Medikamente im Test
  • Über 9 000 Medikamente
  • Geprüft durch unabhängige Experten
  • Ständig aktualisiert

Antibiotikum: Nitrofurantoin

Wirkungsweise

Nitrofurantoin ist ein Antibiotikum aus der Gruppe der Nitrofurane. Es wird zur Behandlung von Harnwegsinfektionen eingesetzt, da es vornehmlich über die Nieren ausgeschieden wird. Seine Konzentration in den Harnwegen ist dabei so groß, dass es die meisten Bakterienarten, die bei Harnwegsinfektionen eine Rolle spielen, daran hindert, sich zu vermehren. Bei einer Nierenentzündung eignet sich Nitrofurantoin hingegen nicht, weil es im Nierengewebe keine wirksame Konzentration erreicht.

Nitrofurantoin wird für Frauen vor den Wechseljahren mit einer unkomplizierten Harnwegsinfektion als "geeignet" bewertet, weil die üblichen Erreger gegen diese Substanz recht empfindlich sind und das Mittel außer bei diesen Infektionen kaum gebraucht wird. Die Gefahr, dass der Wirkstoff durch eine ungezielte Verwendung unwirksam wird, ist also relativ gering. Allerdings ist der Einsatz auch bei ihnen nur zu vertreten, wenn die Anwendungszeit auf drei bis höchstens fünf Tage begrenzt bleibt. Bei einer länger dauernden Behandlung ist das Risiko schwerwiegender unerwünschter Wirkungen nicht auszuschließen. Daher ist eine Behandlungszeit von mehr als fünf Tagen – auch wenn damit häufig wiederkehrenden Infektionen vorgebeugt werden soll – nur in begründeten Ausnahmefällen zu vertreten. Bei einer längeren Behandlung ist Trimethoprim der Vorzug zu geben.

Wichtig beim Einsatz von Antibiotika ist es, die aktuelle Resistenzlage zu berücksichtigen. Die besondere Situation bei Harnwegsinfektionen wird unter Resistenzgefahr beachten dargestellt.

Anwendung

Die im Folgenden genannten Dosierungen entsprechen den Empfehlungen von Fachleuten, die die nationale und internationale Literatur zur Behandlung von Harnwegsinfektionen mit Nitrofurantoin ausgewertet haben. Es kann sein, dass die Angaben im Beipackzettel der Medikamente diesen Stand nicht wiedergeben.

Frauen, die die Wechseljahre noch nicht erreicht haben, nehmen bei einem unkomplizierten Harnwegsinfekt drei bis höchstens fünf Tage lang zweimal 100 Milligramm Nitrofurantoin ein.

Bei einer Langzeitbehandlung werden drei bis höchstens sechs Monate lang täglich vor dem Schlafengehen 50 Milligramm Nitrofurantoin geschluckt. In dieser Zeit müssen das Blutbild und die Funktion von Lunge, Leber und Nieren regelmäßig kontrolliert werden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Nitrofurantoin nicht anwenden:

  • Sie haben eine Nierenfunktionsstörung und scheiden keinen oder nur noch sehr wenig Urin aus.
  • Sie leiden an einer Enzymmangelkrankheit (Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel), in deren Folge es zu einem Mangel an roten und weißen Blutkörperchen kommen kann.
  • Sie haben eine Nervenentzündung oder eine andere Nervenstörung. Diese Warnung gilt besonders für Menschen mit Diabetes, weil sich im Verlauf dieser Krankheit oft Nervenschädigungen einstellen.

Wenn Sie eine chronische Hepatitis oder eine chronische Lungenfibrose haben, muss der Arzt Nutzen und Risiken besonders sorgfältig abwägen, denn beide Erkrankungen können auch eine unerwünschte Wirkung der Behandlung mit Nitrofurantoin sein. Liegen diese Krankheiten bereits vor, sind die Symptome zum einen nicht mehr als Nebenwirkung von Nitrofurantoin zu erkennen, zum anderen kann der Wirkstoff die bestehenden Erkrankungen verschlimmern.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Unbedingt beachten

Durch Acetazolamid (innerlich bei grünem Star, Glaukom) und Thiazide (bei hohem Blutdruck, Nierenerkrankungen) wird der Harn alkalisch. Dadurch kann Nitrofurantoin an Wirksamkeit verlieren. Näheres hierzu finden Sie unter Antibiotika/Virustatika: verringerte Wirkung.

Magnesiumhaltige Magenmittel (Antazida bei Sodbrennen) können die Aufnahme von Nitrofurantoin verschlechtern. Zwischen der Einnahme des Magenmittels und der von Nitrofurantoin sollten zwei Stunden vergehen. Näheres hierzu finden Sie unter Antibiotika/Virustatika: verringerte Wirkung.

Nitrofurantoin kann die Wirkung von Nalidixinsäure und Chinolonen (bei bakteriellen Infektionen) verringern. Näheres hierzu finden Sie unter Antibiotika/Virustatika: verringerte Wirkung.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Während der Behandlung mit Nitrofurantoin sollten Sie keinen Alkohol trinken. Das Medikament verstärkt die Wirkung von Alkohol.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Der Urin kann sich braun färben.

Muss beobachtet werden

Wenn sich die Haut verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Sind diese Hauterscheinungen einige Tage später nicht deutlich abgeklungen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Muskel- und Gelenkschmerzen können auftreten.

Appetitlosigkeit, Brechreiz und Erbrechen sind Zeichen für eine zu hohe Nitrofurantoin-Konzentration im Körper. Sie treten bei mehr als 1 von 100 Behandelten auf; bei einer Dosierung von mehr als 7 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht trifft es etwa jeden Fünfzehnten.

Starke Bauchkrämpfe und brauner Urin können auf einer Stoffwechselerkrankung (akute Porphyrie) beruhen. Wenden Sie sich dann an einen Arzt.

Wenn Sie grippeartige Beschwerden haben, sich längere Zeit abgeschlagen und müde fühlen und Halsschmerzen und Fieber auftreten, kann es sich um eine Blutbildveränderung handeln, die bedrohlich werden kann. Sie müssen dann umgehend den Arzt aufsuchen, damit er das Blutbild kontrolliert.

Sofort zum Arzt

Wenn starker Hautausschlag, Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel auftreten, müssen Sie die Anwendung sofort abbrechen und unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen. Es kann sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln.

Die oben beschriebenen Hauterscheinungen können auch erste Anzeichen für vereinzelt auftretende, sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arzneimittel sein. Meist entwickeln sie sich etwa drei bis fünf Wochen nach der Anwendung. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus, und es bilden sich Blasen. Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich unbedingt an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch verschlimmern.

Fieber, Husten, Brustschmerzen und Atemnot können auf einer bedrohlichen Erkrankung des Immunsystems beruhen, die wenige Stunden nach der Einnahme von Nitrofurantoin, aber auch noch nach Tagen auftreten kann. Suchen Sie sofort einen Arzt auf, denn bei schneller ärztlicher Hilfe kann sich diese Erkrankung wieder zurückbilden.

Insbesondere bei einer Langzeittherapie kann eine Nervenschädigung auftreten. Diese äußert sich als Kribbeln oder Taubheitsgefühl bis zur Muskelschwäche und gestörter Bewegung. Diese Störungen können Sie bleibend beeinträchtigen. Gefährdet sind vor allem Menschen mit verminderter Nierenleistung. Wenn Sie Empfindungsstörungen an den Gliedmaßen feststellen, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen.

Nitrofurantoin kann die Lungen schädigen. Symptome dafür sind Husten, Atemnot und Schmerzen hinter dem Brustbein. Bei diesen Beschwerden sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen. Wenn Sie Nitrofurantoin nur kurze Zeit angewendet haben, bilden sich die Lungenschäden nach dem Absetzen wieder zurück. Haben Sie den Wirkstoff länger als sechs Monate angewendet, kann das Lungengewebe bleibend geschädigt sein (Lungenfibrose), sodass es zur Atmung nur noch wenig beitragen kann. Diese Lungenveränderung bildet sich nach dem Absetzen von Nitrofurantoin nur teilweise wieder zurück.

Die Mittel können die Leber schwer schädigen. Wenn sich die Haut gelb färbt – möglicherweise begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper -, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen.

Bei heftigem blutigem Durchfall mit Bauchkrämpfen und Fieber sollten Sie ebenfalls sofort einen Arzt rufen. Diese Beschwerden können auf einer Infektion mit der Bakterienart Clostridium difficile beruhen (pseudomembranöse Kolitis). Diese Bakterien können sich verstärkt vermehren, wenn Antibiotika die nützlichen Darmbakterien abgetötet haben. Das von den Clostridien abgegebene Gift löst eine schwere Darmentzündung aus, die lebensbedrohlich werden kann.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Kinder können ab dem dritten Monat mit Nitrofurantoin behandelt werden.

Zur Empfängnisverhütung

Frauen, die die Pille einnehmen, sollten beachten, dass die empfängnisverhütende Wirkung unter Umständen nicht mehr gewährleistet ist. Nitrofurantoin kann einen Großteil der Bakterienflora im Darm zerstören. Daraus resultiert oft Durchfall, sodass die Wirkstoffe aus der Pille nur noch vermindert aufgenommen werden. Es ist nicht sicher, dass sie den Eisprung dann noch wirksam unterdrücken.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Nitrofurantoin sollte in der Schwangerschaft nur eingesetzt werden, wenn besser erprobte Antibiotika wie Cephalosporine nicht infrage kommen. In den letzten drei Monaten vor der Geburt darf Nitrofurantoin nicht mehr angewendet werden.

Da mit der Muttermilch eine geringe Menge Nitrofurantoin ausgeschieden wird, sollte eine Blasenentzündung in der Stillzeit mit anderen Wirkstoffen behandelt werden.

Für ältere Menschen

Für ältere Menschen scheint bei Einnahme von Nitrofurantoin das Risiko unerwünschter Wirkungen, besonders an der Lunge, größer zu sein als für jüngere Menschen. Da sich bei älteren Menschen auch die Nierenfunktion verschlechtern kann, sollten sie kein Nitrofurantoin einnehmen. Näheres hierzu lesen Sie in der Einleitung unter Hinweise für ältere Menschen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Nitrofurantoin kann Ihre Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Sie sollten deshalb nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

Sie sehen nun nur noch Informationen zu: ${filtereditemslist}.

Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs