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Antibiotikum: Trimethoprim

Wirkungsweise

Trimethoprim hemmt in Bakterien die Bildung von Folsäure, die dadurch absterben. Es gilt mittlerweile bei der Behandlung von unkomplizierten Harnwegsinfektionen als Mittel der zweiten Wahl und wird "mit Einschränkung geeignet" bewertet, wenn Nitrofurantoin oder auch Pivmecillinam nicht infrage kommen. Das ist eine Veränderung gegenüber früheren Bewertungen. Sie wurde notwendig, weil sich gezeigt hat, dass in einigen Regionen Deutschlands bereits ein großer Anteil der Erreger gegen Trimethoprim resistent ist. Näheres hierzu lesen Sie unter Resistenzgefahr beachten. Wenn es die regionale Resistenzsituation zulässt, kann Trimethoprim bei unkomplizierten Harnwegsinfekten weiterhin gut eingesetzt werden.

Treten Harnwegsinfektionen immer wieder auf, kann mit Trimethoprim in niedriger Dosierung über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten versucht werden, die Erkrankungsrate zu senken. Hierfür ist das Mittel "mit Einschränkung geeignet" bewertet, da noch nicht genügend Untersuchungsergebnisse vorliegen, um Wirksamkeit und Verträglichkeit einer solchen Langzeitanwendung abschließend beurteilen zu können.

Anwendung

Bei einer unkomplizierten Harnwegsinfektion wird Trimethoprim zweimal täglich eingenommen: morgens und abends. Bei einer Langzeitbehandlung nehmen Sie das Mittel einmal täglich abends vor dem Zubettgehen ein.

Wenn Sie Trimethoprim länger als 14 Tage anwenden sollen, muss der Arzt einmal im Monat das Blutbild und die Leber- und Nierenfunktion kontrollieren.

Achtung

Trimethoprim kann die Haut für Sonnenlicht empfindlicher machen. Während der Behandlung sollten Sie keine Sonnenbäder nehmen und nicht ins Solarium gehen. Bei starker Sonneneinstrahlung sollten Sie die Haut tagsüber mit Sunblockern schützen. Entsteht dennoch ein Sonnenbrand mit stark geröteter, entzündeter Haut, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

INFECTOTRIMET Saft: Das Mittel enthält Parabene. Diese Konservierungsmittel führen möglicherweise zur Allergie. Wenn Sie auf Parastoffe allergisch reagieren, dürfen Sie den Saft nicht einnehmen.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Trimethoprim nicht anwenden:

  • Sie leiden an einer schweren Nierenfunktionsstörung.
  • Sie haben Blutbildveränderungen.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie haben eine leichte bis moderate Nierenfunktionsstörung oder eine HIV-Infektion. Dann ist bei der Einnahme von Trimethoprim das Risiko erhöht, dass sich im Blut Kalium anreichert.
  • Ihre Leberfunktion ist gestört.
  • Bei Ihnen wird ein Folsäuremangel vermutet.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente anwenden, ist zu beachten:

  • Wenn Sie Trimethoprim gleichzeitig mit Pyrimethamin (bei Malaria) oder Methotrexat (bei Arthritis, Krebserkrankungen, Schuppenflechte) einnehmen, kann es zu Blutbildveränderungen kommen.
  • Wenn Sie Trimethoprim gleichzeitig mit einem ACE-Hemmer, Sartan, Spironolacton, Triamteren (bei hohem Blutdruck, Herzschwäche), Amilorid (bei hohem Blutdruck, Nierenerkrankungen) oder Eplerenon (bei Herzschwäche) einnehmen, kann der Kaliumspiegel im Blut ansteigen. Bei einer Langzeitbehandlung sollte der Arzt diesen regelmäßig kontrollieren. Symptome eines hohen Kaliumspiegels sind Muskelschwäche, Empfindungsstörungen und langsamer Herzschlag.
  • Trimethoprim verstärkt die Wirkung von Phenytoin (bei Epilepsien). Dann können beispielsweise Gleichgewichts- und Bewegungsstörungen auftreten.

Unbedingt beachten

Trimethoprim verstärkt die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Trimethoprim verstärkt auch die Wirkung von Repaglinid (bei Typ-2-Diabetes). Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutzuckersenkung: verstärkte Wirkung.

Durch Trimethoprim wirkt Digoxin (bei Herzschwäche) stärker. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel bei Herzschwäche: verstärkte Wirkung.

Nebenwirkungen

Trimethoprim kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Wie alle Antibiotika kann auch Trimethoprim Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie Appetitlosigkeit verursachen. Leichter Durchfall ist dadurch bedingt, dass Antibiotika die nützlichen Darmbakterien abtöten. Mit dem Ende der Behandlung reguliert sich die Verdauung wieder.

Es können Entzündungen im Mund (Zunge, Zahnfleisch) und vorübergehende Geschmacksstörungen auftreten.

Es kann auch zu Zahnverfärbungen kommen. Diesen kann durch intensives Zähneputzen entgegengewirkt werden. Das ist insbesondere bei Kindern zu beachten.

Muss beobachtet werden

Wenn Sie Trimethoprim über mehrere Wochen und oder wiederholt einnehmen müssen, tötet das Medikament die nützliche Bakterienflora auf den Schleimhäuten in Mund, Rachen und im Genitalbereich ab. Dann können sich Pilze verstärkt ausbreiten. Pilzinfektionen können sich dadurch bemerkbar machen, dass sich die Schleimhaut entzündet und sich ein weißlicher Belag bildet. Pilzinfektionen im Genitalbereich betreffen vor allem Frauen. Sie gehen mit starkem Juckreiz sowie einem weiß-krümeligen Ausfluss einher. Bei solchen Symptomen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Bei einer Immunschwäche können die Pilze innere Organe befallen. Fieber und Abgeschlagenheit können darauf hindeuten. Dann sollte der Arzt entsprechende Diagnosemaßnahmen einleiten.

Bei etwa 1 von 1 000 Behandelten kann sich das Blutbild verändern. Das Risiko steigt mit der Dauer der Einnahme. Bei länger dauernder Anwendung der Mittel sollte der Arzt deshalb das Blutbild in regelmäßigen Abständen kontrollieren.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solche Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen.

Sofort zum Arzt

Trimethoprim kann die Blutbildung im Knochenmark beeinträchtigen (wenige Einzelfälle). Hinweise dafür sind grippeähnliche Beschwerden mit Halsschmerzen, Fieber, Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Treten solche Symptome einer Blutbildveränderung auf, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen.

Das Mittel kann die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind: eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen, oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Auch bei heftigem blutigen Durchfall mit Bauchkrämpfen und Fieber müssen Sie sofort einen Arzt rufen. Keinesfalls dürfen Sie dann ein Mittel einnehmen, das Durchfall stoppt, wie Loperamid. Diese Beschwerden können auf einer Infektion mit dem Bakterium Clostridium difficile beruhen (pseudomembranöse Colitis). Diese Bakterien können sich verstärkt vermehren, wenn Antibiotika die nützlichen Darmbakterien abgetötet haben. Das von den Clostridien abgegebene Gift löst eine schwere Darmentzündung aus, die lebensbedrohlich werden kann.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Frauen, die die Pille einnehmen, sollten beachten, dass die empfängnisverhütende Wirkung unter Umständen nicht mehr gewährleistet ist. Besonders Antibiotika mit einem breiten Wirkspektrum zerstören einen Großteil der Bakterienflora im Darm. Daraus resultiert oft Durchfall, sodass die Wirkstoffe aus der Pille nur noch vermindert aufgenommen werden. Es ist nicht sicher, dass sie den Eisprung dann noch wirksam unterdrücken. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel zur Empfängnisverhütung: verringerte Wirkung.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

In der Schwangerschaft dürfen Sie Trimethoprim nur anwenden, wenn besser erprobte Mittel wie Cephalosporine nicht eingesetzt werden können. Ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen kann aufgrund der Auswirkungen von Trimethoprim auf den Folsäurehaushalt nicht sicher ausgeschlossen werden. Allerdings haben die bisherigen Erfahrungen keine Hinweise darauf ergeben.

Während der Schwangerschaft zählen Cephalosporine zu den Mitteln der ersten Wahl bei der Behandlung einer bakteriell bedingten Harnwegsinfektion.

In der Stillzeit können Sie Trimethoprim anwenden. Das Mittel geht nur in sehr geringen und für den Säugling unschädlichen Mengen in die Muttermilch über.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Früh- und Neugeborene dürfen nicht mit Trimethoprim behandelt werden.

Wenn ihr Kind an einer erblich bedingten geistigen Behinderung (Fragiles-X-Syndrom) leidet, sollte das Mittel sicherheitshalber nicht eingesetzt werden. Es gibt Hinweise darauf, dass ein durch Trimethoprim verursachter Mangel an Folsäure bei diesen Kindern Behinderungen verschlimmern kann.

Auch Kinder, die jünger sind als sechs Wochen, sollten nicht mit Trimethoprim behandelt werden. Für den Einsatz in dieser Altersgruppe gibt es keine klinischen Erfahrungen.

Für Kinder im Vorschulalter stehen Saftzubereitungen mit Trimethoprim zur Verfügung. Für Kinder unter sechs Jahren sind Tabletten mit 50 mg Trimethoprim nicht geeignet, da sie zu viel Wirkstoff enthalten. Tabletten mit 150 mg Trimethoprim sind nicht für Kinder unter zwölf Jahren gedacht, da sie zu hoch dosiert sind.

Für ältere Menschen

Bei eingeschränkter Nierenfunktion steigt durch die Einnahme von Trimethoprim das Risiko, dass sich Kalium im Blut anreichert. Von einer solchen Nierenfunktionsstörung sind ältere Menschen häufiger betroffen als jüngere.

Wechselwirkungen zwischen Trimethoprim und verschiedenen Medikamenten können bei älteren Menschen stärker ausfallen als bei jüngeren. Beispielsweise ist das Risiko, dass der Kaliumgehalt im Blut gefährlich ansteigt, besonders erhöht, wenn das Mittel zusammen mit ACE-Hemmern, Sartanen, Spironolacton, Triamteren (bei hohem Blutdruck, Herzschwäche), Amilorid (bei hohem Blutdruck, Nierenerkrankungen) oder Eplerenon (bei Herzschwäche) eingenommen wird.

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