Medikamente im Test
  • Über 9 000 Medikamente
  • Geprüft durch unabhängige Experten
  • Ständig aktualisiert

Biguanid + Glitazon: Metformin + Pioglitazon (Kombination)

Wirkungsweise

Die Kombination von Metformin und Pioglitazon wirkt durch zwei unterschiedliche Wirkmechanismen auf den Blutzucker ein. Im Vergleich zur alleinigen Anwendung der Einzelstoffe kann deren Kombination daher den Blutzucker stärker senken. Allerdings können damit auch mehr unerwünschte Wirkungen verbunden sein.

Zum einen gibt es Hinweise auf schwerwiegende Herzerkrankungen. Das Risiko dafür scheint bei einer kombinierten Behandlung mit Metformin und Pioglitazon größer zu sein als bei der kombinierten Anwendung von Metformin und einem Sulfonylharnstoff.

Glitazone wie Pioglitazon steigern vor allem bei Frauen das Risiko für Knochenbrüche. Nach derzeitigen Erkenntnissen erhöht Pioglitazon möglicherweise das Risiko für Blasenkrebs, insbesondere bei hoher Dosierung und langer Einnahme. Aufgrund der aktuellen Studienergebnisse rät die deutsche Zulassungsbehörde vom Gebrauch von Pioglitazon ab.

Letztlich sind auch Fragen zum Nutzen dieser Kombinationen offen. Für die Behandlung mit einer Kombination aus Metformin und Pioglitazon ist nicht sicher nachgewiesen, dass sie Spätfolgen eines Diabetes besser vermeidet als eine Behandlung mit hoch dosiertem Metformin allein. Die Kombination wird daher als "wenig geeignet" angesehen.

Näheres zur Wirkung der einzelnen Bestandteile lesen Sie unter Metformin und Pioglitazon.

Dieses Präparat aus zwei blutzuckersenkenden Wirkstoffen wird darüber hinaus auch noch mit einem dritten Diabetesmedikament kombiniert eingesetzt. Wie diese Dreifachkombinationen zu beurteilen sind, lesen Sie unter Kombination mehrerer blutzuckersenkender Mittel zur Diabetesbehandlung.

Anwendung

Üblicherweise wird von diesem Präparat zweimal täglich eine Tablette eingenommen. Am besten wäre es allerdings, wenn der Arzt vor der Verordnung dieses Kombinationsmittels herausfinden würde, welche Menge Sie von jedem der beiden Bestandteile benötigen, und die Dosierung der Kombination dann danach auswählt.

Vor allem aufgrund des Metformin-Anteils in dem Präparat sollte bei Personen über 65 Jahre und solchen, deren Nierenfunktion vermindert ist, die Nierenfunktion mindestens halbjährlich kontrolliert werden.

Aus dem gleichen Grund muss der Arzt bei einer Anwendung über ein Jahr hinaus ein Blutbild machen, um auf eine Blutarmut durch Vitamin-B12-Mangel aufmerksam zu werden.

Aufgrund des Glitazonanteils in diesem Kombinationsmittel sollte der Arzt vor der Verordnung die Leberenzyme bestimmt haben. Während der Behandlung sollten diese Blutwerte ein Jahr lang jeden zweiten Monat, danach jedes halbe Jahr kontrolliert werden. Diese Maßnahme soll rechtzeitig darauf aufmerksam machen, wenn das Glitazon die Leber schädigt.

Durch Glitazone lagert der Körper verstärkt Wasser ein. Dadurch kann sich eine bestehende Herzschwäche verschlechtern. Bei einer Behandlung mit Glitazonen sollte daher regelmäßig die Herzfunktion überprüft und auf Symptome einer Herzschwäche wie Müdigkeit, geschwollene Gelenke und Atemnot geachtet werden.

Achtung

Bei einer Harnwegsinfektion, einer akuten Durchfallerkrankung und einer akuten Herz-Kreislauf-Schwäche kann die Nierenfunktion vorübergehend gestört sein. Da das Mittel Metformin enthält, ist in diesen Fällen sofort ein Arzt zu kontaktieren. Auch eine Operation unter Vollnarkose und das Spritzen eines jodhaltigen Röntgenkontrastmittels können die Nierenfunktion beeinträchtigen. Zwei Tage vor solchen Eingriffen muss diese Kombination mit Metformin abgesetzt werden; frühestens zwei Tage danach darf die Einnahme wieder beginnen.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie das Mittel nicht anwenden oder müssen es sofort absetzen, weil sonst eine Übersäuerung des Blutes (Lactatazidose) droht:

  • Sie haben eine Leberfunktionsstörung oder erhöhte Leberwerte. Auch jedes andere Anzeichen einer Leberkrankheit spricht gegen die Anwendung dieses Arzneimittels.
  • Sie haben oder hatten schon einmal eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz).
  • Ihr Stoffwechsel ist entgleist, sodass Sie viel zu viel Zucker im Blut haben (Überzuckerung). Dann enthält Ihr Blut auch zu viel Säure.
  • Sie haben eine schwere akute Erkrankung oder eine schwere Verletzung.
  • Ihr Herz oder Ihr Kreislauf hat versagt oder Ihre Durchblutung ist gestört.
  • Sie haben eine so schwere Lungenerkrankung (Asthma, COPD) oder Herzschwäche (Herzinsuffizienz), dass Ihre Gewebe nur unzureichend mit Sauerstoff versorgt werden.
  • Sie haben durch Erbrechen oder Durchfall sehr viel Flüssigkeit verloren.
  • Ihr Körper baut Eiweiß ab, weil Sie fasten oder eine Krebserkrankung die Reserven aufzehrt.
  • Ihre Nierenfunktion ist schwer gestört, erkennbar daran, dass die Kreatinin-Clearance unter 30 ml/min liegt. Ist Ihre Nierenfunktion mit einer Kreatinin-Clearance zwischen 30 und 59 ml/min nur mäßig eingeschränkt, kann Metformin eingesetzt werden. Die Dosis des Mittels muss dann allerdings in Abhängigkeit von der Nierentätigkeit entsprechend den Herstellerempfehlungen angepasst werden.
  • Sie sind alkoholkrank.

Da das Mittel Pioglitazon enthält, dürfen Sie das Mittel auch nicht einnehmen, wenn Sie schon einmal eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) hatten oder akut daran leiden.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Durch Rifampicin (bei Tuberkulose) kann das Mittel schwächer wirken. Bei einer gemeinsamen Anwendung sollten Sie den Blutzucker häufiger messen.
  • Glucocorticoide zum Einnehmen und Inhalieren (bei Entzündungen, Immunreaktionen, Asthma, COPD) können die blutzuckersenkende Wirkung abschwächen. Zu Beginn und nach dem Ende einer Behandlung mit Glucocorticoiden sollte der Blutzucker häufiger kontrolliert werden. Eventuell muss der Arzt die Dosierung des Diabetesmedikaments anpassen.
  • Durch Cimetidin (bei Sodbrennen) kann das Mittel länger wirken. Möglicherweise müssen Sie die Dosis von Metformin und damit der festgelegten Kombination verringern.
  • Glucocorticoide zum Einnehmen und Inhalieren (bei Entzündungen, Immunreaktionen, Asthma, COPD) sowie Beta-2-Sympathomimetika (bei Asthma, COPD) können die Wirkung von Metformin vermindern; dann steigt das Risiko für eine Überzuckerung. Zu Beginn und nach dem Ende der Behandlung mit den genannten Medikamenten und wenn die Medikamentendosierung erhöht wird, sollte der Blutzucker häufiger kontrolliert und die blutzuckersenkende Therapie, wenn notwendig, angeglichen werden.
  • Für bestimmte Röntgenuntersuchungen sind jodhaltige Kontrastmittel erforderlich. Diese können die Nierenfunktion stören und so die Ausscheidung von Metformin beeinträchtigen. Dadurch steigt das Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen (Lactatazidose) an. Die Behandlung mit Metformin sollte vor der Gabe des Kontrastmittels unterbrochen und erst 48 Stunden danach wieder aufgenommen werden. Die Behandlung darf nur fortgeführt werden, wenn eine Untersuchung bestätigt hat, dass sich die Nierenfunktion nicht weiter verschlechtert hat. Andernfalls muss der Diabetes für kurze Zeit mit Insulin behandelt werden.

Unbedingt beachten

In Kombination mit anderen blutzuckersenkenden Mitteln wie Sulfonylharnstoffen, Gliniden oder Insulin kann es zu Unterzuckerungen kommen. Insbesondere zu Beginn einer derartigen Kombinationsbehandlung und bei der Beendigung ist der Blutzucker häufiger zu kontrollieren.

Zu Beginn einer Behandlung mit Blutdrucksenkern wie beispielsweise ACE-Hemmer oder Schleifendiuretika kann sich die Nierenfunktion verschlechtern. Dann kann sich die Wirkung des Bestandteils Metformin verstärken und das Risiko für eine Lactatazidose steigt. In dieser Zeit muss der Arzt die Nierenfunktion besonders sorgfältig überprüfen.

Nichtsteroidale Antirheumatika (bei Rheuma, Schmerzen) können die Wirkung von Metformin ebenfalls verstärken. Damit erhöht sich insbesondere bei Nierenkranken das Risiko für eine Lactatazidose.

Da dieses Kombinationsmittel Pioglitazon enthält, müssen Sie außerdem noch beachten: Wenn Sie zusätzlich noch Gemfibrozil (bei erhöhten Blutfettwerten) einnehmen, kann das Mittel verstärkt wirken. Dann kann es zu Unterzuckerungen kommen. Deshalb sollten Sie zu Beginn und nach dem Ende der Behandlung einer gemeinsamen Anwendung der Kombination mit Gemfibrozil häufiger als sonst den Blutzucker kontrollieren. Eventuell muss der Arzt die Dosierung des Diabetesmittels anpassen.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Reichlicher Alkoholkonsum, sei es von Zeit zu Zeit oder kontinuierlich, stört die Leberfunktion. Dann kann diese Kombination mit Metformin zu einer gefährlichen Übersäuerung des Blutes führen (Lactatazidose). Außerdem kann Alkohol die Anzeichen einer möglichen Unterzuckerung verdecken oder sie treten verzögert auf. Während der Behandlung mit Metformin sollten Sie Alkohol möglichst meiden. Allenfalls zum Essen können Sie eine geringe Menge trinken.

Nebenwirkungen

Während sich das Gewicht bei einer Behandlung mit Metformin allein eher verringert, müssen Sie bei der Behandlung mit dem Kombinationspräparat mit einem leichten Gewichtsanstieg rechnen.

Keine Maßnahmen erforderlich

Vor allem zu Beginn der Behandlung kommt es bei bis zu 10 von 100 Behandelten zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und einem metallischen Geschmack im Mund. Diese Beschwerden legen sich meist innerhalb weniger Wochen. Vergehen die Beschwerden nicht oder werden sie sehr unangenehm, besprechen Sie das mit einem Arzt. Er muss entscheiden, ob Sie ein anderes Medikament nehmen sollen.

Bei mehr als 1 von 100 Behandelten treten Missempfindungen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle in Beinen und Armen auf.

Blähungen treten bei etwa 1 von 100 Behandelten auf. Hinzu kommen bei etwa 10 von 100 Appetitverlust und Übelkeit.

Muss beobachtet werden

Wenn sich die Haut verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wenn Beschwerden im Oberbauch länger als eine Woche anhalten oder schmerzhaft sind, sollten Sie zum Arzt gehen, damit er Magen und Bauchspeicheldrüse untersuchen kann.

Schwellungen an Knöcheln, Beinen und Händen treten bei 3 bis 5 von 100 Anwendern von Pioglitazon auf, bei Belastung unter Umständen begleitet von Atemnot. Sie beruhen darauf, dass sich durch den Wirkstoff Wasser im Gewebe einlagert. Dadurch kann sich eine bestehende Herzmuskelschwäche verschlechtern. Diese Gefahr besteht insbesondere dann, wenn Sie zusätzlich Insulin spritzen.

Ebenfalls durch die vermehrte Wassereinlagerung kann sich bei 1 von 100 Anwendern das Blut etwas verdünnen. Davon sind besonders Menschen betroffen, deren Gehalt an roten Blutkörperchen relativ gering ist. Bei ihnen sollte das Blutbild kontrolliert werden.

Vor allem Frauen können vermehrt Knochenbrüche erleiden, wenn sie Pioglitazon einnehmen. Bei 2 bis 5 von 100 Frauen, die ein Glitazon einnehmen, ist das der Fall. Von denen, die das Medikament nicht anwenden, sind es 1 bis 2 von 100 Frauen.

Blut im Urin sollte Sie immer zum Arzt führen. Dieser sollte die Möglichkeit eines Blasenkrebses abklären.

Sofort zum Arzt

Bekommen Sie Atemnot, müssen Sie einen Arzt rufen. Es kann sich um eine Lungenstauung handeln oder es kann Wasser in der Lunge sein.

Sehr selten kann das Mittel die Leber schwer schädigen. Wenn sich die Haut gelb färbt – möglicherweise begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper –, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen. Wird Pioglitazon abgesetzt, bilden sich die Symptome wieder zurück.

Biguanide, zu denen der Bestandteil Metformin dieses Mittels gehört, können vereinzelt bewirken, dass sich im Blut Milchsäure ansammelt. Eine solche Lactatazidose ist stets lebensgefährlich. Von 100 000 Diabetikern, die ein Jahr lang Metformin einnehmen, entwickeln 3 bis 8 eine Lactatazidose. Die Hälfte von ihnen stirbt daran. Eine Lactatazidose durch Metformin tritt meist bei den Personen auf, die neben Diabetes noch eine weitere schwere Krankheit haben. Die Gefahr einer solchen unerwünschten Wirkung lässt sich deutlich verringern, wenn der Arzt genau beachtet, wann er kein Metformin verordnen darf, und wenn er in mindestens halbjährlichen Abständen die Funktion von Leber und Nieren überprüft. Auch akute Erkrankungen, bei denen der Körper viel Flüssigkeit verliert, können eine Lactatazidose auslösen. Beispielsweise ist hohes Fieber oft mit erheblichem Flüssigkeitsverlust verbunden.

Die ersten Anzeichen einer Übersäuerung ähneln den üblichen unerwünschten Wirkungen: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen. Werden sie jedoch stärker und kommen Kälteschauer, Schwindel, Schläfrigkeit, Muskelschmerzen, Kurzatmigkeit, Schwäche und Bewusstseinsstörungen hinzu, sollte sofort der Notarzt (Telefon 112) gerufen werden. Sie müssen möglichst schnell ins Krankenhaus gebracht werden.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Über die Anwendung dieses Kombinationsmittels bei Kindern gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Sie sollten daher nicht damit behandelt werden.

Bei Kinderwunsch

Bereits vor einer geplanten Schwangerschaft sollte der Blutzucker mit Insulin statt Tabletten eingestellt werden. Spätestens nachdem die Schwangerschaft festgestellt wurde, müssen Sie unbedingt zu Insulin wechseln, um Ihre Gesundheit und die des Kindes zu schützen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Während der Schwangerschaft und Stillzeit dürfen Sie dieses Kombinationsmittel nicht anwenden, sondern sollten den Diabetes mit Insulin behandeln.

Für ältere Menschen

Altersbedingt lässt die Nierenfunktion nach. Daher muss bei Personen über etwa 65 Jahre, die mit dieser Kombination mit Metformin behandelt werden, regelmäßig die Nierenfunktion überprüft werden. Empfohlen werden diese Kontrolluntersuchungen alle drei bis sechs Monate. Verschlechtert sich die Nierenfunktion, muss Metformin und damit diese Kombination niedriger dosiert oder sogar abgesetzt und durch eine andere Behandlung ersetzt werden. Dieser Hinweis ist für Personen besonders wichtig, die ihren Blutdruck mit Medikamenten senken, entwässernde Mittel einnehmen oder rheumatische Schmerzen mit nichtsteroidalen Antirheumatika behandeln. Diese Behandlungen können die Nierenfunktion beeinträchtigen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Hinweise für Menschen mit Diabetes zur Teilnahme am Straßenverkehr finden Sie unter Diabetes und Straßenverkehr.

Sie sehen nun nur noch Informationen zu: ${filtereditemslist}.

Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs