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Bakterienprodukt: Escherichia coli

Wirkungsweise

Bakterien wie Escherichia coli besiedeln den gesunden Darm. Die Darmbakterien unterstützen durch ihren Stoffwechsel die Verdauung und sind an der Aufnahme und Produktion von Vitaminen beteiligt – Testergebnisse Bakterienprodukte.

Durchfall

MUTAFLOR Suspension enthält lebensfähige Bakterien aus dem Stamm E. Coli Nissle 1917. Das Mittel soll bei Durchfall die gestörte Darmflora wieder aufbauen oder Krankheitserreger in ihrem Wachstum bremsen und somit neutralisieren. Ob dies tatsächlich gelingt, ist nicht ausreichend nachgewiesen. Außerdem ist es fraglich, ob die Suspension nicht bereits durch die Magensäure inaktiviert wird.

Das Mittel soll das Immunsystem unspezifisch dazu anregen, vermehrt Abwehrzellen zu bilden, mit denen sich der Organismus dann besser gegen Krankheitserreger aller Art wehren kann. Es wird häufig bei oder nach einer Behandlung mit Antibiotika verschrieben, um zu verhindern, dass die Darmflora geschädigt wird, oder um diese wieder aufzubauen. Auch hierfür gibt es keine ausreichenden Wirksamkeitsbelege. Eine wirksame Vorbeugung mit lebenden Bakterien wurde zwar in einigen kleineren Studien berichtet; benötigt werden aber Untersuchungen an größeren Patientenzahlen und über längere Zeiträume. Das Mittel ist deshalb zur Behandlung von akutem Durchfall wenig geeignet.

Zur Behandlung von Durchfall bei Kindern liegen zwei klinische Studien – eine bei akutem Durchfall und eine bei anhaltendem Durchfall – mit nahezu identischem Aufbau und positivem Ergebnis vor. Methodische Unzulänglichkeiten der Studien lassen jedoch Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Ergebnisses aufkommen, weshalb das Mittel unseres Erachtens auch bei Kindern wenig geeignet ist. Mittel, die als geeignet zur Behandlung von Durchfall bewertet werden, sollten bevorzugt werden.

Harnwegsinfektionen, Reizblase

Zugleich ist diese Bakterienart auch einer der häufigsten Erreger von Harnwegsinfekten. Mit dem Arzneimittel werden aufgespaltene Teile von Escherichia coli verabreicht, keine lebenden Bakterien. Dahinter steht der Gedanke, das Immunsystem anzuregen und eine verstärkte Abwehrreaktion gegenüber den Erregern von immer wieder auftretenden Harnwegsinfektionen zu erreichen. Damit wäre die Gefahr erneuter Infektionen gebannt. Dass sich dieser Effekt tatsächlich einstellt, erscheint möglich, ist aber nicht ausreichend belegt. Auch die Annahme, dass Antibiotika durch dieses Mittel besser oder schneller wirken, ist nicht überzeugend nachgewiesen. Darum lautet die Beurteilung "wenig geeignet".

Reizdarm

Symbioflor 2-Tropfen enthalten lebensfähige Escherichia-coli-Bakterien. Das Mittel war bis 2016 für zahlreiche Anwendungsgebiete auf dem Markt. Nach einer erneuten Begutachtung des Mittels durch die Europäische Zulassungsbehörde wurde dem Mittel die Zulassung für diverse gastrointestinale Störungen – zu denen zum Beispiel auch die Behandlung eines akuten Durchfalls gehörte – entzogen. Zweifelsfreie Nutzenbelege lagen hierfür nicht vor.

Seither darf Symbioflor 2 nur noch zur Behandlung eines Reizdarmsyndroms eingesetzt werden. Die enthaltenen Escherichia-coli-Bakterien sollen eine gestörte Darmflora wiederaufbauen und damit die Beschwerden eines Reizdarmes lindern. Dass dies tatsächlich gelingt, ist aber nicht ausreichend nachgewiesen, das Mittel ist daher wenig geeignet.

Zur Beurteilung des Nutzens von Symbioflor 2 bei Patienten mit Reizdarmsyndrom liegen nur wenige Studiendaten vor, die noch dazu Qualitätsmängel aufweisen. Es bedarf daher hochwertiger Studien, die Belege für eine therapeutische Wirksamkeit des Mittels liefern können.

Anwendung

Reizdarm

Symbioflor 2-Tropfen nehmen Sie zum Essen ein. Sie können das Mittel mit Wasser verdünnen, dann ist es besser verträglich. Zur Selbstbehandlung sollten Sie das Mittel keinesfalls länger als 8 Wochen einnehmen. Länger wurde das Mittel auch in Studien nicht untersucht.

Achtung

Durchfall und Harnwegsinfektionen, Reizblase und Reizdarm

Ist Ihr Immunsystem geschwächt (z. B. bei einer HIV-Infektion, nach Bestrahlungen oder während der Einnahme von Chemotherapeutika im Rahmen einer Krebserkrankung oder bei schwerem Rheuma), sollten Sie Mittel mit lebensfähigen Keimen nicht ohne ärztlichen Rat anwenden, weil die Gefahr nicht ausgeschlossen ist, dass sie eine schwere innerliche bakterielle Infektion auslösen können. Das gilt auch für Säuglinge mit einer krankheitsbedingten Abwehrschwäche.

Harnwegsinfektionen, Reizblase

Zwei Wochen vor und nach dem Schlucken eines Lebendimpfstoffs (z. B. gegen Typhus) soll das Mittel nicht angewendet werden.

Gegenanzeigen

Durchfall und Reizdarm

Wenn Sie Fieber über 38,5 °C und/oder Blut im Stuhl haben (Hinweis auf eine schwere bakterielle Infektion, die anders behandelt werden muss), dürfen Sie das Bakterienpräparat nicht einnehmen.

Reizdarm

Haben Sie eine Erkrankung, die mit einer Entzündung des Magen-Darmtraktes, der Galle oder der Bauchspeicheldrüse einhergeht, dürfen Sie das Mittel nicht einnehmen. Auch wenn Sie an ungewöhnlichen Gewichtsverlust oder an Unterernährung leiden, dürfen Sie das Präparat nicht einnehmen.

Symbioflor 2 ist nur zur Behandlung eines vom Arzt festgestellten Reizdarms zugelassen. Bei Beschwerden im Magen-Darmtrakt, deren Ursache Sie nicht kennen, sollten Sie das Präparat nicht einnehmen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Durchfall und Harnwegsinfektionen, Reizblase und Reizdarm

Wenn Sie oder Ihr Kind gleichzeitig mit Antibiotika behandelt werden, kann dies die Wirksamkeit der lebenden Bakterienkulturen beeinträchtigen. Halten Sie dann Rücksprache mit einem Arzt.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Durchfall und Reizdarm

Wenn Blähungen oder Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen oder -krämpfe auftreten, sollten Sie das Mittel niedriger dosieren. Meist bessern sich die Symptome im Lauf der Behandlung.

Harnwegsinfektionen, Reizblase

Es können leichte Magen-Darm-Störungen auftreten.

Muss beobachtet werden

Durchfall

Wenn sich die Haut des Kindes verstärkt rötet und juckt, reagiert es vermutlich allergisch auf das Mittel. Dann sollten Sie Mutaflor nicht mehr weiter geben. Sind die Hauterscheinungen nicht innerhalb von 24 Stunden verschwunden, sollten sie einen Arzt aufsuchen.

Harnwegsinfektionen, Reizblase und Reizdarm

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Haben Sie sich das Mittel zur Eigenbehandlung ohne Rezept besorgt, sollten Sie es absetzen. Sind die Hauterscheinungen auch einige Tage nach dem Absetzen nicht deutlich abgeklungen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Hat dagegen ein Arzt Ihnen das Mittel verordnet, sollten Sie ihn aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen.

Reizdarm

Wenn sich die Durchfallbeschwerden verschlimmern (Fieber, Blutbeimengung) oder länger als 2 Tage andauern, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Durchfall und Reizdarm

Bei schwerkranken und immungeschwächten Personen (z. B. HIV-Infektion, Krebserkrankung, nach Transplantation eines fremden Organs) und bei sehr unreifen Frühgeborenen kann es passieren, dass Bakterien die Darmwand durchdringen und sich über das Blut im Körper verbreiten. Diese Infektion äußert sich in Fieberschüben, extremer körperlicher Schwäche bis hin zu Bewusstlosigkeit und Kreislaufkollaps. Sollten Sie solche Symptome bemerken, müssen Sie unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Harnwegsinfektionen, Reizblase und Reizdarm

Mittel mit lebensfähigen Bakterien sollten Sie in Schwangerschaft und Stillzeit nicht ohne Rücksprache mit einem Arzt anwenden.

Durchfall

Das Mittel ist nicht für Schwangere und Stillende gedacht.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Durchfall

Mutaflor ist speziell für Säuglinge, Kleinkinder und Kinder vorgesehen. Allerdings waren in den vorliegenden klinischen Studien gestillte Säuglinge ausgeschlossen. Eine Übertragung der Ergebnisse auf Säuglinge, die gestillt werden, wäre daher streng genommen fragwürdig. Da die therapeutische Wirksamkeit des Mittels ohnehin nicht ausreichend nachgewiesen ist, sollten Sie auf eine Anwendung verzichten.

Harnwegsinfektionen, Reizblase

Kinder unter vier Jahren sollten das Mittel sicherheitshalber nicht anwenden. Für den Einsatz in dieser Altersgruppe gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse; Nutzen und Verträglichkeit sind nicht nachgewiesen.

Reizdarm

Kinder und Jugendliche, die an Reizdarm leiden, sollten nicht mit Symbioflor 2 behandelt werden. Weder Wirksamkeit noch die Verträglichkeit des Mittels sind in dieser Altersgruppe ausreichend nachgewiesen.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs