Medikamente im Test
  • Über 9 000 Medikamente
  • Geprüft durch unabhängige Experten
  • Ständig aktualisiert

Blutbildender Wachstumsfaktor: Darbepoetin

Wirkungsweise

Darbepoetin ist ein blutbildender Wachstumsfaktor. Im Körper wird Erythropoietin in den Nieren gebildet – und zwar immer dann, wenn das Blut zu wenig rote Blutkörperchen enthält. Es regt die blutbildenden Zellen im Knochenmark dazu an, rasch neue Erythrozyten zu bilden. Darbepoetin unterscheidet sich lediglich in seiner chemischen Struktur von Erythropoietin. Es wirkt länger als dieses und muss deshalb nur einmal wöchentlich verabreicht werden.

Chronisch Nierenkranke, vor allem wenn sie auf die Blutwäsche (Dialyse) angewiesen sind, sind häufig blutarm, weil bei ihnen die Nieren kein Erythropoietin mehr bilden, sodass auch die blutbildenden Zellen nicht genügend rote Blutkörperchen herstellen. Bei ihnen ist Darbepoetin geeignet, um die Blutarmut zu behandeln. Meist sind dann wesentlich weniger Bluttransfusionen erforderlich.

Die Gabe des Mittels verfolgt das Ziel, die Symptome einer Anämie und Bluttransfusionen zu vermeiden. Zu beachten ist jedoch, dass es nicht im Übermaß eingesetzt wird. Es sollte nur gegeben werden, wenn die Hämoglobinwerte unter 10 g/dl liegen. Auch ist darauf zu achten, dass der Hämoglobinwert nicht zu stark angehoben wird. Eine Studie, die alle bisher veröffentlichten Publikationen zur Anwendung von Erythropoietin bei Nierenkranken berücksichtigt, gibt Hinweise darauf, dass eine Erhöhung der Hämoglobinkonzentration auf Werte über 12,2 g/dl die Sterberate eher erhöht. Auch kann dann der Blutdruck ansteigen und es besteht eine erhöhte Thrombose- und Schlaganfallgefahr. Aufgrund dieser Ergebnisse sollen blutbildende Wachstumshormone nur eingesetzt werden, wenn die Blutarmut mit ausgeprägter Müdigkeit und Schwäche einhergeht. Der Arzt sollte die Mittel möglichst niedrig dosieren und die Hämoglobinkonzentration zwischen 10 und maximal 12 g/dl einstellen.

Bisher konnte nicht gezeigt werden, dass sich mit der Gabe dieser Wachstumsfaktoren auch die Lebensqualität verbessert.

Ob Darbepoetin auch bei schweren Krankheiten wie Krebs oder Rheuma nützlich ist, bleibt fraglich. Zwar verringert die Gabe von solchen blutbildenden Wachstumsfaktoren bei bestimmten Chemotherapien deren negative Auswirkungen auf das rote Blutbild, aber es ist unklar, ob das den Betroffenen tatsächlich etwas nützt. Einige Studien legen nämlich nahe, dass sich bei bestimmten Tumorarten der Krankheitszustand dann eher verschlechtert (z. B. bei fortgeschrittenen Kopf- und Halstumoren) oder sich sogar die Sterberate erhöht (z. B. bei metastasiertem Brustkrebs). Letztlich sind die Wirkungen der Mittel an Tumorzellen aber noch nicht hinreichend geklärt.

Die Europäische Zulassungsbehörde empfiehlt daher, bei einer durch Chemotherapie verursachten Blutarmut Bluttransfusionen zu bevorzugen. Sollten blutbildende Wachstumshormone dennoch eingesetzt werden, sind diese nur angezeigt, wenn die Blutarmut mit ausgeprägter Müdigkeit und Schwäche einhergeht. Der Arzt sollte dann Nutzen und Risiken in jedem Einzelfall sorgfältig abwägen.

Eine Anwendung außerhalb der Chemotherapie ist nicht sinnvoll, da sich gezeigt hat, dass sich dann die Sterberate erhöht und auch ein erhöhtes Risiko für Thrombosen und Embolien besteht.

Anwendung

Das Mittel wird vorwiegend unter die Haut oder in die Vene injiziert. Unter die Haut gespritzt wirkt es oft besser. Von Darbepoetin werden bei chronischen Nierenfunktionsstörungen zu Beginn einmal wöchentlich 0,45 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht verabreicht. Anschließend richtet sich die Dosierung nach den erreichten Hämoglobinwerten im Blut.

Bei allen blutbildenden Wachstumsfaktoren sollte die Dosis nicht häufiger als einmal alle vier Wochen erhöht werden.

Weil der Körper sehr viele rote Blutkörperchen herstellt und dafür viel Eisen benötigt, kann es sinnvoll sein, gleichzeitig Eisenpräparate einzunehmen. Der Arzt sollte dafür den Ferritingehalt im Blut und den Eisengehalt des Ferritins bestimmen. Beide Werte zeigen an, ob die Eisenspeicher noch gefüllt sind.

Während der Anwendung sollte der Blutdruck beobachtet werden. In den ersten acht Wochen der Behandlung sollte der Arzt auch das Blutbild und dabei insbesondere die Zahl der Blutplättchen überwachen, anschließend reichen Kontrollen in größeren Abständen aus.

Achtung

Während einer monatelangen Behandlung können sich Antikörper gegen blutbildende Wachstumsfaktoren entwickeln. Wenn sich die Blutarmut trotz der Behandlung verschlechtert, muss der Arzt mithilfe spezieller Untersuchungen klären, ob eine Antikörperbildung dafür verantwortlich ist.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen sollten Sie das Mittel nicht anwenden:

  • Sie haben einen hohen Blutdruck, der nicht gut eingestellt ist (also deutlich über 140/90 mmHg liegt).
  • Sie sind an Leukämie oder anderen Blutkrebsarten erkrankt. Dann können die Mittel möglicherweise das Wachstum der bösartigen Zellen anregen.

Wenn Sie an einer Epilepsie leiden oder Ihre Leberfunktion eingeschränkt ist, sollte der Arzt Nutzen und Risiken einer Behandlung mit Darbepoetin sorgfältig abwägen.

Nebenwirkungen

Welche unerwünschten Wirkungen auftreten, wie ausgeprägt und wie häufig sie sind, hängt von der Grunderkrankung ab. Insgesamt treten bei knapp jedem zehnten Behandelten unerwünschte Wirkungen auf.

Keine Maßnahmen erforderlich

Wird das Mittel unter die Haut gespritzt, kann die Einstichstelle anschwellen und schmerzen, insbesondere bei der ersten Injektion (bei bis zu 10 von 100 Behandelten). Diese Beschwerden sind überwiegend leicht und verschwinden rasch wieder von alleine.

Muss beobachtet werden

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten mit einer Krebs- oder chronischen Nierenerkrankung steigt der Blutdruck an. Er sollte deshalb regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls medikamentös gesenkt werden.

Bei Dialysepatienten kommt es hin und wieder vor, dass der Shunt verstopft, insbesondere bei niedrigem Blutdruck, im Verlauf einer schweren Durchfallerkrankung oder wenn eine Neigung für Komplikationen mit dem Shunt besteht. Gegebenenfalls kann das Blut mit Acetylsalicylsäure "verdünnt" werden.

Bei chronischen Nierenerkrankungen können sich in Einzelfällen die Blutplättchen (Thrombozyten) stark vermehren und über den Normbereich ansteigen. Dies erkennt der Arzt, wenn er das Blutbild überwacht. Wenn die Thrombozytenzahl über dem Normbereich liegt oder stark ansteigt, sollten die Mittel abgesetzt werden.

Sofort zum Arzt

Bei bis zu 10 von 1 000 Behandelten mit chronischer Nierenerkrankung steigt der Blutdruck plötzlich extrem an (Hochdruckkrise). Anzeichen dafür sind plötzlich auftretende stechende Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwindel, Sprach- oder Gangstörungen, Krampfanfälle oder Atemnot. Wenn Sie solche Symptome bemerken, müssen Sie umgehend einen Arzt aufsuchen, damit der Blutdruck medikamentös gesenkt werden kann.

Bei bis zu 10 von 1 000 Tumorpatienten, die blutbildende Wachstumsfaktoren erhielten, wurden Thrombosen beobachtet. Wenn Sie zu dieser Personengruppe gehören und Schmerzen im Bein spüren oder wenn das Bein plötzlich anschwillt, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen. Bei einer chronischen Nierenerkrankung kommen solche Thrombosen seltener vor.

Bei starkem Juckreiz und Hautausschlag, der zusätzlich von Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel begleitet wird, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln. Dann müssen Sie unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Es gibt nur wenige Daten über die Anwendung von blutbildenden Wachstumsfaktoren wie Darbepoetin in dieser Zeit. Deshalb sollte das Mittel nur in dringenden Notfällen eingesetzt werden.

Sie sehen nun nur noch Informationen zu: ${filtereditemslist}.

Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs