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Antivirales Mittel: Ribavirin

Wirkungsweise

Ribavirin ist ein Mittel gegen Hepatitis C, das gezielt Viren bekämpft. Der Wirkstoff gleicht einem der Bausteine (Nukleosid), aus denen sich die Erbsubstanz im Zellkern zusammensetzt und wird deshalb auch als Nukleosid-Analogon bezeichnet. Dieser Baustein – Guanosin – ist eine der vier Basen der Erbsubstanz DNS (Desoxyribonukleinsäure). Seit 1999 ist Ribavirin in Deutschland für die Behandlung der chronischen Hepatitis C zugelassen. Es wird immer mit mindestens einem weiteren Wirkstoff gegen das Virus kombiniert. Ribavirin allein ist bei Hepatitis nicht wirksam.

Der Wirkstoff verweilt sehr lange im Körper. Nach mehrwöchiger Einnahme hat sich die Zeitspanne so verlängert, dass die Hälfte der eingenommenen Menge erst nach etwa zwölf Tagen wieder abgebaut ist.

Bei einer Hepatitis C mit Genotyp 2 liegen für die Behandlung mit einer Kombination aus Sofosbuvir und Ribavirin – insbesondere wenn zuvor noch nicht mit Interferonen und/oder Virustatika behandelt wurde und noch keine Leberzirrhose vorliegt – ausreichende Belege für eine klinische Wirksamkeit und Überlegenheit gegenüber der früheren Standardtherapie aus Peginterferon alfa und Ribavirin vor. Bei Personen mit Genotyp-2-Infektion, die mit Sofosbuvir und Ribavirin behandelt wurden, waren 24 Wochen nach Ende der Behandlung bei etwa 97 von 100 keine Viren mehr nachweisbar. Bei Personen, die eine Therapie aus Peginterferon und Ribavirin erhielten, wie sie lange Zeit als Standard galt, waren es nur etwa 76 von 100 Personen.

Die hier bewertete Rebetol-Lösung ist nur für Kinder ab einem Alter von drei Jahren und Jugendliche zugelassen. Sollen Erwachsene mit Ribavirin behandelt werden, müssen höher dosierte Tabletten oder Kapseln zum Einsatz kommen. Diese werden in Deutschland noch von anderen Herstellern angeboten, fallen aber nicht unter die häufig verordneten Mittel.

Anwendung

Die Lösung wird morgens und abends eingenommen. Die Dosierung von Ribavirin richtet sich nach dem Körpergewicht.

Treten unerwünschte Wirkungen auf, sollte der Arzt die Dosis von Ribavirin so anpassen, dass das Mittel gut vertragen wird.

Vor Beginn und während der Behandlung mit Ribavirin sollte der Arzt alle sechs bis zwölf Wochen die Nierenfunktion sowie die Blutwerte (vollständiges Blutbild mit Differentialblutbild, Thrombozyten, Elektrolyte, Serumkreatinin, Leberfunktionstest, Harnsäure, Gerinnungsfaktoren) überprüfen.

Achtung

Wenn Sie Gicht haben, muss der Arzt die Harnsäurewerte besonders häufig überprüfen, weil Ribavirin diese erhöhen und somit einen Gichtanfall auslösen kann.

Wenn Sie eine Herz-Kreislauf-Erkrankung haben und diese sich während der Therapie verschlechtert, muss die Behandlung abgebrochen werden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie nicht mit Ribavirin behandelt werden:

  • Sie haben eine schwere Herzkrankheit oder Sie hatten in den sechs Monaten vor Beginn der Ribavirin-Therapie eine schwere Herzerkrankung.
  • Die Bildung der roten Blutkörperchen ist bei Ihnen gestört (Thalassämie, Sichelzellanämie).
  • Die Funktion Ihrer Leber ist stark beeinträchtigt oder es besteht eine schwere Leberzirrhose.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie aufgrund einer HIV-Infektion gleichzeitig virushemmende Wirkstoffe wie Didanosin oder Zidovudin einnehmen, kann das Blut übersäuern (Lactatazidose). Symptome dafür sind Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Durst, Muskelschmerzen und beschleunigte Atmung bis hin zu Ohnmacht. Diese Mittel sollten Sie möglichst nicht gleichzeitig mit Ribavirin einnehmen. Wenn sich das nicht vermeiden lässt, muss der Arzt die Blutwerte engmaschig kontrollieren. Steigen die Milchsäurewerte (Lactatwerte) im Blut stark an, muss die Behandlung abgebrochen werden.

Nebenwirkungen

Wenn die Leberentzündung schon stark fortgeschritten und die Leberfunktion deutlich beeinträchtigt ist, müssen Sie häufiger mit schweren unerwünschten Wirkungen wie beispielsweise einer Übersäuerung des Blutes rechnen.

Beachten Sie, dass zusätzlich zu den unerwünschten Wirkungen durch Ribavirin immer auch solche durch das bzw. die jeweiligen Kombinationsmittel auftreten können.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei über 10 von 100 Behandelten kommt es zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Mundtrockenheit. Vermehrtes Schwitzen, Verstopfung, Verdauungsbeschwerden und Geschmacksveränderungen treten bei 5 bis 10 von 100 Behandelten auf.

Muss beobachtet werden

Es können Erregung, Nervosität, Verwirrtheit, aggressives Verhalten, Zittern, leichte Ermüdbarkeit und Schmerzen im ganzen Brustkorb oder vorzugsweise im rechten oberen Bereich auftreten. Wenn derartige Beschwerden einsetzen, sollten Sie den Arzt informieren und die weitere Therapie besprechen. Treten Herzrasen oder kurze Ohnmachten auf, sollte der Arzt ein EKG schreiben.

Es kann eine Blutarmut (Anämie) auftreten. Wenn Sie auffallend blass sind und sich müde und schwach fühlen und bei Anstrengung schnell Atemnot auftritt, sollte der Arzt ihr Blutbild kontrollieren.

Wenn Sie unter Schlafmangel leiden, keine Freude mehr an Hobbys empfinden, sich Lustlosigkeit, Antriebsmangel, innere Leere und Schuldgefühle breit machen, sollten Sie dies mit einem Arzt besprechen.

Sofort zum Arzt

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen, oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Ribavirin kann in der am Menschen angewendeten Dosierung das Neugeborene schädigen und zu Missbildungen führen. Vor der Behandlung mit Ribavirin muss eine Schwangerschaft sicher ausgeschlossen werden.

Bei Männern verändert der Wirkstoff die Spermien und reichert sich in diesen an. Es ist unklar, ob diese Spermien bei Befruchtung einer Eizelle das Erbgut des entstehenden Embryos schädigen können. Aus Sicherheitsgründen wird Männern, die Ribavirin einnehmen, empfohlen, während der Behandlung und nach ihrem Abschluss noch für weitere sieben Monate sicher zu verhüten.

Frauen, die schwanger werden können, sollten während der gesamten Behandlungszeit sowie noch weitere vier Monate danach eine Schwangerschaft sicher verhüten. Um die Sicherheit zu erhöhen, wird empfohlen, zwei verschiedene Verhütungsmittel gleichzeitig einzusetzen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Ribavirin dürfen Sie weder in der Schwangerschaft noch in der Stillzeit anwenden. Es kann beim Ungeborenen Fehlbildungen an Schädel, Gaumen, Augen, Kiefer, Gliedmaßen, Knochengerüst und Verdauungstrakt verursachen. Außerdem müssen Sie für die gesamte Zeit einer Schwangerschaft unbedingt darauf achten, dass Sie nicht mit Spermien in Kontakt kommen, die mit Ribavirin belastet sind.

Wenn Sie während der Behandlung sowie bis vier Monate nach Beendigung der Therapie mit Ribavirin schwanger geworden sind, sollten Sie die weiteren Maßnahmen mit einem Frauenarzt besprechen.

Wenn Sie stillen, müssen Sie mit Beginn der Behandlung abstillen.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Dieses Mittel ist in Kombination mit anderen virushemmenden Mitteln für die Behandlung von Kindern ab drei Jahre und Jugendlichen vorgesehen. Für Kinder eignet sich die flüssige Zubereitung, da sie leichter einzunehmen ist.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs