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Antivirales Mittel: Sofosbuvir

Wirkungsweise

Das antivirale Mittel Sofosbuvir wird bei Hepatitis C eingenommen. Der Wirkstoff hemmt einen bestimmten Eiweißstoff, der für die Vermehrung von Hepatitis-C-Viren verantwortlich ist. Resistenzen gegen diesen Wirkstoff wurden bisher nur sehr selten beobachtet.

Sofosbuvir darf nur in Kombination mit anderen Mitteln, die ebenfalls bei chronischer Hepatitis C eingesetzt werden können, angewendet werden. Die Auswahl richtet sich nach dem vorliegenden Genotyp des Hepatitis C-Virus, dem Grad der Leberschädigung und ob bereits mit anderen Mitteln vorbehandelt wurde. Für die alleinige Anwendung liegen keine wissenschaftlichen Studien vor. Für die kombinierte Anwendung werden dagegen hohe Heilungsraten bei guter Verträglichkeit erreicht.

Als Kombinationspartner kommen in erster Linie moderne virushemmende Mittel wie Ledispavir, Velpatasvir, Simeprevir, Daclatasvir in Frage. Lediglich zur Behandlung bestimmter Patienten mit Hepatitis C wird die Kombination von Sofosbuvir mit Ribavirin noch als Therapiemöglichkeit gesehen:

Für Genotyp 2 – insbesondere wenn noch nicht mit Interferonen und/oder Virustatika behandelt wurde und auch noch keine Leberzirrhose vorliegt – gibt es ausreichende Belege für eine klinische Wirksamkeit und Überlegenheit gegenüber der früheren Standardtherapie. Bei Personen, die mit Sofosbuvir und Ribavirin behandelt wurden, waren zwölf Wochen nach Ende der Behandlung bei ca. 95 von 100 keine Viren mehr nachweisbar. Bei Personen, die eine Therapie aus Peginterferon und Ribavirin erhielten, wie sie lange Zeit als Standard galt, waren es nur etwa 78 von 100 Personen. Sofosbuvir ist deshalb in Kombination mit anderen Mitteln zur Behandlung von Hepatitis C geeignet.

Anwendung

Sie nehmen das Mittel einmal täglich unzerkaut zum Essen ein. Wenn Sie einmal vergessen, Sofosbuvir einzunehmen, und der übliche Zeitpunkt weniger als 18 Stunden zurückliegt, nehmen Sie so rasch wie möglich die vergessene Dosis ein und die nächste Tablette wieder wie gewohnt.

Müssen Sie innerhalb von zwei Stunden nach der Einnahme der Tablette erbrechen, sollten Sie eine weitere Tablette einnehmen, um die Blutspiegel von Sofosbuvir aufrechtzuerhalten. Liegt die Tabletteneinnahme zum Zeitpunkt des Erbrechens schon mehr als zwei Stunden zurück, nehmen Sie die nächste Dosis erst zum gewohnten Zeitpunkt ein. Sofosbuvir wird zum größten Teil innerhalb von zwei Stunden nach dem Einnehmen in den Körper aufgenommen.

Achtung

Wenn Sofosbuvir bei chronischer Hepatitis C eingesetzt wird, steigt – insbesondere in den ersten vier bis acht Wochen einer Behandlung und wenn das Mittel nicht zusammen mit Interferonen gegeben wird – möglicherweise das Risiko, dass eine vorhandene oder bereits vergangene Hepatitis B aktiviert wird. Vor Beginn einer Behandlung mit Sofosbuvir sollen daher alle Patienten auf eine aktuelle oder zurückliegende Hepatitis-B-Infektion untersucht werden. Patienten, die sowohl an einer Hepatitis-B- als auch an einer Hepatitis-C-Infektion leiden, müssen besonders sorgfältig beobachtet werden.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Sofosbuvir hat positive Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel und kann bei Diabetikern die Blutzuckerwerte verbessern. Dann kann es notwendig sein, die Dosierung der Antidiabetika anzupassen, da es sonst vermehrt zu Unterzuckerungen kommen kann. *

Sofosbuvir sollten Sie nicht zusammen mit Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin (alle bei Epilepsie), Rifampicin (bei Tuberkulose) oder Johanniskraut (bei depressiver Verstimmung) anwenden, weil diese Mittel die Wirksamkeit von Sofosbuvir abschwächen können.

Unbedingt beachten

Wenn Sie Sofosbuvir gleichzeitig mit Amiodaron (bei Herzrhythmusstörungen) einnehmen, kann es zu schweren Herzrhythmusstörungen mit einem zu langsamen Herzschlag kommen. Auch wenn Amiodaron vor Beginn einer Therapie mit Sofosbuvir abgesetzt wird, besteht die Gefahr einer Herzrhythmusstörung, da Amiodaron im Körper nur langsam abgebaut wird. Eine gemeinsame Anwendung sollte deshalb vermieden werden. Sie ist nur dann zu vertreten, wenn kein anderes Mittel bei Herzrhythmusstörungen angewendet werden kann. In den ersten 48 Stunden der gleichzeitigen Anwendung beider Mittel sollte der Arzt die Herzfunktion überwachen (EKG, gegebenenfalls stationär im Krankenhaus). Auch später sollten Sie auf typische Anzeigen für einen zu langsamen Herzschlag achten: Schwächegefühl, Schwindel, Kurzatmigkeit, Brustschmerzen oder Verwirrtheit. Tritt eines dieser Symptome auf, sollten Sie den Arzt zu Rate ziehen.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Wenn Sie das Mittel zum Essen einnehmen, wird es besser in den Körper aufgenommen.

Nebenwirkungen

Wenn die Leberentzündung schon stark fortgeschritten und die Leberfunktion deutlich beeinträchtigt ist, müssen Sie häufiger mit schweren unerwünschten Wirkungen wie beispielsweise einer Übersäuerung des Blutes rechnen.

Nach den bisherigen Erkenntnissen treten bei der kombinierten Anwendung von Sofosbuvir mit Ribavirin oder Interferonen keine anderen oder zusätzlichen unerwünschten Wirkungen auf im Vergleich zu der alleinigen Anwendung dieser Mittel. Alle nachfolgenden Angaben für Sofosbuvir gelten für die gleichzeitige Anwendung mit Ribavirin.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei mehr als 10 von 100 Behandelten kommt es zu Kopfschmerzen, Übelkeit sowie Schnupfen oder Halsschmerzen. Ebenso viele fühlen sich erschöpft oder sind reizbar.

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten lässt die Aufmerksamkeit nach.

Ebenso häufig treten Muskelkrämpfe, Gelenk- sowie Rückenschmerzen auf.

Muss beobachtet werden

Bei mehr als 10 von 100 Behandelten ist der Schlaf gestört. 1 bis 10 von 100 Behandelten entwickeln eine Depression. Wenn Sie unter Schlafmangel leiden, keine Freude mehr an Hobbys empfinden, sich Lustlosigkeit, Antriebsmangel, innere Leere und Schuldgefühle breit machen, sollten Sie dies mit einem Arzt besprechen.

Es kann eine Blutarmut (Anämie) eintreten. Wenn Sie auffallend blass sind und sich müde und schwach fühlen und bei Anstrengung schnell Atemnot auftritt, sollte der Arzt ihr Blutbild kontrollieren.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Solange sich Hepatitis-B-Viren im Blut nachweisen lassen, müssen Sie Ihre Partnerin/Ihren Partner vor einer Ansteckung schützen, indem Sie konsequent Kondome benutzen.

Wird dieses Mittel zusammen mit Ribavirin eingesetzt, gelten die für Ribavirin genannten Einschränkungen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Aufgrund begrenzter Erfahrungen sollten Sie dieses Mittel möglichst nicht anwenden. Die bisher vorliegenden Untersuchungsergebnisse geben allerdings keinen Hinweis auf ein Schädigungspotential von Sofosbuvir beim Ungeborenen. Wenn das Mittel in Kombination mit Ribavirin angewendet wird, gelten die dafür genannten Hinweise.

In tierexperimentellen Untersuchungen waren Abbauprodukte von Sofosbuvir in der Muttermilch nachweisbar. Ob das Mittel auch beim Menschen in die Muttermilch übergeht, ist nicht bekannt. Ein Risiko für den gestillten Säugling kann daher nicht ausgeschlossen werden. Aus Sicherheitsgründen sollte auf die Anwendung während der Stillzeit verzichtet werden.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Das Mittel kann Kindern ab einem Alter von 3 Jahren zur Behandlung einer chronischen Hepatitis C gegeben werden. Hierfür stehen verschiedene Zubereitungen in Abhängigkeit vom Körpergewicht zur Verfügung. Tabletten und Beutel mit 200 Milligramm Sofosbuvir können ab einem Körpergwicht von 17 Kilogramm eingesetzt werden. Wiegt das Kind weniger als 17 Kilogramm, stehen niedriger dosierte Beutel mit 150 Milligramm Sofosbuvir zur Verfügung. Für Kinder unter 3 Jahren liegen keine Daten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit vor. **

Zur Verkehrstüchtigkeit

Wenn Sie dieses Mittel in Kombination mit Peginterferon alfa und/oder Ribavirin anwenden, können Erschöpfung und Aufmerksamkeitsstörungen, Schwindelgefühl und Sehstörungen auftreten. Dann sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Tätigkeiten ohne sicheren Halt ausführen.

* aktualisiert am 21.05.2021

** aktualisiert am 07.06.2021

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs