Medikamente im Test
  • Über 9 000 Medikamente
  • Geprüft durch unabhängige Experten
  • Ständig aktualisiert

Blutbildender Wachstumsfaktor: Pegyliertes Epoetin

Wirkungsweise

Pegyliertes Erythropoietin (pegyliertes Epoetin beta) ist chemisch verändertes Erythropoietin. Dieser blutbildende Wachstumsfaktor wird in den Nieren gebildet – und zwar immer dann, wenn das Blut zu wenig rote Blutkörperchen enthält. Es regt die blutbildenden Zellen im Knochenmark dazu an, rasch neue Erythrozyten zu bilden. Pegyliertes Erythropoietin (Mircera) ist an Polyethylenglycol (abgekürzt PEG) gebunden. Das führt dazu, dass das Mittel nur langsam abgebaut wird und somit länger im Körper verbleibt. Deshalb muss Mircera nur einmal alle zwei bis vier Wochen gespritzt werden. Das kann, muss aber nicht unbedingt von Vorteil sein. So kann es z. B. zu Komplikationen führen, wenn das Mittel nicht gut vertragen wird, weil es nach dem Spritzen noch sehr lange im Körper verbleibt und auftretende unerwünschte Wirkungen nicht abgestellt werden können. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Häufigkeit von Nebenwirkungen bei diesem Mittel in der Zukunft entwickelt. Die Wirksamkeit von PEG-Erythropoietin entspricht der von Erythropoietin.

Chronisch Nierenkranke, vor allem wenn sie auf die Blutwäsche (Dialyse) angewiesen sind, sind häufig blutarm, weil bei ihnen die Nieren kein Erythropoietin mehr bilden, sodass auch die blutbildenden Zellen nicht genügend rote Blutkörperchen herstellen. Der Einsatz von blutbildenden Wachstumsfaktoren kann helfen, die Zahl der Bluttransfusionen zu senken und einer Anämie entgegenzuwirken. PEG-Erythropoietin ist bei chronisch Nierenkranken auch geeignet, weil es noch weniger erprobt ist als unpegyliertes Erythropoietin.

Die Gabe von Epoetinen verfolgt das Ziel, die Symptome einer Anämie und Bluttransfusionen zu vermeiden.

Pegyliertes Epoetin darf, wie die anderen Wachstumsfaktoren auch, nicht im Übermaß eingesetzt werden. Sie sollten nur gegeben werden, wenn die Hämoglobinwerte unter 10 g/dl liegen. Auch ist darauf zu achten, dass der Hämoglobinwert nicht zu stark angehoben wird. Eine Studie, die alle bisher veröffentlichten Publikationen zur Anwendung von Erythropoietin bei Nierenkranken berücksichtigt, gibt Hinweise darauf, dass eine Erhöhung der Hämoglobinkonzentration auf Werte über 12,2 g/dl die Sterberate eher erhöht. Auch kann dann der Blutdruck ansteigen und es besteht eine erhöhte Thrombose- und Schlaganfallgefahr. Aufgrund dieser Ergebnisse sollen blutbildende Wachstumshormone nur eingesetzt werden, wenn die Blutarmut mit ausgeprägter Müdigkeit und Schwäche einhergeht. Der Arzt sollte die Mittel möglichst niedrig dosieren und die Hämoglobinkonzentration zwischen 10 und maximal 12 g/dl einstellen.

Bisher konnte nicht gezeigt werden, dass sich mit der Gabe dieser Wachstumsfaktoren auch die Lebensqualität verbessert.

Erythropoietin wird mitunter auch empfohlen, wenn eine planbare große Operation (z. B. Hüftgelenkersatz) bevorsteht und Eigenblutspenden sinnvoll sind. Bis zur Operation ist dann der Verlust an roten Blutkörperchen wieder ausgeglichen. Allerdings kann auch hier das Risiko für tiefe Beinvenenthrombosen ansteigen. Der Arzt sollte während dieser Zeit deshalb sorgfältig den Hämoglobinwert im Blut kontrollieren.

Anwendung

PEG-Epoetin wird anfangs alle zwei Wochen in einer Dosierung von 0,6 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht verabreicht. Wird das Mittel nicht bei Dialysepatienten eingesetzt, kann es von Anfang an nur einmal pro Monat in einer Dosierung von 1,2 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht gegeben werden. Später richten sich Dosis und Dosierungsintervalle nach den erreichten Hämoglobinwerten im Blut.

Das Mittel wird vorwiegend unter die Haut oder in die Vene injiziert. Unter die Haut gespritzt wirkt es oft besser.

Bei PEG-Epoetin sollte die Dosis nicht häufiger als einmal alle vier Wochen erhöht werden.

Weil der Körper sehr viele rote Blutkörperchen herstellt und dafür viel Eisen benötigt, kann es sinnvoll sein, gleichzeitig Eisenpräparate einzunehmen. Der Arzt sollte dafür den Ferritingehalt im Blut und den Eisengehalt des Ferritins bestimmen. Beide Werte zeigen an, ob die Eisenspeicher noch gefüllt sind.

Während der Anwendung sollte der Blutdruck überwacht werden. In den ersten acht Wochen der Behandlung sollte der Arzt auch das Blutbild und dabei insbesondere die Zahl der Blutplättchen beobachten, anschließend reichen Kontrollen in größeren Abständen aus.

Achtung

Während einer monatelangen Behandlung können sich Antikörper gegen pegyliertes Epoetin entwickeln. Wenn sich die Blutarmut trotz der Behandlung verschlechtert, muss der Arzt mithilfe spezieller Untersuchungen klären, ob eine Antikörperbildung dafür verantwortlich ist.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen sollten Sie das Mittel nicht anwenden:

  • Sie haben einen hohen Blutdruck, der nicht gut eingestellt ist (also deutlich über 140/90 mmHg liegt).
  • Sie sind an Leukämie oder anderen Blutkrebsarten erkrankt. Dann können die Mittel möglicherweise das Wachstum der bösartigen Zellen anregen.

Wenn Sie an einer Epilepsie leiden, sollte der Arzt Nutzen und Risiken einer Behandlung sorgfältig abwägen.

Nebenwirkungen

Welche unerwünschten Wirkungen auftreten, wie ausgeprägt und wie häufig sie sind, hängt von der Grunderkrankung ab. Insgesamt treten bei knapp jedem zehnten Behandelten unerwünschte Wirkungen auf.

Im Vergleich zu herkömmlichen Erythropoietinen wurden bei der Behandlung mit PEG-Epoetin mehr unerwünschte Wirkungen beobachtet, die auch häufiger dazu führten, dass die Therapie abgebrochen wurde. So kam es bei 1 von 100 Behandelten häufiger zu Bluthochdruck, zu einer Thrombose oder zu Magen-Darm-Blutungen.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei bis zu 10 von 1 000 Behandelten treten Kopfschmerzen auf, die in der Regel rasch wieder vergehen. Setzen die Kopfschmerzen jedoch sehr plötzlich ein und sind sie sehr stark, können sie ein Zeichen für eine Hochdruckkrise sein, die sofort ärztlicher Behandlung bedarf.

Wird das Mittel unter die Haut gespritzt, kann die Einstichstelle anschwellen und schmerzen, insbesondere bei der ersten Injektion (bei bis zu 10 von 100 Behandelten). Diese Beschwerden sind überwiegend leicht und verschwinden rasch wieder von alleine.

Muss beobachtet werden

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten mit einer Krebs- oder chronischen Nierenerkrankung steigt der Blutdruck an. Er sollte deshalb regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls medikamentös gesenkt werden.

Bei Dialysepatienten kommt es hin und wieder vor, dass der Shunt verstopft, insbesondere bei niedrigem Blutdruck, im Verlauf einer schweren Durchfallerkrankung oder wenn eine Neigung für Komplikationen mit dem Shunt besteht. Gegebenenfalls kann das Blut mit Acetylsalicylsäure "verdünnt" werden.

Bei chronischen Nierenerkrankungen können sich in Einzelfällen die Blutplättchen (Thrombozyten) stark vermehren und über den Normbereich ansteigen. Dies erkennt der Arzt, wenn er das Blutbild überwacht. Wenn die Thrombozytenzahl über dem Normbereich liegt oder stark ansteigt, sollten die Mittel abgesetzt werden.

Sofort zum Arzt

Bei bis zu 10 von 1 000 Behandelten mit chronischer Nierenerkrankung steigt der Blutdruck plötzlich extrem an (Hochdruckkrise). Anzeichen dafür sind plötzlich auftretende stechende Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwindel, Sprach- oder Gangstörungen, Krampfanfälle oder Atemnot. Wenn Sie solche Symptome bemerken, müssen Sie umgehend einen Arzt aufsuchen, damit der Blutdruck medikamentös gesenkt werden kann.

Bei bis zu 10 von 1 000 Tumorpatienten, die blutbildende Wachstumsfaktoren erhielten, wurden Thrombosen beobachtet. Wenn Sie zu dieser Personengruppe gehören und Schmerzen im Bein spüren oder wenn das Bein plötzlich anschwillt, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen. Bei einer chronischen Nierenerkrankung kommen solche Thrombosen seltener vor.

Bei starkem Juckreiz und Hautausschlag, der zusätzlich von Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel begleitet wird, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln. Dann müssen Sie unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Da für Mircera keine ausreichenden Daten zu Wirksamkeit und Verträglichkeit bei Kindern und Jugendlichen vorliegen, sollte das Mittel bei ihnen nicht eingesetzt werden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Es gibt bisher nur wenige Daten über die Anwendung von blutbildenden Wachstumsfaktoren wie Mircera in dieser Zeit. Deshalb sollte das Mittel nur in dringenden Notfällen eingesetzt werden.

Sie sehen nun nur noch Informationen zu: ${filtereditemslist}.

Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs