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Biguanid + Gliptin: Metformin + Vildagliptin (Kombination)

Wirkungsweise

Die blutzuckersenkende Wirkung des Biguanids Metformin und die des Gliptins Vildagliptin beruhen auf unterschiedlichen Mechanismen. Daher senkt die Kombination den Blutzuckerspiegel stärker ab als die Behandlung mit einem der beiden Wirkstoffe allein. Testergebnis Metformin + Vildagliptin

Eine Anwendung kann erwogen werden, wenn die Höchstdosis Metformin allein den Blutzucker nicht ausreichend senkt. Voraussetzung ist, dass die Dosierung der einzelnen Wirkstoffe in der Kombination den individuellen Erfordernissen des Behandelten entspricht. Unter diesen Bedingungen wird die festgelegte Kombination aus Metformin und Vildagliptin als "mit Einschränkung geeignet" beurteilt.

Der Grund hierfür ist, dass es keine Studien gibt, die belegen, dass Gliptine allein oder in der jeweiligen Kombination Folgeerkrankungen des Diabetes verhindern können. Die bisherigen Studien konnten für die Behandlung mit Gliptinen wie Vildagliptin keine günstigen Effekte auf Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall nachweisen. Eine Untersuchung, in der Vildagliptin in Kombination mit anderen blutzuckersenkenden Mitteln verabreicht wurde, erbringt sogar Hinweise, dass sich eine Herzschwäche eher entwickelt. Von 1 000 mit Vildagliptin behandelten Menschen mit Typ-2-Diabetes, die ein besonders hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten, wurden im Vergleich zu einer Kontrollbehandlung bei 7 weiteren Personen eine Herzschwäche festgestellt, die im Krankenhaus behandelt werden musste.

Näheres zur Wirkung der einzelnen Bestandteile lesen Sie unter Metformin und unter Vildagliptin.

Präparate aus zwei blutzuckersenkenden Wirkstoffen können darüber hinaus noch mit einem dritten Diabetesmedikament kombiniert werden. Wie weitere Zweifachkombinationen und die Dreierkombinationen zu beurteilen sind, lesen Sie unter Kombination mehrerer blutzuckersenkender Mittel zur Diabetesbehandlung.

Anwendung

Die Dosierung dieses Präparats richtet sich nach der vorherigen Behandlung mit Metformin beziehungsweise der bisherigen Dosierung von Metformin und Vildagliptin als Einzelpräparate.

Vor allem aufgrund des Metforminanteils in dem Präparat sollte bei Personen über 65 Jahre und solchen, deren Nierenfunktion vermindert ist, die Nierenfunktion mindestens halbjährlich kontrolliert werden. Bei deutlich gestörter Nierenfunktion sollte das Medikament abgesetzt werden.

Wenn die Präparate länger als ein Jahr angewendet werden, muss der Arzt darüber hinaus ein Blutbild machen, um auf eine Blutarmut durch Vitamin-B12-Mangel aufmerksam zu werden.

Achtung

Für die Gegenanzeigen und Wechselwirkungen gelten sowohl die Angaben von Metformin als auch die von Vildagliptin. Allerdings gilt eine Abweichung: Das Kombinationsmittel dürfen Sie bei unzureichender Nierenfunktion nicht einnehmen. Als Grenzwert gilt eine Kreatinin-Clearance von unter 60 Milliliter pro Minute (ml/min).

Nebenwirkungen

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Vor allem zu Beginn einer Behandlung mit Metformin kann es bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und einem metallischen Geschmack im Mund kommen. Diese Beschwerden legen sich meist nach einigen Wochen. Sie lassen sich verringern oder sogar vermeiden, wenn die Behandlung mit einer geringen Metformin-Dosierung begonnen wird. Werden die Beschwerden sehr unangenehm oder halten sie länger an, besprechen Sie das mit einem Arzt.

Bis zu 10 von 1 000 Behandelten werden schläfrig. Kopfschmerzen und Schwindel können bei 1 bis 10 von 100 Behandelten auftreten. In der Regel vergehen diese Beschwerden nach einiger Zeit von alleine.

Muss beobachtet werden

Einige Personen bekommen bei einer Dauerbehandlung mit Gliptinen wie Vildagliptin Infektionen der oberen Atemwege mit Halsschmerzen, Husten und Schnupfen sowie Harnwegsinfektionen. Sie sollten dann das weitere Vorgehen mit einem Arzt besprechen.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt und Sie ein Alternativmedikament benötigen.

Bei Beschwerden im Oberbauch, die länger als eine Woche anhalten oder schmerzhaft sind, sollten Sie zum Arzt gehen, damit er Magen und Bauchspeicheldrüse untersuchen kann.

1 bis 10 von 1 000 Behandelten können während der Behandlung mit einem Gliptin Gelenkschmerzen entwickeln. Diese sind teilweise so stark, dass sie die alltäglichen Aktivitäten beeinträchtigen. Solche Beschwerden sollten Sie dem Arzt mitteilen. Wahrscheinlich muss das Mittel abgesetzt werden.

Sofort zum Arzt

Die oben beschriebenen Hauterscheinungen können in sehr seltenen Fällen auch erste Anzeichen für andere sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arzneimittel sein. Meist entwickeln diese sich während der Anwendung des Mittels nach Tagen bis Wochen. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus und es bilden sich Blasen ("Syndrom der verbrühten Haut"). Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich sofort an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch lebensbedrohlich verschlimmern.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Durch den Bestandteil Metformin in den Kombinationsmitteln kann sich im Blut Milchsäure (Lactat) ansammeln. Eine solche Lactatazidose kommt zwar nur in Einzelfällen vor, ist aber lebensgefährlich. Von 100 000 Diabetikern, die ein Jahr lang Metformin einnehmen, entwickeln 3 bis 8 eine Lactatazidose. Die Hälfte von ihnen stirbt daran. Eine Lactatazidose durch Metformin tritt meist bei den Personen auf, die neben Diabetes noch eine weitere schwere Krankheit haben. Die Gefahr dieser unerwünschten Wirkung lässt sich deutlich verringern, wenn der Arzt genau beachtet, wann er kein Metformin verordnen darf, und wenn er in mindestens halbjährlichen Abständen die Funktion von Leber und Nieren überprüft. Auch akute Erkrankungen, bei denen der Körper große Mengen Flüssigkeit verliert, beispielsweise hohes Fieber, können eine Lactatazidose auslösen.

Die ersten Anzeichen einer solchen Übersäuerung ähneln den üblichen unerwünschten Wirkungen: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen. Werden sie jedoch stärker und kommen Kälteschauer, Schwindel, Schläfrigkeit, Muskelschmerzen, Kurzatmigkeit, Schwäche und Bewusstseinsstörungen hinzu, muss sofort der Notarzt gerufen werden. Sie müssen möglichst schnell ins Krankenhaus gebracht werden.

Bei anhaltenden, schweren, oftmals stechenden Schmerzen im Bauchraum, die gürtelförmig in den Rücken ausstrahlen können und in der Regel von Übelkeit und Erbrechen und/oder fettigem Stuhlgang begleitet sind, kann es sich um eine Bauchspeicheldrüsenentzündung handeln. Dann dürfen Sie das Mittel nicht mehr anwenden und müssen dringend einen Arzt aufsuchen.

Das Mittel kann die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind: eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen. Das tritt sehr selten auf.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollten Sie diese Kombinationsmittel nicht anwenden, sondern den Diabetes mit Insulin behandeln.

Bereits vor einer geplanten Schwangerschaft sollte der Blutzucker mit Insulin statt mit Tabletten eingestellt werden. Spätestens nachdem die Schwangerschaft festgestellt wurde, sollten Sie aber zu Insulin wechseln, um Ihre Gesundheit und die des Kindes zu schützen. Auch wenn sich erst im Laufe einer Schwangerschaft ein Diabetes zeigt (Gestationsdiabetes), ist Insulin in der Regel das Mittel der Wahl.

Im Einzelfall, z. B. wenn es sich um eine übergewichtige Patientin handelt, kann Metformin alleine als Alternative in Erwägung gezogen werden. Das gilt auch für die Stillzeit.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Über die Anwendung der Kombinationsmittel bei Kindern und Jugendlichen gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Sie sollten daher damit nicht behandelt werden.

Für ältere Menschen

Altersbedingt lässt die Nierenfunktion nach. Daher muss bei Personen über 65 Jahre regelmäßig die Nierenfunktion überprüft werden, wenn sie mit diesen Kombinationsmitteln behandelt werden. Bei Personen mit leichter Nierenfunktionsstörung ist eine solche Kontrolle etwa einmal jährlich ratsam, bei sich verschlechternder Nierenfunktion häufiger. Sinkt ein spezieller Nierenwert sehr weit ab (Kreatinin-Clearance unter 60 ml/min), muss das Medikament abgesetzt und eine andere Behandlung gefunden werden. Die Kontrolle der Nierenfunktion ist besonders wichtig für Personen, die ihren Blutdruck mit Medikamenten senken, entwässernde Mittel einnehmen oder Schmerzen mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) behandeln. Diese Medikamente können die Nierenfunktion beeinträchtigen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Vildagliptin, ein Bestandteil der Kombination, kann Schwindel und Schläfrigkeit verursachen. Bei diesen Reaktionen sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

Hinweise für Menschen mit Diabetes zur Teilnahme am Straßenverkehr finden Sie unter Diabetes und Straßenverkehr.

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