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Antibiotikum: Nitrofurantoin

Wirkungsweise

Nitrofurantoin ist ein Antibiotikum aus der Gruppe der Nitrofurane. Es wird zur Behandlung von Harnwegsinfektionen eingesetzt, da es hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden wird. Seine Konzentration in den Harnwegen ist dabei so groß, dass es die meisten Bakterienarten, die bei Harnwegsinfektionen eine Rolle spielen, daran hindert, sich zu vermehren. Bei einer Nierenentzündung eignet sich Nitrofurantoin hingegen nicht, weil es im Nierengewebe keine wirksame Konzentration erreicht.

Nitrofurantoin wird für Frauen vor den Wechseljahren mit einer unkomplizierten Harnwegsinfektion als "geeignet" bewertet, weil die üblichen Erreger gegen diese Substanz recht empfindlich sind und das Mittel außer bei diesen Infektionen kaum eingesetzt wird. Die Gefahr, dass der Wirkstoff durch eine ungezielte Verwendung unwirksam wird, ist also relativ gering.

Allerdings ist die Einnahme bei Nitrofurantoin nur zu vertreten, wenn die Anwendungszeit auf drei bis höchstens fünf Tage begrenzt bleibt. Bei einer länger dauernden Behandlung ist das Risiko schwerwiegender unerwünschter Wirkungen nicht auszuschließen. Daher ist eine Behandlungszeit von mehr als fünf Tagen – auch wenn damit häufig wiederkehrenden Infektionen vorgebeugt werden soll – nur in begründeten Ausnahmefällen zu vertreten. Bei einer längeren Behandlung ist Trimethoprim der Vorzug zu geben.

Wichtig beim Einsatz von Antibiotika ist es, die aktuelle Resistenzlage zu berücksichtigen. Die besondere Situation bei Harnwegsinfektionen wird unter Resistenzgefahr beachten dargestellt.

Anwendung

Die im Folgenden genannten Dosierungen entsprechen den Empfehlungen von Fachleuten, die die nationale und internationale Literatur zur Behandlung von Harnwegsinfektionen mit Nitrofurantoin ausgewertet haben. Es kann sein, dass die Angaben im Beipackzettel der Medikamente diesen Stand nicht wiedergeben.

Frauen, die die Wechseljahre noch nicht erreicht haben, nehmen bei einem unkomplizierten Harnwegsinfekt drei bis höchstens fünf Tage lang zweimal 100 Milligramm Nitrofurantoin ein.

Bei einer Langzeitbehandlung werden drei bis höchstens sechs Monate lang täglich vor dem Schlafengehen 50 Milligramm Nitrofurantoin geschluckt. In dieser Zeit müssen das Blutbild und die Funktion von Lunge, Leber und Nieren regelmäßig kontrolliert werden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Nitrofurantoin nicht anwenden:

  • Sie haben eine Nierenfunktionsstörung und scheiden keinen oder nur noch sehr wenig Urin aus.
  • Sie leiden an einer Enzymmangelkrankheit (Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel), in deren Folge es zu einem Mangel an roten und weißen Blutkörperchen kommen kann.
  • Sie haben eine Nervenentzündung oder eine andere Nervenstörung. Diese Warnung gilt besonders für Menschen mit Diabetes, weil sich im Verlauf dieser Krankheit oft Nervenschädigungen einstellen.

Wenn Sie eine chronische Hepatitis oder eine chronische Lungenfibrose haben, muss der Arzt Nutzen und Risiken besonders sorgfältig abwägen, denn beide Erkrankungen können auch eine unerwünschte Wirkung der Behandlung mit Nitrofurantoin sein. Leiden Sie bereits bei Behandlungsbeginn an diesen Krankheiten, sind die Symptome zum einen nicht mehr als Nebenwirkung von Nitrofurantoin zu erkennen, zum anderen kann der Wirkstoff die bestehenden Erkrankungen verschlimmern.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Unbedingt beachten

Durch Acetazolamid (innerlich bei grünem Star, Glaukom) und Thiazide (bei hohem Blutdruck, Nierenerkrankungen) wird der Harn alkalisch. Dadurch kann Nitrofurantoin an Wirksamkeit verlieren. Näheres hierzu finden Sie unter Antibiotika/Virustatika: verringerte Wirkung.

Magnesiumhaltige Magenmittel (Antazida bei Sodbrennen) können die Aufnahme von Nitrofurantoin verschlechtern. Zwischen der Einnahme des Magenmittels und der von Nitrofurantoin sollten zwei Stunden vergehen. Näheres hierzu finden Sie unter Antibiotika/Virustatika: verringerte Wirkung.

Nitrofurantoin kann die Wirkung von Chinolonen (bei bakteriellen Infektionen) verringern. Näheres hierzu finden Sie unter Antibiotika/Virustatika: verringerte Wirkung.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Während der Behandlung mit Nitrofurantoin sollten Sie keinen Alkohol trinken. Das Medikament verstärkt die Wirkung von Alkohol.

Nebenwirkungen

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Der Urin kann sich grünlich bis braun färben. Diese Verfärbung kommt durch den Wirkstoff zustande und ist ungefährlich.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hauterscheinung handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen.

Muskel- und Gelenkschmerzen können auftreten.

Appetitlosigkeit, Brechreiz und Erbrechen sind Zeichen für eine zu hohe Nitrofurantoin-Konzentration im Körper. Sie treten bei mehr als 1 von 100 Behandelten auf; bei einer Dosierung von mehr als sieben Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht trifft es etwa jeden Fünfzehnten.

Starke Bauchkrämpfe und dunkler Urin können auf einer Stoffwechselerkrankung (akute Porphyrie) beruhen. Wenden Sie sich dann an einen Arzt.

Wenn Sie grippeartige Beschwerden haben, sich längere Zeit abgeschlagen und müde fühlen und Halsschmerzen und Fieber auftreten, kann es sich um eine Blutbildveränderung handeln, die bedrohlich werden kann. Sie müssen dann umgehend den Arzt aufsuchen, damit er das Blutbild kontrolliert.

Sofort zum Arzt

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen, oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Die oben beschriebenen Hauterscheinungen können in sehr seltenen Fällen auch erste Anzeichen für andere sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arzneimittel sein. Meist entwickeln diese sich während der Anwendung des Mittels nach Tagen bis Wochen. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus, und es bilden sich Blasen ("Syndrom der verbrühten Haut"). Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich sofort an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch lebensbedrohlich verschlimmern.

Fieber, Husten, Brustschmerzen und Atemnot können auf einer bedrohlichen Erkrankung des Immunsystems beruhen, die wenige Stunden nach der Einnahme von Nitrofurantoin, aber auch noch nach Tagen auftreten kann. Suchen Sie sofort einen Arzt auf, denn bei schneller ärztlicher Hilfe kann sich diese Erkrankung wieder zurückbilden.

Insbesondere bei einer Langzeittherapie kann eine Nervenschädigung auftreten. Diese äußert sich als Kribbeln oder Taubheitsgefühl bis zur Muskelschwäche und gestörter Bewegung. Diese Störungen können Sie bleibend beeinträchtigen. Gefährdet sind vor allem Menschen mit verminderter Nierenleistung. Wenn Sie Empfindungsstörungen an den Gliedmaßen feststellen, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen.

Nitrofurantoin kann die Lungen schädigen. Die Gefahr für derartige Schäden nimmt mit der Dauer der Einnahme von Nitrofurantoin zu. Symptome dafür sind Husten, Atemnot und Schmerzen hinter dem Brustbein. Bei diesen Beschwerden sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen. Bei Veränderungen im Lungengewebe muss das Mittel abgesetzt werden. Wenn Sie Nitrofurantoin nur kurze Zeit angewendet haben, bilden sich die Lungenschäden nach dem Absetzen wieder zurück. Haben Sie den Wirkstoff länger als sechs Monate angewendet, kann das Lungengewebe bleibend geschädigt sein (Lungenfibrose), sodass es zur Atmung nur noch wenig beitragen kann. Diese Lungenveränderung bildet sich nach dem Absetzen von Nitrofurantoin nur teilweise wieder zurück.

Das Mittel kann die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind: eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

Bei heftigem blutigem Durchfall mit Bauchkrämpfen und Fieber sollten Sie ebenfalls sofort einen Arzt rufen. Diese Beschwerden können auf einer Infektion mit der Bakterienart Clostridium difficile beruhen (pseudomembranöse Colitis). Diese Bakterien können sich verstärkt vermehren, wenn Antibiotika die nützlichen Darmbakterien abgetötet haben. Das von den Clostridien abgegebene Gift löst eine schwere Darmentzündung aus, die lebensbedrohlich werden kann.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Frauen, die die Pille einnehmen, sollten beachten, dass die empfängnisverhütende Wirkung unter Umständen nicht mehr gewährleistet ist. Nitrofurantoin kann einen Großteil der Bakterienflora im Darm zerstören. Daraus resultiert oft Durchfall, sodass die Wirkstoffe aus der Pille nur noch vermindert aufgenommen werden. Es ist nicht sicher, dass sie den Eisprung dann noch wirksam unterdrücken.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Nitrofurantoin sollte in der Schwangerschaft nur eingesetzt werden, wenn besser erprobte Antibiotika wie Cephalosporine nicht infrage kommen. In den letzten drei Monaten vor der Geburt darf Nitrofurantoin nicht mehr angewendet werden.

Da mit der Muttermilch eine geringe Menge Nitrofurantoin ausgeschieden wird, sollte eine Blasenentzündung in der Stillzeit mit anderen Wirkstoffen behandelt werden.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Das Mittel ist auch für die Behandlung von Kindern unter zwölf Jahren vorgesehen; ab dem dritten Lebensmonat können sie mit Nitrofurantoin behandelt werden.

Für die Behandlung akuter Harnwegsinfektionen hat Nitrofurantoin keine Zulassung bei Kindern. Bei ihnen kann es aber zur Vorbeugung häufig wiederkehrender Harnwegsinfektionen eingesetzt werden. Auch bei Kindern, bei denen das Risiko von Infektionen erhöht ist, beispielsweise weil der Harn aufgrund von Organfehlbildungen nicht ungehindert abfließen kann, ist Nitrofurantoin eine Behandlungsalternative. In beiden Fällen ist aber eine längerfristige Einnahme des Antibiotikums erforderlich. Mit der Dauer der Einnahme von Nitrofurantoin steigt das Risiko für schwerwiegende unerwünschte Wirkungen. Das Mittel ist daher bei Kindern allenfalls vertretbar, wenn es sich um sehr schwerwiegende Krankheitsbilder handelt und risikoärmere Mittel wie Trimethoprim oder auch Cephalosporine nicht infrage kommen.

Vor Therapiebeginn sollte der Arzt in jedem Fall die Nieren- und Leberfunktion Ihres Kindes untersuchen, da bei Funktionsstörungen die Ausscheidung von Nitrofurantoin vermindert ist und mit erheblichen Nebenwirkungen zu rechnen ist.

Für ältere Menschen

Für ältere Menschen scheint bei Einnahme von Nitrofurantoin das Risiko unerwünschter Wirkungen, besonders an der Lunge, größer zu sein als für jüngere Menschen. Da sich bei älteren Menschen auch die Nierenfunktion verschlechtern kann, sollten sie kein Nitrofurantoin einnehmen. Näheres hierzu lesen Sie in der Einleitung unter Hinweise für ältere Menschen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Nitrofurantoin kann Ihre Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Sie sollten deshalb nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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