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Antidiuretikum: Desmopressin

Wirkungsweise

Desmopressin wird bei Bettnässen eingesetzt. Es wirkt wie das von einer Drüse im Gehirn gebildete Hormon Vasopressin (auch antidiuretisches Hormon, ADH) . Dieses Hormon sorgt dafür, dass der Körper dem Urin Wasser entzieht und damit insgesamt weniger Urin ausscheidet.

Die therapeutische Wirksamkeit von Desmopressin bei Bettnässen ist nachgewiesen. Solange die Substanz eingenommen wird, gibt es weniger dieser unangenehmen Ereignisse. Zwei von zehn behandelten Kindern bleiben mindestens 14 aufeinanderfolgende Tage lang trocken. Wird das Mittel abgesetzt, verliert sich bei vielen Kindern der Therapieerfolg aber wieder. Da das Medikament Nebenwirkungen aufweist und elektronische Alarmsysteme auf lange Sicht hin eindeutig erfolgreicher sind, lautet die Bewertung "mit Einschränkung geeignet".

Eine Zeit lang wurde Desmopressin zur Behandlung von Bettnässen vornehmlich als Nasentropfen oder -spray eingesetzt. Neuere Untersuchungen zeigten jedoch, dass bei dieser Anwendungsform Nebenwirkungen, die insgesamt zwar selten, dafür aber bedrohlich sind, dreimal häufiger auftreten als bei der Behandlung mit Tabletten. Daher sollen die Nasentropfen und -sprays bei Bettnässen nicht mehr verwendet werden. Für andere Anwendungsgebiete bleiben sie aber verwendbar.

Anwendung

Die Behandlung beginnt mit einer geringen Dosierung, die im Verlauf von bis zu vier Wochen gesteigert werden kann. Das Medikament wird vor dem Zubettgehen eingenommen.

Minirin Lyophilisat Schmelztabletten sollen unter die Zunge gelegt werden und sich dort ganz langsam von selbst auflösen. Auf diese Weise gelangt der Wirkstoff direkt ins Blut, ohne erst den Magen-Darm-Trakt zu passieren. Die Tabletten sollen nicht aktiv gelutscht werden.

Um Störungen im Salz- und Wasserhaushalt vorzubeugen, muss die Flüssigkeitsaufnahme ab einer Stunde vor der Einnahme von Desmopressin bis acht Stunden danach so gering wie möglich gehalten werden. Die Betroffenen sollten nur trinken, wenn sie Durst verspüren.

Hat das Kind eine Funktionsstörung der Nieren, darf es nur mit einer verringerten Dosis Desmopressin behandelt werden.

Nach drei Monaten sollte das Medikament für eine Woche abgesetzt werden, um festzustellen, ob seine Anwendung noch notwendig ist.

Es ist aber unklar, ob das Mittel abrupt abgesetzt werden kann oder ob es besser ist, die Dosierung nach und nach zu reduzieren. Einige Untersuchungsergebnisse deuten darauf hin, dass Kinder eher trocken bleiben, wenn die Dosierung langsam verringert wird oder das Mittel nicht mehr jede Nacht und so immer seltener angewendet wird. Für eine klare Empfehlung bedarf es aber weiterer Studien.

Achtung

Das Kind darf nicht übermäßig viel Flüssigkeit aufnehmen – auch nicht versehentlich z. B. bei Schwimmversuchen –, weil der Körper durch die Medikamentenwirkung überschüssige Flüssigkeit nicht ausscheiden kann. Schlimmstenfalls droht ein Hirnödem mit Krampfanfällen. In der umgekehrten Situation, wenn das Kind bei Durchfall oder Erbrechen viel Flüssigkeit verliert, muss die Behandlung ausgesetzt werden, bis sich der Flüssigkeitshaushalt wieder normalisiert hat.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen darf das Kind nicht mit Desmopressin behandelt werden:

  • Sein Durstempfinden ist übersteigert oder es kann aus anderen Gründen nicht kontrollieren, wie viel es trinkt.
  • Der Körper des Kindes gibt eine unangemessene Menge Vasopressin ab. Dabei enthält das Blut zu wenig Natrium und der Körper hält Wasser zurück.
  • Es liegt eine Herzschwäche vor oder andere Erkrankungen, die mit entwässernden Medikamenten (Diuretika) behandelt werden.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken einer Behandlung mit Desmopressin besonders sorgfältig abwägen:

  • Bei dem Kind liegt eine chronische Nierenfunktionsstörung vor.
  • Das Kind hat eine koronare Herzkrankheit, Bluthochdruck oder sein Flüssigkeits- und Salzhaushalt ist gestört.
  • Das Kind leidet an zystischer Fibrose (Mukoviszidose).

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn das Kind noch mit anderen Medikamenten behandelt wird, ist zu beachten:

  • Nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen (bei Schmerzen, Fieber, rheumatischen Erkrankungen), Carbamazepin (bei Epilepsien) sowie verschiedene Medikamente bei Depressionen können die Wirkung von Desmopressin verstärken. Dann können vermehrt Nebenwirkungen auftreten und sie können heftiger ausfallen.
  • Erhält das Kind zugleich Loperamid (bei Durchfall), kann Desmopressin erheblich stärker wirken. Das kann den Salz- und Wasserhaushalt des Körpers so stören, dass sich in den Geweben Wasser ansammelt (Ödeme).

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei bis zu 10 von 100 Kindern können sich Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen einstellen.

Muss beobachtet werden

Desmopressin kann den Salz- und Wasserhaushalt des Körpers stören. Dann kann sich in den Geweben Wasser ansammeln (Ödeme). Dadurch nimmt das Kind deutlich an Gewicht zu, der Blutdruck kann ansteigen und es können stärkere Kopfschmerzen und Übelkeit auftreten. Dann sollten Sie mit dem Kind zum Arzt gehen. Möglicherweise ist die Desmopressindosierung zu hoch.

Wenn die Haut sich rötet und juckt, reagiert das Kind vermutlich allergisch auf das Mittel. Das ist in Einzelfällen zu erwarten. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Wasseransammlungen im Gehirn können Krampfanfälle verursachen. Wenn das Kind einen epileptischen Anfall erleidet, müssen Sie sofort einen Arzt aufsuchen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Kinder unter fünf Jahren sollten nicht auf diese Weise behandelt werden. Bei ihnen besteht die Gefahr schwerwiegender Störungen des Wasser- und Salzhaushalts. Darüber hinaus ist die Kontrollfunktion der Blase bei vielen Kindern erst später genügend ausgereift.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs