Medikamente im Test
  • Über 9 000 Medikamente
  • Geprüft durch unabhängige Experten
  • Ständig aktualisiert

Antiemetikum: Aprepitant

Wirkungsweise

Aprepitant ist ein Wirkstoff, der gegen Erbrechen aufgrund einer Krebstherapie mit Zytostatika eingesetzt wird.

Zytostatika stimulieren bestimmte Bindestellen (Chemorezeptoren) im Verdauungstrakt. Diese aktivieren über Nervenbotenstoffe (Neurotransmitter) die zum Hirnstamm hinleitenden Nervenfasern und den Vagusnerv. Dieser wiederum steuert Teile des Brechzentrums im Gehirn (Nucleus tractus solitarii) an. In diesem Bereich finden sich hohe Konzentrationen des Neurotransmitters Substanz P, eines sogenannten Neurokinins. Die Substanz P wird bei Aktivierung des Brechzentrums freigesetzt und löst dann Erbrechen aus. Werden nun die spezifischen Bindestellen dieses Neurotransmitters durch den Wirkstoff Aprepitant besetzt, kann Substanz P kein Erbrechen mehr auslösen.

Aprepitant blockiert wie die Serotonin(5-HT3)-Antagonisten Granisetron, Ondasetron, Palonosetron und Tropisetron Nervenbotenstoffe, die Übelkeit und Erbrechen auslösen, aber es hat mit Substanz P eine andere Botenstoffgruppe (Neurokinine) zum Ziel als diese Standardwirkstoffe. Deshalb wird das Mittel zusätzlich zu diesen und gemeinsam mit Dexamethason eingesetzt.

Aprepitant (Emend) wird als Kapseln eingenommen. Ivemend muss gespritzt werden. Der Wirkstoff Fosaprepitant ist eine Vorstufe von Aprepitant und wird im Blut rasch zu diesem umgewandelt.

Die bisher vorliegenden Studien haben gezeigt, dass sich damit akut und verzögert auftretendes Erbrechen durch stark Übelkeit und Erbrechen auslösende (hoch emetogene) Zytostatika gut verhindern lässt. Für diese Einsatzgebiete ist Aprepitant geeignet.

Ob der Wirkstoff auch bei weniger stark Übelkeit und Erbrechen auslösenden Zytostatika in Kombination mit Dexamethason und Serotonin(5-HT3)-AHemmstoffen wie Granisetron, Ondasetron und Palonsetron einen zusätzlichen Nutzen bringt, ist noch nicht ausreichend untersucht. Zwar liegen Studien zum Einsatz bei einigen dieser Zytostatika vor, sie vergleichen den Zusatz von Aprepitant aber nicht immer mit der derzeit hierfür empfohlenen Standardtherapie bestehend aus einem Serotonin(5-HT3)-Hemmstoff und Dexamethason zur Verhinderung von Übelkeit und Erbrechen. Lediglich bei der Krebsbehandlung mit Carboplatin, einem Zytostatikum dieser Gruppe das recht häufig Erbrechen auslösen kann, geben Studien Hinweise darauf, dass ein Zusatz von Neurokininantagonisten wie Aprepitant zur Standardtherapie die Häufigkeit von akutem wie auch verzögertem Erbrechen vermindern kann. Für den Einsatz bei weniger Übelkeit auslösenden Zytostatika ist Aprepitant deshalb nur mit Einschränkung geeignet.

Anwendung

Sie nehmen Aprepitant eine Stunde vor Beginn der Chemotherapie ein sowie am darauf folgenden Morgen und am Morgen des dritten Tages, und zwar zusätzlich zu Dexamethason und einem Wirkstoff aus der Gruppe der Serotonin(5-HT3)-Antagonisten (z. B. Ondansetron). Die Dosis beträgt am ersten Tag 125 Milligramm, am zweiten und dritten Tag jeweils 80 Milligramm.

Ungefähr eine halbe Stunde vor Beginn der Chemotherapie wird Ivemend über einen Zeitraum von 30 Minuten in die Vene gespritzt, und zwar zusätzlich zu Dexamethason und einem Wirkstoff aus der Gruppe der Serotonin(5-HT3)-Antagonisten.

Gegenanzeigen

Wenn Sie Pimozid (bei Schizophrenien und anderen Psychosen) einnehmen, dürfen Sie Aprepitant nicht anwenden.

Wenn Ihre Leber nur eingeschränkt arbeitet, sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Aprepitant sorgfältig abwägen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente anwenden, ist zu beachten:

  • Aprepitant kann die toxische Wirkung von Zytostatika, wie Irinotecan verstärken.
  • Aprepitant kann auch die Giftigkeit von Sirolimus und Tacrolimus (nach Organtransplantation), Fentanyl (bei starken Schmerzen), Chinidin (bei Malaria) oder die von ergotaminhaltigen Mittel (bei Migräne) erhöhen. Bei diesen Mitteln liegen wirksame und unverträgliche Dosis eng beieinander, daher sollte die gleichzeitige Anwendung möglichst vermieden werden oder aber der zu erwartende Nutzen und die möglichen Risiken sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.
  • Aprepitant kann die Ausscheidung von Colchicin (bei Gicht) vermindern. Dies ist besonders zu beachten, wenn die Nierenfunktion bereits eingeschränkt ist. Eine gemeinsame Anwendung sollte daher möglichst vermieden werden.
  • Aprepitant verringert die Wirkung des gerinnungshemmenden Mittels Warfarin, das bei erhöhter Thrombosegefahr eingenommen wird. Der Arzt sollte dann während der Therapie und zwei Wochen lang nach jeder Drei-Tages-Therapie mit Aprepitant die Blutgerinnung überwachen.
  • Die Wirkstoffe Ritonavir (bei HIV-Infektionen, Aids), Ketoconazol und Itraconazol (Tabletten zum Einnehmen bei Pilzinfektionen), Clarithromycin und Telithromycin (bei bakteriellen Infektionen) verstärken die Wirkung von Aprepitant und sollten deshalb nicht gleichzeitig angewendet werden.
  • Aprepitant sollten Sie nicht gleichzeitig anwenden mit Johanniskraut (bei Depressionen), Rifampicin (bei Tuberkulose), Phenytoin, Carbamazepin und Phenobarbital (alle bei Epilepsien), weil diese Wirkstoffe die Wirkung von Aprepitant abschwächen.

Unbedingt beachten

Aprepitant dürfen Sie nicht gleichzeitig mit Pimozid (bei Schizophrenien und anderen Psychosen) und Terfenadin (bei Allergien) einnehmen, weil sich sonst die Konzentration dieser Medikamente im Blut erhöht und schwerwiegende oder  lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auftreten können.

Nebenwirkungen

Aprepitant kann die Haut empfindlicher für Sonnenlicht machen. Wenn Sie sich im Freien aufhalten, sollten Sie auf einen ausreichenden Sonnenschutz achten. Von Solarienbesuchen sollten Sie für die Zeit der Anwendung absehen.

Da Aprepitant in der Krebstherapie zusammen mit Chemotherapeutika eingesetzt wird und diese Mittel bereits zahlreiche Nebenwirkungen verursachen, ist es schwierig, die unerwünschten Wirkungen eindeutig einer bestimmten Substanz zuzuschreiben.

Keine Maßnahmen erforderlich

Etwa 3 von 100 Behandelten klagen über Müdigkeit, etwa 2 von 100 über Kopfschmerzen und Schwindel sowie Appetitverlust. Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten zeigen sich Magen-Darm-Beschwerden wie saures Aufstoßen und Verstopfung, aber auch Durchfälle, trockener Mund und Bauchschmerzen. Ebenso kann Schluckauf auftreten.

Muss beobachtet werden

Chemotherapeutika erhöhen das Risiko für Infektionen mit Bakterien und Pilzen sowie Fieber. Möglicherweise wird dieses Risiko auch durch Aprepitant leicht erhöht. Laut Herstellerangaben kommen bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten Hefepilzinfektionen im Mund, auf der Haut oder auf Schleimhäuten vor. Außerdem können vermehrt Staphylokokkeninfektionen der Haut und der Atemwege auftreten. Jede Infektion, die während oder nach einer Chemotherapie auftritt, ist behandlungsbedürftig. Wenden Sie sich deshalb möglichst sofort an Ihren behandelnden Arzt, wenn Sie Hinweise auf eine Infektion feststellen (z. B. Fieber, Müdigkeit, Schmerzen, Husten).

Die Haut kann sich röten und jucken. Wenn sich zusätzlich Bläschen bilden und möglicherweise das Gesicht oder einzelne Hautbereiche schmerzhaft anschwellen, kann es sich um eine – auch sehr schwerwiegende – allergische Reaktion handeln. Je nachdem, wie heftig diese Hauterscheinungen sind, sollten Sie sich umgehend oder im Laufe des nächsten Tages an einen Arzt wenden und mit ihm das weitere Vorgehen besprechen.

Sofort zum Arzt

Wenn sich größere Blasen am ganzen Körper bilden oder plötzlich Atemnot und Schwellungen (insbesondere im Kopfbereich) auftreten, müssen Sie sich umgehend an einen Arzt wenden oder den Notarzt (Telefon 112) rufen. Dies können Hinweise auf eine lebensbedrohliche Allergie sein.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Das Mittel kann an Kinder ab 6 Monaten mit einem Körpergewicht von mindestens 6 Kilogramm verabreicht werden. Die Kapseln zum Einnehmen sind aufgrund der hohen Dosis erst für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren vorgesehen.

Zur Empfängnisverhütung

Aprepitant verringert die Wirksamkeit von hormonellen Verhütungsmitteln, und zwar bis zu vier Wochen nach der Anwendung. Während der Behandlung sowie noch zwei weitere Monate im Anschluss an die letzte Dosis Aprepitant sollten Sie andere Verhütungsmittel wählen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Sie sollten das Mittel mangels Erfahrung nicht einnehmen oder nur dann, wenn der Arzt dies ausdrücklich befürwortet.

Sie sehen nun nur noch Informationen zu: ${filtereditemslist}.

Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs