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Blutdrucksenker: Dihydralazin

Wirkungsweise

Dihydralazin senkt den Blutdruck. Es verringert die Spannung in der glatten Muskulatur der Arterienwand kleiner Blutgefäße in Armen und Beinen. Dadurch erweitern sich diese und der Widerstand, gegen den das Herz das Blut durch den Kreislauf pumpt, nimmt ab – der Blutdruck sinkt.

Die Kehrseite dieser gefäßerweiternden Wirkung ist, dass sich gleichzeitig die Herzfrequenz erhöht, sodass das Herz schneller schlägt. Der Wirkstoff stimuliert das sympathische Nervensystem, wodurch die Nieren verstärkt Natrium zurückhalten. Um die erhöhte Salzkonzentration im Gewebe auszugleichen, lagert sich vermehrt Wasser ein.

Diese unerwünschten Wirkungen lassen sich ausgleichen oder ganz vermeiden, wenn Dihydralazin mit einem Betablocker (zur Verlangsamung des beschleunigten Herzschlags) und einem Diuretikum (zum Ausschwemmen des eingelagerten Wassers) kombiniert wird. Nur in dieser Kombination ist das Mittel bei hohem Blutdruck einzusetzen und auch nur dann, wenn dieser mit besser verträglichen Mitteln oder Kombinationen daraus nicht ausreichend gesenkt werden kann.

Nicht nachgewiesen ist bisher, dass die Kombination der drei Wirkstoffe (Dihydralazin, Betablocker, Diuretikum) auch Folgeerkrankungen des hohen Blutdrucks wie Herzschwäche, Herzinfarkt und Schlaganfall verhindern oder die Sterberate senken kann. Daher gilt Dihydralazin zur Behandlung von hohem Blutdruck nur als Reservemittel und ist mit Einschränkung geeignet. Sein Einsatz ist nur gerechtfertigt, wenn andere, als "geeignet" erachtete Mittel oder Kombinationen aus diesen bei schwerem Bluthochdruck nicht ausreichend wirken. Zu den geeigneten Mitteln gehören ACE-Hemmer, Diuretika, Sartane sowie die Calciumantagonisten Amlodipin und Nitrendipin.

Anwendung

Wegen der unerwünschten Wirkungen ist es empfehlenswert, die Dosis zu Beginn sehr niedrig zu wählen und nur langsam bis zur angestrebten Menge zu erhöhen. Zu Beginn nehmen Sie zweimal täglich 12,5 Milligramm Dihydralazin, nach vier bis fünf Tagen zweimal täglich 25 Milligramm und nach weiteren vier bis fünf Tagen maximal zweimal täglich 50 Milligramm, am besten zum Essen.

Wegen der Gefahr für eine möglicherweise durch Dihydralazin provozierte schwere Autoimmunerkrankung (Lupus erythematodes disseminatus, LED), sollte der Arzt vor Beginn einer Langzeittherapie das HLA-DR4-Antigen und die LED-Antikörper bestimmen. Näheres unter Unerwünschte Wirkungen. Ein zusätzliches Risiko besteht, wenn Sie zu den Personen gehören, die den Wirkstoff nicht normal abbauen können.

Bei Dihydralazin sollte das zusätzlich erforderliche Diuretikum so dosiert werden, dass keine Wassereinlagerung erfolgt. Geschieht dies dennoch, obwohl die höchste Dosis des eingesetzten Wirkstoffs erreicht ist, sollte zusätzlich ein Mittel mit dem Wirkstoff Spironolacton gegeben werden. Alternativ kann der Arzt das stark wirksame Schleifendiuretikum Furosemid verschreiben.

Sind Betablocker als Kombinationspartner nicht anwendbar, können die Wirkstoffe Methyldopa oder Clonidin eingesetzt werden. Diese Mittel sollten Sie schon einen Tag vor der ersten Einnahme der gefäßerweiternden Mittel anwenden.

Achtung

Achten Sie unbedingt darauf, dass Sie immer eine ausreichende Menge der zusätzlich einzunehmenden Medikamente (Diuretikum und Betablocker) vorrätig haben (z. B. auf Reisen, im Urlaub).

Wenn Sie das gefäßerweiternde Mittel allein einnehmen, besteht ein hohes Risiko für unerwünschte Wirkungen auf Herz und Kreislauf.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie dieses Mittel nicht anwenden:

  • Sie haben eine Kollagenose (Lupus erythematodes).
  • Ihre Herzklappen sind verengt (z. B. Aortenklappenstenose), sodass sich das Blut bis in die Lunge zurückstaut.
  • Sie haben eine beutelförmige Erweiterung der Körperschlagader (Aortenaneurysma).
  • Die Herzmuskelwände sind verdickt und die Auswurfleistung des Herzens ist eingeschränkt (hypertrophe Kardiomyopathie).
  • Der Muskel der rechten Herzkammer ist geschwächt.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Dihydralazin sorgfältig abwägen:

  • Es bestehen Durchblutungsstörungen im Gehirn.
  • Die Funktion von Leber und Nieren ist stark eingeschränkt. Dann sollte der Arzt die Dosis verringern, zumal sich dann auch die erwünschten und unerwünschten Wirkungen des Mittels verstärken.
  • Sie gehören zu den sogenannten Langsam-Acetylierern. Dann haben Sie – wie die Hälfte der Bevölkerung – genetische Anlagen, die dazu führen, dass ein bestimmter Abbauschritt von Medikamenten in der Leber, die Acetylierung, nur langsam vonstatten geht. Die Arzneimittel wirken dann länger und ausgeprägter und können vermehrt zu Nebenwirkungen führen. Wenn Sie zu diesem Personenkreis gehören, sollte der Arzt die Arzneimittel zunächst in niedriger Dosierung einsetzen und nur langsam höher dosieren. Benötigen Sie höhere Dosen (über 100 Milligramm) – was selten vorkommt – muss der Arzt vorher prüfen, ob Sie den Wirkstoff normal abbauen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn das gefäßerweiternde Mittel mit anderen blutdrucksenkenden Wirkstoffen kombiniert wird, sollte der Arzt die Dosis von Dihydralazin zunächst niedrig halten, weil sich die Substanzen gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken können.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei Dihydralazin treten bei bis zu 10 von 100 Behandelten Magen-Darm-Beschwerden auf wie Appetitmangel, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall sowie Kopfschmerzen und Hitzewallungen im Gesicht (Flush). Letztere sind meist Folge der gefäßerweiternden Wirkung.

Muss beobachtet werden

Besonders zu Beginn der Behandlung kommt es häufig (bei bis zu 10 von 100 Behandelten) vor, dass beim Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen der Blutdruck kurzzeitig stark absinkt und Schwindelanfälle, Übelkeit oder eine kurze Ohnmacht auftreten. Sie sollten solche Lageveränderungen deshalb immer nur langsam und nicht abrupt vornehmen. Sind die Beschwerden im Alltag sehr beeinträchtigend, sollten Sie mit dem Arzt sprechen.

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten lagert sich vermehrt Wasser im Gewebe ein, besonders in den Beinen. Um die Gefahr solcher Wasseransammlungen zu reduzieren, ist Dihydralazin nur in Kombination mit einem wassertreibenden Mittel (Diuretikum) anzuwenden. Vor allem bei Behandlungsbeginn oder wenn die Dosierung verändert wird, sollten Sie sich täglich auf die Waage stellen. Wenn Sie eine unerklärliche Gewichtszunahme, Wassereinlagerungen an Armen und Beinen feststellen oder das Gesicht aufgedunsen wirkt, sollte der Arzt die Dosierung von Dihydralazin verringern oder das Mittel für kurze Zeit absetzen.

Während der Behandlung, besonders aber zu Beginn und bei zu rascher Steigerung der Dosis kann starkes Herzklopfen oder Herzrasen einsetzen. Dabei handelt es sich um eine Reaktion des Herzens auf den abgesenkten Blutdruck. Wenn der Puls in Ruhe anhaltend über 100 Schläge pro Minute ansteigt, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Diese unerwünschte Wirkung kommt vor allem dann vor, wenn Dihydralazin nicht zusammen mit einem Betablocker oder einem Mittel aus der Gruppe der Alpha-2-Agonisten eingenommen werden. Treten derartige Symptome dennoch auf, muss eventuell die Dosis dieser Mittel erhöht werden.

Selten kommt es zu Kribbeln, Kälte- und Taubheitsgefühlen, in Einzelfällen auch zu Zittern und Muskelkrämpfen. Sprechen Sie dann mit dem Arzt. Mit Vitamin B6 lassen sich solche Störungen meist beheben.

Bei Dosierungen zwischen 50 und 100 Milligramm und langfristiger Behandlung oder bei Personen, die bestimmte Arzneimittel besonders langsam abbauen ("Langsam-Acetylierer"), kann Dihydralazin die Immunkrankheit Lupus erythematodes disseminatus (LED) auslösen. Bei Frauen kommt dies häufiger vor als bei Männern. Anzeichen sind Fieber, Gelenk- und Muskelschmerzen, Bindehaut- und Nierenentzündung. Wenn Sie solche Symptome bemerken, sollten Sie innerhalb von 24 Stunden einen Arzt aufsuchen. Er kann diese Störwirkung erkennen, indem er spezielle Antikörper im Blut bestimmt.

Selten (bei weniger als 1 von 100 Behandelten) kommt es zu Störungen der Blutbildung. Anzeichen sind Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Infektanfälligkeit, kleine Einblutungen in die Haut (Petechien) oder Schleimhautblutungen.

Sofort zum Arzt

Zu Behandlungsbeginn und bei zu rascher Steigerung der Dosis können Angina-Pectoris-Beschwerden einsetzen. Diese können auf eine Verengung der Herzkranzgefäße und auf einen gesteigerten Herzschlag zurückzuführen sein. Anzeichen dafür sind Schmerzen hinter dem Brustbein, die in Bauch, Rücken und Kiefer ausstrahlen können. Zusätzlich können Angst, Unruhe, Atemnot, Blässe und Schweißausbrüche einsetzen. Wenn Sie solche Beschwerden erstmals spüren, sollten Sie sich unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben. Traten bereits vor der Behandlung mit Dihydralazin Angina-Pectoris-Anfälle auf, sollten Sie mit dem Arzt sprechen, wenn die Anfälle sich häufen oder länger andauern. Wenn Sie Dihydralazin gemeinsam mit einem Betablocker einnehmen, ist das Risiko für diese unerwünschte Wirkung geringer.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Bei Kindern sollte das Mittel nicht angewendet werden, weil damit keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Als Mittel der Wahl zur Behandlung des hohen Blutdrucks in der Schwangerschaft gilt Methyldopa, da es für diesen Wirkstoff Langzeituntersuchungen über mögliche Spätfolgen bei den Kindern gibt.

Zu Dihydralazin liegen zwar zahlreiche Erfahrungen für den Einsatz bei Schwangeren vor, sie sind aber insgesamt widersprüchlich. Der Hersteller empfiehlt, das Mittel nicht in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten einzunehmen. Wenn es später angewendet werden soll, geschieht das meist in Form einer Infusion und auch dann sollte dies nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken geschehen.

Während der Stillzeit sollten Sie das Mittel sicherheitshalber nicht einnehmen, da es in die Muttermilch übergeht und unklar ist, ob dies für den gestillten Säugling eine Gefahr darstellt.

Für ältere Menschen

Bei ihnen kommt es besonders häufig zu den beschriebenen unerwünschten Wirkungen. Die Dosis des Mittels sollte deshalb besonders niedrig gewählt und noch langsamer als sonst üblich gesteigert werden. Das gilt vor allem bei bereits bestehender koronarer Herzkrankheit mit Angina Pectoris oder nach überstandenem Herzinfarkt.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Wenn Ihnen vor allem zu Beginn der Behandlung häufig schwindlig ist oder Sie sich benommen fühlen, sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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