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Antivirales Mittel: Ribavirin

Wirkungsweise

Ribavirin ist ein Mittel gegen Hepatitis C, das gezielt Viren bekämpft. Der Wirkstoff gleicht einem der Bausteine (Nukleosid), aus denen sich die Erbsubstanz im Zellkern zusammensetzt und wird deshalb auch als Nukleosid-Analogon bezeichnet. Seit 1999 ist Ribavirin in Deutschland für die Behandlung der chronischen Hepatitis C zugelassen. Es wird immer mit mindestens einem weiteren Wirkstoff gegen das Virus kombiniert. Ribavirin allein ist bei Hepatitis C nicht wirksam. Testergebnisse Ribavirin

Der Wirkstoff verweilt sehr lange im Körper. Nach Beendigung einer mehrwöchigen Einnahme dauert es etwa zwei Monate, bis Ribavirin vollständig aus dem Körper ausgeschieden ist.

Mittlerweile stehen für die Behandlung aller Genotypen einer Hepatitis-C-Erkrankung ribavirinfreie antivirale Therapieoptionen zur Verfügung. Diese bieten Vorteile: Sie sind wirksamer, die Behandlungszeiten sind im Vergleich zu Therapien mit Ribavirin kürzer und es treten weniger Nebenwirkungen auf. Daher gilt eine kombinierte Anwendung von Ribavirin mit anderen antiviral wirkenden Substanzen – einschließlich Interferonen – als „mit Einschränkung geeignet“. Kombinationen mit Ribavirin sollen erst angewendet werden, wenn sie aufgrund der Schwere der Erkrankung erforderlich sind und die als "geeignet" bewerteten Mittel nicht zum Einsatz kommen können.

Anwendung

Die Tabletten werden morgens und abends zusammen mit dem Essen eingenommen. Die Dosierung von Ribavirin richtet sich nach dem Körpergewicht.

Treten unerwünschte Wirkungen auf, sollte die Ärztin oder der Arzt die Dosis von Ribavirin so anpassen, dass das Mittel gut vertragen wird.

Vor Beginn und während der Behandlung mit Ribavirin sollten Ärztin oder Arzt alle sechs bis zwölf Wochen die Nierenfunktion sowie die Blutwerte (vollständiges Blutbild mit Differentialblutbild, Thrombozyten, Elektrolyte, Serumkreatinin, Leberfunktionstest, Harnsäure, Gerinnungsfaktoren) überprüfen.

Wenn die Nierenfunktion eingeschränkt ist, sollte die Dosierung – in Abhängigkeit vom Schweregrad der Nierenerkrankung – deutlich verringert werden.

Achtung

Wenn Sie Gicht haben, muss der Arzt die Harnsäurewerte besonders häufig überprüfen, weil Ribavirin diese erhöhen und somit einen Gichtanfall auslösen kann.

Wenn Sie eine Herz-Kreislauf-Erkrankung haben und diese sich während der Therapie verschlechtert, muss die Behandlung abgebrochen werden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie nicht mit Ribavirin behandelt werden:

  • Sie haben eine schwere Herzkrankheit oder Sie hatten in den sechs Monaten vor Beginn der Ribavirin-Therapie eine schwere Herzerkrankung.
  • Die Bildung der roten Blutkörperchen ist bei Ihnen gestört (Thalassämie, Sichelzellanämie).
  • Die Funktion Ihrer Leber ist bereits stark beeinträchtigt oder es besteht eine schwere Leberzirrhose.

Wenn sich die Leberfunktion während der Therapie deutlich verschlechtert, muss der Arzt Nutzen und Schaden einer Behandlung mit Ribavirin sorgfältig gegeneinander abwägen. Das gilt vor allem für Menschen, die neben einer Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus auch eine HIV-Infektion haben. In diesen Fällen ist das Risiko für schwere unerwünschte Wirkungen auf die Blutbildung erhöht.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie aufgrund einer HIV-Infektion gleichzeitig virushemmende Wirkstoffe wie Didanosin oder Zidovudin einnehmen, kann das Blut übersäuern (Lactatazidose). Symptome dafür sind Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Durst, Muskelschmerzen und beschleunigte Atmung bis hin zu Ohnmacht. Diese Mittel sollten Sie möglichst nicht gleichzeitig mit Ribavirin einnehmen. Wenn sich das nicht vermeiden lässt, muss die Ärztin oder der Arzt die Blutwerte engmaschig kontrollieren. Steigen die Milchsäurewerte (Lactatwerte) im Blut stark an, muss die Behandlung abgebrochen werden.

Wechselwirkungen mit Ribavirin können bis zu zwei Monate nach dessen Absetzen auftreten, da das Mittel nur langsam aus dem Organismus ausgeschieden wird.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Ribavirin kann zusammen mit den Mahlzeiten eingenommen werden. Fettreiche Nahrung verbessert die Aufnahme von Ribavirin ins Blut.

Nebenwirkungen

Wenn die Leberentzündung schon stark fortgeschritten und die Leberfunktion deutlich beeinträchtigt ist, müssen Sie häufiger mit schweren unerwünschten Wirkungen wie beispielsweise einer Übersäuerung des Blutes rechnen.

Beachten Sie, dass zusätzlich zu den unerwünschten Wirkungen durch Ribavirin immer auch solche durch das beziehungsweise die jeweiligen Kombinationsmittel auftreten können.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei über 10 von 100 Behandelten kommt es zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Mundtrockenheit.

Bei 5 bis 10 von 100 Behandelten treten vermehrtes Schwitzen, Verstopfung, Verdauungsbeschwerden und Geschmacksveränderungen auf.

Diese Beschwerden vergehen in aller Regel von alleine.

Muss beobachtet werden

Es können Erregung, Nervosität, Verwirrtheit, aggressives Verhalten, Zittern, leichte Ermüdbarkeit und Schmerzen im ganzen Brustkorb oder vorzugsweise im rechten oberen Bereich auftreten. Wenn derartige Beschwerden einsetzen, sollten Sie den Arzt informieren und die weitere Therapie besprechen. Treten Herzrasen oder kurze Ohnmachten auf, sollte der Arzt ein EKG schreiben.

Es kann eine Blutarmut (Anämie) auftreten. Wenn Sie auffallend blass sind und sich müde und schwach fühlen und bei Anstrengung schnell Atemnot auftritt, sollte der Arzt ihr Blutbild kontrollieren.

1 bis 10 von 100 Behandelten entwickeln Ängste oder eine Depression. Wenn Sie unter Schlafmangel leiden, keine Freude mehr an Hobbys empfinden, sich Lustlosigkeit, Antriebsmangel, innere Leere und Schuldgefühle breit machen oder Sie sich verstärkt Sorgen machen oder Ängste vor alltäglichen Situationen entwickeln, sollten Sie dies mit einem Arzt oder einer Ärztin besprechen.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt und Sie ein Alternativmedikament benötigen.

Sofort zum Arzt

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen, oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie beziehungsweise einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Ribavirin kann in der üblichen Dosierung Ungeborene schädigen und zu Missbildungen führen. Vor der Behandlung mit Ribavirin muss eine Schwangerschaft sicher ausgeschlossen werden.

Bei Männern verändert der Wirkstoff die Spermien und reichert sich in diesen an. Es ist unklar, ob diese Spermien bei Befruchtung einer Eizelle das Erbgut des entstehenden Embryos schädigen können. Aus Sicherheitsgründen wird Männern, die Ribavirin einnehmen, empfohlen, während der Behandlung und nach ihrem Abschluss noch für weitere sechs Monate sicher zu verhüten.

Frauen, die schwanger werden können, sollten während der gesamten Behandlungszeit sowie noch weitere neun Monate danach eine Schwangerschaft sicher verhüten. Um die Sicherheit zu erhöhen, wird empfohlen, zwei verschiedene Verhütungsmittel gleichzeitig einzusetzen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Ribavirin dürfen Sie weder in der Schwangerschaft noch in der Stillzeit anwenden. Es kann beim Ungeborenen Fehlbildungen an Schädel, Gaumen, Augen, Kiefer, Gliedmaßen, Knochengerüst und Verdauungstrakt verursachen. Für die gesamte Zeit der Schwangerschaft muss außerdem darauf geachtet werden, dass Schwangere nicht mit Spermien in Kontakt kommen, die mit Ribavirin belastet sind. Falls Ihr Partner mit dem Mittel behandelt wird, sollte er Kondome benutzen.

Wenn Sie während der Behandlung mit Ribavirin oder innerhalb von neun Monaten nach deren Ende schwanger geworden sind, sollten Sie die weiteren Maßnahmen mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt besprechen.

Ob Ribavirin in die Muttermilch übergeht, ist unklar, auch welche Auswirkungen dies auf den Säugling hätte. Wenn Sie während der Stillzeit mit Ribavirin behandelt werden sollen, müssen Sie mit Beginn der Behandlung abstillen.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Ribavirin wird in Kombination mit anderen virushemmenden Mitteln auch bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt. Gegebenenfalls muss der Arzt die Ribavirin-Dosierung anpassen. Zu beachten ist, dass das Mittel bei länger andauernder Behandlung das Wachstum von Kindern beeinträchtigen und Auswirkungen auf die Blutbildung haben kann. Wie verträglich das Mittel bei Kindern mit Herz- oder Nierenerkrankungen ist, ist nicht ausreichend untersucht.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Ribavirin hat selbst kaum Auswirkungen auf die Aufmerksamkeit. Da es aber immer mit anderen antiviral wirkenden Mitteln eingesetzt wird, sind die entsprechenden Hinweise bei diesen Mitteln zu beachten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs