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Antibiotikum: Pivmecillinam

Wirkungsweise

Pivmecillinam ist ein Penicillin mit einem schmalen Wirkspektrum. Es wird zur Behandlung von unkomplizierten Harnwegsinfektionen eingesetzt.

Penicilline sind eine wichtige Gruppe bei den Antibiotika. Viele Infektionen können damit gut behandelt werden. Sie hemmen während der Wachstumsphase den Aufbau der Zellwand von Bakterien und töten sie damit ab. Bereits ausgewachsene Bakterien bleiben aber unbehelligt. Antibiotika mit einem schmalen Wirkspektrum sind möglichst zu bevorzugen, weil sie dazu beitragen, die Resistenzentwicklung in Grenzen zu halten.

Im Gegensatz zu anderen Schmalspektrum-Penicillinen wirkt Pivmecillinam vor allem gegen Keime im gramnegativen Bereich. Hierzu zählen Darmkeime wie Escherichia coli oder Enterobacter, die zu den häufigsten Erregern von Harnwegsinfektionen zählen.

Pivmecillinam stellt eine Vorstufe zum eigentlichen Wirkstoff dar und wird erst im Körper in die wirksame Form Mecillinam umgewandelt. Es wird nahezu ausschließlich über den Urin ausgeschieden und reichert sich in der Harnblase in hoher Konzentration an.

Seine therapeutische Wirksamkeit ist belegt: Von 100 Frauen mit einer unkomplizierten Harnwegsinfektion, die drei Tage lang das Mittel einnehmen, sind nach vier Tagen 74 beschwerdefrei, während nur 39 von 100 Frauen, die ein Schmerzmittel eingenommen haben, danach ohne Beschwerden sind.

In Deutschland ist das Mittel seit 2016 im Markt. Der Wirkstoff wird aber schon seit Jahrzehnten in skandinavischen Ländern wie etwa Dänemark erfolgreich eingesetzt. Trotz des jahrelangen Einsatzes ist die Resistenzrate niedrig. Im Unterschied zu anderen Penicillinen kommt Pivmecillinam nur bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen zum Einsatz.

Das Mittel wird bei unkomplizierter Harnwegsinfektion bei Frauen vor den Wechseljahren als „geeignet“ angesehen.

Anwendung

Alle Angaben zur "Anwendung" bei Antibiotika allgemein. Zusätzlich ist zu beachten:

Das Mittel wird normalerweise über drei Tage dreimal täglich eingenommen. Nehmen Sie die Tabletten im Sitzen oder Stehen mit einem Glas Wasser ein. Dadurch wird verhindert, dass die Substanz die Schleimhaut der Speiseröhre schädigt.

Wenn Sie das Mittel zu einer Mahlzeit einnehmen, kommt es seltener zu Magen-Darm-Problemen.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie nicht mit dem Mittel behandelt werden:

  • Sie haben eine Verengung der Speiseröhre oder eine Verengung im Magen-Darm-Trakt. Das Mittel kann die Schleimhäute schädigen, wenn es nicht ungehindert den Magen-Darm-Trakt passiert.
  • Sie haben eine erblich bedingte Stoffwechselerkrankung, die den Aminosäurestoffwechsel betrifft.

Welche Gegenanzeigen Sie darüber hinaus noch beachten müssen, lesen Sie unter Antibiotika allgemein.

Wenn der Körper dieses Mittel verarbeitet, verbraucht er dafür den Eiweißbestandteil L-Carnitin. Daher sollte unter folgenden Bedingungen die Behandlung nicht innerhalb kurzer Zeit wiederholt werden:

  • Sie haben ein hohes Risiko für einen Carnitin-Mangel, beispielsweise weil sie aufgrund einer Niereninsuffizienz regelmäßig zur Dialyse müssen.
  • Sie haben Diabetes, der nicht ausreichend medikamentös kontrolliert ist.
  • Sie haben eine sehr geringe Muskelmasse.

Wenn Sie unter der erblich bedingten Stoffwechselerkrankung Porphyrie leiden, bei der der Aufbau des roten Blutfarbstoffs gestört ist, muss der Arzt Nutzen und Risiken einer Behandlung mit Pivmecillinam sorgfältig abwägen. Das Mittel kann eine akute Verschlimmerung auslösen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente einnehmen ist Folgendes zu beachten:

  • Insbesondere wenn Ihre Nierenfunktion eingeschränkt ist, erhöht die gleichzeitige Anwendung von Pivmecillinam und Probenecid (bei Gicht) den Blutspiegel des Antibiotikums. Bei gleichzeitiger Anwendung sollte der Arzt die Dosis des Antibiotikums reduzieren.
  • Bei einer gemeinsamen Anwendung von Pivmecillinam und Valproinsäure (bei Epilepsien) ist das Risiko für einen Mangel an der Aminosäure Carnithin erhöht. Dies kann in Einzelfällen zu einer stoffwechselbedingten Gehirnerkrankung (Enzephalopathie) führen, die nach Absetzen der Behandlung aber wieder vergeht. Beide Mittel sollten daher grundsätzlich nicht gemeinsam angewendet werden.
  • Penicilline können die Wirkung und Nebenwirkungen von Methotrexat (bei rheumatoider Arthritis, Krebs) verstärken. Gegebenenfalls sollte der Arzt die Dosierung anpassen.

Nebenwirkungen

Angaben hierzu lesen Sie unter "Unerwünschte Wirkungen" bei Antibiotika allgemein. Zusätzlich ist zu beachten:

Bei 1 bis 10 von 1 000 Personen, die Pivmecillinam einnehmen, kann der Carnithinspiegel im Blut absinken. Das kann sich mit Muskelschmerzen, andauernder Müdigkeit oder Benommenheit äußern.

Besondere Hinweise

Angaben hierzu lesen Sie unter "Hinweise" bei Antibiotika allgemein. Außerdem gilt:

Für Schwangerschaft und Stillzeit

In der Schwangerschaft und Stillzeit kann das Mittel angewendet werden. Hat die Mutter das Mittel kurz vor der Geburt angewendet, kann der Test beim routinemäßig durchgeführten Neugeborenenscreening auf eine seltene Stoffwechselstörung (Isovalerianacidämie) fälschlicherweise positiv ausfallen. Teilen Sie daher dem Arzt mit, wenn Sie in der Spätschwangerschaft mit Pivmecillinam behandelt wurden.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Pivmelan: Kinder ab 6 Jahren können das Mittel bekommen. Die Dosis richtet sich nach dem Körpergewicht der Kinder. Mehr als 1200 Milligramm Pivmecillinam pro Tag dürfen es nicht sein.

X-Systo: Das Mittel ist nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren gedacht.

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