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Benzodiazepine: Alprazolam, Bromazepam, Brotizolam, Clobazam, Clonazepam, Clorazepat, Diazepam, Flunitrazepam, Flurazepam, Lorazepam, Lormetazepam, Medazepam, Midazolam, Nitrazepam, Oxazepam, Prazepam, Temazepam und Triazolam

Wirkungsweise

Benzodiazepine wirken beruhigend bis schlaffördernd. Gleichzeitig wirken sie angstlösend, muskelentspannend und krampflösend – jede Substanz allerdings in etwas unterschiedlichem Maße. Die verschiedenen Vertreter wirken unterschiedlich lang, weil sie verschieden schnell in den Körper aufgenommen werden, sich unterschiedlich stark an den Bindungsstellen festhängen und verschieden schnell umgebaut und ausgeschieden werden. Bei manchen Benzodiazepinen entstehen Abbauprodukte, die sehr lange im Körper bleiben und dämpfend wirken. Von Flurazepam (bei Schlafstörungen) z. B. kann eines der Abbauprodukte mehr als 100 Stunden lang wirken, insbesondere bei älteren Menschen. Dies kann das Risiko für unerwünschte Wirkungen erhöhen und hat daher auch Auswirkungen auf ihre Bewertung.

Für Benzodiazepine gibt es an den Zellen im zentralen Nervensystem spezifische Bindungsstellen. Wenn Benzodiazepine dort andocken, verstärkt das die Wirkung des Botenstoffs Gammaaminobuttersäure (GABA). Dieser hemmt die Aktivität der Nervenzellen. Welche Wirkung des Wirkstoffes betont ist, hängt unter anderem davon ab, wie sich die Substanzen in den verschiedenen Körpergeweben verteilen und wie sie um- und abgebaut werden.

Angst- und Zwangsstörungen und Schlafstörungen

Je nach Intensität ihrer Anbindung an die körpereigenen Bindungsstellen wirken Benzodiazepine beruhigend bis einschläfernd.

Angst- und Zwangsstörungen

Vor allem bei höherer Dosierung und zu Beginn der Behandlung einer Angststörung schirmen Benzodiazepine die Behandelten stark vom Alltagsgeschehen ab. Was um den Betroffenen herum geschieht, scheint ihn nichts mehr anzugehen. Bei großer Belastung kann das für einen begrenzten Zeitraum hilfreich sein; bei einer Langzeitanwendung kann dann allerdings das Gefühlsleben verarmen. Außerdem birgt eine Dauerbehandlung mit diesen Mitteln die Gefahr, dass sich eine Abhängigkeit entwickelt.

Die mittellangwirkenden Substanzen Alprazolam, Bromazepam, Lorazepam und Oxazepam gelten bei Angststörungen als "geeignet". Ihre Wirkung setzt relativ rasch ein und vergeht nach einigen Stunden wieder. Hoch dosierte Produkte sind in der Regel nicht erforderlich, es sei denn, es handelt sich um schwere Angststörungen. Lorazepam in einer Dosierung von mehr als ein Milligramm pro Tag kann eher zur Abhängigkeit führen als geringere Dosen.

Clobazam, Dikaliumclorazepat, Medazepam und Prazepam wirken zwischen 50 und 80 Stunden, Diazepam sogar bis zu 100 Stunden lang. Dass die Verweildauer von Mensch zu Mensch so sehr schwankt, beruht auf den individuell unterschiedlichen Vorgängen im Körper. Besonders bei älteren Menschen ist damit zu rechnen, dass Leber und Nieren – die Arzneimittel abbauen und ausscheiden – langsam arbeiten. Dann können sich Substanzen, die ohnehin lange im Körper verweilen, anreichern und zunehmend stärker wirken. Damit intensivieren sich auch die unerwünschten Wirkungen. Es wächst das Risiko für Abhängigkeit, aber auch die Unfallgefahr. Gerade Menschen, die nicht mehr ganz sicher auf den Beinen sind, laufen Gefahr zu stürzen und infolge eines solchen Unfalls einen dauerhaften Schaden zu erleiden. Langwirkende Benzodiazepine werden bei Angststörungen als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.

Epilepsien

Clonazepam, Diazepam, Lorazepam und Midazolam werden bei Epilepsien eingesetzt. Diese Benzodiazepine hemmen die Ausbreitung krankhafter Erregungen in den Nervenzellen. Die Wirksamkeit dieser Substanzen ist belegt. Bei der Auswahl des Wirkstoffes wird zwischen einer Akutbehandlung bei einem Status epilepticus und einer Dauerbehandlung unterschieden. Zur Akutbehandlung als Infusion beim Status epilepticus werden sowohl Clonazepam als auch Lorazepam als "geeignet" bewertet. Wie eine Übersichtsarbeit gezeigt hat, kann Lorazepam einen Status epilepticus besser unterbrechen als Diazepam- oder Phenytoin-Infusionen. Die Verabreichung von Injektionen muss durch den Arzt erfolgen.

Diazepam rektal als Lösung zur Einführung in den After und Midazolam zur Anwendung in der Mundhöhle sind zur Akutbehandlung eines Krampfanfalls durch Eltern, Betreuungspersonen oder Angehörige vorgesehen, etwa auf Reisen oder wenn derartige Krampfanfälle schon einmal aufgetreten sind. Midazolam ist geeignet, um bei Kindern und Jugendlichen einen langandauernden Krampfanfall schnell zu beenden. Diazepam rektal kann nach Anweisung des Arztes eingesetzt werden, um einen Status epilepticus zu unterbrechen. Hierfür ist das Mittel geeignet.

Für eine Dauertherapie haben Benzodiazepine den Nachteil, dass sich der Körper nach drei bis sechs Monaten so an die Medikamente gewöhnt hat, dass sie nicht mehr ausreichend wirken. Aufgrund dieses Nachteils werden Benzodiazepine nach Möglichkeit durch andere Mittel ersetzt. Bei der Behandlung bestimmter Epilepsieformen, z. B. Abscencen, haben sie allerdings nach wie vor ihren Stellenwert. Clonazepam gilt – insbesondere als Zusatztherapeutikum – in der Dauerbehandlung aber als "auch geeignet", wenn andere Mittel nicht eingesetzt werden können oder wenn andere Mittel nicht ausreichend wirken. Das Mittel sollte aber nicht länger als sechs Monate zum Einsatz kommen und abgesetzt werden, wenn die Einnahme nicht zu einer Verbesserung der Beschwerden führt.

Schlafstörungen

Kurz- und mittellangwirkende Benzodiazepine fördern das Einschlafen und können das Durchschlafen unterstützen. Damit sind Brotizolam (Wirkdauer 3 bis 6 Stunden), Lormetazepam (Wirkdauer 10 bis 14 Stunden) und Temazepam (Wirkdauer 10 bis 13 Stunden) geeignet. Triazolam wird als "mit Einschränkung geeignet" eingestuft, denn es wirkt nur etwa zwei bis vier Stunden lang. Dadurch kann der Anwender in der zweiten Nachthälfte aufwachen und versucht sein, erneut zu einem Schlafmittel zu greifen. Mit Triazolam verbinden sich darüber hinaus schwerwiegende unerwünschte Wirkungen, wenn das Mittel missbräuchlich in überhöhter Dosierung angewendet wird. Triazolam darf daher keinesfalls höher dosiert werden, als die Dosierungsempfehlungen angeben.

Flunitrazepam (Wirkdauer 16 bis 35 Stunden), Flurazepam (aufgrund eines ebenfalls wirksamen Abbauprodukts Wirkdauer 19 bis 133 Stunden) und Nitrazepam (Wirkdauer 25 bis 30 Stunden) gelten hingegen als "wenig geeignet". Ihre Wirkung reicht meist bis in den nächsten Tag ("Hang-over") hinein und kann die Koordinations- und Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen. Besonders ältere Menschen sind dann gefährdet zu stürzen und durch die Sturzfolgen dauerhafte Schäden davonzutragen.

Flunitrazepam hat ein besonders hohes Abhängigkeitspotenzial und wurde von Drogenabhängigen häufig missbräuchlich verwendet. Um die illegale Beschaffung von Präparaten mit diesem Wirkstoff zu erschweren, hat der Gesetzgeber seit dem 1. November 2011 alle Mittel mit Flunitrazepam der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung unterstellt, es darf also nur noch auf einem Betäubungsmittelrezept verordnet werden.

Rheumatische Beschwerden, Kreuz- und Rücken­beschwerden, Verspannungen

Diazepam wird als "geeignet" angesehen, wenn es nur kurze Zeit eingesetzt wird, um Muskelverspannungen zu mildern.

Die Wirkdauer von Diazepam schwankt von Person zu Person stark. Bei älteren Menschen ist sie deutlich länger als bei jüngeren. Diazepam kann bis zu 100 Stunden lang wirken.

Lange Jahre wurde auch Tetrazepam – ein weiteres Benzodiazepin – als muskelentspannendes Mittel eingesetzt. Präparate mit diesem Wirkstoff wurden jedoch auf Anordnung der Europäischen Zulassungsbehörde zum 1. August 2013 aus dem Verkehr gezogen, da mittlerweile Berichte über schwere Hautreaktionen vorliegen. Diesen gefährlichen Nebenwirkungen steht kein spezieller Nutzen gegenüber, da Tetrazepam nicht wirksamer ist als andere Benzodiazepine, wie z. B. Diazepam.

Anwendung

Angst- und Zwangsstörungen

Für die Behandlung von Angststörungen mit Benzodiazepinen gelten einige Grundsätze, die das Risiko, von den Mitteln abhängig zu werden, begrenzen sollen.

  • Die Therapie wird mit der geringsten wirksamen Dosis begonnen; gegebenenfalls wird sie innerhalb von drei bis vier Tagen gesteigert.
  • Menschen, die älter sind als 60 Jahre, nehmen nicht mehr als ein Viertel bis die Hälfte der üblichen Dosis ein.
  • Die Behandlung dauert so kurz wie möglich – keinesfalls länger als zwei Wochen. Bevor Benzodiazepine länger verordnet werden, sollte unbedingt ein Psychiater oder Nervenarzt zurate gezogen werden.
  • Sind die Angstzustände nach etwa zwei Wochen nicht deutlich zurückgegangen, wirkt das Medikament nicht ausreichend und kann abgesetzt werden. Bessert sich der Zustand, sollte die Medikamentendosis innerhalb von zwei Wochen langsam reduziert werden.

Bei zusätzlichen Schlafstörungen sollte die gesamte Dosis des Mittels oder der größte Teil davon eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen eingenommen werden, um die schlaffördernde Wirkung zu nutzen.

Um eine mehrwöchige Benzodiazepinbehandlung zu beenden, kann die Dosis jede Woche halbiert werden. Bleibt von der ursprünglichen Dosierung nur noch eine halbe Tablette der schwächsten Dosierung zur Nacht übrig, wird ganz abgesetzt.

Bei einer Reihe von Menschen reicht oftmals eine geringere Dosis Benzodiazepine aus. Dazu gehören Personen mit Kreislaufschwäche, Leber- und Nierenfunktionsstörungen sowie Personen mit Veränderungen im Gehirn.

Epilepsien

Allgemeine Angaben zur Anwendung von Benzodiazepinen bei Epilepsie finden Sie unter Epilepsiemittel.

Clonazepam zum Einnehmen erreicht nach etwa einer Woche einen gleichmäßigen Wirkstoffspiegel.

Erwachsene und Kinder ab 15 Kilogramm Körpergewicht können mit fünf oder zehn Milligramm Diazepam rektal behandelt werden. Wenn der Anfall nach 10 bis 15 Minuten nicht beendet ist, kann eine zweite Tube in den After gegeben werden. Die Maximaldosis liegt bei Kindern über 15 Kilogramm bei 20 Milligramm Diazepam und bei Erwachsenen bei 30 Milligramm.

Kinder, die weniger als 15 Kilogramm wiegen, erhalten fünf Milligramm Diazepam rektal. Die Maximaldosis liegt bei ihnen bei zehn Milligramm.

Wenn Sie die Rektaltube verabreichen, sollte dies in Seitenlage geschehen. Bei kleinen Kindern darf die Tubenspitze nur bis zur Hälfte eingeführt werden. Wichtig ist, dass sich der gesamte Inhalt entleert. Drücken Sie die Tube beim Herausziehen weiter zusammen, damit die Lösung nicht zurückgesaugt wird. Danach sollten die Gesäßbacken noch einige Minuten zusammengedrückt gehalten werden.

Die verschiedenen Dosierungen von Buccolam sind zur sicheren Verwendung mit verschiedenfarbigen Etiketten gekennzeichnet. Für ein Kind unter einem Jahr verwenden Sie eine Lösung mit einem gelben Etikett (2,5 Milligramm), für ein Kind im Alter von einem bis vier Jahren in der Regel ein blaues (5 Milligramm), für eine Kind zwischen fünf und zehn Jahren ein violettes (7,5 Milligramm) und für Kinder, die älter als zehn Jahre sind (10 Milligramm), ein orangefarbenes.

Ziehen Sie die Wange des Kindes vorsichtig mit Zeigefinger und Daumen zurück und bringen Sie die Spritze in den Zwischenraum zwischen Zahnfleisch und innerer Wange. Drücken Sie die Lösung dann langsam aus der Spritze in die Backentasche des Kindes. Bei kleinen Kindern können Sie etwa die Hälfte der Dosis in die eine Backentasche und die andere Hälfte in die andere Backentasche spritzen. Von dort wird der Wirkstoff direkt ins Blut aufgenommen. Wird die Lösung dagegen geschluckt, kann der Wirkstoff nicht schnell genug wirken.

Nach etwa fünf Minuten sollte die Wirkung eintreten. Sie dürfen das Mittel nur einmal verabreichen. Wenn sich der Krampfanfall zehn Minuten nach der Gabe des Mittels noch nicht gelegt hat, müssen Sie den Notarzt (Telefon 112) rufen und ihm das verabreichte Mittel zeigen. Das gilt auch, wenn nach Beendigung eines Anfalls erneut ein Krampfanfall auftritt.

Schlafstörungen

Eine Schlaftablette wird im Allgemeinen etwa eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen eingenommen, Flunitrazepam und Triazolam jedoch unmittelbar vorher. Diese Substanzen können schon nach zehn Minuten wirken.

Nach längstens zwei Wochen sollten Sie versuchen, ohne Schlafmittel auszukommen. Wenn das Mittel allerdings abrupt abgesetzt wird, stellt sich Schlaflosigkeit ein. Daher ist es notwendig, sich aus der Behandlung "auszuschleichen". Dafür empfiehlt sich eines der folgenden Verfahren: Die Dosis wird jeden dritten Tag halbiert, bis Sie bei einem Viertel der Anfangsmenge angekommen sind; dann lassen Sie das Mittel ganz weg. Eine andere Möglichkeit ist, das Schlafmittel in Intervallen einzunehmen: Drei Nächte mit Schlafmittel, eine ohne; zwei Nächte mit, eine ohne; dann jede zweite Nacht, dann weglassen.

Die Entwöhnung von einem Dauergebrauch zieht sich lange hin, teilweise über Monate. Die Schlafmittel dürfen nicht plötzlich abgesetzt werden. Andernfalls können Entzugserscheinungen wie Kopf- und Muskelschmerzen, Angstzustände und Reizbarkeit, aber auch Krampfanfälle auftreten. Je länger die Mittel angewendet wurden, umso länger dauert die Entwöhnung. Als einfache Regel gilt in der Praxis, die Dosis des betroffenen Mittels über so viele Monate langsam zu reduzieren ("ausschleichen") wie es an Jahren eingenommen wurde.

Triazolam darf keinesfalls in einer Dosierung von mehr als 0,25 Milligramm pro Tag eingenommen werden. Bei älteren Menschen darf die Dosierung 0,125 Milligramm nicht überschreiten. Andernfalls steigt das Risiko für schwerwiegende unerwünschte Wirkungen.

Rheumatische Beschwerden, Kreuz- und Rücken­beschwerden, Verspannungen

Zu Beginn der Behandlung gegen Muskelverkrampfungen nehmen Sie 10 bis 20 Milligramm Diazepam ein. Anschließend sollte die Dosierung auf 5 bis 10 Milligramm pro Tag verringert werden. Spätestens nach einer Woche sollte die Behandlung beendet werden, indem die Dosis langsam verringert wird. Dauert die Einnahme länger als zwei bis vier Wochen, besteht die Gefahr, dass sich eine Abhängigkeit entwickelt. Eine Einnahme über längere Zeit ist nur vertretbar, wenn es unumgänglich ist, z. B. bei nervenbedingten Muskelverkrampfungen.

Achtung

Epilepsien

Bevor Sie Buccolam anwenden, müssen Sie die Verschlusskappe komplett abziehen. Achten Sie dabei unbedingt darauf, dass beim Abziehen der roten Kappe die zweite, durchscheinende Verschlusskappe nicht an der Spritzenspitze haften bleibt. Es besteht sonst das Risiko, dass diese während der Anwendung in den Mund des Kindes gelangt und eingeatmet oder verschluckt wird.

Spritzen Sie die Lösung nicht in den Bereich des Rachens. Von dort kann das Mittel versehentlich eingeatmet oder verschluckt werden.

Epilepsien und Rheumatische Beschwerden, Kreuz- und Rücken­beschwerden, Verspannungen

Diazepam Desitin rectal und Rivotril Injektionslösungskonzentrat enthalten Alkohol. Personen mit Alkoholproblemen dürfen diese Mittel nicht verwenden. Auch Leberkranke und Menschen mit Anfallleiden sollten den Alkoholgehalt berücksichtigen. Darüber hinaus kann Alkohol die Wirkung vieler Arzneimittel (z. B. Schlaf- und Beruhigungsmittel, Psychopharmaka, starke Schmerzmittel, einige Mittel bei hohem Blutdruck) verstärken.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Benzodiazepine nicht einnehmen:

  • Sie leiden an Myasthenia gravis, einer Autoimmunerkrankung, bei der die Nervenimpulse nicht richtig auf die Muskeln übertragen werden.
  • Sie haben eine schwere Leber- oder Nierenfunktionsstörung.

Eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiken der Mittel ist in den folgenden Fällen erforderlich:

  • Sie haben chronisch verengte Atemwege und dadurch Sauerstoffmangel (COPD, Asthma).
  • Sie sehr stark schnarchen und im Schlaf von Zeit zu Zeit ungewöhnlich lange die Luft anhalten (Schlafapnoe-Syndrom).
  • Sie können sich aufgrund einer Nerven- oder Gehirnerkrankung nicht koordiniert bewegen (zerebellare oder spinale Ataxie).
  • Bei Ihnen oder in Ihrer Familie gab oder gibt es Abhängigkeitskrankheiten (Alkohol, Drogen, Medikamente). Dann sind Sie besonders gefährdet, von benzodiazepinhaltigen Mitteln abhängig zu werden.

Für die Diazepam und Midazolam gilt zudem: Liegt bei Ihnen eine eingeschränkte Atem-, Herz-, Leber- oder Nierenfunktion vor, kann die Wirkung der Mittel stärker ausfallen und länger anhalten. Dann sollte vorsichtshalber eine niedrigere Dosis angewendet werden.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Angst- und Zwangsstörungen und Epilepsien und Schlafstörungen

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

Angst- und Zwangsstörungen und Schlafstörungen
  • Ketoconazol, Itraconazol und Fluconazol (innerlich bei Pilzinfektionen) können die Verarbeitung der Benzodiazepine im Körper verzögern. Dann wirken die Mittel länger und stärker.
  • Benzodiazepine und andere Arzneimittel, die das zentrale Nervensystem dämpfen, verstärken gegenseitig ihre Wirkung und ihre Nebenwirkungen. Zu diesen gehören andere Schlafmittel, dämpfend wirkende Neuroleptika (bei Schizophrenien und anderen Psychosen), dämpfend wirkende Mittel bei Depressionen und Epilepsien, Beruhigungsmittel bei Angststörungen, Opioide (bei starken Schmerzen), betäubende Mittel und Antihistaminika mit müdemachender Wirkung (bei Allergien).
  • Rifampicin (bei Tuberkulose) kann die Wirkung einiger Benzodiazepine, vor allem von Brotizolam und Triazolam, stark abschwächen. Bei einer Behandlung mit Rifampicin eignet sich als Schlafmittel eher Temazepam.
  • Bei der gleichzeitigen Einnahme von Benzodiazepinen und Clozapin (bei Schizophrenien und anderen Psychosen) können in Einzelfällen plötzlich das Bewusstsein und die Atmung beeinträchtigt werden.
Epilepsien
  • Benzodiazepine und Arzneimittel, die das zentrale Nervensystem dämpfen, verstärken gegenseitig ihre Wirkung. Zu diesen gehören dämpfend wirkende Neuroleptika (bei Schizophrenien und anderen Psychosen), Beruhigungsmittel (bei Angststörungen), dämpfend wirkende Mittel (bei Depressionen und Epilepsien), betäubende Mittel und Antihistaminika mit müdemachender Wirkung (bei Allergien).
  • Starke Schmerzmittel (Opioide), Schlaf- und Beruhigungsmittel verstärken die dämpfende Wirkung von Benzodiazepinen auf die Atemwege. Daraus kann eine lebensbedrohliche Atemlähmung resultieren, bei der Ersticken droht.

Triazolam sollten Sie nicht zusammen mit Erythromycin und Clarithromycin (bei bakteriellen Infektionen), Ritonavir und Saquinavir (bei HIV-Infektion) und Diltiazem und Verapamil (bei Bluthochdruck, Herzschwäche) einnehmen. Diese Medikamente können die müdemachende Wirkung von Triazolam verstärken.

Unbedingt beachten

Epilepsien

Clonazepam kann in seiner Wirkung schneller nachlassen, wenn es zusammen mit Barbituraten, Carbamazepin oder Phenytoin (alle ebenfalls bei Epilepsien) eingenommen wird. Diese Mittel steigern in der Leber die Produktion der Enzyme, die Clonazepam abbauen. Wenn zur Behandlung mit Clonazepam einer der anderen genannten Wirkstoffe hinzukommt, muss die Dosierung jeweils angepasst werden. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel bei Epilepsien: verringerte Wirkung.

Rifampicin (bei Tuberkulose) kann die Wirkung von Midazolam deutlich und in geringerem Umfang auch von Diazepam abschwächen. Muss gleichzeitig mit Rifampicin behandelt werden, muss der Arzt gegebenenfalls die Dosierung der Mittel anpassen. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel bei Epilepsien: verringerte Wirkung.

HIV-Mittel, wie z.B. Ritonavir oder Saquinavir, aber auch Fluconazol und Itraconazol (innerlich bei Pilzinfektionen) können den Abbau von Diazepam und Midazolam hemmen, so dass sie länger und stärker wirken. Dann steigt das Risiko für Atemlähmung mit Erstickungsgefahr.

Die Wirkung von Midazolam wird verlängert und verstärkt, wenn das Mittel gemeinsam mit Clarithromycin oder Erythromycin (bei bakteriellen Infektionen) oder Verapamil (bei hohem Blutdruck, Herzrhythmusstörungen) angewendet wird. Dann steigt das Risiko für Atemlähmung mit Erstickungsgefahr.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Benzodiazepine dürfen Sie nicht zusammen mit Alkohol einnehmen. Alkoholische Getränke verändern und verstärken die Wirkung von Benzodiazepinen unvorhersehbar. Es können Dämmerzustände ausgelöst werden, in denen das Bewusstsein und die Erinnerung gestört sein können.

Epilepsien

Da die Anwendung von Buccolam als Notfallmedikament nicht planbar ist, sollten Sie wissen, dass Midazolam durch diese Nahrungsmittel stärker wirken kann. Dann drohen Atemlähmung und Erstickungsgefahr. Sicherheitshalber sollten sie daher Ihrem Kind vorbeugend keine Grapefruit und keinen Grapefruitsaft anbieten, wenn Sie Midazolam als Notfallmedikament zu Hause haben.

Triazolam sollten Sie möglichst nicht zusammen mit Grapefruits oder Grapefruitsaft einnehmen. Durch dieses Obst kann Triazolam stärker und länger wirken als sonst. Dann verstärken sich sowohl die müdemachende Wirkung als auch die Nebenwirkungen.

Nebenwirkungen

Epilepsien

Die meisten der nachfolgend genannten unerwünschten Wirkungen kommen erst zum Tragen, wenn das Epilepsiemittel längere Zeit eingenommen wird, weniger bei der Behandlung des Status epilepticus oder bei einer Akutanwendung in Form von Rektiolen zum Einführen oder in Form einer Buccallösung zur Anwendung in der Backentasche.

Clonazepam kann, wenn es längere Zeit regelmäßig eingenommen wird, vermehrt zu Selbsttötungsgedanken führen. Wenn Sie Schlafstörungen, Lustlosigkeit, Antriebsmangel, das Empfinden einer inneren Leere, Interesselosigkeit und Schuldgefühle bemerken oder wenn Angehörige solche Gemütsveränderungen registrieren, sollten Sie das umgehend einem Arzt mitteilen, damit er über das weitere Vorgehen entscheiden kann.

Schlafstörungen

Wie häufig unerwünschte Wirkungen auftreten, hängt auch von der Dosierung des Mittels ab und von der individuellen Empfindlichkeit für den jeweiligen Wirkstoff. Wird es länger als zwei bis vier Wochen eingenommen, kann sich eine Toleranz entwickeln; das bedeutet, dass sowohl die erwünschten als auch die unerwünschten Wirkungen nachlassen.

Bei Triazolam kann es schon nach der ersten Einnahme zu Entzugssymptomen kommen. Dann sollte das Mittel nicht mehr angewendet werden.

Angst- und Zwangsstörungen und Rheumatische Beschwerden, Kreuz- und Rücken­beschwerden, Verspannungen

Wer Benzodiazepine eingenommen hat, kann sich müde fühlen. Aufmerksamkeit und Konzentration können verringert sein. Bei Diazepam trifft das für bis zu 10 von 100 Anwendern zu. Bei manchen Menschen ist die geistige und intellektuelle Leistungsfähigkeit so eingeschränkt, dass es ihnen schwerfällt, Alltagsprobleme zu lösen. Diese unerwünschten Wirkungen fallen besonders auf, wenn mit der Einnahme begonnen oder die Dosis gesteigert wird.

Keine Maßnahmen erforderlich

Angst- und Zwangsstörungen und Rheumatische Beschwerden, Kreuz- und Rücken­beschwerden, Verspannungen und Schlafstörungen

Es können bei der Behandlung mit den Benzodiazepinen Gelenkbeschwerden, Muskelschwäche, gesteigerter Appetit, verringerte Lust auf Sex und Menstruationsstörungen auftreten. Das normalisiert sich wieder, wenn das Mittel abgesetzt wird.

Epilepsien

Abhängig von der eingesetzten Dosis des Epilepsiemittels treten häufig Müdigkeit, Schläfrigkeit, Mattigkeit, Muskelschwäche, Schwindel, gestörte Bewegungskoordination und verlängerte Reaktionszeit auf. Auch Konzentrationsstörungen sind möglich. Diese Nebenwirkungen gehen meist vorüber oder verschwinden, wenn die Dosis verringert wird. Zu Beginn der Behandlung lassen sie sich vermeiden, indem die Dosierung der Benzodiazepine langsam gesteigert wird.

Insbesondere bei Anwendung im Mund (Buccolam) können auch Übelkeit und Erbrechen auftreten.

Muss beobachtet werden

Benzodiazepine können für die ersten Stunden nach der Einnahme eine Erinnerungslücke entstehen lassen. Die Gefahr für derartige Erinnerungslücken steigt mit der Dosierung. Die Betroffenen handeln anscheinend ganz normal, können sich jedoch hinterher an nichts mehr erinnern (anterograde Amnesie). Dies sollten Sie umgehend dem Arzt mitteilen.

Vor allem bei Kindern, älteren Menschen und Personen mit Hirnschäden können die Mittel erregend statt dämpfend wirken (paradoxe Reaktionen). Dann können Ruhelosigkeit, Reizbarkeit, Wut, Aggressivität, Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Ähnliches eintreten. Je nachdem wie stark diese unerwünschten Wirkungen sind, sollte der Arzt umgehend oder am nächsten Tag informiert werden. Gegebenenfalls muss das Mittel abgesetzt werden.

Angst- und Zwangsstörungen und Rheumatische Beschwerden, Kreuz- und Rücken­beschwerden, Verspannungen

Die Beschwerden sollten Sie möglichst nicht länger als zwei Wochen mit Benzodiazepinen behandeln. Bei längerer Einnahme kann sich eine Abhängigkeit entwickeln – bei höherer Dosierung ist dies bereits nach einigen Wochen der Fall. Dabei braucht zwar meist die Dosis nicht gesteigert zu werden, doch das Bedürfnis nach der nächsten Tablette ist auch ohne Angstzustände drängend (Niedrig-Dosis-Abhängigkeit). Bei vielen Menschen treten nach dem Absetzen Beschwerden auf, die gegebenenfalls sogar der Grund für die Einnahme des Mittels waren: Angst, Unruhe, Reizbarkeit, Schlafstörungen. Jeder Versuch, das Mittel wegzulassen, scheitert. Wer das Medikament relativ hoch dosiert eingenommen hat und es plötzlich absetzt, kann sogar Krampfanfälle bekommen. Ein Ausstieg aus einer Benzodiazepinabhängigkeit gelingt nur mit ärztlicher Hilfe und einer ganz langsamen Dosisreduktion.

Angst- und Zwangsstörungen und Rheumatische Beschwerden, Kreuz- und Rücken­beschwerden, Verspannungen und Schlafstörungen

Benzodiazepine können bei 1 bis 10 von 100 Behandelten den Gleichgewichtssinn und die Muskelsteuerung stören. In der Folge kann es zu Stürzen und Unfällen kommen. Besonders gefährdet sind Menschen, die wenige Stunden nach der Medikamenteneinnahme aufstehen müssen.

Epilepsien

Bei Langzeitbehandlung und hoher Dosierung kann sich das Sprechen verlangsamen und undeutlich werden, Bewegungen lassen sich schlecht koordinieren. Es treten Sehstörungen auf mit Doppelbildern und Augenzucken. Hier muss der Arzt entscheiden, ob die Therapie verändert werden kann.

Schlafstörungen

Bei allen Substanzen – besonders ausgeprägt bei den kurzwirkenden Vertretern zur Behandlung von Schlafstörungen – können bereits nach kurzzeitiger Einnahme sogenannte Rebound-Phänomene auftreten. Das heißt, wenn das Mittel nicht mehr eingenommen wird, treten die Beschwerden (Schlaflosigkeit, Angst, Unruhe) vorübergehend verstärkt auf, um derentwillen es eingenommen wurde. Das sollten Sie mit einem Arzt besprechen.

Bei allen Benzodiazepinen besteht die Gefahr, von ihnen abhängig zu werden. Die Dosis braucht dabei zwar nicht gesteigert zu werden, doch wenn das Mittel plötzlich abgesetzt wird, kommt es unter anderem zu Kopf- und Muskelschmerzen, Angst, Desorientiertheit und Unruhe; manchmal können sogar psychotische Reaktionen, Halluzinationen und Krampfanfälle auftreten. Das kann sehr bedrohlich werden und muss ärztlich betreut werden.

Sofort zum Arzt

Wenn starker Hautausschlag, Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel auftreten, muss die Anwendung sofort beendet und unverzüglich der Notarzt (Telefon 112) gerufen werden, weil es sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln kann.

Diazepam und Midazolam können die Atmung dämpfen. Wenn das Kind oder der behandelte Erwachsene schwere Atemprobleme zeigt, wie z. B. sehr langsame oder flache Atmung oder Blaufärbung der Lippen oder wenn die Atmung aussetzt, müssen Sie sofort einen Notarzt (Telefon 112) rufen.

Angst- und Zwangsstörungen und Rheumatische Beschwerden, Kreuz- und Rücken­beschwerden, Verspannungen und Schlafstörungen

Bei einem Krampfanfall, der auftritt, weil das Benzodiazepin nach längerer Einnahme abgesetzt wurde, muss unverzüglich ärztliche Hilfe gerufen werden.

Schlafstörungen

Triazolam kann bei missbräuchlicher Einnahme einer Dosierung von ein Milligramm, dem Vierfachen der Tageshöchstdosis, akute Psychosen mit Selbsttötungsgefahr auslösen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Angst- und Zwangsstörungen

Angststörungen sollten bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre vorrangig pädagogisch und psychotherapeutisch behandelt werden. Der Schwerpunkt der Behandlung sollte auf Veränderungen in ihrem Lebensumfeld und Alltagsverhalten liegen. Benzodiazepine sind bei ihnen nicht oder nur ausnahmsweise angebracht.

Akute Ängste, z. B. vor und nach Operationen, können durch Benzodiazepine hingegen gut unterdrückt werden. Das gilt auch für kleine Kinder.

Diazepam, rektal angewendet, dient in der Kinderheilkunde als "geeignetes" Notfallmedikament. Es wird gegeben, um Kinder vor einer Operation oder vor anderen akut ängstigenden Eingriffen ruhigzustellen.

Epilepsien und Rheumatische Beschwerden, Kreuz- und Rücken­beschwerden, Verspannungen

Diazepam Desitin rectal und Rivotril Injektionslösungskonzentrat enthalten Alkohol. Bei Kindern sind Mittel ohne Alkohol vorzuziehen.

Epilepsien

Clonazepam kann bereits bei Säuglingen mit Epilepsie angewendet werden.

Kinder ab sechs Monaten können mit Clonazepam behandelt werden. Die Dosis orientiert sich am Körpergewicht. Kinder unter 15 kg bekommen eine niedrigere Dosierung (siehe unter Anwendung).

Lorazepam kann zur Behandlung des Status epilepticus bei Kindern und Jugendlichen angewendet werden.

Säuglinge unter drei Monaten sollten Midazolam nicht bekommen, da für diese Altersgruppe keine ausreichenden Erfahrungen zur Wirksamkeit und Sicherheit des Mittels vorliegen.

Kinder ab drei Monate können bei lang anhaltenden akuten Krampfanfällen mit Buccolam behandelt werden. Zwischen drei und sechs Monaten sollte diese aber nur im Krankenhaus erfolgen. Bei ihnen besteht ein erhöhtes Risiko, dass es zu Atemproblemen kommt. Ältere Kinder und Jugendliche können das Mittel auch durch Eltern oder Betreuungspersonen bekommen. Die Dosierung richtet sich nach dem Alter des Kindes (siehe unter Anwendung).

Rheumatische Beschwerden, Kreuz- und Rücken­beschwerden, Verspannungen

Kinder zwischen 1 und 14 Jahren bekommen bei Muskelverspannungen zwischen ein und fünf Milligramm Diazepam am Tag.

Schlafstörungen

Kinder und Jugendliche sollten Benzodiazepine gegen Schlafstörungen nur erhalten, wenn es der Arzt für unbedingt erforderlich hält.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Epilepsien

Grundlegende Angaben zur Behandlung in Schwangerschaft und Stillzeit finden Sie unter Epilepsiemittel.

Benzodiazepine zur Injektion sind während Schwangerschaft und Stillzeit nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken anzuwenden.

Clonazepam zum Einnehmen erreicht in der Schwangerschaft auch das Kind und sein Organismus gewöhnt sich daran. Bleibt die Medikamentenzufuhr nach der Geburt aus, kann das Neugeborene schwach wirken und schlecht trinken. Später kann es Schlafstörungen und vermehrte Unruhe aufweisen.

Während der Therapie mit Clonazepam sollten Sie nicht stillen.

Diazepam Desitin rectal und Rivotril Injektionslösungskonzentrat enthalten Alkohol. Mittel ohne Alkohol sind vorzuziehen.

Für Diazepam rektal liegen keine Erfahrungen, für Midazolam nur sehr begrenzte Erfahrungen für die Anwendung während einer Schwangerschaft vor. Wenn eine junge Frau schwanger ist, sollte im Vorfeld mit dem Arzt besprochen werden, ob die Mittel weiterhin als Notfallmedikament angewendet werden können.

Diazepam geht in die Muttermilch über. Insbesondere bei Neugeborenen wird das ohnehin schon langwirkende Diazepam noch langsamer abgebaut. Auf eine Anwendung sollte daher während der Stillzeit verzichtet werden. Ist dies dennoch erforderlich, muss das Stillen mindestens 6 bis 8 Stunden unterbrochen werden.

Midazolam geht nur in geringen Mengen in die Muttermilch über. Eine einmalige Anwendung von Midazolam als Akutarzneimittel ist während der Stillzeit vertretbar, ohne dass das Stillen unterbrochen wird. Ist der Säugling unter 2 Monate alt, sollten aber mindestens vier Stunden vergehen, bevor das Kind wieder an die Brust gelegt wird.

Angst- und Zwangsstörungen und Rheumatische Beschwerden, Kreuz- und Rücken­beschwerden, Verspannungen und Schlafstörungen

Wie sich Benzodiazepine in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten auf die Entwicklung des Kindes auswirken, ist nicht sicher geklärt. Haben Sie sie in dieser Zeit eingenommen, können Sie mit dem Arzt besprechen, ob Sie die körperliche Entwicklung des Kindes mit einer speziellen Ultraschalluntersuchung kontrollieren lassen. Kurz vor der Geburt können Benzodiazepine die Wehentätigkeit schwächen. Haben Sie das Medikament längere Zeit eingenommen, sodass sich der Organismus des Kindes an das Medikament gewöhnt hat, kann das Neugeborene schwach wirken und schlecht trinken. Später kann es noch eine Zeit lang Schlafstörungen und vermehrte Unruhe aufweisen.

Wenn Sie Benzodiazepine nur selten und gering dosiert einnehmen, können Sie stillen. Bei täglicher Einnahme kann das Baby träge und teilnahmslos werden und schlecht trinken.

Für ältere Menschen

Angst- und Zwangsstörungen und Rheumatische Beschwerden, Kreuz- und Rücken­beschwerden, Verspannungen

Der Einsatz von Benzodiazepinen bei älteren Menschen wird kritisch gesehen. Richtig dosiert haben sie bei ihnen zwar nicht mehr oder gravierendere unerwünschte Wirkungen, aber die Folgen sind schwerer. Durch Müdigkeit, langsameres Begreifen und Handeln sowie geschwächte Muskelkraft sind ältere Menschen stärker unfallgefährdet als jüngere. Dasselbe Risiko besteht, wenn der Blutdruck durch Benzodiazepine absinkt. Ältere Menschen stehen nachts häufiger auf als junge, z. B. um zur Toilette zu gehen. Wenn ihnen dann schwindlig wird, können sie stürzen.

Angst- und Zwangsstörungen

Hält der Arzt die Einnahme eines Benzodiazepins bei einem älteren Menschen dennoch für erforderlich, sollte er Lorazepam in einer Dosierung von weniger als zwei Milligramm verordnen. Diese Substanz verweilt nur relativ kurze Zeit im Körper. In höherer Dosierung wirkt sie hingegen deutlich länger. Auch andere Benzodiazepine wirken bei älteren Personen erheblich länger als bei jüngeren. Deshalb dürfen sie nur ein Viertel bis die Hälfte der bei jüngeren Menschen üblichen Dosis einnehmen, wenn die Substanz für ältere Menschen nicht überhaupt als gänzlich unangebracht angesehen wird. Näheres hierzu lesen Sie in der Einleitung unter Hinweise für ältere Menschen.

Epilepsien

Ältere Menschen reagieren möglicherweise empfindlicher auf eine Behandlung der Epilepsie mit Benzodiazepinen, sodass die Medikamentendosierung verringert werden muss.

Schlafstörungen

Benzodiazepine sollten bei älteren Menschen mit Schlafstörungen möglichst nicht angewendet werden. Weil ihr Stoffwechsel langsamer arbeitet, wirken die Mittel länger. Außerdem können sich durch die Medikamente Aufmerksamkeit, Orientierung und das Gedächtnis verschlechtern. Das gefährdet ältere Menschen ganz besonders: Bei Muskelschwäche, unkoordinierten Bewegungen oder Blutdruckabfall können sie leicht stürzen, Knochenbrüche erleiden und durch die Sturzfolgen lebenslang beeinträchtigt sein. Werden Benzodiazepine dennoch eingesetzt, ist die Dosierung so gering wie möglich – bis zur Hälfte des sonst Üblichen – anzusetzen.

Ab und an kann es aber auch zu paradoxen Wirkungen bei älteren Menschen kommen. Dann wirken die Medikamente nicht beruhigend und schlafanstoßend, sondern führen zu Unruhe und Bewegungsdrang.

Ferner sollten als "geeignet" bewertete kurz- bis mittellangwirkende Substanzen gewählt werden, z. B. Brotizolam, Lormetazepam oder Temazepam, Letzteres in einer Dosierung von unter 15 Milligramm pro Tag. Näheres hierzu lesen Sie unter Hinweise für ältere Menschen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Angst- und Zwangsstörungen und Rheumatische Beschwerden, Kreuz- und Rücken­beschwerden, Verspannungen

Benzodiazepine beeinträchtigen die Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit. Vor allem an den ersten Tagen, an denen Sie sie einnehmen, oder wenn Sie die Dosis erhöhen, können Sie sich müde und schläfrig fühlen und Sehen und Handeln nicht mehr wie gewohnt koordinieren. Dann dürfen Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

Schlafstörungen

Die dämpfende Wirkung von mittellang- bis langwirkenden Schlafmitteln kann bis in den nächsten Tag anhalten. Dann können Sie sich schlechter konzentrieren, sind weniger aufmerksam und Ihre Bewegungen sind unkoordinierter. Auch Sehstörungen treten auf. Dann sollten Sie kein Fahrzeug lenken, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

Epilepsien

Grundsätzliche Erwägungen zu Verkehrstüchtigkeit und Epilepsiebehandlung finden Sie unter Epilepsiemittel.

Die Notfallmedikamente Diazepam rektal und Buccolam machen müde und beeinträchtigen die Aufmerksamkeit. Die Behandelten sollten daher bis zu 24 Stunden nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, etwa als Radfahrer. Auch als Fußgänger sollten die Betroffenen in den 24 Stunden nach der Anwendung sicherheitshalber nicht ohne Begleitung am Straßenverkehr teilnehmen.

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