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Antihistaminikum: Diphenhydramin

Wirkungsweise

Diphenhydramin ist ein Antihistaminikum und wirkt gegen Übelkeit und Erbrechen sowie bei Reisekrankheit. Vertreter dieser Gruppe werden üblicherweise zur Behandlung von Allergiesymptomen eingesetzt. Diphenhydramin behindert Nervenschaltungen, die Impulse – unter anderem vom Gleichgewichtsorgan im Innenohr – zum Brechzentrum weiterleiten.

Übelkeit, Erbrechen, Reisekrankheit

Diphenhydramin ist bei Reisekrankheit sowie bei vom Magen ausgehender Übelkeit und Erbrechen geeignet.

Wichtig zu wissen: Diphenhydramin macht müde. Bei Übelkeit aufgrund von Reisekrankheit kann das erwünscht sein – um beispielsweise während einer Schiffsreise eine ruhige Nacht zu verbringen oder im Flugzeug oder Bus schlafen zu können.

Schlafstörungen

Dass der Wirkstoff darüber hinaus sehr müde macht, begründet seinen Einsatz als Schlafmittel. Hierin wirkt Diphenhydramin allerdings weniger stark als rezeptpflichtige Schlafmittel.

Problematisch bei einer Behandlung mit Diphenhydramin ist es, dass bereits nach einer Anwendungszeit von nur wenigen Tagen Gewöhnung eintreten kann. Dann wirkt die übliche Dosis des Mittels nicht mehr ausreichend und müsste gesteigert werden. Dadurch wären aber vermehrt unerwünschte Wirkungen zu befürchten. Eine Abhängigkeit, bei der man aufgrund der psychischen Effekte nicht mehr von dem Mittel lassen kann, kann zwar vorkommen, ist bei Diphenhydramin aber – anders als bei anderen Schlaf- und Beruhigungsmitteln, die in der Regel rezeptpflichtig sind – sehr selten. Dennoch sollte Diphenhydramin nicht länger als höchstens zwei Wochen lang eingenommen werden.

Unter der Voraussetzung, dass die Einnahmezeit auf wenige Tage begrenzt wird, gilt Diphenhydramin bei Schlafstörungen als "geeignet".

Anwendung

Übelkeit, Erbrechen, Reisekrankheit

Den Wirkstoff gibt es sowohl als Tabletten als auch als Zäpfchen. Bei akutem Erbrechen sind Zäpfchen vorzuziehen. Um Reisekrankheit vorzubeugen, genügt eine Dosis von 50 Milligramm, die Sie 30 Minuten vor Reiseantritt einnehmen. Dauert die Reise länger als acht Stunden, können Sie die Einnahme nach vier bis sechs Stunden wiederholen.

Von Diphenhydramin sollten Sie nicht mehr als 200 Milligramm pro Tag anwenden.

Wenn Sie morgendliches Erbrechen in der Frühschwangerschaft unterdrücken wollen, nehmen Sie das Mittel abends vor dem Schlafengehen ein.

Schlafstörungen

Von Diphenhydramin nehmen Sie in der Regel 50 Milligramm etwa eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen ein. Sollten Sie trotzdem nachts aufwachen, dürfen Sie keine weitere Tablette einnehmen, denn nach der Einnahme von Diphenhydramin sollten Sie mindestens sieben bis acht Stunden schlafen. Andernfalls müssen Sie damit rechnen, dass das Schlafmittel am nächsten Tag noch nachwirkt.

Wenn Sie nach einer Einnahmezeit von etwa zwei Wochen Diphenhydramin absetzen, sollten Sie die Dosis schrittweise verringern. In dieser Zeit müssen Sie darauf gefasst sein, dass Sie deutlich schlechter schlafen als vorher, gegebenenfalls können sich tagsüber Unruhe und Angstzustände einstellen.

Achtung

Diphenhydramin kann die Haut empfindlicher gegenüber Sonnenlicht machen. Während der Einnahme sollten Sie sich keiner intensiven Sonnenbestrahlung aussetzen und kein Solarium besuchen.

Wenn Sie einen Allergietest machen lassen wollen, kann die Einnahme der Mittel die Ergebnisse verfälschen.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie das Mittel nicht anwenden:

  • Sie haben grünen Star (Engwinkelglaukom).
  • Sie leiden an Epilepsie.
  • Sie können Ihre Blase nicht mehr vollständig entleeren. Bei Männern mit vergrößerter Prostata kommt das häufig vor.
  • Sie haben einen Tumor an den Nebennieren (Phäochromozytom).
  • Sie haben Herzrhythmusstörungen oder eine koronare Herzkrankheit
  • Ihr Blut enthält zu wenig Kalium oder Magnesium.
  • Sie leiden an Depressionen und nehmen MAO-Hemmer wie Tranylcypromin ein.
  • Sie werden gleichzeitig mit Medikamenten behandelt, die den Herzrhythmus beeinflussen können.

Unter folgenden Bedingungen sollten Sie das Mittel nur nach Rücksprache mit einem Arzt einsetzen und nachdem dieser Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abgewogen hat:

  • Die Leberfunktion ist eingeschränkt.
  • Sie haben Asthma bronchiale oder andere chronische Atembeschwerden.
  • Es besteht eine Verengung im Magen-Darm-Bereich.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente anwenden, ist zu beachten:

  • Medikamente, die auf das zentrale Nervensystem wirken, verstärken die dämpfende Wirkung der Antihistaminika. Zu diesen Mitteln gehören z. B. Schlafmittel, starke Schmerzmittel und Medikamente gegen Epilepsien, Angststörungen, Depressionen, Schizophrenien und andere Psychosen.
  • Trizyklische Antidepressiva mit Wirkstoffen wie Amitriptylin, Clomipramin, Doxepin, Imipramin, Trimipramin (alle bei Depressionen), Biperiden (bei Parkinsonkrankheit) und andere Antihistaminika (bei Allergien) verursachen ähnliche unerwünschte Wirkungen wie Diphenhydramin und Dimenhydrinat (z. B. Mundtrockenheit, Herzrhythmusstörungen, Darmträgheit, Schwierigkeiten bei der Blasenentleerung). Diese Mittel sollten Sie deshalb nicht gleichzeitig einnehmen.

Unbedingt beachten

Sie sollten die Mittel nicht gleichzeitig mit Medikamenten anwenden, die sich auf den Herzrhythmus auswirken können. Dazu gehören folgende Wirkstoffe:

  • Flecainid und Amiodaron (bei Herzrhythmusstörungen)
  • Chinin und Chloroquin (zur Malariaprophylaxe und -behandlung; Chloroquin wird auch bei rheumatoider Arthritis eingesetzt)
  • Pimozid, Haloperidol, Clozapin oder Amisulprid (bei Schizophrenien und anderen Psychosen)
  • Lithium (bei Depressionen)
  • Cotrimoxazol, Erythromycin und Moxifloxacin (bei bakteriellen Infektionen).

Wenn Sie diese Mittel gleichzeitig anwenden, können unter Umständen lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen auftreten. Näheres hierzu siehe Mittel bei Herzrhythmusstörungen: verstärkte Wirkung.

Medikamente aus der Gruppe der MAO-Hemmer (Wirkstoffe z. B. Moclobemid und Tranylcypromin, bei Depressionen, Selegilin bei Parkinsonkrankheit) dürfen Sie nicht gleichzeitig einnehmen, weil sich dann eine bedrohliche Darmlähmung oder ein Harnverhalt entwickeln kann. Auch der Augeninnendruck kann stark ansteigen.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Diphenhydramin dürfen Sie nicht zusammen mit alkoholhaltigen Getränken einnehmen, weil diese einige unerwünschte Wirkungen von Diphenhydramin wie Schwindel, Müdigkeit und verringerte Reaktionsfähigkeit erheblich und in unvorhersehbarer Weise verstärken können.

Nebenwirkungen

Schlafstörungen

Diphenhydramin kann, insbesondere bei Daueranwendung, die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Wenn Sie langsamer reagieren als vorher und Ihre Aufmerksamkeit sowie Ihr Gedächtnis nachlassen, sollten Sie mit dem Arzt sprechen. Wenn Sie das Mittel absetzen, verschwinden diese Störungen wieder.

Es dauert ungefähr vier bis sechs Stunden, bis die Hälfte des Wirkstoffs ausgeschieden ist. Wenn Sie kürzere Zeit schlafen, kann es sein, dass Sie aufgrund der noch in den nächsten Tag hineinreichenden Restwirkung schläfrig und benommen sind und Konzentrationsstörungen auftreten.

Keine Maßnahmen erforderlich

Übelkeit, Erbrechen, Reisekrankheit

Diphenhydramin macht häufig (bei mehr als 1 von 100 Behandelten) müde, vor allem zu Beginn der Behandlung.

Manche bekommen durch das Mittel eine Verstopfung. Bei anderen fühlt sich der Mund trocken an.

Muss beobachtet werden

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten können Sehstörungen auftreten. Wenn Sie nur noch verschwommen sehen, Gegenstände nicht mehr fixieren können oder wenn Doppelbilder auftreten, sollten Sie das Mittel nicht weiter einnehmen. Halten die Beschwerden an, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Ebenso häufig kann es zu Schwindel kommen. Dann beherrscht einen das Gefühl, dass sich alles herum dreht, der Boden schwankt und kippt. Wenn sich diese Beschwerden nicht innerhalb von 24 Stunden legen, sie sich sogar verstärken oder wiederholen, sollten Sie einen Arzt informieren.

Es können Schwierigkeiten beim Wasserlassen auftreten oder die Blase lässt sich nicht vollständig entleeren. Das betrifft vor allem Männer mit vergrößerter Prostata. Wenn Sie solche Beschwerden bemerken und als störend empfinden, sollten Sie das weitere Vorgehen mit einem Arzt besprechen.

Wenn Sie sich längere Zeit müde und schlapp fühlen und häufig Infektionen oder Fieber haben, sollte der Arzt Ihr Blut untersuchen. Es kann eine Blutbildungsstörung vorliegen.

Sofort zum Arzt

Vor allem bei Männern mit vergrößerter Prostata kann der Harndrang sehr schmerzhaft werden, ohne dass sie Wasser lassen können (Harnverhalt). Wenn derartige Beschwerden auftreten, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen.

In Einzelfällen kann sich der Augeninnendruck so erhöhen, dass es zu einem Glaukomanfall kommt. Symptome dafür sind gerötete, schmerzende Augen, geweitete Pupillen, die sich bei Lichteinfall nicht mehr verengen, sowie sich hart anfühlende Augäpfel. Dann müssen Sie unverzüglich einen Augenarzt oder die nächste Notfallambulanz aufsuchen. Wird ein solcher akuter Glaukomanfall nicht sofort behandelt, können Sie erblinden.

Bei Erregung, Unruhe, Verwirrtheit sowie bei Stimmungsveränderungen (Euphorie oder Depression), Bewegungsstörungen und Krampfanfällen sollten Sie sich umgehend in ärztliche Behandlung begeben. Vor allem bei Kleinkindern und insbesondere bei Überdosierung kann es zu solchen Erregungszuständen kommen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Übelkeit, Erbrechen, Reisekrankheit

Die Mittel werden schon lange auch bei Kindern eingesetzt. Bei ihnen führt aber bereits die übliche Dosierung dazu, dass die Konzentrationsfähigkeit nachlässt und sie leicht schläfrig werden. Säuglinge und Kleinkinder unter drei Jahren reagieren noch empfindlicher. Es besteht ein erhöhtes Risiko für unregelmäßiges Atmen, Atemstillstand und paradoxe Reaktionen wie Unruhe, Erregung, Schlaflosigkeit und Angstzustände – sowie im Falle von Überdosierungen – für Bewusstseinstrübungen und Krampfanfälle.  Im ersten Lebensjahr ist das Risiko für  Atemstörungen bis hin zum Atemstillstand besonders erhöht. Kindern unter drei Jahren sollten Sie die Mittel deshalb nicht ohne Rücksprache mit einem Arzt geben.

Bei Kindern sollten Zäpfchen eingesetzt werden. Das Mittel wird streng nach dem Körpergewicht der Kinder dosiert. Halten Sie sich bei Dosis und Häufigkeit der Anwendung an die Empfehlungen der Hersteller, um Überdosierungen zu vermeiden.

Schlafstörungen

Diphenhydramin darf bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht als Schlafmittel eingesetzt werden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

In der Schwangerschaft sollten Sie die Mittel nicht ohne Rücksprache mit einem Arzt einnehmen.

Wenn Sie stillen, können Sie Diphenhydramin von Zeit zu Zeit anwenden. Eine längere Einnahme kann sich störend auf die Körperfunktionen des Säuglings auswirken, weil der Wirkstoff in die Muttermilch übertritt.

Für ältere Menschen

Übelkeit, Erbrechen, Reisekrankheit

Bei älteren Menschen können häufiger unerwünschte Wirkungen auftreten, auch wirken die Mittel oft stärker. Außerdem kann sich eine bereits vorhandene eingeschränkte geistige Leistungsfähigkeit durch die Anwendung der Antihistaminika noch verschlechtern. Näheres hierzu lesen Sie in der Einleitung unter "Hinweise für ältere Menschen". Ältere Menschen sollten daher bei Übelkeit und Erbrechen besser mit anderen – gegebenenfalls verschreibungspflichtigen – geeigneten Mitteln behandelt werden. Falls der Einsatz der Antihistaminika nicht vermieden werden kann, sind die Mittel so niedrig wie möglich zu dosieren.

Schlafstörungen

Bei älteren Menschen führt Diphenhydramin besonders häufig zu unerwünschten Wirkungen. Sie sollten dieses Schlafmittel daher möglichst nicht anwenden.

Nimmt ein älterer Mensch dennoch Diphenhydramin ein, muss die Substanz geringer dosiert werden als bei jüngeren Personen. Bei vielen älteren Menschen ist die Funktionsfähigkeit von Leber und Nieren, die das Medikament verarbeiten und ausscheiden müssen, eingeschränkt. Schon bei normaler Dosierung können sich dann sowohl die Schlafmittelwirkung als auch die unerwünschten Wirkungen verstärken. Wenn die Betroffenen dadurch müde in den nächsten Tag gehen, langsamer begreifen und handeln, in ihrer Muskelkraft geschwächt und schwindlig sind, sind sie stärker unfallgefährdet als Jüngere. Die Folgen eines Sturzes können bei älteren Menschen schwerwiegend sein.

Bei älteren Menschen mit eingeschränkter Gehirnleistung kann sich dieses Problem durch die Einnahme von Diphenhydramin verschlimmern. Außerdem können sie eher bewusstlos werden.

Beim Tragen von Kontaktlinsen

Diphenhydramin kann dazu beitragen, dass weniger Tränenflüssigkeit produziert wird. Dann werden Kontaktlinsen nicht mehr so gut vertragen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Diphenhydramin macht müde und schränkt die Reaktionsfähigkeit ein. Nach der Einnahme sollten Sie deshalb 8 bis 24 Stunden lang nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne festen Halt verrichten.

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