Medikamente im Test

Antihistaminika (zum Einnehmen): Azelastin, Cetirizin, Clemastin, Desloratadin, Dimetinden, Ebastin, Fexofenadin, Hydroxin, Levocetirizin, Loratadin, Mizolastin und Rupatadin

Wirkungsweise

Antihistaminika werden bei verschiedenen allergischen Erkrankungen eingesetzt. Diese Wirkstoffe entsprechen in ihrem chemischen Aufbau in etwa dem Gewebehormon Histamin. Sie besetzen die Bindestellen für Histamin, sodass das körpereigene Histamin dort nicht mehr andocken kann. Damit verhindern sie auch die allergischen Reaktionen – allerdings nicht vollständig, weil diese auch noch von anderen Botenstoffen (Mediatoren) ausgelöst und unterhalten werden. Wie lange die Allergie unterdrückt wird, hängt auch davon ab, wie stark und lange das jeweilige Antihistaminikum wirkt.

Antihistaminika sind langerprobte und bewährte Mittel. Die älteren Substanzen – Clemastin, Dimetinden, Hydroxyzin – gehören zu den Antihistaminika der ersten Generation. Diese Mittel machen schläfrig, unaufmerksam, träge und benommen und haben noch eine relevante atropinähnliche Restwirkung im Körper. Atropin ist ein Nervenbotenstoff, der zahlreiche Reaktionen an Muskeln und Blutgefäßen beeinflusst. Darauf beruhen die meisten unerwünschten Wirkungen dieser Mittel und ebenso die Gründe, warum ein Wirkstoff nicht eingenommen werden darf. Clemastin und Dimetinden sind mit Einschränkung geeignet, da die deutlich müdemachende Wirkung tagsüber sehr störend ist. Werden die Mittel zur Nacht eingenommen, kann die schlafanstoßende Wirkung nützlich sein. Beide Mittel werden noch regelmäßig im Rahmen von Notfallbehandlungen oder als Bestandteil von Notfallsets bei allergischen Schockreaktionen eingesetzt. Der Wirkstoff Hydroxyzin ist wenig geeignet, weil sich gezeigt hat, dass er den Herzrhythmus stören kann.

Azelastin, Cetirizin, Desloratadin, Ebastin, Fexofenadin, Levocetirizin, Loratadin, Mizolastin und Rupatadin zählen zur zweiten Generation dieser Wirkstoffgruppe. Bei ihnen ist die atropinähnliche Restwirkung deutlich geringer ausgeprägt, sie machen nur noch wenig müde. Tagsüber sind solche Antihistaminika deshalb vorzuziehen. Aus dieser Gruppe sind die Wirkstoffe Azelastin, Cetirizin, Desloratadin, Levocetirizin und Loratadin geeignet, um allergische Beschwerden zu lindern. Ebastin, Fexofenadin und Rupatadin sind weniger gut erprobte Mittel und gelten daher als "auch geeignet". Mizolastin ist bezüglich seiner Verträglichkeit am Herzen noch nicht abschließend zu beurteilen und daher nur mit Einschränkung geeignet.

Mittel mit den Wirkstoffen Cetirizin, Dimetinden, Levocetrizin und Loratadin können ohne Rezept zur Selbstbehandlung eingesetzt werden.

Anwendung

Die einzelnen Substanzen wirken unterschiedlich schnell und ihre Wirkung hält unterschiedlich lange vor. Bei manchen Präparaten genügt eine Tablette täglich, andere müssen Sie zwei- oder dreimal täglich einnehmen. Die Dosis hängt auch davon ab, wie gut der Organismus den Wirkstoff aufnimmt und verarbeitet und wie gut Leber und Nieren arbeiten.

Sie können deshalb in der Selbstmedikation nur selbst ausprobieren, wie viele Tabletten Sie brauchen, um die Allergiesymptome zu unterdrücken. Beachten Sie dabei jedoch unbedingt folgende Höchstmengen (pro Tag):

  • Cetirizin: 1 Tablette
  • Clemastin: 6 Tabletten
  • Dimetinden: 1 retardierte oder 6 nicht retardierte Tabletten
  • Levocetirizin: 1 Tablette
  • Loratadin: 1 Tablette.

Die Anwendungsdauer richtet sich nach dem Krankheitsbild. Heuschnupfen muss in der Regel nicht länger als drei bis sechs Wochen behandelt werden. Hält der Schnupfen länger an, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Hydroxyzin: Bei diesem Mittel darf die Maximaldosis pro Tag auf keinen Fall überschritten werden. Diese liegt bei 75 Milligramm. Von der Einnahme wird ohnehin abgeraten, zumal es genügend risikoärmere Alternativen gibt.

Achtung

Wenn Sie Antihistaminika einnehmen und einen Hauttest machen lassen wollen, mit dem der Arzt herausfinden kann, gegen welche Stoffe Sie allergisch sind, müssen Sie die Mittel 10 bis 14 Tage vorher absetzen, weil sie das Testergebnis verfälschen können.

Alle Wirkstoffe werden über die Nieren ausgeschieden. Wenn Ihre Nieren nicht einwandfrei funktionieren, sollten Sie die Dosis des Medikaments von einem Arzt festlegen lassen, da die Stoffe dann nur langsam ausgeschieden werden und eine Überdosierung droht.

Einige Präparate (siehe Tabelle) enthalten als Konservierungsmittel Parabene. Wenn Sie auf Parastoffe allergisch reagieren, dürfen Sie diese Mittel nicht anwenden.

Hydroxyzin: Wegen der Gefahr schwerwiegender Herzrhythmusstörungen sollte der Arzt bei einer länger andauernden Behandlung die Funktion von Herz und Leber regelmäßig überprüfen.

Gegenanzeigen

Clemastin: Diesen Wirkstoff dürfen Sie nicht einnehmen, wenn die Leber- oder Nierenfunktion eingeschränkt ist.

Ebastin: Dieses Mittel dürfen Sie nicht anwenden, wenn Ihre Leberfunktion stark eingeschränkt ist.

Cetirizin, Desloratadin und Levocetirizin dürfen Sie nicht einnehmen, wenn die Funktion Ihrer Nieren stark oder sehr stark eingeschränkt ist.

Hydroxyzin: Dieses Mittel dürfen Sie unter folgenden Bedingungen nicht einnehmen:

  • Sie haben Herzrhythmusstörungen oder ein deutlich erhöhtes Risiko dafür. Dies ist der Fall, wenn Sie bereits an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leiden, Ihr Elektrolythaushalt gestört ist (z. B. Kalium, Magnesium), Ihr Herz zu langsam schlägt, ein naher Verwandter bereits an einem Herzschlag verstorben ist oder Sie andere Arzneimittel einnehmen müssen, die den Herzrhythmus beeinflussen.
  • Ihr Augeninnendruck ist erhöht (Engwinkelglaukom).
  • Sie können Ihre Blase nicht mehr vollständig entleeren (z. B. bei Männern mit vergrößerter Prostata).
  • Sie reagieren auf andere Antihistaminika (bei Allergien) überempfindlich.
  • Sie leiden an einer Depression und werden mit Monoaminoxidase-Hemmstoffen (MAO-Hemmer, z. B. Tranylcypromin) behandelt.

Mizolastin: Dieses Mittel dürfen Sie unter folgenden Bedingungen nicht einnehmen:

  • Sie haben oder neigen zu Herzrhythmusstörungen.
  • Sie sind herzkrank.
  • Ihre Leberfunktion ist eingeschränkt.
  • Ihr Blut enthält zu wenig Kalium.
  • Wenn Sie gleichzeitig wegen einer Herzschwäche oder hohen Blutdrucks wasserausschwemmende Mittel (Diuretika) einnehmen, muss der Arzt den Kaliumgehalt überwachen.
  • Sie nehmen wegen einer Pilzerkrankung Tabletten mit Fluconazol, Itraconazol oder Ketoconazol ein oder werden wegen einer bakteriellen Infektion mit Makrolid-Antibiotika wie Erythromycin oder Roxithromycin behandelt.

Unter folgenden Bedingungen sollte der Arzt Nutzen und Risiken einer Anwendung von Antihistaminika sorgfältig abwägen:

  • Azelastin, Clemastin, Fexofenadin, Rupatadin: Sie sind herzkrank oder neigen zu Herzrhythmusstörungen.
  • Cetirizin, Ebastin, Hydroxyzin: Die Funktion Ihrer Leber ist etwas eingeschränkt. Dann wirken die Mittel länger und es besteht ein erhöhtes Risiko für unerwünschte Wirkungen.
  • Clemastin, Dimetinden: Sie haben einen erhöhten Augeninnendruck (Engwinkelglaukom) oder können Ihre Blase nicht mehr vollständig entleeren (z. B. Männer mit vergrößerter Prostata).
  • Hydroxyzin: Sie hatten schon einmal einen Krampfanfall, es besteht die Nervenerkrankung Myasthenia gravis, Sie leiden an einer Gedächtnisstörung oder Demenz oder Ihre Nieren arbeiten nur eingeschränkt.
  • Loratadin: Die Funktion der Leber ist stark eingeschränkt.
  • Rupatadin: Wenn Ihre Leber oder Nieren nur eingeschränkt arbeiten, sollten Sie dieses Mittel nicht einnehmen, weil keine ausreichenden Erfahrungen zur Einnahme bei diesen Erkrankungen vorliegen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Für Cetirizin und Loratadin wurden bisher keine relevanten Wechselwirkungen festgestellt. Bei allen anderen Antihistaminika sind folgende Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu beachten:

Hydroxyzin: Dieses Mittel sollten Sie wegen der Gefahr schwerwiegender Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln nur nach Rücksprache mit einem Arzt einnehmen.

Clemastin, Dimetinden, Hydroxyzin: Diese Wirkstoffe verstärken die Wirkung von anderen Arzneimitteln, die ebenfalls müdemachen. Dazu gehören z. B. Anticholinergika (z. B. Biperiden, Bornaprin, Metixen, Trihexyphenidyl, alle bei Parkinsonkrankheit), Barbiturate (z. B. Phenobarbital, Primidon, bei Epilepsien), Schlaf- und Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine (z. B. Brotizolam, Flunitrazepam, Flurazepam, Lormetazepam, Nitrazepam, Temazepam, Triazolam), Chloralhydrat (bei Angst- und Schlafstörungen) sowie Neuroleptika wie Clozapin und Phenothiazine (bei Schizophrenien und anderen Psychosen). Auch andere Nebenwirkungen auf die Sehkraft, das Wasserlassen oder das Gedächtnis können sich verstärken.

Fexofenadin: Dieser Wirkstoff wirkt schlechter, wenn Sie bis zu zwei Stunden vorher ein aluminium- oder magnesiumhaltiges Mittel gegen Sodbrennen (säurebindende Mittel) eingenommen haben.

Unbedingt beachten

Azelastin, Clemastin, Ebastin, Hydroxyzin: Auch bei diesen Wirkstoffen kann möglicherweise das Risiko für unerwünschte Wirkungen am Herzen ansteigen, wenn sie zusammen mit Arzneimitteln kombiniert werden, die die Ausscheidung der Antihistaminika verringern, wie z. B. Makrolid-Antibiotika wie Erythromycin und Clarithromycin (bei bakteriellen Infektionen) oder Antipilzmittel wie Tabletten mit Itraconazol. Diese Mittel sollten Sie nicht gleichzeitig mit den Antihistaminika einnehmen.

Hydroxyzin: Wenn Sie das Mittel zusammen mit Hemmstoffen der Monoaminoxidase wie z. B. Tranylcypromin (bei Depressionen) einnehmen, erhöht sich das Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen wie Darmverschluss, Glaukomanfall oder Atemnot. Sie dürfen diese Mittel daher nicht gemeinsam anwenden.

Außerdem dürfen Sie dieses Mittel nicht in Kombination mit bestimmten anderen Arzneimitteln einnehmen, die den Abbau der Wirkstoffe in der Leber verzögern. Zu diesen Arzneimitteln gehören z. B. Tabletten und örtlich im Mund anzuwendende Präparate mit Fluconazol, Itraconazol, Ketoconazol oder Miconazol (bei Pilzinfektionen), Makrolid-Antibiotika wie Clarithromycin und Erythromycin (bei bakteriellen Infektionen) sowie antivirale Mittel wie Indinavir, Nelfinavir, Ritonavir oder Saquinavir (bei HIV-Infektionen, Aids). Dann kann es zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen (Torsade de pointes) kommen.

Es kann ebenfalls zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen kommen, wenn Sie Hydroxyzin mit Mitteln anwenden, die selbst den Herzrhythmus beeinflussen können. Dazu gehören z. B. Antiarrhythmika wie Amiodaron und Flecainid (bei Herzrhythmusstörungen), trizyklische Antidepressiva wie z. B. Amitriptylin sowie der selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Citalopram (bei Depressionen), darüber hinaus auch Neuroleptika wie Haloperidol, Pimozid und Thioridazin (bei Schizophrenien und anderen Psychosen). Diese Mittel dürfen Sie ebenfalls nicht gleichzeitig anwenden. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel bei Herzrhythmusstörungen: verstärkte Wirkung.

Mizolastin: Wenn Sie diesen Wirkstoff zusammen mit Arzneimitteln einnehmen, die die Ausscheidung von Mizolastin verringern, steigt das Risiko für unerwünschte Wirkungen am Herzen. Zu diesen Arzneimitteln gehören Antipilzmittel wie Tabletten mit Itraconazol und Makrolid-Antibiotika wie Clarithromycin und Erythromycin (bei bakteriellen Infektionen). Das Risiko für unerwünschte Wirkungen am Herzen erhöht sich auch durch Mittel, die selbst den Herzrhythmus beeinflussen, z. B. die Wirkstoffe Amiodaron, Chinidin, Flecainid, Propafenon und Sotalol (bei Herzrhythmusstörungen). Diese Mittel sollten Sie nicht gleichzeitig mit Mizolastin einnehmen.

Rupatadin: Zwar steigen die Blutkonzentrationen von Rupatadin an, wenn Sie das Mittel zusammen mit Erythromycin (bei bakteriellen Infektionen) oder Itraconazol (bei Pilzinfektionen) einnehmen. Bislang wurden aber keine relevanten Auswirkungen am Herzen festgestellt, allerdings liegen nur begrenzte Erfahrungen vor. Bevor Sie Rupatadin zusammen mit diesen Medikamenten einnehmen, sollte der Arzt Nutzen und Risiken sorgfältig abwägen.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Wenn Sie Antihistaminika einnehmen und Alkohol trinken, verstärkt sich deren müdemachenden Wirkung. Das kann sich auch bei Mitteln, die normalerweise kaum müdemachen, bemerkbar machen.

Rupatadin: Wenn Sie dieses Mittel einnehmen, sollten Sie keine Grapefruit essen und auch auf Grapefruitsaft verzichten, weil beides den Abbau der Antihistaminika verzögert und dadurch das Risiko für unerwünschte Wirkungen steigt.

Nebenwirkungen

Ebastin: Wenn Ihre Leber nur eingeschränkt arbeitet, kann es sein, dass sich der Wirkstoff zu stark im Blut anreichert, was das Risiko für unerwünschte Wirkungen erhöht.

Hydroxyzin: Dieses Mittel kann, insbesondere bei Daueranwendung, die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Wenn Sie langsamer reagieren als früher und Ihre Aufmerksamkeit sowie Ihr Gedächtnis nachlassen, sollten Sie mit dem Arzt sprechen. Setzen Sie das Mittel ab, verschwinden diese Störungen wieder.

Loratadin: Die Wirkdauer dieser Substanz kann zwischen 3 und 92 Stunden schwanken. Der Wirkstoff kann sich deshalb im Blut anreichern und unerwünschte Wirkungen auslösen, wenn Sie das Mittel wie in der Packungsbeilage empfohlen einnehmen. Reduzieren Sie dann gegebenenfalls die Dosis.

Keine Maßnahmen erforderlich

Alle Antihistaminika können Mundtrockenheit (bei bis zu 5 von 100 Behandelten), Kopfschmerzen (bei bis zu 12 von 100) und Übelkeit (bei mehr als 1 von 100) auslösen.

Muss beobachtet werden

Antihistaminika machen müde, besonders Clemastin, Dimetinden und Hydroxyzin (bei mehr als 10 von 100 Behandelten). Aber auch bei Azelastin, Cetirizin, Desloratadin, Fexofenadin, Ebastin, Levocetirizin, Loratadin, Mizolastin und Rupatadin können bei mehr als 1 bis 10 von 100 Behandelten Müdigkeit und Benommenheit auftreten.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wenn Schwindel auftritt und Sie das Gefühl haben, dass sich alles um Sie herum dreht, der Boden schwankt oder kippt, und diese Beschwerden sich nicht innerhalb von 24 Stunden wieder legen, sie sich verstärken oder wiederholen, sollten Sie ebenfalls einen Arzt aufsuchen.

Cetirizin, Clemastin, Desloratadin, Dimetinden, Loratadin: Die Mittel können den Appetit steigern (bei 1 bis 10 von 1 000). Wenn Sie oder Ihr Kind aufgrund dieser Wirkung mehr essen und dadurch rasch an Gewicht zunehmen, sollten Sie das Mittel möglichst absetzen und/oder auf Ihre Ernährung achten und z. B. das Naschen von Süßigkeiten bewusst einschränken.

Clemastin, Dimetinden, Hydroxyzin: Treten Beschwerden beim Wasserlassen mit Harnverhalt auf oder setzen Sehstörungen ein (verschwommenes Sehen, "Scharfstellen" nicht möglich), sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Cetirizin, Loratadin: Diese Mittel können vereinzelt den Herzschlag beeinflussen und Herzrasen auslösen. Wenn Sie Derartiges wiederholt feststellen, sollten Sie das mit einem Arzt besprechen.

Desloratadin: Etwa bei 4 von 100 Behandelten reichert sich der Wirkstoff im Blut an. Die Hälfte der eingenommenen Menge ist bei ihnen nicht – wie sonst üblich – bereits nach durchschnittlich 29 Stunden wieder ausgeschieden, sondern erst nach 89 Stunden. Auch bei bestimmungsgemäßer Anwendung entstehen dann schon nach wenigen Tagen extrem hohe Wirkstoffspiegel, wodurch sich Wirkungen und Nebenwirkungen von Desloratadin verstärken können. Wenn Sie stark unter Mundtrockenheit, Schwindel oder Müdigkeit leiden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Loratadin: Dieser Wirkstoff kann Leberschäden auslösen. Treten Übelkeit, Erbrechen und/oder dunkel gefärbter Urin auf und ist der Stuhl auffällig hell, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Verstärken sich Hautausschlag und Juckreiz und treten zusätzlich Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel auf, müssen Sie die Anwendung sofort abbrechen und unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen, weil eine solche allergische Reaktion rasch lebensbedrohlich werden kann.

Clemastin, Dimetinden, Hydroxyzin: In Einzelfällen kann sich der Augeninnendruck so erhöhen, dass es zu einem Glaukomanfall kommt. Symptome dafür sind gerötete, schmerzende Augen, geweitete Pupillen, die sich bei Lichteinfall nicht mehr verengen, sowie sich hart anfühlende Augäpfel. Dann müssen Sie unverzüglich einen Augenarzt oder die nächste Notfallambulanz aufsuchen. Wird ein solcher akuter Glaukomanfall nicht sofort behandelt, können Sie erblinden.

Bei Erregung, Unruhe und Verwirrtheit (örtliche oder zeitliche Desorientierung) sowie bei Stimmungsveränderungen (Euphorie oder Depression), Bewegungsstörungen und Krampfanfällen sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen. Vor allem bei Kleinkindern und im Fall einer Überdosierung kann es zu solchen Erregungszuständen kommen.

Azelastin, Ebastin, Fexofenadin, Mizolastin: Diese Wirkstoffe können den Herzrhythmus verändern. Das gilt vor allem, wenn die Nieren nur eingeschränkt funktionieren oder wenn die Antihistaminika zu hoch dosiert oder in Kombination mit Arzneimitteln eingesetzt werden, die die Ausscheidung der Antihistaminika verringern. Weitere Angaben hierzu finden Sie unter Wechselwirkungen. Wenn Sie Herzrhythmusstörungen wie Herzstolpern spüren, wenn Schwindel oder kurze Ohnmachten auftreten, sollten Sie unverzüglich einen Arzt aufsuchen.

Hydroxyzin: Dieses Mittel kann selten auftretende, aber möglicherweise lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen vom Typ Torsade de pointes hervorrufen, die ein Herzversagen nach sich ziehen können. Wenn Sie andere Medikamente einnehmen, die ebenfalls diese Herzrhythmusstörung auslösen können, besteht ein besonders hohes Risiko für solche Rhythmusstörungen. Das gilt auch, wenn Sie Mittel einnehmen, die den Abbau von Hydroxyzin in der Leber hemmen, wenn Sie entwässernde Medikamente (Diuretika) einnehmen und eine Veranlagung für Herzrhythmusstörungen haben. Beachten Sie hierzu auch die Angaben unter Wechselwirkungen mit Medikamenten. Diese Herzrhythmusstörungen können unbemerkt bleiben und sind sicher nur im EKG zu diagnostizieren, manchmal zeigen sie sich auch in Form von Herzstolpern (Extrasystolen). Sobald Herzklopfen und/oder ein Schwindelgefühl auftreten, möglicherweise verbunden mit einer kurz andauernden Bewusstlosigkeit (Synkope), sollten Sie die Mittel nicht weiter einnehmen und versuchen, Ihren Puls zu messen (oder andere Personen darum bitten). Wenn dieser unregelmäßig oder schwer tastbar ist, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen, damit dieser den Herzrhythmus überprüfen kann. Treten Krampfanfälle auf, muss sofort ein Notarzt (Telefon 112) gerufen werden.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Clemastin, Dimetinden und Hydroxyzin werden schon lange auch bei Kindern eingesetzt. Bei ihnen führt aber bereits die übliche Dosierung dazu, dass die Konzentrationsfähigkeit nachlässt und sie leicht schläfrig werden. Säuglinge reagieren noch empfindlicher. Sie können Atemstörungen und Krämpfe bekommen, auch können paradoxe Reaktionen wie Erregung und Unruhe auftreten. Diese Nebenwirkungen werden bei Kindern häufiger als bei Erwachsenen beobachtet. Deshalb sollten bei Kindern und Jugendlichen vor allem die wenig oder nicht müdemachenden Präparate eingesetzt werden.

Die Wirkstoffe Desloratadin und Dimetinden können Kindern ab einem Jahr gegeben werden, solche mit den Wirkstoffen Cetirizin und Loratadin Kindern ab zwei Jahre. Mittel mit Clemastin dürfen an Kinder ab sechs Jahren verabreicht werden. Sie sollten die Mittel als Tropfen oder Saft bekommen, weil diese sich kindgerecht dosieren lassen. Dragees oder Tabletten dürfen Kinder frühestens ab drei Jahre einnehmen, sofern die Dosis stimmt.

Folgende Dosierungen werden empfohlen:

Azelastin: Kinder über sechs Jahre erhalten die gleiche Dosis wie Erwachsene.

Cetirizin: Kinder von zwei bis sechs Jahren erhalten zweimal täglich 5 Tropfen oder 2,5 ml Saft, Kindern von sechs bis zwölf Jahren geben Sie zweimal täglich 10 Tropfen oder 5 ml Saft. Bei Kindern ab zwölf Jahre sind es einmal täglich 20 Tropfen bzw. 10 ml Saft. Die Tabletten können erst an Kinder ab sechs Jahre verabreicht werden. Sie erhalten zweimal täglich eine halbe Tablette. Allerdings lassen sich nicht alle 10-Milligramm-Tabletten teilen. Achten Sie daher auf die Angaben in der Packungsbeilage. Kinder ab zwölf Jahre nehmen einmal täglich eine ganze Tablette ein.

Clemastin: Kinder unter sechs Jahren sollten nicht mit Clemastin behandelt werden. Kinder ab sechs Jahren erhalten zweimal täglich eine halbe Tablette (2 x 0,5mg) bis maximal zwei Tabletten (2 x 1mg) täglich. Bei schweren Fällen kann es auch zweimal eine Tablette sein. Jugendliche über zwölf Jahre nehmen die Erwachsenendosis. Da das Mittel müde macht, sollten Sie es vorwiegend abends geben.

Desloratadin: Kinder zwischen ein und fünf Jahren erhalten einmal täglich 2,5 Milliliter Lösung (= 1,25 Milligramm Desloratadin), Kinder zwischen sechs und elf Jahren einmal täglich 5 Milliliter Lösung. Kinder über zwölf Jahre erhalten die Erwachsenendosis.

Dimetinden: Kinder können Dimetinden ab dem zweiten Lebensjahr erhalten, wenn im Rahmen einer Windpockenerkrankung, bei Insektenstichen oder bei einer allergischen Hautreaktion der starke Juckreiz gelindert werden soll. Bei allergischem Schnupfen können Sie es Kindern über sechs Jahre geben. Die Dosierung beträgt für Kinder von ein bis acht Jahren dreimal täglich 10 bis 15 Tropfen. Kinder ab drei Jahre können auch dreimal täglich ein Dragee einnehmen. Ab neun Jahre nehmen sie dreimal täglich 20 Tropfen. Die Retardkapseln dürfen Sie bei Kindern nicht anwenden.

Ebastin: Kinder unter zwölf Jahren sollten mit diesem Mittel nicht behandelt werden. Ältere Kinder nehmen die gleiche Dosis wie Erwachsene.

Fexofenadin: Dieses Mittel dürfen Kinder unter sechs Jahren nicht bekommen. Kinder zwischen sechs und elf Jahren bekommen zweimal täglich 30 Milligramm, ältere Kinder nehmen die gleiche Dosis wie Erwachsene.

Hydroxyzin: Kinder unter sechs Jahren dürfen dieses Mittel nicht erhalten. Es wird in Abhängigkeit vom Gewicht dosiert. Kinder zwischen sechs und zehn Jahren können mit maximal 2 Milligramm Hydroxyzin pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag (maximal 25 bis 50 Milligramm) behandelt werden. Bei älteren Kindern gelten die gleichen Dosisempfehlungen wie bei Erwachsenen. Da es ohnehin als "wenig geeignet" erachtet wird, sollten Sie möglichst ganz darauf verzichten.

Levocetirizin: Kinder zwischen zwei und sechs Jahren erhalten zweimal täglich 1,25 Milligramm Levocetirizin als Saft oder Tropfen. Kinder ab sechs Jahre erhalten mit 5 Milligramm täglich die Erwachsenendosis.

Loratadin: Wiegt das Kind mehr als 30 Kilogramm, geben Sie ihm einmal täglich eine Tablette mit 10 Milligramm Loratadin. Wiegt das Kind weniger als 30 Kilogramm, sollten Sie ein anderes Mittel wählen, dessen Dosierung an das Körpergewicht angepasst werden kann.

Mizolastin: Kinder ab zwölf Jahre können täglich 10 Milligramm Mizolastin einnehmen.

Rupatadin: Als Lösung dürfen Kinder ab zwei Jahre dieses Mittel bekommen. Ab einem Alter von zwölf Jahren auch die Tabletten.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

In den ersten drei Monaten der Schwangerschaft sollten Sie keine Antihistaminika einnehmen. Für die restliche Schwangerschaftszeit liegen keine ausreichenden Erkenntnisse über die Sicherheit der Mittel vor. Sie sollten daher sorgfältig überlegen, ob Sie die Mittel wirklich brauchen und dann vor der Einnahme Rücksprache mit dem Arzt halten.

Ist die Anwendung eines Antihistaminikums zum Einnehmen erforderlich, können Cetirizin oder Loratadin eingesetzt werden. Wenn eine schlafanstoßende Wirkung erwünscht ist, ist auch Clemastin akzeptabel.

Für den Einsatz der Mittel in der Stillzeit liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor. Da die Wirkstoffe in die Muttermilch übergehen, sollte der Arzt sorgfältig abwägen, ob der Nutzen der Anwendung die Risiken überwiegt. Ist die Einnahme erforderlich, können Cetirizin und Loratadin eingesetzt werden, ist ein müdemachender Effekt gewünscht, sind auch Clemastin oder Dimetinden akzeptabel. Sie sollten das gestillte Kind dann aber sorgfältig beobachten, da die müdemachende Wirkung auch auf den Säugling übergehen kann.

Hydroxyzin: Dieses Mittel kann das Ungeborene schädigen. Schwangere dürfen Hydroxyzin deshalb nicht anwenden. Das Mittel tritt in die Muttermilch über und kann beim Säugling schwere Nebenwirkungen auslösen. Deshalb dürfen Sie es auch in der Stillzeit nicht anwenden.

Für ältere Menschen

Da bei älteren Menschen die Leber- und/oder Nierenfunktion häufig eingeschränkt ist, werden die Mittel nur verzögert ausgeschieden, wodurch sich das Risiko für unerwünschte Wirkungen erhöht. Vor allem bei den müdemachenden Mitteln Clemastin, Dimetinden und Hydroxyzin besteht die Gefahr, dass sie die Hirnleistung beeinträchtigen. Sie sollten nur angewendet werden, wenn nicht oder wenig müdemachende Mittel nicht angewendet werden können. In jedem Fall sollten Sie die Dosierung des Mittels mit einem Arzt oder Apotheker besprechen. Näheres dazu finden Sie in der Einleitung unter Hinweise für ältere Menschen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Azelastin, Cetirizin, Desloratadin, Ebastin, Fexofenadin, Levocetirizin, Loratadin, Mizolastin, Rupatadin: Diese nicht oder nur wenig müdemachenden Antihistaminika beeinträchtigen die Verkehrstüchtigkeit nur wenig. Trotzdem sollten Sie vorsichtig sein, da auch bei diesen Antihistaminika das Reaktionsvermögen vermindert sein kann.

Alle anderen Antihistaminika zum Einnehmen können mehr oder weniger müde machen. Wie stark dieser Effekt ist, hängt davon ab, wie empfindlich Sie persönlich auf das Mittel reagieren. Merken Sie, dass das Mittel Sie schläfrig macht, sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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