Medikamente im Test

Antivirales Mittel: Entecavir

Wirkungsweise

Entecavir wird bei Hepatitis B zur Bekämpfung der Viren eingesetzt. Der Wirkstoff hemmt einen bestimmten Eiweißstoff in den Hepatitis-B-Viren, der mit dazu beiträgt, dass sich die Viren vermehren. Auf diese Weise können keine neuen Viren entstehen. Das Mittel wirkt sehr stark und über lange Zeit (erst nach fünf bis sechs Tagen hat der Körper die Hälfte des Mittels abgebaut). Entecavir zeigt im Vergleich zu den anderen antiviralen Wirkstoffen eine bessere therapeutische Wirksamkeit. So war bei 67 von 100 der mit Entecavir Behandelten nach 48 Wochen keine Virus-Erbsubstanz mehr im Blut nachweisbar.Bei den mit Lamivudin Behandelten war das nur bei 36 von 100 Behandelten der Fall.

Eine Behandlung mit Entecavir kann auch noch bei fortgeschrittenem Krankheitsverlauf oder bei hoher Viruslast bewirken, dass keine Virus-Erbsubstanz mehr nachweisbar ist und der Krankheitsverlauf gestoppt werden kann. Auch bei Patienten, die bereits eine Resistenz gegen Lamivudin entwickelt haben, kann Entecavir dazu beitragen, dass sich die Gewebestruktur der Leber wieder normalisiert. Es ist zur Behandlung von chronischer Hepatitis B geeignet, vor allem bei fortgeschrittenen Krankheitsstadien und bei hoher Viruslast.

Nur sehr selten kommt es vor, dass die Viren gegen Entecavir unempfindlich werden: In den Studien war nach 48 Wochen Behandlungszeit noch keine Resistenz aufgetreten, wohl aber bei fast einem Drittel der mit Lamivudin behandelten Studienteilnehmern. Bei chronischer Hepatitis B ist Entecavir deshalb ein Mittel der Wahl, wenn mit Virustatika behandelt werden soll.

Anwendung

Entecavir nehmen Sie einmal täglich ein. Wenn die Krankheit bereits fortgeschritten und die Leberfunktion stark eingeschränkt ist, tun Sie das auf nüchternen Magen, also mehr als zwei Stunden vor oder nach einer Mahlzeit.

Falls Ihre Nierenfunktion beeinträchtigt ist, sollte der Arzt die Dosis gegebenenfalls reduzieren.

Während der Behandlung mit diesem Mittel sollte der Arzt mindestens alle drei Monate bestimmte Leberwerte (ALT-Werte: Alanin-Amino-Transferase, Transaminasen) prüfen. Außerdem sollte er mindestens halbjährlich kontrollieren, ob sich im Blut noch Erbmaterial (RNA) von Hepatitis-B-Viren oder Hepatitis-B-Virus-Antigen findet.

Achtung

Wenn eine chronische Hepatitis B fortgeschritten ist oder bereits eine Lebertransplantation stattgefunden hat, besteht nach Absetzen des Mittels oder bei nachlassender Wirksamkeit ein hohes Risiko, dass die Hepatitis erneut aktiviert wird und infolgedessen ein schweres, lebensbedrohliches Leberversagen einsetzt. Während der Behandlung und noch sechs Monate nach Absetzen des Mittels ist es deshalb notwendig, alle vier Wochen die Leber- und Nierenfunktion, die Blutwerte sowie die Konzentration von Hepatitis-B-Viren und Hepatitis-B-Virus-Antigen zu kontrollieren.

Wenn die Viren gegenüber Lamivudin bereits resistent geworden sind, besteht ein höheres Risiko, dass sie auch gegenüber Entecavir unempfindlich werden. Dann sollte der Arzt in kurzen Abständen die Blutwerte daraufhin überprüfen, ob sich wieder Virus-Erbsubstanz im Blut findet.

Baraclude Lösung: Das Mittel enthält als Konservierungsmittel Parabene. Wenn Sie auf Parastoffe allergisch reagieren, dürfen Sie es nicht anwenden.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie aufgrund einer HIV-Infektion gleichzeitig virushemmende Wirkstoffe wie Didanosin, Zidovudin oder Stavudin einnehmen, kann das Blut übersäuern (Lactatazidose). Symptome dafür sind Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Durst, Muskelschmerzen und beschleunigte Atmung bis hin zu Ohnmacht. Diese Mittel sollten Sie möglichst nicht gleichzeitig mit den hier besprochenen Wirkstoffen einnehmen. Wenn sich das nicht vermeiden lässt, muss der Arzt die Blutwerte engmaschig kontrollieren. Steigen die Milchsäurewerte (Lactatwerte) im Blut stark an, muss die Behandlung abgebrochen werden.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Wenn Sie Entecavir zum Essen einnehmen, kann sich das geringfügig auf die Blutspiegel von Entecavir auswirken. In frühen Krankheitsstadien ist das nicht relevant, bei fortgeschrittener Leberfunktionsstörung kann aber die Wirksamkeit beeinträchtigt sein. Dann müssen Sie das Mittel auf nüchternen Magen einnehmen.

Nebenwirkungen

Wenn die Leberentzündung schon stark fortgeschritten und die Leberfunktion deutlich beeinträchtigt ist, müssen Sie häufiger mit schweren unerwünschten Wirkungen wie beispielsweise einer Übersäuerung des Blutes rechnen.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei Entecavir kommt es bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten zu Haarausfall.

Muss beobachtet werden

Wenn sich die Haut rötet, juckt und wenn sich Bläschen bilden, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Dann sollten Sie einen Arzt um Rat fragen.

Sofort zum Arzt

In Einzelfällen können schwere allergische Reaktionen auf Entecavir auftreten. Wenn sich der Hautausschlag verschlimmert und Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel auftreten, müssen Sie unverzüglich den Notarzt rufen (Telefon 112), weil es sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln kann.

Aufgrund einer allergischen Reaktion kann auch das Unterhautgewebe anschwellen. Sind Lippen und Zunge betroffen, drohen Atemnot und Erstickungsanfälle (Angioödem). Auch dann müssen Sie sofort den Notarzt rufen (Telefon 112).

Außerdem kann das Blut durch einen zu hohen Gehalt an Milchsäure übersäuern (Lactatazidose), was sich zunächst mit Erbrechen, Durchfall, Bauch- und Muskelschmerzen, beschleunigter Atmung und Durst bemerkbar macht. Werden diese Beschwerden stärker und kommen Schüttelfrost, Schwindel und Bewusstseinsstörungen hinzu, müssen Sie sofort den Notarzt alarmieren (Telefon 112), damit Sie schnellstens im Krankenhaus weiterbehandelt werden können.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Wenn Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 2 und 18 Jahren mit Entecavir behandelt werden sollen, muss der Arzt Nutzen und Risiko einer derartigen Behandlung sorgfältig gegeneinander abwägen.

Zur Empfängnisverhütung

Solange sich Hepatitis-B-Viren im Blut nachweisen lassen, müssen Sie Ihre Partnerin / Ihren Partner vor einer Ansteckung schützen, indem Sie konsequent Kondome benutzen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass das Ungeborene durch eine Behandlung mit Entecavir in der Schwangerschaft Schaden nimmt. Wegen der insgesamt unzureichenden Erfahrungen sollte das Mittel in dieser Zeit jedoch nur dann eingesetzt werden, wenn dies unbedingt erforderlich ist und der Nutzen die möglichen Risiken übersteigt.

Entecavir geht in die Muttermilch über. Sicherheitshalber sollten Sie deshalb abstillen. Ohnehin wird Frauen mit Hepatitis-B-Infektionen geraten, nicht zu stillen, weil sonst mit der Muttermilch möglicherweise Hepatitis-Viren auf den Säugling übertragen werden.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs