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Antiemetikum: Scopolamin

Wirkungsweise

Diese wirkstoffhaltigen Pflaster gegen Reiseübelkeit enthalten Scopolamin. Der genaue Wirkmechanismus dieses Mittels ist noch nicht geklärt. Vermutlich blockiert es die Weiterleitung von Nervenimpulsen aus dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr zum Brechzentrum. Außerdem macht der Wirkstoff müde, hemmt den Speichelfluß sowie die Schweißbildung und erweitert die Pupillen.

Über das Pflaster wird der Wirkstoff kontinuierlich durch die Haut ins Blut aufgenommen. Die Wirkung kann bis zu drei Tage anhalten.

Scopolamin ist geeignet, um bei länger andauernden See- oder Flugreisen einer Reiseübelkeit vorzubeugen. Im Vergleich zu einer Behandlung mit einem Scheinmedikament werden Übelkeit und Erbrechen besser verhindert. Wie Scopolamin im direkten Vergleich zu anderen Mitteln gegen Übelkeit und Erbrechen (z. B. Dimenhydrinat oder Diphenyhdramin) einzuschätzen ist, ist noch nicht ausreichend untersucht.

Anwendung

Das Pflaster wird etwa fünf bis sechs Stunden vor Reiseantritt oder am Vorabend an einer trockenen, unverletzten und unbehaarten Stelle hinter dem Ohr aufgeklebt. Der Wirkstoff wird drei Tage lang regelmäßig über die Haut in den Blutkreislauf abgegeben. Auf länger andauernden Reisen muss nach dem dritten Tag ein neues Pflaster aufgeklebt werden.

Die Wirkung wird nicht beeinträchtigt, wenn Sie sich die Haare waschen oder duschen. Nur wenn Sie übermäßig lange duschen oder schwimmen, kann dies die Haftfähigkeit des Pflasters beeinträchtigen.

Nach dem Aufkleben waschen Sie sich die Hände. Wenn Sie das Pflaster wieder abnehmen, reinigen Sie die Stelle hinter dem Ohr mit etwas Wasser und Seife, damit der Wirkstoff nicht an die Augen gelangt, sonst könnte er dort die Pupille erweitern, so dass Sie nur noch verschwommen sehen.

Bitte beachten Sie, dass das Pflaster nicht zerschnitten werden darf.

Gegenanzeigen

Wenn Sie ein Engwinkelglaukom (grüner Star) haben, dürfen Sie das Mittel nicht anwenden.

Unter folgenden Bedingungen sollte der Arzt Nutzen und Risiken einer Anwendung von Scopolamin besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie haben eine Engstelle im Darm oder andere Verdauungsstörungen, die bewirken, dass der Speisebrei nicht ungehindert weitertransportiert werden kann. Dann besteht die Gefahr eines Darmverschlusses.
  • Sie können die Blase nicht vollständig entleeren, z. B. aufgrund einer vergrößerten Prostata.
  • Sie haben Herzrhythmusstörungen, Ihr Herz schlägt sehr langsam.
  • Sie haben Durchblutungsstörungen im Gehirn.
  • Die Funktion Ihrer Leber und Ihrer Nieren ist gestört.
  • Es gibt Hinweise, dass der Druck im Augeninneren erhöht ist. Dazu gehören Druckschmerz am Auge, verschwommenes Sehen, Regenbogenringe um Lichtquellen. Dann sollte der Augenarzt den Augeninnendruck kontrollieren, bevor Sie Scopolamin anwenden.
  • Sie haben eine allergische Hauterkrankung. Dann besteht ein erhöhtes Risiko für allergische Reaktionen.
  • Sie leiden an Epilepsie

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente einnehmen, ist zu beachten:

  • Bei gleichzeitiger Einnahme von trizyklischen Antidepressiva (z. B. Amitriptylin oder Imipramin, bei Depressionen), Neuroleptika (z. B. Haloperidol, Olanzapin oder Thioridazin, bei Schizophrenie und anderen Psychosen), können sich die unerwünschten Wirkungen von Scopolamin verstärken. Wenn eine gleichzeitige Anwendung nicht zu vermeiden ist, sollten die Mittel möglichst niedrig dosiert werden.
  • Wenn Sie das Mittel Solifenacin (bei Inkontinenz) anwenden, sollten Sie mit dem Arzt besprechen, ob Sie Scopolamin anwenden können.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Während der Anwendung des Pflasters sollten Sie auf Alkohol verzichten, weil dieser den müdemachenden Effekt des Mittels noch verstärkt. Es ist vermehrt mit Benommenheit, Konzentrationsschwäche und verminderter Aufmerksamkeit zu rechnen.

Nebenwirkungen

Wenn eine mehrtätige Behandlung mit Scopolamin beendet wird, können die unerwünschten Wirkungen wie Schwindel, Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörungen noch einige Stunden anhalten.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei mehr als 10 von 100 Behandelten können sich Mund und Kehle oder die Augen trocken anfühlen. Ebenso viele fühlen sich schläfrig oder ihnen ist schwindlig.

Muss beobachtet werden

Die Haut unter dem Pflaster kann brennen oder sich gereizt anfühlen. Wenn sich die Haut auch an anderen Stellen verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Dann sollten Sie das Pflaster entfernen.

Bei mehr als 10 von 100 Anwendern treten Sehstörungen wie verschwommenes Sehen und Lichtscheu auf. Beides ist vor allem dadurch bedingt, dass Wirkstoffreste von den Händen in die Augen gelangen. Deshalb sollten Sie sich nach dem Anbringen und dem Entfernen des Pflasters jeweils die Hände gründlich mit Seife waschen.

Wenn Ihnen das Wasserlassen schwerfällt, sollten Sie das Mittel nicht weiter anwenden. Davon sind vor allem Männer mit vergrößerter Prostata betroffen.

Sofort zum Arzt

In seltenen Fällen kann es zu Unruhe, Verwirrtheitszuständen, Störungen des Bewusstseins oder visuellen Halluzinationen kommen. In solchen Fällen sollten Sie sich umgehend in ärztliche Behandlung begeben.

Bei Männern mit vergrößerter Prostata kann der Harndrang sehr schmerzhaft werden, ohne dass Sie Wasser lassen können (Harnverhalt). Wenn derartige Beschwerden auftreten, sollten Sie unverzüglich einen Arzt aufsuchen.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

In Einzelfällen kann Scopolamin einen Glaukomanfall auslösen. Anzeichen dafür sind gerötete, schmerzende Augen, geweitete Pupillen, die sich bei Lichteinfall nicht verengen, sowie ein sich hart anfühlender Augapfel. Dann müssen Sie unverzüglich einen Augenarzt oder die nächste Notfallambulanz aufsuchen. Wenn der Anfall nicht sofort behandelt wird, können Sie erblinden.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

In der Schwangerschaft kann der Wirkstoff auf das Ungeborene übergehen und bei ihm unerwünschte Wirkungen am Herzen wie Herzrasen auslösen. Ob Scopolamin auch in die Muttermilch übertritt, ist unklar. Scopolamin sollten Sie deshalb in Schwangerschaft und Stillzeit möglichst nicht anwenden oder nur dann, wenn der erwartete Nutzen das potentielle Risiko für das Kind rechtfertigt.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Das Mittel darf erst bei Kindern über zehn Jahre angewendet werden. Es kann bei Kindern und Jugendlichen Halluzinationen auslösen.

Für ältere Menschen

Bei älteren Menschen können unerwünschte Wirkungen des Mittels (z. B. Verwirrtheitszustände) vermehrt oder verstärkt auftreten, insbesondere wenn noch andere Mittel eingenommen werden, die einen ähnlichen Wirkmechanismus haben. Dazu gehören bestimmte Mittel gegen Harninkontinenz (z. B. Trospiumchlorid oder Solifenacin) und Depressionen (z. B. trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin oder Imipramin).

Beim Tragen von Kontaktlinsen

Das Mittel kann die Tränensekretion hemmen, dann werden Kontaktlinsen schlechter vertragen. Verzichten Sie deshalb während der Anwendung auf Kontaktlinsen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Scopolamin kann müde und schwindelig machen und die Konzentrationsfähigkeit einschränken. Außerdem kann es das Sehvermögen beeinträchtigen. Deshalb sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs