Medikamente im Test

Antidiabetikum: Metformin

Wirkungsweise

Metformin kann nur bei Menschen mit Typ-2-Diabetes eingesetzt werden, deren Bauchspeicheldrüse noch Insulin produziert. Es bremst in der Leber die Neubildung Zucker, setzt im Darm das blutzuckersenkende Hormon GLP1 frei und verbessert die Glucoseverwertung. Außerdem verbessert es die Wirkung des Insulins. Dadurch können vor allem die Muskelzellen mehr Glucose aus dem Blut aufnehmen.

Metformin hat den Vorteil, dass es – sofern es als einziges Diabetesmittel angewendet wird – fast keine Unterzuckerungen auslöst und auch das Gewicht nicht ansteigen lässt, da es schwach appetithemmend wirkt. Auch was seinen Einfluss auf die Langzeitfolgen des Diabetes angeht, erweist sich Metformin als günstig. Bei übergewichtigen Menschen senkt es schon nach den ersten Anwendungsjahren das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden und vorzeitig zu sterben. In dieser Hinsicht ist es sowohl einer Behandlung mit Sulfonylharnstoffen als auch einer mit Insulin überlegen.

Seine positiven Eigenschaften haben Metformin zum Mittel der ersten Wahl gemacht sowohl für die Behandlung von normalgewichtigen als auch von übergewichtigen Menschen mit Diabetes.

Metformin wird auch gemeinsam mit anderen Diabetesmitteln eingesetzt, wenn eine Substanz allein den Blutzucker nicht ausreichend senkt. Wie diese Kombinationen zu beurteilen sind, lesen Sie unter Kombination mehrerer blutzuckersenkender Mittel zur Diabetesbehandlung.

Anwendung

Sie nehmen die Tabletten in der Dosierung ein, die Ihnen der Arzt verordnet hat. Ob Sie die Menge eventuell erhöhen müssen, lässt sich erst nach einigen Tagen oder einer Woche beurteilen, da Metformin seine optimale Wirkung erst nach zwei bis drei Tagen erreicht hat. Metformintabletten nehmen Sie immer nach dem Essen ein und verteilen die Menge möglichst gleichmäßig über den Tag.

In dem Maße, in dem die körpereigene Insulinproduktion nachlässt, verliert Metformin an Wirkung. Wenn sich mit der höchsten noch verträglichen Dosis keine befriedigende Blutzuckereinstellung erreichen lässt, muss gegebenenfalls zusätzlich ein Glinid, Gliptin, Inkretin-Analogon, Insulin oder Sulfonylharnstoff verordnet werden oder es muss ganz zu einer Insulinbehandlung gewechselt werden.

Um Personen zu erkennen, die nicht mit Metformin behandelt werden dürfen, muss der Arzt vor der Verordnung die Nierenfunktion überprüfen. Diese Kontrolle sollte jedes Jahr wiederholt werden. Bei älteren Menschen und solchen mit erhöhtem Risiko für eine Funktionsstörung der Nieren ist diese Untersuchung mindestens halbjährlich ratsam. Wenn die Nierenfunktion bereits vor Beginn der Behandlung leicht bis mäßig eingeschränkt ist, darf die tägliche Metformindosis 1 000 Milligramm nicht überschreiten. Außerdem muss bei diesen Patienten alle drei bis sechs Monate überpüft werden, ob die Nieren noch ausreichend arbeiten. Verschlechtert sich die Nierenfunktion deutlich – erkennbar daran, dass die Kreatinin-Clearance unter 30 ml/min fällt –, muss Metformin abgesetzt werden. Dann kommen nur noch andere blutzuckersenkende Medikamente infrage.

Bei einer Anwendung über ein Jahr hinaus muss der Arzt ein Blutbild machen, um auf eine Blutarmut durch Vitamin-B12-Mangel aufmerksam zu werden.

Achtung

Bei einer Harnwegsinfektion, einer akuten Durchfallerkrankung und einer akuten Herz-Kreislauf-Schwäche kann die Nierenfunktion vorübergehend gestört sein. In diesen Fällen ist sofort ein Arzt zu kontaktieren. Auch eine Operation unter Vollnarkose und das Spritzen eines jodhaltigen Röntgenkontrastmittels können die Nierenfunktion beeinträchtigen. Zwei Tage vor solchen Eingriffen muss Metformin abgesetzt werden; frühestens zwei Tage danach darf die Einnahme wieder beginnen.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie kein Metformin einnehmen bzw. Sie müssen es sofort absetzen, weil sonst eine Übersäuerung des Blutes (Lactatazidose) droht:

  • Ihr Stoffwechsel ist entgleist, sodass Sie viel zu viel Zucker im Blut haben (Überzuckerung). Dann enthält Ihr Blut auch zu viel Säure.
  • Sie haben eine schwere akute Erkrankung oder eine schwere Verletzung.
  • Ihr Herz oder Ihr Kreislauf hat versagt oder Ihre Durchblutung ist gestört.
  • Sie haben eine so schwere Lungenerkrankung (Asthma, chronisch obstruktive Atemwegserkrankung) oder Herzschwäche (Herzinsuffizienz), dass Ihre Gewebe nur unzureichend mit Sauerstoff versorgt werden.
  • Sie haben durch Erbrechen oder Durchfall sehr viel Flüssigkeit verloren.
  • Ihr Körper baut Eiweiß ab, weil Sie fasten oder eine Krebserkrankung die Reserven aufzehrt.
  • Sie haben eine Funktionsstörung der Leber.
  • Ihre Nierenfunktion ist schwer gestört, erkennbar daran, dass die Kreatinin-Clearance unter 30 ml/min liegt. Ist Ihre Nierenfunktion mit einer Kreatinin-Clearance zwischen 30 und 59 ml/min nur mäßig eingeschränkt, kann Metformin eingesetzt werden. Die Dosis des Mittels muss dann allerdings in Abhängigkeit von der Nierentätigkeit entsprechend den Herstellerempfehlungen angepasst werden.
  • Sie sind alkoholkrank.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Durch Cimetidin (bei Sodbrennen) kann Metformin länger wirken. Möglicherweise müssen Sie die Dosis von Metformin verringern.
  • Glucocorticoide zum Einnehmen und Inhalieren (bei Entzündungen, Immunreaktionen, Asthma, COPD) sowie Beta-2-Sympathomimetika (bei Asthma, COPD) können die Wirkung von Metformin vermindern; dann steigt das Risiko für eine Überzuckerung. Zu Beginn und nach dem Ende der Behandlung mit den genannten Medikamenten und wenn die Medikamentendosierung erhöht wird, sollte der Blutzucker häufiger kontrolliert und die blutzuckersenkende Therapie, wenn notwendig, angeglichen werden.
  • Für bestimmte Röntgenuntersuchungen sind jodhaltige Kontrastmittel erforderlich. Diese können die Nierenfunktion stören und so die Ausscheidung von Metformin beeinträchtigen. Dadurch steigt das Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen (Lactatazidose) an. Die Behandlung mit Metformin sollte vor der Gabe des Kontrastmittels unterbrochen und erst 48 Stunden danach wieder aufgenommen werden. Die Behandlung darf nur fortgeführt werden, wenn eine Untersuchung bestätigt hat, dass sich die Nierenfunktion nicht weiter verschlechtert hat. Andernfalls muss der Diabetes für kurze Zeit mit Insulin behandelt werden.

Unbedingt beachten

In Kombination mit anderen blutzuckersenkenden Mitteln wie Sulfonylharnstoffen, Gliniden oder Insulin kann es zu Unterzuckerungen kommen. Insbesondere zu Beginn einer derartigen Kombinationsbehandlung und bei der Beendigung ist der Blutzucker häufiger zu kontrollieren.

Zu Beginn einer Behandlung mit Blutdrucksenkern wie beispielsweise ACE-Hemmer oder Schleifendiuretika kann sich die Nierenfunktion verschlechtern. Dann kann sich die Wirkung von Metformin verstärken und das Risiko für eine Lactatazidose steigt. In dieser Zeit muss der Arzt die Nierenfunktion besonders sorgfältig überprüfen.

Nichtsteroidale Antirheumatika (bei Rheuma, Schmerzen) können die Wirkung von Metformin ebenfalls verstärken. Damit erhöht sich insbesondere bei Nierenkranken das Risiko für eine Lactatazidose.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Reichlicher Alkoholkonsum, sei es von Zeit zu Zeit oder kontinuierlich, stört die Leberfunktion. Dann kann Metformin zu einer gefährlichen Übersäuerung des Blutes führen (Lactatazidose). Außerdem kann Alkohol die Anzeichen einer möglichen Unterzuckerung verdecken oder sie treten verzögert auf. Während der Behandlung mit Metformin sollten Sie Alkohol möglichst meiden. Allenfalls zum Essen können Sie eine geringe Menge trinken.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Vor allem zu Beginn der Behandlung kommt es bei bis zu 10 von 100 Behandelten zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und einem metallischen Geschmack im Mund. Diese Beschwerden legen sich meist innerhalb weniger Wochen. Die Nebenwirkungen lassen sich verringern oder ganz vermeiden, wenn die Behandlung mit einer geringen Dosierung begonnen wird. Treten die Beschwerden häufig auf oder werden sie sehr unangenehm, besprechen Sie das mit einem Arzt. Er muss entscheiden, ob Sie ein anderes Medikament nehmen sollen.

Muss beobachtet werden

Wenn sich die Haut verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wenn Beschwerden im Oberbauch länger als eine Woche anhalten oder schmerzhaft sind, sollten Sie zum Arzt gehen, damit er Magen und Bauchspeicheldrüse untersuchen kann.

Sofort zum Arzt

Biguanide können vereinzelt bewirken, dass sich im Blut Milchsäure ansammelt. Eine solche Lactatazidose ist stets lebensgefährlich. Von 100 000 Diabetikern, die ein Jahr lang Metformin einnehmen, entwickeln 3 bis 8 eine Lactatazidose. Die Hälfte von ihnen stirbt daran. Eine Lactatazidose durch Metformin tritt meist bei den Personen auf, die neben Diabetes noch eine weitere schwere Krankheit haben. Die Gefahr einer solchen unerwünschten Wirkung lässt sich deutlich verringern, wenn der Arzt genau beachtet, wann er kein Metformin verordnen darf, und wenn er in mindestens halbjährlichen Abständen die Funktion von Leber und Nieren überprüft. Auch akute Erkrankungen, bei denen der Körper viel Flüssigkeit verliert, können eine Lactatazidose auslösen. Beispielsweise ist hohes Fieber oft mit erheblichem Flüssigkeitsverlust verbunden.

Die ersten Anzeichen einer Übersäuerung ähneln den üblichen unerwünschten Wirkungen: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen. Werden sie jedoch stärker und kommen Kälteschauer, Schwindel, Schläfrigkeit, Muskelschmerzen, Kurzatmigkeit, Schwäche und Bewusstseinsstörungen hinzu, sollte sofort der Notarzt (Telefon 112) gerufen werden. Sie müssen möglichst schnell ins Krankenhaus gebracht werden.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Übergewichtige Kinder mit Typ-2-Diabetes können ab einem Alter von zehn Jahren mit Metformin behandelt werden.

Bei Kinderwunsch

Metformin verbessert die Insulinwirkung. Das kann Frauen zugute kommen, die wegen des Krankheitsbilds der polyzystischen Ovarien (PCO) bisher kinderlos geblieben sind. Bei dieser Erkrankung ist der Regelkreis der Sexualhormone gestört. In den Eierstöcken (Ovarien) bilden sich viele (griechisch: poly) Bläschen (Zysten) und die Konzentration an männlichen Hormonen im Blut der Frau ist erhöht. Dadurch haben die Frauen häufig Zyklusstörungen oder die Menstruation bleibt sogar ganz aus. Bei vielen Frauen führt die vermehrte Wirkung von männlichem Hormon zu Akne und unerwünschtem Haarwuchs im Gesicht, an Hals, Brust, Bauch oder Oberschenkeln. Bei den meisten Frauen mit PCO kann auch das Insulin im Körper nicht mehr wie vorgesehen wirken. Das kann wiederum hormonelle Veränderungen nach sich ziehen, die für die Unfruchtbarkeit der Frau mitverantwortlich sind. Verbessert sich durch die Einnahme von Metformin nun die Insulinwirkung, kann wieder ein Eisprung stattfinden und die Frau kann schwanger werden.

Frauen mit PCO, die nicht schwanger werden wollen, sollten bei einer Dauerbehandlung mit Metformin Verhütungsmittel anwenden. Diejenigen, die sich ein Kind wünschen, müssen ihren Zyklus sorgfältig beobachten, damit sie – wie andere Diabetikerinnen auch – bei einer Schwangerschaft so früh wie möglich zu einer Insulinbehandlung wechseln können.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Metformin scheint sich auf das heranwachsende Kind nicht negativ auszuwirken. Dennoch sollten Sie während der Schwangerschaft kein Metformin einnehmen, sondern den Diabetes besser mit Insulin behandeln. Über die Auswirkungen einer Behandlung mit Metformin in der Stillzeit gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Auch in dieser Zeit ist Insulin das sicherere Medikament.

Für ältere Menschen

Altersbedingt lässt die Nierenfunktion nach. Daher muss bei Personen über etwa 65 Jahre, die mit Metformin behandelt werden, regelmäßig die Nierenfunktion überprüft werden. Empfohlen werden diese Kontrolluntersuchungen alle drei bis sechs Monate. Verschlechtert sich die Nierenfunktion, muss Metformin niedriger dosiert oder sogar abgesetzt und durch eine andere Behandlung ersetzt werden. Dieser Hinweis ist für Personen besonders wichtig, die ihren Blutdruck mit Medikamenten senken, entwässernde Mittel einnehmen oder rheumatische Schmerzen mit nichtsteroidalen Antirheumatika behandeln. Diese Behandlungen können die Nierenfunktion beeinträchtigen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Hinweise für Menschen mit Diabetes zur Teilnahme am Straßenverkehr finden Sie unter Diabetes und Straßenverkehr.

Sie sehen nun nur noch Informationen zu: ${filtereditemslist}.

Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs