkrankungen auftreten, ist nicht in Studien nachgewiesen. Für die kombinierte Anwendung von Colestyramin und Statinen ist das Mittel daher „wenig geeignet“.

Anwendung

Die Dosis von Colestyramin sollte langsam gesteigert werden, dann ist das Mittel besser verträglich. Beginnen Sie mit einem Beutel pro Tag (das entspricht 4 Gramm Colestyramin) und steigern Sie nach Absprache mit Ihrem Arzt in wöchentlichen Abständen um einen Beutel. Mehr als 6 Beutel (24 Gramm) pro Tag sollten Sie nicht anwenden.

Wenn Sie täglich mehrere Beutel einnehmen müssen, können Sie diese über den Tag verteilt anwenden. Nehmen Sie Colestyramin am besten vor einer Hauptmahlzeit ein. Dabei rühren Sie den Inhalt eines Beutels in ein Glas (etwa 200 Milliliter) Wasser, Saft, Apfelmus oder klare Suppe ein. Lassen Sie die Mischung etwas quellen. Keinesfalls dürfen Sie das Mittel trocken einnehmen.

Achtung

Während der Behandlung mit Colestyramin können die Triglyceridwerte im Blut ansteigen. Sie sollten daher bei den notwendigen Kontrollen der Lipidwerte im Blut miterfasst werden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen sollte der Arzt Nutzen und Risiken einer Anwendung des Mittels besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie leiden an Verstopfung. Während der Behandlung mit Colestyramin können sich die Beschwerden weiter verschlimmern.
  • Sie haben eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa).
  • Sie hatten schon einmal eine größere Operation am Magen oder Darm.
  • Sie können nicht gut schlucken.
  • Ihre Leberfunktion ist eingeschränkt.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Colestyramin kann neben Gallensäuren auch andere Substanzen an sich binden und damit auch die Aufnahme von Arzneistoffen in den Körper vermindern oder verzögern. Arzneimittel, für die dies vermutet wird, sollten daher grundsätzlich zeitlich versetzt zu Colestyramin eingenommen werden: mindestens eine Stunde vor dessen Anwendung oder mindestens vier, besser sechs Stunden nach dessen Einnahme.

Trotz dieser Maßnahme sollten Sie bei der gleichzeitigen Therapie mit Colestyramin folgendes beachten: Wird während einer Behandlung mit Schilddrüsenhormonen (z. B. Levothyroxin, bei Schilddrüsenunterfunktion, Kropf) Colestyramin neu eingenommen, muss der Arzt den Blutspiegel des Schilddrüsenhormons überwachen und die Dosierung gegebenenfalls anpassen. Dies gilt auch, wenn Colestyramin während einer Schilddrüsenhormonbehandlung abgesetzt wird.

Unbedingt beachten

Bei der gleichzeitigen Anwendung von Colestyramin mit Digoxin (bei Herzschwäche), Warfarin oder Phenprocoumon (beide bei Venenerkrankungen, Thrombosen) kann es zu gefährlichen Wechselwirkungen kommen: Wird zu einer bestehenden Behandlung mit einem dieser Mittel Colestyramin neu verordnet, muss der Arzt die Dosis dieser Mittel anpassen, um deren Wirksamkeit aufrecht zu erhalten. Näheres zum Wirkungsverlust bei der gleichzeitigen Anwendung mit Digoxin lesen Sie unter Mittel bei Herzschwäche: verringerte Wirkung.

Wird Colestyramin während einer gleichzeitigen Behandlung mit Digoxin (bei Herzschwäche) abgesetzt, so muss der Arzt die Digoxindosis überprüfen und gegebenenfalls vermindern, um eine gefährliche Überdosierung zu vermeiden. Näheres dazu lesen Sie unter Mittel bei Herzschwäche: verstärkte Wirkung.

Wird bei einer bestehenden Therapie mit den Antikoagulanzien Warfarin oder Phenprocuomon (beide bei Venenerkrankungen, Thrombosen) Colestyramin abgesetzt, besteht ein erhöhtes Risiko für innere Blutungen. Näheres dazu lesen Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung. Der Arzt muss die Dosis des Blutverdünners gegebenenfalls verringern.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

1 bis 10 von 100 Behandelten entwickeln sich Blähungen, Übelkeit, Völlegefühl und saures Aufstoßen. Das vergeht in der Regel im Laufe der Behandlung.

Muss beobachtet werden

Mehr als 10 von 100 Behandelten bekommen Verstopfung. Die Haut im Analbereich kann gereizt sein und jucken. Eventuell sind dann durch starkes Pressen beim Stuhlgang Hämorrhoiden entstanden. Wenn derartige Beschwerden bestehen bleiben oder sich verschlimmern, sollten Sie dies mit Ihrem Arzt sprechen.

Bei Einnahme von hohen Dosen von Colestryramin kann auch Durchfall mit fettigem, öligem Stuhl auftreten. Ein solcher Durchfall entsteht, wenn Gallensäuren fehlen, da das Fett aus der Nahrung dann nicht richtig verdaut werden kann. In diesem Fall sollten Sie mit einem Arzt sprechen.

Colestyramin kann neben Gallensäuren auch andere Substanzen binden. Dadurch kann sich im Laufe der Therapie ein Mangel an Vitamine A, D, E und K einstellen, da diese nicht mehr im üblichen Maß aus dem Darm aufgenommen werden. Bei Vitamin-K-Mangel verringert sich in Folge die Gerinnungsfähigkeit des Blutes. Ein Vitamin-D-Mangel kann die Versorgung der Knochen mit Calcium beeinträchtigen. Das ist für Menschen bedeutsam, die ein erhöhtes Risiko für Osteoporose haben, wie Frauen nach den Wechseljahren. Wenn Sie bei akuten Verletzungen feststellen, dass die Blutung nur verzögert nachlässt oder Sie ein besonders hohes Risiko für Osteoporose haben, besprechen Sie mit dem Arzt, ob eine Blutuntersuchung oder die zusätzliche Einnahme von Vitaminen sinnvoll wäre.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Wenn Sie starke Verstopfung oder sehr harten Stuhl zusammen mit krampfartigen Bauchschmerzen haben, sollten Sie sich umgehend von einem Arzt untersuchen lassen. In Einzelfällen kann es zu einem lebensbedrohlichen Darmverschluss kommen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Das Mittel kann bei Kindern und Jugendlichen, bei denen aufgrund einer erblichen Veranlagung der Cholesterinspiegel erhöht ist, eingesetzt werden. Die Dosis richtet sich nach dem Körpergewicht.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Colestyramin kann während einer Schwangerschaft und in der Stillzeit angewendet werden. Es kann aber die ausreichende Vitaminversorgung von Mutter und Kind beeinträchtigen. Sprechen Sie daher mit Ihrem Arzt, ob Sie zusätzlich bestimmte fettlösliche Vitamine einnehmen sollen. Falls dies erforderlich ist, müssen Sie die Vitamine zeitlich versetzt zu Colestyramin einnehmen.

Zur Empfängnisverhütung

Colestyramin kann die Aufnahme empfängnisverhütender Hormone (Pille) verringern. Daher sollte während der Einnahme dieses Mittels sicherheitshalber eine hormonfreie Methode zur Empfängnisverhütung angewendet werden (z. B. Kondome oder Diaphragma).

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs