Medikamente im Test

Antidepressivum: Moclobemid

Wirkungsweise

Moclobemid wirkt gegen Depressionen. Der Wirkstoff gehört in die Gruppe der MAO-Hemmer. Diese Substanzen bremsen die Aktivität einer Enzymklasse, der Monoaminoxidasen (MAO). Diese Enzyme bauen die wichtigsten Botenstoffe im zentralen Nervensystem ab. Wird der Abbau gehemmt, wirken diese Überträgerstoffe länger und stärker. Da man davon ausgeht, dass psychische Störungen mit einer veränderten Konzentration der Botenstoffe im zentralen Nervensystem einhergehen, kann sich so die Wirkung dieser Medikamente auf Depressionen erklären.

Von den Enzymen gibt es zwei Versionen: Monoaminoxidase A und B (MAO-A und MAO-B). Moclobemid hemmt vornehmlich die Monoaminoxidase A; diese Hemmung kann wieder aufgehoben werden. Aufgrund dieser Eigenschaften ist bei der Behandlung mit Moclobemid das Risiko vermehrter unerwünschter Wirkungen durch tyraminreiche Nahrungsbestandteile im Vergleich zu Monoaminoxidasehemmern wie Tranylcypromin geringer (siehe Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken).

Moclobemid wirkt vor allem bei schweren Depressionen etwas schwächer als trizyklische Antidepressiva. Dafür scheint es oft gut wirksam zu sein, wenn eine Depression chronisch verläuft und mit vermehrtem Schlafbedürfnis, gesteigertem Appetit, Stimmungsschwankungen und Empfindlichkeit einhergeht. Moclobemid wirkt nicht dämpfend und macht nicht müde.

Moclobemid wird als "auch geeignet" bewertet und kann eingesetzt werden, wenn bei einer Depression mit Antriebshemmung als "geeignet" beurteilte Wirkstoffe aus der Gruppe der trizyklischen Antidepressiva, wie Desipramin, nicht eingesetzt werden können oder nicht ausreichend wirksam waren. Allerdings muss sichergestellt sein, dass die notwendigen Ernährungseinschränkungen beachtet werden.

Anwendung

Die Behandlung mit Antidepressiva beginnt mit einer niedrigen Dosis, die im Abstand von Tagen oder Wochen langsam gesteigert wird. Auf diese Weise gewöhnt sich der Körper an das Medikament und die anfangs oft störenden unerwünschten Wirkungen sind weniger belastend.

Der empfohlene Dosisbereich liegt zwischen 300 und 600 Milligramm Moclobemid.

Bereits nach einer Woche können Aktivität und Antriebskraft wiederkehren und der Schlaf kann sich bessern. Die stimmungsaufhellende Wirkung wird nach ein bis drei Wochen spürbar. Nach vier bis sechs Wochen sollten die depressiven Symptome deutlich gemildert sein. Die Behandlung dauert in der Regel ein halbes Jahr. Um sie zu beenden, wird die Medikamentendosis langsam reduziert. Um wie viel und über welchen Zeitraum hinweg, richtet sich danach, ob der depressionsfreie Zustand stabil bleibt. Werden die Wirkstoffe entgegen dieser Empfehlung abrupt abgesetzt, können sich typische Entzugserscheinungen entwickeln: Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen, Schlaflosigkeit, Nervosität, Kopfschmerzen, Erregtheit, Angst.

Moclobemid kann die Leberfunktion beeinträchtigen. Ist diese bereits eingeschränkt, muss die Dosis des Mittels auf die Hälfte oder ein Drittel der üblichen Dosierung gesenkt werden.

Achtung

Es gibt Hinweise, dass Depressionsmittel die Bereitschaft, sich Schaden zuzufügen oder das Leben zu nehmen, verstärken können. Näheres hierzu lesen Sie unter Antidepressiva und Selbsttötung.

Gegenanzeigen

Bei der Behandlung mit Moclobemid dürfen Sie eine Reihe von anderen Arzneimitteln nicht gleichzeitig einnehmen oder nur, wenn besondere Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden. Diese Kombinationen sind unter Wechselwirkungen angegeben.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Moclobemid besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie haben eine Überfunktion der Schilddrüse.
  • Sie haben ein Phäochromozytom, eine Erkrankung des Nebennierenmarks.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Unbedingt beachten

Dieses Depressionsmittel darf nicht gleichzeitig mit Sympathomimetika wie Etilefrin oder Midodrin (bei niedrigem Blutdruck), Xylometazolin (bei Schnupfen), Ephedrin oder Phenylephrin (in Husten- und Grippemitteln) angewendet werden. Andernfalls kann der Blutdruck gefährlich ansteigen.

Vor einer Moclobemidbehandlung muss der Arzt Nutzen und Risiken einer kombinierten Anwendung mit den folgenden Medikamenten besonders sorgfältig abwägen:

  • SSRI wie Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin oder Paroxetin, SNRI wie Duloxetin oder Venlafaxin (bei Angst- und Zwangsstörungen, Depressionen) sowie Clomipramin und Imipramin (bei Depressionen): Zwischen der Einnahme von MAO-Hemmern und diesen Mitteln müssen bestimmte Zeitabstände eingehalten werden. Es kann sich ein Serotonin-Syndrom mit Erregungszuständen, Bewusstseinstrübung, Muskelzittern und -zucken sowie Blutdruckabfall entwickeln. Wenn derartige Beschwerden auftreten, muss ein Arzt aufgesucht werden.
  • Triptane (bei Migräne), Tramadol, Fentanyl und Pethidin (alle bei Schmerzen): Die Mittel dürfen nicht gemeinsam mit Moclobemid angewendet werden. Es besteht ein erhöhtes Risiko für ein Serotonin-Syndrom mit einem deutlichen Blutdruckabfall.
  • Das gilt auch wenn Moclobemid zusammen mit Selegilin (bei Parkinsonkrankheit) oder Linezolid (bei bakteriellen Infektionen) eingenommen wird.

Des Weiteren muss der Behandelte aufmerksam beobachtet werden, wenn Moclobemid mit Dextromethorphan (bei Husten, in Erkältungsmitteln) kombiniert wird. Eine Kombination dieser beiden Medikamente kann zu Psychosen und bizarrem Verhalten führen.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Lebensmittel enthalten Amine. Eines davon trägt den Namen Tyramin. Im menschlichen Körper wird Tyramin, wie viele andere Amine auch, durch das Enzym MAO abgebaut. Arzneimittel, die das Enzym MAO hemmen, blockieren den Abbau von Tyramin. Dann reichert es sich im Körper an und kann unangenehme Wirkungen haben. Je nach Tyraminkonzentration reichen die Auswirkungen von ansteigendem Blutdruck bis zur akuten Hochdruckkrise und Hirnblutungen.

Das Risiko unerwünschter Wirkungen durch tyraminreiche Lebensmittel ist bei einer Behandlung mit Moclobemid normalerweise gering. Dennoch sollte vorsorglich auf den Konsum von Rotwein, Hefeprodukten – diese können auch in Tütensuppen und Müsliriegeln enthalten sein – und altem, sehr reifem Käse verzichtet werden.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Etwa 10 von 100 Behandelten klagen über einen trockenen Mund, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel und Schlafstörungen. Außerdem schwitzen sie vermehrt.

Muss beobachtet werden

Wenn Sie Verwirrtheitszustände, innere Unruhe und Erregung bemerken, sollten Sie sich mit dem Arzt in Verbindung setzen.

Wenn sich die Haut verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf den Wirkstoff. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Wenn eine Schizophrenie mit depressiven Episoden mit einem MAO-Hemmer behandelt wird, kann die medikamentös kontrollierte Schizophrenie wieder ausbrechen. Darüber muss der Arzt informiert werden. Die Behandlung mit dem Schizophreniemittel sollte unbedingt fortgeführt werden.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Über die Anwendung von Moclobemid bei Kindern und Jugendlichen gibt es keine Erkenntnisse. Sie dürfen mit diesen Wirkstoffen nicht behandelt werden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Über die Anwendung in der Schwangerschaft gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Moclobemid sollte in dieser Zeit nur eingesetzt werden, wenn es unbedingt notwendig ist.

Wenn Sie Moclobemid einnehmen müssen, sollten Sie möglichst nicht stillen. Das Stillen eines gesunden, reif geborenen Kindes ist unter Vorbehalt akzeptabel, wenn es sorgfältig beobachtet wird. Wenn das Kind sehr schläfrig oder unruhig ist oder schlecht trinkt, sollten Sie sich an einen Kinderarzt wenden.

Für ältere Menschen

Der Wirkstoff ist für diese Altersgruppe besonders gut geeignet, vor allem, wenn eine gehemmte oder apathische Form der Depression vorliegt. Blasenstörungen werden durch Moclobemid viel seltener verursacht als durch andere antidepressive Wirkstoffe wie etwa trizyklische Antidepressiva.

Moclobemid sollte so gering wie möglich dosiert werden und die Dosissteigerung zu Beginn der Behandlung besonders langsam erfolgen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Moclobemid beeinträchtigt die Verkehrstauglichkeit in der Regel nicht. Zu Behandlungsbeginn sind aber individuelle Reaktionen auf das Mittel möglich und zu beachten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs