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Antidepressivum: Maprotilin

Wirkungsweise

Maprotilin wirkt antidepressiv und macht müde. Der Wirkstoff wird bevorzugt bei Menschen eingesetzt, die an einer Depression erkrankt sind, bei der Schlafstörungen im Vordergrund stehen.

Maprotilin gehört zu den tetrazyklischen Antidepressiva, sorgt aber vor allem dafür, dass der Neurotransmitter Noradrenalin vermehrt als Nervenbotenstoff zur Verfügung steht. Zudem wirkt der Stoff anticholinerg, was seine müde machenden Effekte erklärt.

Der Nachteil von Maprotilin liegt in seiner langen Wirkdauer von etwa 60 Stunden. Sie kann dazu führen, dass unerwünschte Wirkungen verstärkt auftreten. Diese Gefahr besteht besonders bei älteren Menschen. Im Vergleich zu anderen Antidepressiva scheint Maprotilin das Risiko für Krampfanfälle zu erhöhen.

Maprotilin wird als "mit Einschränkung geeignet" bewertet, wenn bei Depressionen eine medikamentöse Behandlung erforderlich ist.

Anwendung

Die Behandlung mit Antidepressiva beginnt mit einer niedrigen Dosis, die im Abstand von Tagen oder Wochen langsam gesteigert wird. Auf diese Weise gewöhnt sich der Körper an das Medikament und die anfangs oft störenden unerwünschten Wirkungen sind weniger belastend.

Wenn Sie Schlafstörungen haben oder das Mittel sie müde macht, ist es sinnvoll, die gesamte Medikamentendosis am Abend einzunehmen. Bereits nach einer Woche können Aktivität und Antriebskraft wiederkehren und der Schlaf kann sich bessern. Die stimmungsaufhellende Wirkung wird nach ein bis drei Wochen spürbar. Nach vier bis sechs Wochen sollten die depressiven Symptome deutlich gemildert sein. Die Behandlung dauert in der Regel ein halbes Jahr. Um sie zu beenden, wird die Medikamentendosis langsam reduziert. Um wie viel und über welchen Zeitraum hinweg, richtet sich danach, ob der depressionsfreie Zustand stabil bleibt. Setzen Sie Maprotilin entgegen dieser Empfehlung abrupt ab, können sich typische Entzugserscheinungen entwickeln: Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen, Schlaflosigkeit, Nervosität, Kopfschmerzen, Erregtheit, Angst. Mehr dazu unter Was Sie beachten müssen, wenn Sie die Behandlung mit Antidepressiva beenden.

Bei einer länger andauernden Therapie kann der Wirkstoff die Leberfunktion beeinträchtigen. Daher sollte der Arzt regelmäßig die Leberfunktion kontrollieren – insbesondere bei älteren Menschen.

Achtung

Es gibt Hinweise, dass Depressionsmittel die Bereitschaft, sich Schaden zuzufügen oder das Leben zu nehmen, verstärken können. Näheres hierzu lesen Sie unter Antidepressiva und Selbsttötung.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Maprotilin nicht anwenden:

  • Sie können Ihre Blase nicht vollständig entleeren, bei Männern z. B. weil ihre Prostata vergrößert ist.
  • Sie haben ein unbehandeltes Engwinkelglaukom (grüner Star).
  • Der Übergang vom Magen zum Darm ist verengt (Pylorusstenose) oder Sie haben einen Darmverschluss.
  • Die Funktion Ihrer Leber oder Nieren ist schwer gestört.
  • Sie haben Herzrhythmusstörungen.
  • Sie werden mit MAO-Hemmern (z. B. Tranylcypromin bei Depressionen) behandelt oder eine Behandlung mit diesen Mitteln liegt weniger als zwei Wochen zurück.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken einer Behandlung mit Maprotilin besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie haben eine Anfallkrankheit, z. B. Epilepsie, und die Anfallbereitschaft ist mit Medikamenten nicht ausreichend eingedämmt.
  • Ihre Blutbildung ist gestört.
  • Bei Ihnen liegt eine Herz-Kreislauf-Schwäche vor.
  • Sie haben Diabetes.
  • Die Funktion Ihrer Schilddrüse ist gestört.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Unbedingt beachten

Bei gleichzeitiger Anwendung von MAO-Hemmern (z. B. Tranylcypromin, bei Depressionen) muss mit schweren unerwünschten Wirkungen wie Erregung, Zittern, Krämpfen und Koma sowie Blutdruckabfall gerechnet werden. Die Mittel dürfen daher nicht gleichzeitig angewendet werden. Zwischen einer Behandlung mit Maprotilin und der mit einem MAO-Hemmer sollten mindestens 14 Tage Abstand liegen.

Maprotilin beeinflusst den Herzrhythmus und sollte nicht gemeinsam mit Mitteln eingenommen werden, die das ebenfalls tun. Dazu gehören Antiarrhythmika wie Amiodaron und Chinidin. Bei gemeinsamer Anwendung können bedrohliche Herzrhythmusstörungen auftreten. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel bei Herzrhythmusstörungen: verstärkte Wirkung.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Alkohol und Maprotilin verstärken gegenseitig ihre dämpfende Wirkung.

Nebenwirkungen

Die Mittel können – insbesondere bei Daueranwendung – die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Wenn Sie langsamer reagieren als früher und Ihre Aufmerksamkeit sowie Ihr Gedächtnis nachlassen, sollten Sie mit dem Arzt sprechen. Wenn Sie das Mittel absetzen, verschwinden diese Störungen wieder.

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Mindestens jeder Fünfte, der Maprotilin einnimmt, klagt über einen trockenen Mund und Müdigkeit.

Bei etwa 1 von 10 sinkt der Blutdruck ab. Wer dann zu schnell aufsteht, dem kann schwarz vor Augen werden.

Ebenso häufig tritt auch Schwindel auf.

1 bis 10 von 100 Behandelten nehmen während der Behandlung an Gewicht zu.

Muss beobachtet werden

Der Blutdruck kann aber auch deutlich ansteigen statt abzusinken. Händezittern, Herzrasen und Schwitzen können infolge vorkommen. Von diesen Beschwerden sollten Sie dem Arzt beim nächsten Besuch berichten; eventuell macht er dann ein EKG.

Es können sich psychische Veränderungen einstellen. Sie äußern sich durch verstärkte innere Unruhe, Bewegungsdrang, sprunghafte Gedanken und erhöhte Risikobereitschaft. Wenn dies bedenkliche Formen annimmt, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wenn Sie grippeartige Beschwerden haben, sich längere Zeit abgeschlagen und müde fühlen und Halsschmerzen sowie Fieber auftreten, kann es sich um eine Blutbildungsstörung handeln, die bedrohlich werden kann. Sie müssen dann umgehend einen Arzt aufsuchen und das Blutbild kontrollieren lassen.

Sofort zum Arzt

Treten Krampfanfälle auf, muss sofort ein Arzt gerufen werden (Notarzt Telefon 112).

Das Mittel kann die Leber vereinzelt schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind: eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Während der Schwangerschaft darf Maprotilin nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken angewendet werden. Wenn Sie das Mittel auf Anraten des Arztes im ersten Schwangerschaftsdrittel eingenommen haben, sollte mit einer weitergehenden Ultraschalluntersuchung die normale Entwicklung des Ungeborenen bestätigt werden.

Während der Behandlung sollten Sie möglichst nicht stillen, da das Mittel in die Muttermilch übergeht. Entscheiden Sie sich anders, müssen Sie das Kind sorgfältig beobachten. Wenn das Kind sehr schläfrig oder unruhig ist oder schlecht trinkt, sollten Sie sich an einen Kinderarzt wenden.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Über die Anwendung bei Kindern gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Sie dürfen nicht mit Maprotilin behandelt werden.

Für ältere Menschen

Maprotilin ist für Ältere eher unangebracht. Näheres hierzu lesen Sie in der Einleitung unter Hinweise für ältere Menschen. Wird es dennoch eingesetzt, sollte es nur halb so hoch dosiert werden wie sonst. Außerdem sollten das Blutbild, die Funktionen von Herz und Kreislauf und die geistigen Fähigkeiten regelmäßig überprüft werden.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Aufgrund der beschriebenen unerwünschten Wirkungen können die Mittel die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Sie sollten deshalb nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs