Medikamente im Test

Antimykotikum (innerlich): Itraconazol

Wirkungsweise

Itraconazol ist ein Imidazol und gehört damit in die gleiche Gruppe wie z. B. das lokal angewendete Clotrimazol. Es wirkt auf die gleiche Art wie dieser Wirkstoff gegen eine Pilzinfektion.

Fuß- und Hautpilz und Nagelpilz

Itraconazol in Tablettenform ist zur Behandlung von schweren oder sehr hartnäckigen Pilzerkrankungen geeignet. Der Wirkstoff wird eingesetzt, wenn eine Pilzinfektion mit äußerlich anzuwendenden Mitteln nicht ausreichend zu bekämpfen war (z. B. bei Nagelpilzinfektionen oder therapieresistenten Pilzinfektionen der Haut), oder wenn äußerlich anzuwendende Mittel nicht eingesetzt werden können. Die therapeutische Wirksamkeit ist nachgewiesen.

Bei Candida-Infektionen wirken Imidazole wie Itraconazol etwas besser als Terbinafin, aber sie können Infektionen mit Fadenpilzen (Dermatophyten) weniger effektiv bekämpfen. Bevor die Tabletten angewendet werden, sollte deshalb auf jeden Fall eine Kultur angelegt werden, um spätestens dann das richtige Antimykotikum zu finden, wenn die Erstbehandlung versagt hat.

Pilzinfektionen der Scheide

Die innerliche Behandlung einer Pilzinfektion der Scheide, die zum ersten Mal auftritt, ist nicht wirkungsvoller als eine Lokaltherapie. Sie kann jedoch mit mehr unerwünschten Wirkungen verbunden sein, weil der geschluckte Wirkstoff von der Leber abgebaut werden muss, während bei einer lokalen Behandlung nur sehr wenig Wirkstoff ins Blut gelangt. Daher wird dieses Mittel zum Einnehmen als "geeignet" bewertet, vorausgesetzt, dass zuvor lokal angewendete Mittel nicht ausreichend wirksam waren.

Anwendung

Fuß- und Hautpilz

Itraconazol wird bei Pilzinfektionen der Haut kontinuierlich verabreicht.

Nagelpilz

Bei Nagelpilzinfektionen wird Itraconazol ununterbrochen über 3 Monate oder aber auch in Intervallen eingenommen. Das heißt, Sie nehmen das Mittel eine Woche lang ein, machen dann drei Wochen Pause und beginnen anschließend erneut mit der Einnahme. Dies lässt sich zwei bis vier Monate lang wiederholen. Die Pause hat den Sinn, dass sich im Nagel durch den eingelagerten Wirkstoff eine Barriere bildet, die das Pilzgeflecht nicht überwinden kann. Bei zwei bis drei Behandlungszyklen entstehen auf diese Weise zwei bis drei Hemmlinien in den Nägeln.

Pilzinfektionen der Scheide

Bei einer Pilzinfektion der Scheide werden insgesamt vier Kapseln angewendet, zwei Kapseln morgens, zwei Kapseln abends. Im Rahmen einer Mahlzeit wird der Wirkstoff am besten in den Organismus aufgenommen.

Achtung

Fuß- und Hautpilz und Nagelpilz

Während der Einnahme von Itraconazol sollte der Arzt die Leberwerte kontrollieren. Falls sich diese erhöhen, müssen Sie das Mittel absetzen.

Gegenanzeigen

Wenn die Funktion Ihrer Leber gestört ist oder Ihre Nieren nicht richtig arbeiten, dürfen Sie Itraconazol nur nach besonders sorgfältiger Abschätzung von Nutzen und Risiken und gegebenenfalls in verringerter Dosis einnehmen.

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Itraconazol nicht oder nur mit Vorsicht anwenden:

  • Sie haben Herzrhythmusstörungen und nehmen Mittel mit dem Wirkstoff Chinidin ein.
  • Ihre Blutfettwerte sind erhöht und Sie nehmen Lovastatin oder Simvastatin ein.
  • Sie leiden unter Schlafstörungen und werden mit Midazolam oder Triazolam behandelt.
  • Sie haben eine Psychose und nehmen Mittel mit dem Wirkstoff Pimozid ein.

Wenn Sie Herzrhythmusstörungen oder eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) haben, dürfen Sie das Mittel nur nach besonders sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken anwenden.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Pilzinfektionen der Scheide

Itraconazol wird bei einer Scheideninfektion nur kurz eingenommen, sodass mögliche Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln bei der Anwendung praktisch keine Rolle spielen.

Wenn Sie Itraconazol längere Zeit zusammen mit anderen Arzneimitteln einnehmen, können sich viele verschiedene Wechselwirkungen ergeben. Wenn Sie Medikamente einnehmen, die in der nachfolgenden Aufzählung nicht enthalten sind, sollten Sie sicherheitshalber mit dem Arzt oder Apotheker sprechen und fragen, ob Wechselwirkungen zu erwarten sind.

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Antazida (bei Sodbrennen) sollten Sie erst zwei Stunden nach dem Antipilzmittel einnehmen, sonst wird dieses nicht gut genug ins Blut aufgenommen und wirkt schlechter oder gar nicht.
  • Auch H2-Blocker wie Famotidin und Ranitidin oder Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol (alle bei Sodbrennen und/oder Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren) können die Aufnahme von Itraconazol in den Blutkreislauf beeinträchtigen.

Wenn Sie eines dieser Mittel zusammen mit Itraconazolkapseln anwenden müssen, nehmen Sie diese mit einem kohlesäurehaltigen Getränk ein. Dadurch kann der Magensaft für kurze Zeit stärker sauer reagieren. Das verbessert die Aufnahme von Itraconazol.

  • Itraconazol verstärkt die erwünschten und unerwünschten Wirkungen zahlreicher Medikamente, die bei Krebs und Aids sowie nach Organtransplantationen zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen eingesetzt werden. Wenn Sie solche Mittel einnehmen müssen, sollten Sie den Arzt fragen, ob die Dosis gegebenenfalls verändert werden sollte.
  • Itraconazol verstärkt auch die Wirkung von Dihydroergotamin oder Ergotamin (bei Migräne) sowie Cabergolin (bei Parkinsonkrankheit). Dann steigt auch das Risiko für Durchblutungsstörungen in Armen und Beinen sowie an inneren Organen.
  • Itraconazol verstärkt die Wirkung von Buspiron (bei Angststörungen), cortisonhaltigen Mitteln zum Einnehmen oder Inhalieren mit den Wirkstoffen Budesonid, Dexamethason, Prednison, Prednisolon und Methylprednisolon (bei rheumatoider Arthritis, Asthma), Ivabradin (bei koronarer Herzkrankheit) und Calciumantagonisten wie Felodipin, Isradipin, Nifedipin und Verapamil (bei hohem Blutdruck). Dadurch steigt die Gefahr unerwünschter Wirkungen. Der Arzt sollte dann gegebenenfalls die Dosis anpassen.
  • Carbamazepin, Phenobarbital und Phenytoin (alle bei Epilepsien), Johanniskraut (bei Depressionen) und Rifampicin (bei Tuberkulose) können die Wirkung von Itraconazol gegen Pilze verringern. Itraconazol sollte frühestens zwei Wochen nach Absetzen dieser Mittel eingenommen werden.
  • Wenn Sie Itraconazol zusammen mit Cilostazol (bei arteriellen Durchblutungsstörungen) einnehmen, können sich dessen erwünschte und unerwünschte Wirkungen verstärken. Es kann sein, dass dann starke Kopfschmerzen, Durchfall, beschleunigter Herzschlag oder andere Herzrhythmusstörungen auftreten.

Unbedingt beachten

Itraconazol verstärkt die Wirkung von:

  • gerinnungshemmenden Mitteln wie Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden. Sie müssen deshalb die Blutgerinnung häufiger als sonst selbst kontrollieren oder vom Arzt kontrollieren lassen und gegebenenfalls nach Absprache mit dem Arzt die Dosis der Gerinnungshemmer verringern. Das gilt auch für die gleichzeitige Anwendung neuartiger gerinnungshemmender Wirkstoffe wie Rivaroxaban und Apixaban. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.
  • Pimozid (bei Schizophrenien und anderen Psychosen) und Chinidin (bei Herzrhythmusstörungen). Dadurch steigt die Gefahr, dass als unerwünschte Wirkung dieser Medikamente Herzrhythmusstörungen entstehen.
  • Atorvastatin, Lovastatin und Simvastatin (bei erhöhten Blutfettwerten). Dadurch steigt die Gefahr, dass als unerwünschte Wirkung dieser Medikamente Muskelerkrankungen entstehen.
  • Midazolam und Triazolam (bei Schlafstörungen). Dadurch besteht die Gefahr, dass die Mittel auch tagsüber schläfrig und unkonzentriert machen und Ihre Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen.
  • Digoxin (bei Herzschwäche). Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel bei Herzschwäche: verstärkte Wirkung.

Nebenwirkungen

Pilzinfektionen der Scheide

Intraconazol wird bei Pilzinfektionen der Scheide nur kurze Zeit eingesetzt. Grundsätzlich sind alle unerwünschten Wirkungen möglich, die bei der langfristigen Anwendung des Mittel beobachtet wurden. Diese treten allerdings sehr viel seltener auf.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten kann es zu Bauchschmerzen und Übelkeit kommen. Bei 1 bis 10 von 1.000 Behandelten verändert sich das Geschmacksempfinden. Ebenso viele haben Kopfschmerzen.

Muss beobachtet werden

Intraconazol kann Leberschäden verursachen. Treten Übelkeit, Erbrechen und/oder dunkel gefärbter Urin auf und ist der Stuhl auffällig hell, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Das Mittel kann Haarausfall auslösen (bei 1 bis 10 von 1.000 Behandelten).

Bei bis zu 5 von 100 Anwenderinnen tritt ein Hautausschlag auf. Wenn sich auf der Haut Bläschen bilden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Solche Hauterscheinungen können darauf hinweisen, dass Sie das Mittel nicht vertragen.

Es können Gefühlsstörungen in Armen und Beinen (z. B. Taubheit) auftreten. Dann sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wenn Sie häufig müde sind, der Blutdruck sehr niedrig ist, Zittern und Heißhungergefühl einsetzen, kann es sein, dass Itraconazol die Funktion der Nebennierenrinde beeinträchtigt hat und eine Unterzuckerung vorliegt. Suchen Sie dann einen Arzt auf.

Sofort zum Arzt

Bei starkem Hautausschlag, Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel müssen Sie die Anwendung sofort abbrechen und unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen. Es kann sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln.

Als Zeichen einer lebensbedrohlichen Allergie kann sich in Einzelfällen Fieber über 39 °C entwickeln und die Haut kann sich in großen Blasen ablösen (TEN = toxische epidermale Nekrolyse). Bei solchen Hauterscheinungen müssen Sie sofort einen Notarzt (Telefon 112) rufen.

Das Mittel kann auch schwere Leberschäden und eine Gelbsucht auslösen. Wenn sich die Haut gelb färbt – möglicherweise begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper –, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen. Wenn die Tabletten abgesetzt werden, bilden sich die Symptome wieder zurück.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Fuß- und Hautpilz und Nagelpilz

Für die Behandlung von Haut- und Nagelpilzen bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre liegen nur wenige Untersuchungsdaten vor. Das Mittel darf nur angewendet werden, wenn andere therapeutische Möglichkeiten ausgeschöpft sind.

Pilzinfektionen der Scheide

Eine Pilzinfektion der Scheide sollte bei jungen Mädchen immer lokal behandelt werden. Nur wenn es unumgänglich ist, kommt ein Mittel zum Einnehmen infrage, aber dann eher Fluconazol als Einzeldosis als Itraconazol.

Zur Empfängnisverhütung

Während der Einnahme von Itraconazol sollten Sie vorsichtshalber für einen sicheren Empfängnisschutz sorgen und diesen nach dem Ende der Behandlung noch bis zur nächsten Menstruation fortsetzen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Insbesondere im ersten Drittel einer Schwangerschaft sollte eine Pilzinfektion nicht mit Mitteln zum Einnehmen behandelt werden. Neuere Daten weisen zwar darauf hin, dass eine Schädigung des Ungeborenen durch Itraconazol eher unwahrscheinlich ist, dennoch kann diese nicht sicher ausgeschlossen werden. Die Einnahme des Mittels ist allenfalls bei schweren Erkrankungen angebracht.

Auch während der Stillzeit sollte eine Pilzinfektion möglichst lokal behandelt werden. Ist die Einnahme eines Imidazols zwingend erforderlich, sollte eher Fluconazol als Itraconazol gewählt werden. Mit Fluconazol liegen mehr Erfahrungen vor.

Für ältere Menschen

Bei älteren Menschen muss der Arzt Nutzen und Risiken einer Behandlung mit diesem Antimykotikum zum Einnehmen besonders sorgfältig abwägen. Itraconazol sollte geringer dosiert werden, wenn die Leber- oder Nierenfunktion eingeschränkt ist.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs