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Antibiotikum: Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin (Chinolone)

Wirkungsweise

Chinolone – auch Gyrasehemmer genannt – sind Antibiotika, die Vorgänge bei der Zellteilung der Bakterien, die von dem Enzym Gyrase gesteuert werden, blockieren und so Keime abtöten. Testergebnisse Chinolone

Chinolone wirken gegen viele verschiedene Bakterienarten gleichermaßen gut. Das hat dazu geführt, dass sie oft unnötig schnell, häufig und ungezielt verordnet werden, was der Resistenzentwicklung seit Jahren Vorschub leistet. Obwohl diese Mittel im Vergleich zur Gruppe der Penicilline noch nicht so lange zur Verfügung stehen, wirken sie in Deutschland bereits bei 10 bis 20 Prozent der Infektionen mit Escherichia coli, dem Hauptkeim bei Harnwegsinfektionen, nicht mehr, weil die Bakterien dagegen resistent geworden sind.

Diese Antibiotikaklasse wurde von der europäischen Zulassungsbehörde mehrfach hinsichtlich ihrer Verträglichkeit überprüft. Die Begutachtungen führten zu Einschränkungen ihrer Anwendungsgebiete. Die Mittel können schwerwiegende und möglicherweise dauerhafte Nebenwirkungen haben. Es besteht das Risiko, dass Sehnen sich entzünden und reißen, sowie dass der Knorpelaufbau beeinträchtigt wird. Auch Auswirkungen auf die Herzfunktion und das Zentralnervensystem durch Chinolone sind denkbar.

Wichtig beim Einsatz von Chinolonen ist es grundsätzlich, auch die aktuelle lokale Resistenzlage zu berücksichtigen. Hier finden Sie allgemeine Informationen zu Resistenzen.

Sexuell übertragbare Erkrankung: Chlamydien­infektion

Sexuell übertragbare Chlamydien­infektionen sollten vorrangig mit anderen Antibiotika als Chinolonen behandelt werden. Bei diesen genitalen Infektionen werden in erster Linie Doxycyclin und Azithromycin empfohlen. Ofloxacin und Levofloxacin können, wenn auch selten, schwere und gegebenenfalls auch bleibende Nebenwirkungen verursachen. Zudem besteht das Risiko, dass der häufige und ungezielte Einsatz dieser Wirkstoffe einer Resistenzentwicklung Vorschub leistet. Dann können diese Wirkstoffe für die Behandlung schwerwiegender Infektionen nicht mehr eingesetzt werden. Ofloxacin und Levofloxacin sind daher bei Chlamydieninfektionen wenig geeignet.

Harnwegsinfektionen, Reizblase

Die Wirkstoffe Ciprofloxacin, Levofloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin sind geeignet bei komplizierten Infektionen der Harnwege, wenn geprüft wurde, ob die Keime auf Chinolone ansprechen.

Bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen sind Chinolone hingegen wenig geeignet. Die üblichen Erreger werden rasch resistent gegen diese Wirkstoffe, wenn sie – wie es bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen häufig der Fall ist – ungezielt eingesetzt werden. Außerdem stehen für diesen Einsatz risikoärmere Alternativen zur Verfügung. Weitere Informationen dazu finden Sie unter Harnwegsinfektionen: Behandlung mit Medikamenten.

Sind an einer schwer verlaufenden Harnwegsinfektion die oberen Harnwege und die Niere beteiligt, können Ciprofloxacin und Levofloxacin als Mittel der ersten Wahl eingesetzt werden. In diesem Fall muss keine Resistenztestung der Erreger erfolgen. Mit dieser Eignung lösen sie das Medikament Cotrimoxazol ab. Gegen dieses sind die Erreger mittlerweile so häufig unempfindlich geworden, dass es nur noch nach vorheriger Testung eingesetzt werden soll.

Wichtig beim Einsatz von Chinolonen ist es grundsätzlich, auch die aktuelle Resistenzlage zu berücksichtigen. Die besondere Situation bei Harnwegsinfektionen wird unter Resistenzgefahr beachten dargestellt.

Lungenentzündung

Levofloxacin ist geeignet, wenn die Lungenentzündung nachweislich durch Pneumokokken oder gramnegative Keime verursacht wurde. Für die generelle Behandlung von Lungenentzündungen außerhalb des Krankenhauses sollte das Chinolon aber nur angewendet werden, wenn besser verträgliche Antibiotika nicht zur Verfügung stehen. Hierfür ist es mit Einschränkung geeignet. Ein unkritischer Einsatz des Mittels erhöht das Risiko, dass sich bei den Erregern rasch Resistenzen ausbilden.

Moxifloxacin ist geeignet bei Lungenentzündungen durch gramnegative Keime und Pneumokokken, wenn ein bakteriologischer Nachweis vorliegt. Ohne diesen Nachweis ist es ist nur mit Einschränkung geeignet zur Behandlung von Lungenentzündungen außerhalb des Krankenhauses. Es sollte in diesem Fall erst eingesetzt werden, wenn Standardwirkstoffe wie Amoxicillin nicht angewendet werden können, wenn ein besonderes Risiko für Komplikationen besteht (etwa durch gleichzeitig bestehende andere Krankheiten) oder wenn bereits mit Antibiotika erfolglos vorbehandelt wurde. Zurzeit sind noch viele Erreger empfindlich gegen diesen Wirkstoff. Um einer breiten Resistenzentwicklung entgegen zu wirken, sollte Moxifloxacin nicht ungezielt, sondern nur bei schweren Krankheitsverläufen eingesetzt werden. Das gilt auch für den Wirkstoff Levofloxacin.

Ofloxacin ist zur Behandlung einer ambulant erworbenen Lungenentzündung wenig geeignet. Nur in wenigen Studien wurde die therapeutische Wirksamkeit von Ofloxacin nachgewiesen. Insgesamt ist sie weniger gut belegt als bei anderen Chinolonen. Ofloxacin besteht zur Hälfte aus Levofloxacin. Die andere Hälfte stellt strukturell das Spiegelbild von Levofloxacin dar und ist unwirksam. Mit steigender Dosierung von Ofloxacin nimmt die Verträglichkeit ab. Das Mittel gilt bei der Behandlung der Lungenentzündung als veraltet. Levofloxacin kann höher dosiert werden und wirkt sicher. Falls ein Chinolon zum Einsatz kommen muss, ist Levofloxacin dem Ofloxacin vorzuziehen.

Anwendung

Grundsätzliche Angaben hierzu lesen Sie bei Antibiotika allgemein.

Die Wirkstoffe werden am besten in den Körper aufgenommen, wenn Sie sie auf nüchternen Magen oder ein bis zwei Stunden vor dem Essen schlucken. Um unerwünschte Wirkungen im Magen zu vermeiden, können Sie die Mittel auch während des Essens einnehmen – vorausgesetzt, Sie beachten die unter Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken angegebenen Hinweise.

Wenn Ihre Nieren nur eingeschränkt arbeiten, muss die Ärztin oder der Arzt die Dosis verringern.

Wenn Sie die Mittel länger als zwei Wochen einnehmen müssen, sollte die Ärztin oder der Arzt die Leberwerte kontrollieren, um rechtzeitig auf mögliche Leberschäden aufmerksam zu werden.

Sexuell übertragbare Erkrankung: Chlamydien­infektion

Werden die Mittel zur Behandlung einer Chlamydieninfektion im Genitalbereich eingesetzt, nehmen Sie über die Dauer von sieben Tagen zweimal täglich 300 Milligramm Ofloxacin beziehungsweise einmal täglich 500 Milligramm Levofloxacin ein.

Harnwegsinfektionen, Reizblase

Bei komplizierten Harnwegsinfektionen liegt die Behandlungsdauer üblicherweise zwischen 7 und 14 Tagen.

Achtung

Beachten Sie für die folgenden Abschnitte auch die Ausführungen unter Antibiotika allgemein.

Chinolone machen die Haut empfindlicher für Sonnenlicht. Während der Behandlung und noch zwei Tage nach deren Ende sollten Sie keine Sonnenbäder nehmen und nicht ins Solarium gehen. Bei starker Sonneneinstrahlung sollten Sie die Haut tagsüber mit einer Sonnencreme mit sehr hohem Schutzfaktor (über 50) schützen. Entsteht dennoch ein Sonnenbrand mit stark geröteter, entzündeter Haut, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Gegenanzeigen

Chinolone dürfen Sie nicht anwenden, wenn bei einer früheren Behandlung mit einem dieser Wirkstoffe eine schmerzhafte Sehnenschwellung beziehungsweise -entzündung oder ein Sehnenriss aufgetreten ist.

Wenn Sie Epilepsie haben oder zu Krampfanfällen neigen, dürfen Sie Chinolone nur mit Vorsicht anwenden, weil sie die Krampfneigung verstärken. Das gilt auch, wenn Sie eine Erkrankung haben, bei der die Übertragung von Nervenreizen auf die Muskulatur gestört ist (Myasthenia gravis). Durch Chinolone kann sich die Muskelschwäche bedrohlich verschlimmern.

Ciprofloxacin dürfen Sie nicht anwenden, wenn sie an muskulären Spasmen leiden und den Wirkstoff Tizanidin (bei Verspannungen) einnehmen. Bei gleichzeitiger Anwendung mit Ciprofloxacin zeigte sich ein erhöhtes Risiko für bedrohliche unerwünschte Wirkungen von Tizanidin.

Moxifloxacin dürfen Sie unter folgenden Bedingungen nicht anwenden:

  • Sie haben oder hatten Herzrhythmusstörungen oder Ihr Herz schlägt zu langsam.
  • Sie nehmen Medikamente ein, die den Herzrhythmus beeinflussen, wie Antiarrhythmika (zum Beispiel Chinidin, Amiodaron, Sotalol; alle bei Herzrhythmusstörungen), Neuroleptika (zum Beispiel Pimozid, Sertindol, Haloperidol, alle bei Schizophrenien und anderen Psychosen), trizyklische Antidepressiva (zum Beispiel Amitriptylin, bei Depressionen) oder die Antihistaminika Hydroxyzin und Mizolastin (bei Allergien). Dann besteht die Gefahr lebensbedrohlicher Herzrhythmusstörungen.
  • Sie haben eine deutlich spürbare Herzschwäche.
  • Die Funktion Ihrer Leber oder Niere ist eingeschränkt.
  • Der Salz-Wasser-Haushalt ist gestört, vor allem durch einen Mangel an Kalium.

Der Arzt muss unter folgenden Bedingungen Nutzen und Risiken einer Behandlung mit Chinolonen sorgfältig abwägen:

  • Sie haben eine Herzerkrankung (zum Beispiel Herzschwäche) oder das Herz schlägt besonders langsam (Bradykardie).
  • Die Funktion ihrer Herzklappe ist geschädigt (das heißt Sie haben einen angeborenen oder erworbenen Herzklappenfehler) oder Sie haben ein erhöhtes Risiko hierfür, etwa aufgrund einer Bindegewebserkrankung, einer rheumatischen Erkrankung oder weil sie schon einmal eine bakterielle Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) hatten. Es gibt Hinweise, dass Chinolone die Herzklappe schädigen könnten.
  • Bei Ihnen besteht bereits eine Gewebeveränderung in der Hauptschlagader (Aneurysma) oder hierfür besteht ein erhöhtes Risiko. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Sie Gefäßverkalkungen (bei älteren Menschen, insbesondere bei Männern, mit erhöhten Blutfettwerten) oder Bluthochdruck haben oder wenn ein naher Verwandter ein Aneurysma hatte. Auch Raucher haben ein erhöhtes Risiko für ein Aneurysma. Es gibt Hinweise, dass Chinolone die Gefahr erhöhen könnten, dass das Aneurysma unerwartet reißt. Dann droht eine lebensbedrohliche Blutung. Treten plötzlich starke Schmerzen im Bauchraum, Brustkorb oder Rücken auf, müssen Sie unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen.
  • Es besteht eine angeborene Veränderung der Erregungsleitung im Herzen (Long-QT-Syndrom).
  • Der Salz-Wasser-Haushalt ist gestört. Das ist vor allem bei einem Mangel an Kalium oder Magnesium der Fall.
  • Die Funktion Ihrer Leber oder Niere ist eingeschränkt.
  • Sie sind älter als 60 Jahre.
  • Sie haben ein transplantiertes Organ.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie gleichzeitig Glucocorticoide (bei Entzündungen und Immunreaktionen) einnehmen müssen, kann sich das sowieso schon vorhandene Risiko für Sehnenscheidenentzündungen oder Sehnenrisse (zum Beispiel an der Achillessehne) weiter erhöhen. Die gemeinsame Anwendung sollte möglichst vermieden werden.

Ciprofloxacin: Wenn Sie noch andere Medikamente einnehmen, ist zu beachten, dass Ciprofloxacin den Blutspiegel von Theophyllin (bei Asthma, COPD) erhöht. Dies kann zu Herzrasen und Krampfanfällen führen. Der Arzt sollte dies kontrollieren und gegebenenfalls die Dosis anpassen.

Moxifloxacin: Insbesondere Menschen über 60 Jahre sollten nicht mit Moxifloxacin behandelt werden, wenn sie Medikamente einnehmen, die den Kaliumspiegel senken. Dazu gehören unter anderem wasserausschwemmende Mittel (bei hohem Blutdruck) oder cortisonhaltige Mittel zum Einnehmen (bei Entzündungen, Immunreaktionen). Sollten Sie solche Mittel einnehmen, besprechen Sie das weitere Vorgehen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Unbedingt beachten

Eisen (bei Blutarmut), Calcium (bei Osteoporose), Zink (bei Zinkmangel), Antazida (bei Sodbrennen), Sucralfat (bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren) und Didanosin (bei HIV-Infektion) können die Aufnahme von Chinolonen verringern. Sie sollten deshalb Chinolone mindestens zwei Stunden vor oder vier Stunden nach diesen Mitteln einnehmen. Näheres hierzu lesen Sie unter Antibiotika/Virustatika: verringerte Wirkung.

Chinolone verstärken die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden. Sie müssen deshalb die Blutgerinnung häufiger als sonst selbst kontrollieren oder vom Arzt kontrollieren lassen und gegebenenfalls nach Absprache mit dem Arzt die Dosis der Gerinnungshemmer verringern. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Chinolone können das Risiko für schwerwiegende bis hin zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen erhöhen, wenn sie zusammen mit Medikamenten eingenommen werden, die selbst den Herzrhythmus beeinflussen. Zu diesen gehören zum Beispiel Amiodaron, Chinidin und Sotalol (bei bestimmten Arten von Herzrhythmusstörungen). Das gilt vor allem für Frauen, für Personen über 60 Jahre sowie bei hoher Dosierung oder wenn Durchfall, Erbrechen oder ein Magnesiummangel besteht. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel bei Herzrhythmusstörungen: verstärkte Wirkung.

Chinolone können die Wirkung von blutzuckersenkenden Sulfonylharnstoffen (zum Beispiel Glibenclamid bei Typ-2-Diabetes) verstärken. Sie sollten deshalb die Blutzuckerwerte häufiger selbst kontrollieren oder vom Arzt überprüfen lassen und gegebenenfalls in Absprache mit dem Arzt die Dosis der Medikamente verringern. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutzuckersenkung: verstärkte Wirkung.

Ciprofloxacin: Dieser Wirkstoff darf nicht zusammen mit Tizanidin (bei Verspannungen) angewendet werden. Bei einer solchen Kombination können sich die unerwünschten Wirkungen von Tizanidin bedrohlich verstärken.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Bitte beachten Sie für Ciprofloxacin und Norfloxacin die folgenden Wechselwirkungen:

  • Milch, Milchprodukte oder mit Calcium angereicherte Lebensmittel (wie Säfte oder Mineralwässer) können die Aufnahme dieser Mittel ins Blut beeinträchtigen. Daher sollten Sie die Medikamente entweder zwei Stunden vor diesen Lebensmitteln einnehmen oder vier Stunden danach.
  • Die Medikamente hemmen den Abbau von Coffein. Dadurch kann Coffein verstärkt wirken und Erregung, Unruhe, Schlaflosigkeit und Herzklopfen auslösen. Während der Behandlung mit diesen Chinolonen sollten Sie daher möglichst wenig Kaffee, Tee oder andere koffeinhaltige Getränke trinken.

Nebenwirkungen

Bei 1 von 10 Behandelten treten unerwünschte Wirkungen auf, am häufigsten die bereits für alle Antibiotika beschriebenen Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Durchfall). Angaben hierzu lesen Sie bei Antibiotika allgemein.

Chinolone können Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei bis zu 10 von 1 000 Behandelten kommt es zu Kopfschmerzen, Benommenheit, Schwindel, Müdigkeit oder Erregtheit und Zittern. Ebenso häufig können Geschmacks- oder Geruchsstörungen auftreten und die Gelenke schmerzen oder anschwellen.

Nach Beendigung der Behandlung verschwinden diese Beschwerden in aller Regel wieder.

Muss beobachtet werden

Chinolone können in seltenen Fällen die Herzklappen so schädigen, dass sie sich nicht mehr richtig schließen können. Wenn eine Klappe stark geschädigt ist, staut sich das Blut im Herzen und der Kreislauf wird nicht mehr ausreichend versorgt. Anzeichen hierfür können Schwäche, Atemnot, Herzklopfen und Schwellungen (Wassereinlagerungen) am Bauch oder an den Beinen sein. Bei diesen Beschwerden sollten Sie baldmöglichst einen Arzt aufsuchen.

Wenn Sie Freud- und Antriebslosigkeit quälen und Sie sehr ängstlich oder niedergeschlagen sind, kann es sich um eine Depression handeln. Auch eine allgemeine Erschöpfung und Interessenlosigkeit sowie Schlafstörungen und Appetitlosigkeit können Anzeichen einer solchen Erkrankung sein. Wenn Sie oder nahestehende Personen solche Veränderungen bemerken und diese länger als zwei Wochen anhalten, sollten Sie sich an einen Arzt wenden. Dann können Sie im Gespräch über das weitere Vorgehen beraten. Gegebenenfalls sollte der Arzt ein anderes Antibiotikum verordnen.

Chinolone können die Nerven schädigen. Anzeichen dafür sind Schmerzen, Brennen, Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Schwäche. Wenn solche Beschwerden auftreten, sollten Sie das Mittel nicht mehr weiter einnehmen und einen Arzt aufsuchen.

Während der Behandlung können Probleme mit den Augen auftreten. Wenn Sie verschwommen oder doppelt sehen oder wenn Sie Farben verändert wahrnehmen, sollten Sie dies möglichst schnell von einem Augenarzt abklären lassen.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt und Sie ein Alternativmedikament benötigen.

Sofort zum Arzt

Setzen Schmerzen an Sehnenansätzen, an Hand- oder Fußgelenken, Ellenbogen, an der Schulter oder Leiste ein, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen. Bei der Behandlung mit Chinolonen treten in selten Fällen Sehnenscheidenentzündungen oder Sehnenrisse (zum Beispiel an der Achillessehne) auf.

Neben Sehnen können Chinolone auch das Bindegewebe von Blutgefäßen schwächen. In Einzelfällen kann es dadurch zu Aussackungen (Aneurysma) der Gefäßwände der Hauptschlagader kommen. Das Risiko für ein derartiges Geschehen ist vermutlich bei Menschen erhöht, die gleichzeitig Glucocorticoide einnehmen oder gespritzt bekommen. Wenn diese Aussackungen einreißen, kann das zu lebensbedrohlichen inneren Blutungen führen. Aneurysmen machen oft erst dann Symptome, wenn sie platzen oder einreißen. Dann treten meist plötzliche reißende Schmerzen in Bauch, Brustkorb oder Rücken auf, je nachdem, wo sich die Aussackung im Gefäß befindet. Durch innere Blutverluste können Schwindel und Schwäche bis zur Bewusstlosigkeit sowie ein stark beschleunigter Puls auftreten. Bei derartigen Symptomen ist umgehend der Notarzt (Telefon 112) zu verständigen.

Die Mittel können die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind: eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

Die oben beschriebenen Anzeichen einer Depression können sich so weit verschlimmern, dass Betroffene kein Interesse mehr an Ihrem sozialen Umfeld aufbringen können. Außerdem können innere Leere und Schuldgefühle soweit zunehmen, dass sich Selbsttötungsgedanken entwickeln. Sehen nahestehende Personen die Gefahr einer Selbsttötung, muss sofort ärztliche Hilfe gesucht werden.

Auch wenn Sie einen epileptischen Krampfanfall erleiden, sollten Sie das Mittel absetzen und umgehend eine Ärztin oder einen Arzt rufen.

Die oben beschriebenen Hauterscheinungen können in sehr seltenen Fällen auch erste Anzeichen für andere sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arzneimittel sein. Meist entwickeln diese sich während der Anwendung des Mittels nach Tagen bis Wochen. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus und es bilden sich Blasen ("Syndrom der verbrühten Haut"). Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich sofort an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch lebensbedrohlich verschlimmern.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie beziehungsweise einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen. Das gilt auch, wenn Unterhautgewebe im Kopf- und Rachenbereich anschwillt. Geschieht dies im Gesicht an Lippen und Zunge, drohen Atemnot und Erstickungsanfälle (Angioödem). Ein allergischer Schock tritt nur in Einzelfällen auf. Nach den bisherigen Erfahrungen gehört Moxifloxacin zu den Wirkstoffen, die aber wiederholt als Ursache derartiger Reaktionen genannt werden.

Besondere Hinweise

Allgemein

Beachten Sie weitere wichtige Hinweise zur Empfängnisverhütung sowie für Kinder und Jugendliche unter Antibiotika allgemein.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Bakterielle Infektionen allgemein

Chinolone sollten in der Schwangerschaft nur eingesetzt werden, wenn Penicilline, Cephalosporine oder Makrolide nicht infrage kommen. Ciprofloxacin ist dann am ehesten geeignet, weil mit diesem Wirkstoff die meisten Erfahrungen vorliegen. Auch für Norfloxacin liegen viele Erfahrungen vor. Über die Anwendung von Moxifloxacin in der Schwangerschaft ist am wenigsten bekannt. Auf Ofloxacin sollten Sie während der Schwangerschaft ganz verzichten.

Auch in der Stillzeit sind die anderen genannten Antibiotika zu bevorzugen. Ist eine Behandlung mit Chinolonen unbedingt erforderlich, können Sie dennoch weiterhin stillen. Selten hat der Säugling dann dünneren Stuhlgang.

Sexuell übertragbare Erkrankung: Chlamydien­infektion

Während der Schwangerschaft und der Stillzeit sind zur Behandlung von Chlamydieninfektionen Makrolide wie Azithromycin oder Erythromycin Mittel der ersten Wahl. Chinolone sind während dieser Zeit nicht zu empfehlen.

Harnwegsinfektionen, Reizblase

Während Schwangerschaft und Stillzeit zählen bei der Behandlung einer bakteriell bedingten Harnwegsinfektion Cephalosporine zu den Mitteln der ersten Wahl.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin dürfen Kinder und Jugendliche bis zum Ende des Wachstums nicht erhalten, weil sie den wachsenden Knorpel und somit die Gelenke dauerhaft schädigen können.

Für Ciprofloxacin gilt grundsätzlich das Gleiche wie für die anderen Chinolone: Es darf Kindern und Jugendlichen bis zum Ende des Wachstums nicht gegeben werden, weil der wachsende Knorpel und somit die Gelenke dauerhaft geschädigt werden können. Es gelten aber zwei Ausnahmen:

  • Es handelt sich um ein Kind mit Mukoviszidose, das älter ist als fünf Jahre und eine akute Lungenentzündung hat, die von einem speziellen Keim (Pseudomonas aeruginosa) hervorgerufen wurde.
  • Das Kind ist älter als ein Jahr und hat eine komplizierte Harnwegsinfektion oder Nierenbeckenentzündung.

In beiden Fällen können Kinder mit Ciprofloxacin behandelt werden, wenn die Erreger zweifelsfrei nachgewiesen wurden und Standardmedikamente entweder nicht eingesetzt werden können oder nicht ausreichend wirken.

Für ältere Menschen

Da bei älteren Personen die Nierenfunktion häufig eingeschränkt ist, besteht ein erhöhtes Risiko für unerwünschte Wirkungen. Bei älteren Menschen mit Herzerkrankungen wie Herzschwäche, Herzinfarkt oder verlangsamtem Herzschlag sollte die Ärztin oder der Arzt die Verordnung von Chinolonen besonders sorgfältig überdenken. Bei ihnen kann sich durch diese Medikamente das Risiko für Herzrhythmusstörungen erhöhen. Auch wegen der möglichen Nebenwirkungen auf das zentrale Nervensystem (Halluzinationen, Psychosen) und Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für eine akute Ausbuchtung der Hauptschlagader (Aneurysma) sollten Chinolone bei älteren Personen nur zurückhaltend eingesetzt werden.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Chinolone können die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen und Sehstörungen wie Doppelbilder und verschwommenes Sehen auslösen. Solange Sie diese Mittel einnehmen, sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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