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Antivirales Mittel: Tenofovir

Wirkungsweise

Tenofovir wird bei Hepatitis B eingesetzt, um die Viren zu bekämpfen. Der Wirkstoff ähnelt einem Baustein in der Erbsubstanz des Hepatitis-B-Virus und wird an dessen Stelle in das Virus eingebaut. Die Folge ist, dass sich das Virus nicht mehr vermehren kann. Tenofovir wirkt kürzer als die anderen antiviralen Mittel, die Hälfte des Mittels hat der Körper nach etwa zwei Tagen über die Nieren wieder ausgeschieden.

In den vorliegenden Studien wurde die Wirkung von Tenofovir mit der ebenfalls antiviral wirkenden Substanz Adefovir verglichen. Da Adefovir aber nicht zu den meistverordneten Mitteln zählt, wird dieser Wirkstoff hier nicht weiter besprochen. Bei den mit Tenofovir Behandelten konnte nach knapp einem Jahr (48 Wochen) signifikant häufiger (bei etwa 75 von 100 der Studienteilnehmer mit Hepatitis B, Genotyp A) keine Virus-Erbsubstanz mehr nachgewiesen werden als bei den Probanden, die Adefovir bekamen (bei 13 von 100 der mit Hepatitis B, Genotyp A Infizierten).

Es kommt nur sehr selten vor, dass die Viren gegen Tenofovir unempfindlich werden: In den Studien war nach 48 Wochen Behandlungszeit noch keine Resistenz aufgetreten, wohl aber bei fast einem Drittel der mit Lamivudin behandelten Probanden. Bei chronischer Hepatitis B ist Tenofovir deshalb ein Mittel der Wahl, wenn mit Virustatika behandelt werden soll oder wenn bereits Resistenzen gegen andere Virustatika bestehen.

Tenofovir ist zur Behandlung von chronischer Hepatitis B geeignet, vor allem bei fortgeschrittenen Krankheitsstadien und bei hoher Viruslast. Es kann auch dann noch eingesetzt werden, wenn die Viren bereits gegen andere Virustatika (z. B. Lamivudin) unempfindlich geworden sind.

Anwendung

Tenofovir nehmen Sie einmal täglich mit dem Essen ein. Wenn es Ihnen schwerfällt, die Tabletten zu schlucken, können Sie sie auch in einem Glas Wasser, Orangen- oder Traubensaft auflösen oder das Granulat anwenden.

Der Arzt sollte vor und während der Behandlung die Nierenfunktion überwachen, weil Tenofovir die Nieren schädigen kann. Das gilt besonders, wenn Sie gleichzeitig noch andere Mittel einnehmen müssen, die die Nierenfunktion beeinträchtigen können, wie beispielsweise Tacrolimus (nach Organtransplantationen). Wenn Ihre Nierenfunktion bereits gestört ist, sollte der Arzt gegebenenfalls die Dosis anpassen.

Während der Behandlung mit diesem Mittel sollte der Arzt mindestens alle drei Monate bestimmte Leberwerte (ALT-Werte: Alanin-Amino-Transferase, Transaminasen) prüfen. Außerdem sollte er mindestens halbjährlich kontrollieren, ob sich im Blut noch Erbmaterial (RNA) von Hepatitis-B-Viren oder Hepatitis-B-Virus-Antigen findet.

Achtung

Wenn eine chronische Hepatitis B fortgeschritten ist oder bereits eine Lebertransplantation stattgefunden hat, besteht nach Absetzen der Mittel oder bei nachlassender Wirksamkeit ein hohes Risiko, dass die Hepatitis erneut aktiviert wird und infolgedessen ein schweres, lebensbedrohliches Leberversagen einsetzt. Während der Behandlung und noch sechs Monate nach Absetzen des Mittels ist es deshalb notwendig, alle vier Wochen die Leber- und Nierenfunktion, die Blutwerte sowie die Konzentration von Hepatitis-B-Viren und Hepatitis-B-Virus-Antigen zu kontrollieren.

Gegenanzeigen

Dieses Mittel kann die Nierenfunktion schädigen. Wenn bereits eine schwere Nierenfunktionsstörung vorliegt, muss der Arzt Nutzen und Risiken einer Behandlung mit diesem Mittel sorgfältig abwägen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie aufgrund einer HIV-Infektion gleichzeitig virushemmende Wirkstoffe wie Didanosin, Zidovudin oder Stavudin einnehmen, kann das Blut übersäuern (Lactatazidose). Symptome dafür sind Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Durst, Muskelschmerzen und beschleunigte Atmung bis hin zu Ohnmacht. Diese Mittel sollten Sie möglichst nicht gleichzeitig mit Tenofovir einnehmen. Wenn sich das nicht vermeiden lässt, muss der Arzt die Blutwerte engmaschig kontrollieren. Steigen die Milchsäurewerte (Lactatwerte) im Blut stark an, muss die Behandlung abgebrochen werden.

Sie sollten Tenofovir nicht zusammen mit dem ebenfalls antiviral wirkenden Adefovir (Hepsera) einnehmen, weil sich dann die negativen Wirkungen von Tenofovir auf die Nierenfunktion verstärken können.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Bei Tenofovir ist die Einnahme zu den Mahlzeiten günstig und wünschenswert, weil es dann besonders gut in den Blutkreislauf aufgenommen wird.

Nebenwirkungen

Wenn die Leberentzündung schon stark fortgeschritten und die Leberfunktion deutlich beeinträchtigt ist, müssen Sie häufiger mit schweren unerwünschten Wirkungen wie beispielsweise einer Übersäuerung des Blutes rechnen.

Muss beobachtet werden

Wenn sich die Haut rötet, juckt und wenn sich Bläschen bilden, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Dann sollten Sie einen Arzt um Rat fragen.

Bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten tritt eine Muskelschwäche auf. Schränkt Sie das in Ihrer Beweglichkeit ein oder verschlimmern sich die Beschwerden, sollten Sie den Arzt um Rat fragen.

Wenn Sie mehrere antivirale Mittel gleichzeitig anwenden, kann sich die Bauchspeicheldrüse entzünden. Hinweise dafür sind schmerzhafte Oberbauchbeschwerden, die sich wie ein Gürtel um den Rumpf spannen, sowie Durchfall und Gewichtsverlust. Dann sollten Sie möglichst rasch den Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Aufgrund einer allergischen Reaktion kann das Unterhautgewebe anschwellen. Sind Lippen und Zunge betroffen, drohen Atemnot und Erstickungsanfälle (Angioödem). Dann müssen Sie sofort den Notarzt rufen (Telefon 112).

Außerdem kann das Blut durch einen zu hohen Gehalt an Milchsäure übersäuern (Lactatazidose), was sich zunächst mit Erbrechen, Durchfall, Bauch- und Muskelschmerzen, beschleunigter Atmung und Durst bemerkbar macht. Werden diese Beschwerden stärker und kommen Schüttelfrost, Schwindel und Bewusstseinsstörungen hinzu, müssen Sie sofort den Notarzt alarmieren (Telefon 112), damit Sie schnellstens im Krankenhaus weiterbehandelt werden können.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Solange sich Hepatitis-B-Viren im Blut nachweisen lassen, müssen Sie Ihre Partnerin/Ihren Partner vor einer Ansteckung schützen, indem Sie konsequent Kondome benutzen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass das Ungeborene durch eine Behandlung mit Tenofovir in der Schwangerschaft Schaden nimmt. Wenn es erforderlich ist, kann das Mittel in der Schwangerschaft eingesetzt werden.

Das Mittel geht in die Muttermilch über. Sicherheitshalber sollten Sie deshalb abstillen. Ohnehin wird Frauen mit einer Hepatitis-B-Infektion geraten, nicht zu stillen, weil sonst mit der Muttermilch möglicherweise Hepatitisviren auf den Säugling übertragen werden.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Das Mittel kann an Kinder mit chronischer Hepatitis B ab einem Alter von sechs Jahren verabreicht werden.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs