Medikamente im Test

Antidepressivum: Mianserin

Wirkungsweise

Mianserin wirkt antidepressiv und zusätzlich ausgeprägt dämpfend. Es lässt sich bei einer Depression einsetzen, bei der Unruhe und Schlafstörungen im Vordergrund stehen.

Mianserin gehört zur Gruppe der tetrazyklischen Antidepressiva. Dieser Gruppenname kennzeichnet den chemischen Aufbau: Das Molekül besteht aus vier (griechisch: tetra) Ringen (griechisch: zyklus). Mit dieser Bezeichnung wird die Substanz zugleich in Beziehung gesetzt zu den "klassischen", den trizyklischen Antidepressiva, deren Molekül aus drei Ringen besteht.

Mianserin wird als "mit Einschränkung geeignet" bewertet, da es im Vergleich zu anderen Antidepressiva mit einem erhöhten Risiko für schwere Blutbildungsstörungen belastet ist.

Anwendung

Es gelten die gleichen Angaben wie bei den trizyklischen Antidepressiva.

Ist die Tätigkeit Ihrer Nieren oder der Leber eingeschränkt, muss der Arzt die Dosierung des Antidepressivums entsprechend verringern.

Bereits vor einer geplanten Behandlung sollte das Blutbild untersucht werden. Währenddessen sollte das regelmäßig wiederholt werden. Sinken die weißen Blutkörperchen auf einen Wert unter 3 000/Mikroliter ab, muss das Mittel abgesetzt werden.

Außerdem sollte ein EKG gemacht werden, um den Zustand des Herzens zu dokumentieren und herauszufinden, ob sich eine Behandlung mit diesem Wirkstoff aufgrund seiner unerwünschten Wirkungen nicht gänzlich verbietet.

Achtung

Es gibt Hinweise, dass Depressionsmittel die Bereitschaft, sich Schaden zuzufügen oder sich das Leben zu nehmen, verstärken können. Näheres hierzu lesen Sie unter Antidepressiva und Selbsttötung.

Gegenanzeigen

Sie dürfen dieses Antidepressivum nicht anwenden, wenn Sie einen MAO-Hemmer (z. B. Tranylcypromin bei Depressionen) einnehmen oder das in den vergangenen 14 Tagen getan haben.

Bei schweren Lebererkrankungen dürfen Sie Mianserin nicht anwenden.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken besonders sorgfältig abwägen:

  • Bei Ihnen kommen Krampfanfälle vor.
  • Sie haben eine Herzerkrankung, bei der die Steuerung des Herzschlags gestört ist.
  • Ihre Prostata ist vergrößert.
  • Sie haben ein Engwinkelglaukom (grüner Star).
  • Bei Ihnen liegt eine Psychose oder eine Manie vor.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

Bei der gemeinsamen Anwendung mit Carbamazepin, Phenobarbital oder Phenytoin (alle bei Epilepsien) können sich der Blutspiegel und die Ausscheidung von Mianserin erhöhen. Daher muss zu Beginn einer Epilepsiebehandlung mit einem dieser Wirkstoffe die Dosierung von Mianserin gegebenenfalls angepasst werden.

Unbedingt beachten

Bei gleichzeitiger Anwendung dieses Antidepressivum mit MAO-Hemmern (z. B. Tranylcypromin bei Depressionen) kann es zu dem potenziell lebensbedrohlichen Serotonin-Syndrom mit Erregungszuständen, Bewusstseinstrübung, Muskelzittern und -zucken sowie Blutdruckabfall kommen. Die Behandlung mit einem MAO-Hemmer muss vor mindestens 14 Tagen beendet worden sein, bevor Mianserin eingesetzt werden darf.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Alkohol und dieses Antidepressivum verstärken gegenseitig ihre dämpfende Wirkung.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Der Mund ist trocken. Sie fühlen sich müde und schläfrig. Während der Behandlung können zudem Schwindel und Erbrechen auftreten.

Bei etwa 1 von 100 sinkt der Blutdruck ab. Wer dann zu schnell aufsteht, dem kann schwarz vor Augen werden.

Muss beobachtet werden

Der Blutdruck kann auch gefährlich ansteigen statt abzusinken. Händezittern, Herzrasen und Schwitzen können selten vorkommen. Von diesen Beschwerden sollten Sie dem Arzt beim nächsten Besuch berichten; eventuell macht er dann ein EKG.

Bei Rücken- und Muskelschmerzen und Gelenkbeschwerden sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Das gilt auch, wenn Sie unwillkürliche Muskelzuckungen und Muskelzittern feststellen.

Die Haut kann sich röten und jucken. Zusätzlich können Bläschen auftreten wie nach dem Kontakt mit Brennnesseln. Dann reagieren Sie vermutlich allergisch auf den Wirkstoff. Bei derartigen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt kontaktieren.

Es können sich psychische Veränderungen einstellen. Sie äußern sich durch verstärkte innere Unruhe, Bewegungsdrang, sprunghafte Gedanken und erhöhte Risikobereitschaft. Wenn dies bedenkliche Formen annimmt, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Die Leberfunktion kann so gestört sein, dass sich die Gallenflüssigkeit staut (cholestatische Hepatose). Treten Übelkeit, Erbrechen und/oder dunkel gefärbter Urin auf und ist der Stuhl auffallend hell, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Wenn Sie grippeartige Beschwerden haben, sich längere Zeit abgeschlagen und müde fühlen und Halsschmerzen und Fieber auftreten, kann es sich um eine Blutbildungsstörung handeln. Davon ist bei der Behandlung mit Mianserin etwa jeder 2 000. Behandelte betroffen. In aller Regel zeigt sich diese Störung in den ersten acht Behandlungswochen. Sie normalisiert sich wieder, wenn das Medikament abgesetzt wird. Da die Störung aber bedrohlich werden kann, müssen Sie bei den oben genannten Beschwerden umgehend einen Arzt aufsuchen und das Blutbild kontrollieren lassen.

Menschen, die zu Krampfanfällen neigen, können bei der Behandlung mit Mianserin einen epileptischen Anfall bekommen. Dann sollte sofort ein Arzt gerufen werden.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Das Mittel soll bei Kindern und Jugendlichen nicht angewendet werden. Für sie gibt es keine ausreichenden Erfahrungen zur Wirksamkeit bei der Behandlung von Depressionen und auch nicht darüber, ob das Mittel bei einer längeren Anwendung bei ihnen verträglich ist.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Mit Mianserin sollten Sie in Schwangerschaft und Stillzeit nur weiterbehandelt werden, wenn es unbedingt notwendig ist.

Wenn Sie schwanger sind und eine Depression medikamentös behandelt werden muss, sind unter den SSRI Citalopram, Paroxetin und Sertralin und unter den trizyklischen Antidepressiva Amitriptylin und Imipramin die Mittel der Wahl. Mit ihnen liegen die meisten Erfahrungen vor.

Für eine Depressionsbehandlung während der Stillzeit sind SSRIs (außer Fluoxetin) die Mittel der Wahl.

Für ältere Menschen

Die unerwünschten Wirkungen vieler Antidepressiva belasten ältere Menschen häufiger und stärker als jüngere.

Die gefährlichen Blutbildungsstörungen durch Mianserin treffen Menschen über 65 Jahre besonders häufig. Auch Herzprobleme als unerwünschte Wirkung gibt es bei ihnen häufiger als bei jüngeren. Deshalb sollte in vierteljährlichen Abständen ein EKG gemacht werden.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Aufgrund der beschriebenen unerwünschten Wirkungen kann die Reaktionsfähigkeit deutlich beeinträchtigt sein. Sie sollten deshalb nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs