Medikamente im Test

Antihistaminika: Azelastin, Levocabastin, Olopatadin (Tropfen, Spray für Auge und Nase)

Wirkungsweise

Antihistaminika verhindern allergische Reaktionen, indem sie die Bindestellen (Rezeptoren) für das Gewebehormon Histamin besetzen. Dann kann das körpereigene Histamin dort nicht mehr andocken und die allergischen Reaktionen wird blockiert – allerdings meist nicht vollständig, weil diese auch noch von anderen Substanzen ausgelöst und unterhalten werden. Wie lange die Allergie unterdrückt wird, hängt auch davon ab, wie stark und wie lange das Antihistaminikum an seinem Rezeptor bindet.

Dass Augen- und Nasentropfen mit Antihistaminika allergisch bedingte Beschwerden lindern, ist in Kurzzeitstudien nachgewiesen.

Augentropfen und Nasensprays wirken in erster Linie direkt auf der Bindehaut beziehungsweise in der Nasenschleimhaut, also dort, wo sich auch die allergischen Beschwerden zeigen, und nicht an anderen Stellen im Körper. In geringem Umfang gelangen die Mittel über die Nasenschleimhaut oder die Bindehaut des Auges allerdings auch in den Blutkreislauf.

Azelastin und Levocabastin gehören beide zu den nicht oder nur wenig müdemachenden Antihistaminika. Beide Substanzen sind rezeptfrei erhältlich. Von Azelastin gibt es allerdings auch eine rezeptpflichtige Kombipackung mit Augen- und Nasentropfen (Allergodil Kombipackung), die größere Mengen an Tropflösungen enthält.

Olopatadin wurde 2004 in den Markt eingeführt. Auch dieser Wirkstoff gehört zu den nicht oder nur wenig müdemachenden Antihistaminika. Nach den bisher vorliegenden Studienergebnissen wirkt das Mittel ähnlich gut wie Levocabastin. Bisher ist Olopatadin aber noch verschreibungspflichtig.

Einige Präparate (siehe Tabelle) enthalten Konservierungsmittel und werden deshalb als "auch geeignet" eingestuft. Mittel ohne Konservierungsmittel sind vorzuziehen. Beachten Sie hierzu auch die Angaben unter Konservierungsmittel in Augentropfen und Nasensprays oder -tropfen.

Anwendung

Allergische Bindehaut­entzündung

Von den Augenmitteln tropfen Sie ein- bis zweimal täglich einen Tropfen in den Bindehautsack des Auges, aber nicht mehr als vier Tropfen täglich.

Opatanol Augentropfen: Dieses Mittel sollten Sie nicht länger als vier Monate verwenden, weil Verträglichkeit und Wirksamkeit nur für diesen Zeitraum geprüft und bestätigt worden sind.

Allergischer Schnupfen

Von den Nasenmitteln sprühen Sie zweimal täglich einen Sprühstoß in jedes Nasenloch. Schon nach wenigen Minuten, spätestens nach einer halben Stunde sollte der Niesreiz abklingen und die Nase wieder frei werden.

Azelastin Augentropfen/Nasenspray: Dieses Mittel sollten Sie nicht länger als sechs Wochen ununterbrochen anwenden, weil Verträglichkeit und Wirksamkeit der Substanz bisher nur für diesen Zeitraum nachgewiesen sind.

Livocab-Augentropfen/-Nasenspray: Diese Mittel müssen Sie vor der Anwendung kräftig schütteln, damit sich der Arzneistoff in der Lösung gut verteilt, sonst ist die Wirksamkeit beeinträchtigt.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Allergische Bindehaut­entzündung

Bei bis zu 30 von 100 Behandelten mit allergischer Bindehautentzündung können die Tropfen die Augen reizen. Sie spüren das daran, dass die Augen vorübergehend brennen und stechen. Sie können auch tränen oder sich trocken und klebrig anfühlen. Die Augenlider können anschwellen und es kann sein, dass Sie nur noch verschwommen sehen. Azelastin-Augentropfen verursachen bei etwa 10 von 100 Behandelten einen unangenehmen Geschmack, wenn sie über den Tränenkanal in den Nasen-Rachen-Raum gelangen.

Olopatadin-Augentropfen: Außer den Augen können sich auch Nase und gegebenenfalls der Mund trocken anfühlen.

Allergischer Schnupfen

Die Nasensprays können die Nasenschleimhaut reizen (Azelastin: bei 6 bis 7 von 100 Behandelten, Levocabastin: bei etwa 1 von 100). Das macht sich durch Brennen, Jucken und Niesreiz bemerkbar, vergeht aber wieder. Etwa 20 von 100 Behandelten empfinden den Geschmack von Azelastin als unangenehm (bitter), wenn es über die Nase in den Rachen und somit in den Mundraum gelangt. Um das zu verhindern, sollten Sie den Kopf beim Einsprühen nicht nach hinten neigen, sondern aufrecht stehen.

Muss beobachtet werden

Allergische Bindehaut­entzündung

Wenn sich die Bindehautentzündung nach drei bis sieben Tagen nicht gebessert hat oder sogar schlimmer geworden ist, sollten Sie einen Augenarzt aufsuchen. Möglicherweise hat das Antihistaminikum dann selbst eine allergische Reaktion hervorgerufen. Die damit verbundenen Beschwerden sind die gleichen, wegen derer Sie das Mittel anwenden.

Allergischer Schnupfen

2 von 100 Behandelten, die den Nasenspray anwenden, fühlen sich abgeschlagen, müde, erschöpft und schwach. Wenn diese Beschwerden nach jeder Anwendung erneut auftreten, sollten Sie mit dem Arzt besprechen, ob Sie die Allergie besser mit anderen Mitteln bekämpfen sollten.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Azelastin: Die Augentropfen können Sie bei Kindern ab vier Jahren anwenden – allerdings nur wenn es sich um saisonal bedingte Beschwerden handelt –, den Nasenspray bei Kindern ab sechs Jahren. Bei ganzjährigen allergisch bedingten Augenbeschwerden darf das Mittel erst ab zwölf Jahren eingesetzt werden.

Levocabastin: Nasenspray und Augentropfen können Kinder ab einem Jahr bekommen.

Allergische Bindehaut­entzündung

Olopatadin-Augentropfen: Dieses Mittel können Kinder ab drei Jahre erhalten.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Mit den Wirkstoffen Azelastin und Levocabastin gibt es zwar nur wenig Erfahrung zur Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit, es erscheint jedoch akzeptabel, sie am Auge einzusetzen.

Olopatadin-Augentropfen: Da keine ausreichenden Daten zur Sicherheit für das Ungeborene vorliegen, sollen Schwangere dieses Mittel nicht anwenden. Der Wirkstoff tritt in die Muttermilch über und kann möglicherweise das Wachstum des Säuglings beeinträchtigen. Deshalb sollten Sie dieses Mittel auch in der Stillzeit nicht anwenden.

Beim Tragen von Kontaktlinsen

Allergische Bindehaut­entzündung

Solange Ihre Augen entzündet sind, sollten Sie keine Kontaktlinsen tragen. Wenn Sie auf die Linsen dennoch nicht verzichten wollen, sollten Sie stabile Linsen herausnehmen, bevor Sie die Augentropfen einträufeln, und frühestens nach einer Viertelstunde wieder einsetzen. Weiche Kontaktlinsen sollten Sie nicht tragen. Das Medikament kann sich in den relativ großen Poren dieser Linsen einlagern und so erheblich länger am Auge bleiben. Damit steigt das Risiko für unerwünschte Wirkungen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Allergische Bindehaut­entzündung

Nach dem Eintropfen der Augenmittel können Sie fünf bis zehn Minuten lang schlechter sehen. In dieser Zeit dürfen Sie kein Fahrzeug lenken, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten. Das gilt auch, wenn Sie durch die Augentropfen lichtempfindlicher werden.

Allergischer Schnupfen

Wenn Sie die Nasensprays entgegen den Empfehlungen häufiger als zweimal täglich und mehrere Monate lang anwenden, können sie müdemachen und die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen. Dann sollten Sie kein Fahrzeug lenken, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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