Medikamente im Test

Antidepressivum: Trazodon

Wirkungsweise

Trazodon gehört nicht zu den "klassischen" Antidepressiva, wird aber wie diese schon seit langer Zeit eingesetzt. Allerdings wird es bei Weitem nicht so häufig angewendet wie andere Antidepressiva.

Im Vergleich zu einer Scheinbehandlung verbessert Trazodon die Beschwerden bei mittelschwerer bis schwerer Depression eindeutig. Seine zweite Eigenschaft, dass es müde macht, kann man bei Depressionen mit innerer Unruhe und ausgeprägten Schlafstörungen ausnutzen. Allerdings ist nicht ausreichend untersucht, wie die Wirksamkeit von Trazodon im Vergleich zu anderen Antidepressiva mit ähnlichen Eigenschaften, z. B. Amitriptylin, Doxepin und Trimipramin, abschneidet.

Problematisch ist, dass die dämpfende Wirkung von Trazodon auch tagsüber anhält und dann das Kurzzeitgedächtnis, den Gleichgewichtssinn und die Muskelkraft beeinträchtigt. Darüber hinaus weist es noch eine Reihe weiterer unerwünschter Wirkungen auf.

Trazodon gilt als "mit Einschränkung geeignet" und wird vornehmlich dann gebraucht, wenn Depressionen mit hartnäckigen Schlafstörungen einhergehen und diese gelindert werden sollen.

Anwendung

Zur Behandlung von Depressionen werden in der Regel 200 bis 400 Milligramm Trazodon eingesetzt. Ansonsten gelten ähnliche Angaben wie bei den trizyklischen Antidepressiva.

Achtung

Es gibt Hinweise, dass Depressionsmittel die Bereitschaft, sich Schaden zuzufügen oder sich das Leben zu nehmen, verstärken können. Näheres hierzu lesen Sie unter Antidepressiva und Selbsttötung.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Trazodon nicht anwenden:

  • Sie haben ein Karzinoidsyndrom, bei dem sehr viel Serotonin produziert wird.
  • Sie nehmen einen MAO-Hemmer ein, z. B. Selegilin (bei Parkinsonkrankheit) oder Tranylcypromin (bei Depressionen), oder haben das in den vergangenen zwei Wochen getan.

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Trazodon nur anwenden, wenn der Arzt Nutzen und Risiken besonders sorgfältig abgewogen hat:

  • Sie haben Herzrhythmusstörungen, eine Herzschwäche oder hatten vor Kurzem einen Herzinfarkt.
  • Sie leiden an Epilepsie. Dann können bei einer Behandlung mit Trazodon vermehrt Krampfanfälle auftreten.
  • Die Funktion Ihrer Leber oder der Nieren ist eingeschränkt.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Ketoconazol (innerlich bei Pilzinfektionen), Fluoxetin (bei Depressionen) und Ritonavir (bei HIV-Infektion) verlangsamen den Abbau von Trazodon. Bei gemeinsamer Anwendung können sich die Wirkung und die Nebenwirkungen von Trazodon verstärken.
  • Trazodon und Phenothiazine wie Chlorpromazin (bei Schizophrenien und anderen Psychosen) verstärken gegenseitig ihre unerwünschte blutdrucksenkende Wirkung.
  • Trazodon kann die blutdrucksenkende Wirkung von Clonidin (bei hohem Blutdruck) abschwächen. Diese Arzneimittel sollten Sie nicht gleichzeitig anwenden.
  • Trazodon und andere Arzneimittel mit dämpfender Wirkung, z. B. Benzodiazepine (bei Angst-, Zwangs- und Schlafstörungen), können ihre dämpfende Wirkung gegenseitig verstärken.
  • Die gleichzeitige Anwendung von Trazodon und Thioridazin (bei Schizophrenien und anderen Psychosen) kann die Leberfunktion beeinflussen. Sie sollte daher regelmäßig überprüft werden.

Unbedingt beachten

Trazodon darf nicht gleichzeitig mit MAO-Hemmern wie Moclobemid und Tranylcypromin (bei Depressionen) sowie Rasagilin und Selegilin (bei Parkinsonkrankheit) angewendet werden. Diese sollten mindestens zwei Wochen vor Beginn der Einnahme von Trazodon abgesetzt worden sein. Umgekehrt dürfen MAO-Hemmer frühestens eine Woche nach dem Absetzen von Trazodon eingenommen werden.

Durch Trazodon kann Digoxin (bei Herzschwäche) stärker wirken. Dann können Herzrhythmusstörungen, Schwindel und Farbensehen auftreten. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel bei Herzschwäche: verstärkte Wirkung.

Trazodon sollte nicht gleichzeitig mit Antiarrhythmika oder Neuroleptika wie Pimozid (bei Schizophrenien und anderen Psychosen) eingenommen werden. Dabei können lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auftreten, die Torsade de pointes. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel bei Herzrhythmusstörungen: verstärkte Wirkung.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Alkohol und Trazodon verstärken gegenseitig ihre dämpfende Wirkung.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Etwa jeder Fünfte, der Trazodon einnimmt, empfindet seinen Mund als trocken und bemerkt Gleichgewichtsstörungen, Schwindel und Kopfschmerzen. Ebenso viele berichten von Übelkeit und anderen Magen-Darm-Beschwerden. Ein Viertel klagt über große Müdigkeit. Reagieren Sie mit auffallender Müdigkeit, hilft es, die Hauptdosis zur Nacht zu nehmen.

Muss beobachtet werden

Bei 1 bis 10 von 100 Anwendern kann sich die Herzschlagfrequenz ändern und der Blutdruck kann absinken. Dann kann Ihnen schwindlig und schwarz vor Augen werden.

Bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten kann der Blutdruck aber auch gefährlich ansteigen. Dann treten Händezittern, Herzrasen, Schwitzen und Sehstörungen auf. Von diesen Beschwerden sollten Sie dem Arzt beim nächsten Besuch berichten. Eventuell müssen der Blutdruck gemessen und ein EKG gemacht werden.

Wenn Sie grippeartige Beschwerden haben, sich längere Zeit abgeschlagen und müde fühlen und Halsschmerzen und Fieber auftreten, kann es sich um eine Blutbildungsstörung handeln. Sie tritt nur vereinzelt auf, kann aber bedrohlich werden. Sie müssen dann umgehend einen Arzt aufsuchen und das Blutbild kontrollieren lassen.

In Einzelfällen kann die Leberfunktion so gestört sein, dass sich die Gallenflüssigkeit staut (cholestatische Hepatose). Treten Übelkeit, Erbrechen und/oder dunkel gefärbter Urin auf und ist der Stuhl auffällig hell, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Menschen, die zu Krampfanfällen neigen, können bei der Behandlung mit Trazodon einen epileptischen Anfall bekommen. Dann sollten Sie sofort einen Arzt rufen.

Bei Männern kann es zu schmerzhaften Dauererektionen (Priapismus) kommen. Das trifft 1 bis 10 von 10 000 Männern. In dieser Situation müssen Sie rasch einen Arzt rufen. Wird die Dauererektion nicht behoben, kann das innere Penisgewebe absterben und die Erektionsfähigkeit verloren gehen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Über die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Sie sollten nicht mit Trazodon behandelt werden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Über die Anwendung von Trazodon in der Schwangerschaft liegen keine ausreichenden Erkenntnisse vor. Sie sollten das Mittel nur einnehmen, wenn der Arzt es für unbedingt erforderlich hält.

In der Stillzeit wird die Anwendung von Trazodon nicht empfohlen. Ist die Behandlung unvermeidbar, sollten Sie abstillen.

Für ältere Menschen

Ältere Menschen können in der Regel mit einer niedrigeren Dosis behandelt werden. Diese sollten sie aber nicht auf einmal einnehmen, sondern über den Tag verteilt.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Aufgrund der beschriebenen unerwünschten Wirkungen können die Mittel die Reaktionsfähigkeit dämpfen. Sie sollten deshalb nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs