Medikamente im Test

Antidepressivum: Tianeptin

Wirkungsweise

Von seinem chemischen Aufbau her gehört Tianeptin eigentlich zu den trizyklischen Antidepressiva. Sein Wirkmechanismus ist zwar noch weitgehend unklar, scheint sich von den trizyklischen Antidepressiva aber erheblich zu unterscheiden.

Tianeptin scheint bei Depressionen ähnlich wirksam zu sein wie trizyklische Antidepressiva und SSRI. Ob es aber wirklich gleichwertig ist, ist nicht ausreichend belegt. Auch im Vergleich zur Scheinbehandlung sollte seine therapeutische Wirksamkeit bei mittelschweren bis schweren Depressionen noch besser nachgewiesen werden. Tianeptin scheint weniger unangenehme Nebenwirkungen zu haben als andere Antidepressiva. Diesem Vorteil steht als Nachteil aber möglicherweise ein Abhängigkeitspotenzial gegenüber.

Derzeit lässt sich der Stellenwert von Tianeptin im Spektrum der antidepressiven Medikamente nicht bestimmen. Es wird daher als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.

Anwendung

Tianeptin sollte dreimal täglich jeweils vor den Mahlzeiten eingenommen werden. Zum Behandlungsende sollte die Dosis des Mittels im Verlauf von 7 bis 14 Tagen nach und nach verringert werden.

Achtung

Es gibt Hinweise, dass Depressionsmittel die Bereitschaft, sich Schaden zuzufügen oder sich das Leben zu nehmen, verstärken können. Näheres hierzu lesen Sie unter Antidepressiva und Selbsttötung.

Gegenanzeigen

Sie dürfen Tianeptin keinesfalls einnehmen, wenn Sie gleichzeitig mit MAO-Hemmern (z. B. Tranylcypromin bei Depressionen) behandelt werden. Eine solche Kombination kann das lebensbedrohliche Serotonin-Syndrom auslösen mit Erregungszuständen, Bewusstseinstrübung, Muskelzittern und -zucken sowie Blutdruckabfall.

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Tianeptin nur anwenden, wenn der Arzt Nutzen und Risiken besonders sorgfältig abgewogen hat:

  • Sie tragen sich mit dem Gedanken an eine Selbsttötung oder haben sogar schon einmal einen entsprechenden Versuch gemacht.
  • Sie waren einmal von Alkohol oder Drogen abhängig. Einige Personen haben die Dosis von Tianeptin deutlich gesteigert. Das legt nahe, dass das Medikament ein gewisses Risiko für die Entwicklung einer Abhängigkeit birgt.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Unbedingt beachten

Die gleichzeitige Anwendung von trizyklischen Antidepressiva und MAO-Hemmern birgt das Risiko eines lebensbedrohlichen Serotonin-Syndroms mit Erregungszuständen, Bewusstseinstrübung, Muskelzittern und -zucken sowie Blutdruckabfall. Soll nach einer Behandlung mit dem MAO-Hemmer Tranylcypromin (bei Depressionen) auf Tianeptin umgestellt werden, muss der MAO-Hemmer abgesetzt und ein Abstand von mindestens 14 Tagen eingehalten werden. Nach der Behandlung mit Moclobemid (bei Depressionen) genügt ein Abstand von einem Tag.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Alkohol verringert die Aufnahme von Tianeptin in den Körper. Deshalb sollten Sie auf Alkohol verzichten.

Nebenwirkungen

Die nachfolgenden unerwünschten Wirkungen verringern sich meist oder verschwinden ganz, wenn sich der Körper an das Medikament gewöhnt hat.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten treten Hitzewallungen auf, was sich durch plötzliche Hautrötung und Schwitzen äußern kann. Ebenso viele empfinden sich als "ausgedörrt": Ein trockener Mund macht vor allem denjenigen zu schaffen, die eine Zahnprothese tragen.

Es können Verdauungsbeschwerden auftreten und der Appetit kann abnehmen.

Bis zu 10 von 100 Behandelten bemerken Kopf-, Rücken- oder Muskelschmerzen oder fühlen sich kraftlos. Ebenso viele berichten über Schlafprobleme.

Muss beobachtet werden

Manche Behandelte sehen in der Nähe schlechter, weil sich die Augen nicht mehr so gut den unterschiedlichen Sehabständen anpassen, und sie reagieren empfindlich auf Blendung. Gefährliche Arbeiten oder das Führen von Fahrzeugen sollten Sie dann unterlassen und sich an einen Arzt wenden.

Herzrasen, Atemnot, Zittern oder Brustschmerzen bemerken bis zu 10 von 100 Behandelten. Von diesen Beschwerden sollten Sie dem Arzt beim nächsten Besuch berichten; eventuell macht er dann ein EKG.

Das Mittel kann in seltenen Fällen abhängig machen. Wenn Sie die Dosis eigenmächtig steigern, kann dies ein Zeichen dafür sein. Besprechen Sie das mit Ihrem Arzt.

Wenn die Haut sich rötet, juckt und sich Bläschen bilden, reagieren sie vermutlich allergisch auf den Wirkstoff. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Zur Behandlung von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren hat Tianeptin keinen nachgewiesenen therapeutischen Nutzen und sollte daher nicht eingesetzt werden. Bei ihnen sind in erster Linie psychotherapeutische Verfahren die Therapie der Wahl.

Studien ergaben, dass insbesondere Kinder und Jugendliche beziehungsweise junge Erwachsene unter 25 Jahren nach der Einnahme von Tianeptin vermehrt zu Suizidgedanken und -versuch sowie Feindseligkeit (vorwiegend Aggression, oppositionelles Verhalten und Wut) neigten.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Wenn Sie schwanger sind und eine Depression medikamentös behandelt werden muss, sind Antidepressiva, mit denen mehr Erfahrungen bei Schwangeren vorliegen als mit Tianeptin, Mittel der Wahl. Aus der Gruppe der trizyklischen Antidepressiva sind dies Amitriptylin, Desipramin und Imipramin. Haben Sie das Antidepressivum bis zur Geburt eingenommen, sollten Sie in einer Klinik entbinden, in der man auf eventuelle Störungen beim Neugeborenen reagieren kann.

Auch während der Stillzeit sollten Antidepressiva, mit denen mehr Erfahrungen vorliegen, zum Einsatz kommen.

Für ältere Menschen

Personen über 70 Jahre sollten pro Tag nur zwei Tabletten Tianeptin, insgesamt also 25 Milligramm, einnehmen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Tianeptin kann Sehstörungen verursachen und die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Sie sollten deshalb zu Beginn der Behandlung, bei Dosiserhöhungen und Kombinationen mit anderen dämpfenden Substanzen kein Fahrzeug lenken, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs