Medikamente im Test

Antidepressivum: Tranylcypromin

Wirkungsweise

Tranylcypromin ist ein antidepressiv wirkender Stoff, der zur Gruppe der MAO-Hemmer gehört. Diese Substanzen bremsen die Aktivität einer Enzymgruppe, der Monoaminoxidasen (MAO). Diese Enzyme bauen die wichtigsten Botenstoffe im zentralen Nervensystem ab. Wird der Abbau gehemmt, wirken diese Überträgerstoffe länger und stärker. Da man davon ausgeht, dass psychische Störungen mit einer veränderten Konzentration der Botenstoffe im zentralen Nervensystem einhergehen, kann sich so die Wirkung dieser Medikamente auf Depressionen erklären.

Von den Enzymen gibt es zwei Versionen: Monoaminoxidase A und B (MAO-A und MAO-B). Moclobemid hemmt vornehmlich die Monoaminoxidase A; diese Hemmung kann wieder aufgehoben werden. Tranylcypromin hingegen hemmt beide Enzymarten und diese Hemmung lässt sich nicht wieder aufheben. Diese Eigenschaften wirken sich darauf aus, wie häufig die jeweilige Substanz bedenkliche unerwünschte Wirkungen verursacht, wenn bestimmte Ernährungsregeln nicht eingehalten werden. Falls diese nicht eingehalten werden, hat das bei Tranylcypromin deutlich spürbare Folgen.

Tranylcypromin eignet sich für Depression mit Antriebshemmung. Da der Wirkstoff aber beide Enzymarten irreversibel blockiert, gibt es ausgeprägte Wechselwirkungen mit Lebensmitteln. Diese Enzymblockade hält noch drei bis fünf Tage nach dem Absetzen des Medikaments an. Werden diese Wechselwirkungen nicht beachtet, können schwere Nebenwirkungen die Folge sein. Diese Einschränkungen strikt zu befolgen, kann die Lebensqualität des Betroffenen deutlich beeinträchtigen. Aus diesem Grund wird Tranylcypromin als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.

Anwendung

Die Behandlung mit Antidepressiva beginnt mit einer niedrigen Dosis, die im Abstand von Tagen oder Wochen langsam gesteigert wird. Auf diese Weise gewöhnt sich der Körper an das Medikament und die anfangs oft störenden unerwünschten Wirkungen sind weniger belastend.

Da Tranylcypromin eine aktivierende Wirkung haben kann, sollten Sie die letzte Dosis am Tag nicht nach 15 Uhr am Nachmittag einnehmen, um Schlafstörungen in der Nacht zu vermeiden.

Mit der Einnahme von Tranylcypromin können bereits nach einer Woche Aktivität und Antriebskraft wiederkehren. Eine stimmungsaufhellende Wirkung wird nach ein bis drei Wochen spürbar. Nach vier bis sechs Wochen sollten die depressiven Symptome deutlich gemildert sein. Die Behandlung dauert in der Regel ein halbes Jahr. Um sie zu beenden, wird die Medikamentendosis langsam reduziert. Um wie viel und über welchen Zeitraum hinweg, richtet sich danach, ob der depressionsfreie Zustand stabil bleibt. Werden die Wirkstoffe entgegen dieser Empfehlung abrupt abgesetzt, können sich typische Entzugserscheinungen entwickeln: Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen, Schlaflosigkeit, Nervosität, Kopfschmerzen, Erregtheit, Angst.

Bei einer länger dauernden Therapie können die Wirkstoffe die Leberfunktion beeinträchtigen. Daher sollte der Arzt regelmäßig die Leberfunktion kontrollieren – insbesondere bei älteren Menschen.

Achtung

Es gibt Hinweise, dass Depressionsmittel die Bereitschaft, sich Schaden zuzufügen oder das Leben zu nehmen, verstärken können. Näheres hierzu lesen Sie unter Antidepressiva und Selbsttötung.

Nach dem Ende einer Behandlung mit Tranylcypromin können Angst, Unruhe, Schlaflosigkeit, Benommenheit, Halluzinationen und Delirien auftreten. Hierbei kann es sich um Symptome handeln, die ihre Ursache in dem abgesetzten Wirkstoff haben, es können aber auch Zeichen einer wiederkehrenden Depression sein.

Mindestens zwei Wochen vor einer Narkose darf kein Tranylcypromin mehr eingenommen worden sein. Bei einem notfallmäßigen Eingriff sollte der Arzt darauf hingewiesen werden, dass der Betroffene mit Tranylcypromin behandelt wird.

Gegenanzeigen

Bei der Behandlung mit Tranylcypromin dürfen Sie eine Reihe von anderen Arzneimitteln nicht gleichzeitig einnehmen oder nur, wenn besondere Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden. Diese Kombinationen sind unter Wechselwirkungen angegeben.

Tranylcypromin dürfen Sie unter folgenden Bedingungen nicht anwenden:

  • Sie haben ein Phäochromozytom, eine Erkrankung des Nebennierenmarks.
  • Sie haben eine schwer verlaufende Hochdruckerkrankung, bei der der Blutdruck sehr hoch ansteigt (maligne Hypertonie).
  • Die Blutgefäße des Gehirns oder des Herzens sind geschädigt (z. B. Gefäßerkrankungen im Gehirn, Angina Pectoris).
  • Sie haben einen schweren Leber- oder Nierenschaden.
  • Sie leiden an Diabetes insipidus, einer Erkrankung einer Drüse im Gehirn, die mit großem Durst und der Ausscheidung von sehr großen Mengen Wasser verbunden ist.
  • Sie haben eine Porphyrie, eine Stoffwechselerkrankung, die die Blutbildung betrifft.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Tranylcypromin besonders sorgfältig abwägen:

  • Ihr Blutdruck ist erhöht oder zu niedrig.
  • Sie leiden an Epilepsie oder haben eine erhöhte Krampfneigung.
  • Sie haben eine Überfunktion der Schilddrüse.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

Tranylcypromin kann bei gemeinsamer Anwendung mit Atomoxetin (bei ADHS) oder Reserpin (bei hohem Blutdruck) den Blutdruck stark ansteigen lassen (Hochdruckkrise). Außerdem sind Herzrhythmusstörungen zu befürchten.

Unbedingt beachten

Dieses Depressionsmittel darf nicht gleichzeitig mit Sympathomimetika wie Etilefrin oder Midodrin (bei niedrigem Blutdruck), Xylometazolin (bei Schnupfen), Ephedrin oder Phenylephrin (in Husten- und Grippemitteln) angewendet werden. Andernfalls kann der Blutdruck gefährlich ansteigen.

Während einer Behandlung mit Tranylcypromin dürfen Sie die nachfolgend genannten Arzneistoffe keinesfalls einnehmen.

  • SSRI wie Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin oder Paroxetin, SNRI wie Duloxetin oder Venlafaxin (bei Angst- und Zwangsstörungen, Depressionen) sowie Clomipramin und Imipramin (bei Depressionen). Zwischen der Einnahme von MAO-Hemmern und diesen Mitteln müssen bestimmte Zeitabstände eingehalten werden. Eine Behandlung mit Tranylcypromin muss beispielsweise zwei Wochen beendet sein, bevor eine Therapie mit Fluoxetin begonnen werden darf. Umgekehrt darf eine Therapie mit Tranylcypromin erst fünf Wochen nach dem Ende einer Behandlung mit Fluoxetin begonnen werden. Werden diese Zeitabstände nicht eingehalten, kann sich ein Serotonin-Syndrom mit Erregungszuständen, Bewusstseinstrübung, Muskelzittern und -zucken sowie Blutdruckabfall entwickeln. Dieses ist lebensbedrohlich, wenn die Atemmuskulatur verkrampft. Auch wenn verschiedene MAO-Hemmer kombiniert eingesetzt werden und wenn sie gemeinsam mit Wirkstoffen wie Linezolid (bei bakteriellen Infektionen) eingenommen werden, ist eine solche Wechselwirkung möglich.
  • Tryptophan (bei Schlafstörungen), Triptane (bei Migräne), Tramadol, Fentanyl und Pethidin (alle bei Schmerzen) und Buspiron (bei Angststörungen). Vor Einnahme dieser Medikamente müssen MAO-Hemmer ebenfalls mindestens 14 Tage abgesetzt worden sein.

Des Weiteren darf Tranylcypromin mit Dextromethorphan (bei Husten, in Erkältungsmitteln) nicht kombiniert werden, da die Kombination dieser beiden Medikamente zu Psychosen und bizarrem Verhalten führen kann.

Tranylcypromin darf nicht gleichzeitig mit Disulfiram (zur Alkoholentwöhnung) eingenommen werden.

Bei der gleichzeitigen Anwendung mit Bupropion (bei Depressionen, zur Tabakentwöhnung) können sich dessen Nebenwirkungen verstärken. Das erhöht das Risiko für Krampfanfälle.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Lebensmittel enthalten Amine. Eines davon trägt den Namen Tyramin. Im menschlichen Körper wird Tyramin, wie viele andere Amine auch, durch das Enzym MAO abgebaut. Arzneimittel, die das Enzym MAO hemmen, blockieren den Abbau von Tyramin. Dann reichert es sich im Körper an und kann unangenehme Wirkungen haben. Je nach Tyraminkonzentration reichen die Auswirkungen von ansteigendem Blutdruck bis zur akuten Hochdruckkrise und Hirnblutungen.

Bei einer Behandlung mit Tranylcypromin ist das Risiko von Wechselwirkungen mit Lebensmitteln deutlich erhöht und auch größer als bei dem chemisch ähnlichen Wirkstoff Moclobemid. Tyraminreiche Nahrungsmittel sollten einen Tag vor der Behandlung, währenddessen und bis zwei Wochen nach ihrem Ende unbedingt gemieden werden. Das bedeutet den weitgehenden Verzicht auf viele Käsesorten, Innereien, Salami, salzkonservierten und geräucherten Fisch, vergorene Produkte, solche, die mithilfe von Hefen hergestellt werden, sehr reife Früchte und die meisten Fertigprodukte (insbesondere Tütensuppen).

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Etwa 1 von 100 Behandelten klagt über einen trockenen Mund, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel und Schlafstörungen. Außerdem schwitzen manche auch vermehrt.

Muss beobachtet werden

Wenn Sie Verwirrtheitszustände, innere Unruhe und Erregung bemerken, sollten Sie sich mit dem Arzt in Verbindung setzen.

Wenn sich die Haut verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf den Wirkstoff. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Tranylcypromin kann die Leber schädigen. Treten Übelkeit, Erbrechen und/oder dunkel gefärbter Urin auf und ist der Stuhl auffällig hell, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wenn Sie grippeartige Beschwerden haben, sich längere Zeit abgeschlagen und müde fühlen, kann es sich in Einzelfällen um eine Blutbildungsstörung handeln, die bedrohlich werden kann. Dann sollten Sie einen Arzt aufsuchen und das Blutbild kontrollieren lassen.

Sofort zum Arzt

Wenn eine Schizophrenie mit depressiven Episoden mit einem MAO-Hemmer behandelt wird, kann die medikamentös kontrollierte Schizophrenie wieder ausbrechen. Darüber muss der Arzt informiert werden. Die Behandlung mit dem Schizophreniemittel sollte unbedingt fortgeführt werden.

Anhaltendes Herzrasen, ein gerötetes Gesicht, heftige Kopfschmerzen, ein steifer Nacken, Übelkeit, Erbrechen und Lichtscheu können eine bedrohliche Blutdrucksteigerung anzeigen. Bei derartigen Symptomen sollten Sie sich sofort mit einem Arzt in Verbindung setzen.

Wenn sich Ihre Stimmung auffallend verändert, Sie unnatürlich ausgelassen, erregt oder umtriebig sind, vielleicht sogar Wahnvorstellungen bemerken, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Über die Anwendung von Tranylcypromin bei Kindern und Jugendlichen gibt es keine Erkenntnisse. Sie dürfen mit diesem Wirkstoff nicht behandelt werden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Über die Anwendung in der Schwangerschaft gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Tranylcypromin sollte daher nicht angewendet werden.

Wenn Sie Tranylcypromin einnehmen müssen, sollten Sie möglichst nicht stillen. Das Stillen eines gesunden, reif geborenen Säuglings ist unter Vorbehalt akzeptabel, wenn er sorgfältig beobachtet wird. Wenn das Kind sehr schläfrig oder unruhig ist oder schlecht trinkt, sollten Sie sich an einen Kinderarzt wenden.

Für ältere Menschen

Tranylcypromin ist für ältere Menschen eher unangebracht. Bei ihnen können verstärkt Nebenwirkungen auftreten. Näheres hierzu lesen Sie in der Einleitung unter Hinweise für ältere Menschen.

Wenn es angewendet wird, sollte Tranylcypromin so gering wie möglich dosiert werden und die Dosissteigerung zu Beginn der Behandlung besonders langsam erfolgen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Tranylcypromin kann die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Sie sollten deshalb zumindest während der ersten Tage der Behandlung nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs