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Antimykotikum (innerlich): Fluconazol

Wirkungsweise

Fluconazol ist ein Antimykotikum, das in die gleiche Gruppe gehört wie das lokal angewendete Clotrimazol (Imidazol) und auch ebenso wirkt.

Fuß- und Hautpilz und Nagelpilz

Dieser pilzhemmende Wirkstoff in Tablettenform ist zur Behandlung von schweren oder sehr hartnäckigen Pilzerkrankungen geeignet. Er wird eingesetzt, wenn eine Pilzinfektion mit äußerlich anzuwendenden Mitteln nicht ausreichend zu bekämpfen war (z. B. bei Nagelpilzinfektionen oder therapieresistenten Pilzinfektionen der Haut), oder wenn äußerlich anzuwendende Mittel nicht eingesetzt werden können. Die therapeutische Wirksamkeit ist nachgewiesen. Bei Candida-Infektionen wirken Imidazole etwas besser als Terbinafin, aber sie können Infektionen mit Fadenpilzen (Dermatophyten) weniger effektiv bekämpfen. Bevor die Tabletten angewendet werden, sollte deshalb auf jeden Fall eine Kultur angelegt werden, um spätestens dann das richtige Antipilzmittel zu finden, wenn die Erstbehandlung versagt hat.

Pilzinfektionen der Scheide

Die innerliche Behandlung einer Pilzinfektion der Scheide, die zum ersten Mal auftritt, ist nicht wirkungsvoller als eine lokale Therapie mit einer Creme oder Vaginalzäpfchen. Sie kann jedoch mit mehr unerwünschten Wirkungen verbunden sein, weil der geschluckte Wirkstoff von der Leber abgebaut werden muss, während bei einer lokalen Behandlung nur sehr wenig Wirkstoff ins Blut gelangt. Daher wird dieses Mittel zum Einnehmen als "geeignet" bewertet, vorausgesetzt, dass zuvor lokal angewendete Mittel nicht ausreichend wirksam waren.

Anwendung

Fuß- und Hautpilz und Nagelpilz

Das Anwendungsschema richtet sich nach der zu behandelnden Pilzinfektion. Bei Nagelpilzen dauert die Behandlung deutlich länger als bei Pilzerkrankungen der Haut, bei Zehennägeln länger als bei Fingernägeln.

Fluconazol kann in niedriger Dosierung kontinuierlich oder in hoher Dosierung einmal wöchentlich gegeben werden. Bei Fußpilz kann die Behandlung bis sechs Wochen dauern. Bei Nagelpilz ist eine langfristige Behandlung über drei bis sechs (für Fingernägel) bzw. sechs bis zwölf (für Fußnägel) Monate notwendig.

Pilzinfektionen der Scheide

Fluconazol wird einmal in einer Dosierung von 150 mg eingenommen. Das kann unabhängig von den Mahlzeiten geschehen.

Gegenanzeigen

Wenn die Funktion Ihrer Leber gestört ist oder Ihre Nieren nicht richtig arbeiten, dürfen Sie Fluconazol nur nach besonders sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken und gegebenenfalls in verringerter Dosis einnehmen.

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Fluconazol nicht oder nur mit Vorsicht anwenden:

  • Sie haben Herzrhythmusstörungen und nehmen Mittel mit dem Wirkstoff Chinidin ein.
  • Ihre Blutfettwerte sind erhöht und Sie nehmen Lovastatin oder Simvastatin ein.
  • Sie leiden unter Schlafstörungen und werden mit Midazolam oder Triazolam behandelt.
  • Sie haben eine Psychose und nehmen Mittel mit dem Wirkstoff Pimozid ein.

Wenn Sie Herzrhythmusstörungen oder eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) haben, dürfen Sie das Mittel nur nach besonders sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken anwenden.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Fuß- und Hautpilz und Nagelpilz

Wenn Sie Fluconazol zusammen mit anderen Arzneimitteln einnehmen, können sich viele verschiedene Wechselwirkungen ergeben. Wenn Sie Medikamente einnehmen, die in der nachfolgenden Aufzählung nicht enthalten sind, sollten Sie sicherheitshalber mit dem Arzt oder Apotheker sprechen und fragen, ob Wechselwirkungen zu erwarten sind.

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Fluconazol verstärkt die erwünschten und unerwünschten Wirkungen zahlreicher Medikamente, die bei Krebs und Aids sowie nach Organtransplantationen zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen eingesetzt werden. Wenn Sie solche Mittel einnehmen müssen, sollten Sie den Arzt fragen, ob die Dosis gegebenenfalls verändert werden sollte.
  • Fluconazol verstärkt die Wirkung von Dihydroergotamin oder Ergotamin (bei Migräne) sowie Cabergolin (bei Parkinsonkrankheit). Dann steigt auch das Risiko für Durchblutungsstörungen in Armen und Beinen sowie an inneren Organen.
  • Fluconazol verstärkt möglicherweise die Wirkung von Calciumantagonisten wie Felodipin, Isradipin, Nifedipin und Verapamil (bei hohem Blutdruck).
  • Fluconazol kann die erwünschten und unerwünschten Wirkungen von Eplerenon (bei Herzschwäche) verstärken.
  • Wenn Sie Fluconazol gleichzeitig mit Carbamazepin (bei Epilepsien) anwenden, können die Blutspiegel des Epilepsiemittels stark ansteigen, wodurch sich das Risiko für unerwünschte Wirkungen erhöht.
Pilzinfektionen der Scheide

Fluconazol wird bei einer Pilzinfektion der Scheide nur einmal eingenommen, sodass mögliche Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln bei der Anwendung praktisch keine Rolle spielen.

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist aber trotzdem zu beachten:

Unbedingt beachten

Fluconazol verstärkt die Wirkung von

  • den gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.
  • Pimozid (bei Schizophrenien und anderen Psychosen) und Chinidin (bei Herzrhythmusstörungen). Dadurch steigt die Gefahr, dass als unerwünschte Wirkung dieser Medikamente Herzrhythmusstörungen entstehen.
  • Atorvastatin, Lovastatin und Simvastatin (bei erhöhten Blutfettwerten). Dadurch steigt die Gefahr, dass als unerwünschte Wirkung dieser Medikamente Muskelerkrankungen entstehen.
  • Midazolam und Triazolam (bei Schlafstörungen). Dadurch besteht die Gefahr, dass die Mittel auch tagsüber schläfrig und unkonzentriert machen und Ihre Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen.

Nebenwirkungen

Je nachdem, wie lange das Mittel eingesetzt wird, sind die Häufigkeiten der unerwünschten Wirkungen unterschiedlich.

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Pilzinfektionen der Scheide

Wird das Mittel bei Pilzinfektionen der Scheide nur kurze Zeit eingesetzt, sind zwar grundsätzlich alle unerwünschten Wirkungen möglich, diese treten allerdings sehr viel seltener auf als bei langfristiger Anwendung.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei 10 bis 100 von 1 000 Behandelten kann es zu Bauchschmerzen und Übelkeit oder Kopfschmerzen kommen. Bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten verändert sich das Geschmacksempfinden.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen. Ein Hautausschlag zeigt sich bei bis zu 5 von 100 Anwendern.

Fuß- und Hautpilz und Nagelpilz

Krampfanfälle oder Gefühlsstörungen in Armen oder Beinen können auftreten (bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten). Dann sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Fühlen Sie sich längere Zeit matt und erschöpft oder haben Sie Fieber, sollte der Arzt das Blut untersuchen. Das Medikament kann  Blutbildungsstörungen hervorrufen (bei 1 bis 10 von 10 000 Behandelten).

Sofort zum Arzt

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Die oben beschriebenen Hauterscheinungen können in sehr seltenen Fällen auch erste Anzeichen für andere sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arzneimittel sein. Meist entwickeln diese sich während der Anwendung des Mittels nach Tagen bis Wochen. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus, und es bilden sich Blasen ("Syndrom der verbrühten Haut"). Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich sofort an einen Arzt wenden, denn diese  Hautreaktionen können sich rasch lebensbedrohlich verschlimmern.

Das Mittel kann die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer Gelbfärbung der Augen), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen. Wenn die Tabletten abgesetzt werden, bilden sich die Symptome wieder zurück.

Bei diesem Wirkstoff können seltene, aber möglicherweise lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen, die Torsade de pointes auftreten, die unbehandelt zum plötzlichen Herztod führen können. Besonders gefährdet für diese Rhythmusstörung sind Patienten, die bereits Arzneimittel einnehmen müssen, die typische Auswirkungen auf die Reizleitung am Herzen (QT-Verlängerung) haben.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Während der Einnahme von Fluconazol sollten Sie vorsichtshalber für einen sicheren Empfängnisschutz sorgen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Insbesondere im ersten Drittel einer Schwangerschaft sollte eine Pilzinfektion nicht mit Mitteln zum Einnehmen behandelt werden. Neuere Untersuchungen weisen zwar darauf hin, dass eine Schädigung des Ungeborenen durch eine einmalige Anwendung von Fluconazol eher unwahrscheinlich ist, wenn die Dosis unter 200 Milligramm liegt. Für eine länger andauernde oder höher dosierte Behandlung liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor. Es kann nicht sicher ausgeschlossen werden, dass Fluconazol dann das wachsende Kind belastet. Die Einnahme des Mittels ist allenfalls bei schweren Erkrankungen angebracht.

Auch während der Stillzeit sollte eine Pilzinfektion möglichst lokal behandelt werden. Ist die Einnahme eines Imidazols zwingend erforderlich, sollte Fluconazol gewählt werden. Mit Fluconazol liegen mehr Erfahrungen vor als mit Itraconazol.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Fuß- und Hautpilz und Nagelpilz

Bei Kindern sollte die Behandlung von Haut- und Nagelpilz in jedem Fall zunächst mit einem lokal anzuwendenden Mittel erfolgen. Wenn dieses nicht ausreichend wirkt, kann Fluconazol bereits bei Neugeborenen zum Einsatz kommen.

Pilzinfektionen der Scheide

Eine Pilzinfektion der Scheide sollte bei jungen Mädchen immer lokal behandelt werden. Nur wenn es unumgänglich ist, kommt ein Mittel zum Einnehmen infrage, und zwar Fluconazol als Einzeldosis.

Für ältere Menschen

Bei älteren Menschen muss der Arzt Nutzen und Risiken einer Behandlung mit diesen Antipilzmitteln zum Einnehmen besonders sorgfältig abwägen. Fluconazol muss geringer dosiert werden, wenn die Nierenfunktion eingeschränkt ist.

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