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Antibiotikum: Cotrimoxazol (Kombination)

Wirkungsweise

Dieses Mittel gegen Harnwegsinfektionen enthält die beiden Antibiotika Sulfamethoxazol und Trimethoprim. International trägt die Kombination den Namen Cotrimoxazol. Cotrimoxazol hindert Bakterien an der Bildung von Folsäure. Dadurch sterben sie ab.

Klinische Studien haben gezeigt, dass Cotrimoxazol Infektionen der oberen Harnwege und Nieren wirksam bekämpft  – vorausgesetzt, die Erreger sind gegen das Mittel empfindlich. Dieses sollte vor der Verordnung von Cotrimoxazol in einem Test ermittelt werden. Dann wird Cotrimoxazol für Infektionen der oberen Harnwege und Nieren als "geeignet" bewertet.

Bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen gilt es hingegen als "mit Einschränkung geeignet". Der Grund ist, dass die Kombination bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen nicht wirksamer ist als Trimethoprim allein, dafür aber mit mehr unerwünschten Wirkungen belastet ist.

Wichtig beim Einsatz von Antibiotika ist es auch, die aktuelle Resistenzlage zu berücksichtigen. Die besondere Situation bei Harnwegsinfektionen wird unter Resistenzgefahr beachten dargestellt.

Achtung

Ein Bestandteil dieses Kombinationsmittels, das Sulfonamid Sulfamethoxazol, verursacht relativ häufig Allergien. Menschen, die gegen Sulfonamide allergisch sind, dürfen dieses Medikament nicht einnehmen. Aber auch Personen, die auf ein anderes Arzneimittel einmal allergisch reagiert haben, sollten mit diesem Kombinationsmittel nach Möglichkeit nicht behandelt werden. Nach einer Unverträglichkeitsreaktion auf ein Arzneimittel besteht ein erhöhtes Risiko für eine ähnliche Reaktion bei anderen Arzneimitteln, die ebenfalls häufig Allergien verursachen. Das gilt ganz besonders, wenn das Arzneimittel ähnlich aufgebaut ist wie das Sulfonamid. Zu diesen Medikamenten zählen Sulfonylharnstoffe wie Glibenclamid (bei Typ-2-Diabetes) und Thiaziddiuretika (bei hohem Blutdruck, Nierenerkrankungen).

Der Anteil von Trimethoprim in diesem Kombinationsmittel kann die Haut für Sonnenlicht empfindlicher machen. Während der Behandlung sollten Sie keine Sonnenbäder nehmen und nicht ins Solarium gehen. Bei starker Sonneneinstrahlung sollten Sie die Haut tagsüber mit Sunblockern schützen. Entsteht dennoch ein Sonnenbrand mit stark geröteter, entzündeter Haut, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Einige Präparate enthalten Parabene (siehe Tabelle). Diese Konservierungsmittel führen möglicherweise zur Allergie. Wenn Sie auf Parastoffe allergisch reagieren, dürfen Sie die Mittel nicht anwenden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie die Mittel nicht anwenden:

  • Sie leiden an einer schweren Nieren- oder Leberfunktionsstörung.
  • Sie haben Blutbildveränderungen.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie haben eine leichte bis moderate Nierenfunktionsstörung oder eine HIV-Infektion. Dann ist bei Einnahme von Cotrimoxazol das Risiko erhöht, dass sich im Blut Kalium anreichert.
  • Ihre Leberfunktion ist gestört.
  • Die Funktion Ihrer Schilddrüse ist gestört.
  • Bei Ihnen wird ein Folsäuremangel vermutet.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente anwenden, ist zu beachten:

  • Wenn Sie das Mittel gleichzeitig mit Pyrimethamin (bei Malaria) oder Methotrexat (bei Arthritis, Krebserkrankungen, Schuppenflechte) einnehmen, kann es zu Blutbildveränderungen kommen.
  • Wenn Sie dieses Kombinationsmittel gleichzeitig mit einem ACE-Hemmer, Sartan, Spironolacton, Triamteren (bei hohem Blutdruck, Herzschwäche), Amilorid (bei hohem Blutdruck, Nierenerkrankungen) oder Eplerenon (bei Herzschwäche) einnehmen, kann der Kaliumspiegel im Blut ansteigen. Bei einer Langzeitbehandlung sollte der Arzt diesen regelmäßig kontrollieren. Symptome eines hohen Kaliumspiegels sind Muskelschwäche, Empfindungsstörungen und langsamer Herzschlag.
  • Dieses Kombinationsmittel verstärkt die Wirkung von Phenytoin (bei Epilepsien). Dann können beispielsweise Gleichgewichts- und Bewegungsstörungen auftreten.

Unbedingt beachten

Cotrimoxazol verstärkt die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Desgleichen verstärkt Cotrimoxazol die Wirkung von Sulfonylharnstoffen (z. B. Glibenclamid) und Repaglinid (beide bei Typ-2-Diabetes). Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutzuckersenkung: verstärkte Wirkung.

Durch Cotrimoxazol wirkt Digoxin (bei Herzschwäche) stärker. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel bei Herzschwäche: verstärkte Wirkung.

Die Kombination von Cotrimoxazol mit bestimmten Mitteln, die selbst am Herzen wirken, kann in seltenen Fällen zu einer Form lebensbedrohlicher Herzrhythmusstörungen, den Torsade de pointes, führen. Zu diesen Medikamenten gehören beispielsweise Amiodaron, Chinidin, Disopyramid und Sotalol (bei bestimmten Arten von Herzrhythmusstörungen), Chinolone wie Moxifloxacin und Sparfloxacin sowie intravenös gegebenes Erythromycin (alle bei bakteriellen Infektionen) und Pimozid (bei Schizophrenien und anderen Psychosen). Besonders gefährdet sind ältere Menschen mit Herzerkrankungen und Elektrolytstörungen wie einem zu niedrigen Kalium- oder Magnesiumgehalt im Blut.

Nebenwirkungen

Obwohl diese Kombination nicht zu den Cephalosporinen gehört, verursacht sie ähnliche unerwünschte Wirkungen wie diese. Zusätzlich ist zu beachten:

Keine Maßnahmen erforderlich

Es können Entzündungen im Mund (Zahnfleisch, Zunge) und Geschmacksstörungen auftreten.

Muss beobachtet werden

Bei etwa 1 von 1 000 Behandelten kann sich das Blutbild verändern. Das Risiko steigt mit der Dauer der Einnahme. Bei langfristiger Anwendung der Mittel sollte der Arzt deshalb das Blutbild in regelmäßigen Abständen kontrollieren.

Die Kombination verursacht relativ oft allergische Reaktionen. Dann rötet sich die Haut verstärkt und juckt. In diesem Fall sollten Sie das Mittel absetzen und die Hauterscheinungen innerhalb der nächsten 24 Stunden einem Arzt zeigen.

Sofort zum Arzt

Cotrimoxazol kann die Blutbildung im Knochenmark beeinträchtigen (wenige Einzelfälle). Hinweise dafür sind grippeähnliche Beschwerden mit Halsschmerzen, Fieber, Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Treten solche Symptome einer  Blutbildveränderung auf, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Früh- und Neugeborene dürfen nicht mit Cotrimoxazol behandelt werden.

Auch Kinder, die jünger sind als sechs Wochen, sollten nicht mit Cotrimoxazol behandelt werden. Für den Einsatz in dieser Altersgruppe gibt es keine klinischen Erfahrungen. Für Kinder im Vorschulalter stehen Saftzubereitungen mit Cotrimoxazol zur Verfügung. Tabletten sind für Kinder unter sechs Jahren nicht geeignet, da sie zu viel Wirkstoff enthalten.

Zur Empfängnisverhütung

Frauen, die die Pille einnehmen, sollten beachten, dass die empfängnisverhütende Wirkung unter Umständen nicht mehr gewährleistet ist. Antibiotika zerstören einen Großteil der Bakterienflora im Darm. Daraus resultiert oft Durchfall, sodass die Wirkstoffe aus der Pille nur noch vermindert aufgenommen werden. Es ist nicht sicher, dass sie den Eisprung dann noch wirksam unterdrücken. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel zur Empfängnisverhütung: verringerte Wirkung.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

In der Schwangerschaft dürfen Sie Cotrimoxazol nur anwenden, wenn besser erprobte Mittel wie Cephalosporine nicht eingesetzt werden können. Ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen kann aufgrund der Auswirkungen von Trimethoprim auf den Folsäurehaushalt nicht sicher ausgeschlossen werden. Allerdings haben die bisherigen Erfahrungen keine Hinweise darauf ergeben.

Während der Schwangerschaft gelten Cephalosporine als Mittel der ersten Wahl zur Behandlung einer bakteriell bedingten Harnwegsinfektion.

In der Stillzeit können Sie die Kombination anwenden. Das Mittel geht nur in sehr geringen und für den Säugling unschädlichen Mengen in die Muttermilch über.

Für ältere Menschen

Bei eingeschränkter Nierenfunktion steigt durch die Einnahme von Cotrimoxazol das Risiko, dass sich Kalium im Blut anreichert. Von einer solchen Nierenfunktionsstörung sind ältere Menschen häufiger betroffen als jüngere.

Wechselwirkungen zwischen Cotrimoxazol und verschiedenen Medikamenten können bei älteren Menschen stärker ausfallen als bei jüngeren. Beispielsweise ist das Risiko, dass der Kaliumgehalt im Blut gefährlich ansteigt, besonders erhöht, wenn das Mittel zusammen mit ACE-Hemmern, Sartanen, Spironolacton, Triamteren (bei hohem Blutdruck, Herzschwäche), Amilorid (bei hohem Blutdruck, Nierenerkrankungen) oder Eplerenon (bei Herzschwäche) eingenommen wird.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs