Medikamente im Test

Antibiotika: Cefaclor, Cefadroxil, Cefalexin, Cefixim, Cefpodoxim und Cefuroxim (Cephalosporine)

Wirkungsweise

Cephalosporine sind eine Antibiotikagruppe, die in ihrer chemischen Struktur den Penicillinen ähnelt. Wie diese töten sie Bakterien während der Wachstumsphase ab, indem sie den Aufbau ihrer Zellwand hemmen. Ausgewachsene Bakterien werden von diesen Antibiotika nicht beeinflusst.

Alle Cephalosporine sind geeignet zur Behandlung von mittelschweren Lungenentzündungen außerhalb des Krankenhauses sowie von bakteriellen Nasennebenhöhlen- und/oder Mittelohrentzündungen. Cephalosporine werden in Deutschland bei diesen Indikationen sehr häufig eingesetzt. Da die Erreger jedoch auf Penicilline meist ebenso gut ansprechen, kann erst einmal versucht werden, die Infektion damit zu bekämpfen. Besteht eine Unverträglichkeit gegen Penicilline oder wirken diese nicht ausreichend, sind Cephalosporine weiterhin sinnvoll.

Der Wirkstoff Cefuroxim ist darüber hinaus zur Behandlung einer Lyme-Borreliose mit Einschränkung geeignet. Er sollte nur angewendet werden, wenn Doxycyclin (oder auch Amoxicillin) nicht eingesetzt werden kann. Damit lässt sich vermeiden, dass die Bakterien aufgrund eines ungezielten Einsatzes von Cefuroxim vorschnell resistent werden. Ob dies auch für andere Cephalosporine gilt, ist unklar, weil es wenig Erfahrungen zu deren Einsatz bei Borreliose gibt. Im Frühstadium der Erkrankung genügt die Einnahme in Form von Tabletten. Sind Haut, Nerven und Gelenke mitbetroffen, müssen die Antibiotika als Infusion gegeben werden.

Cephalosporine sind außerdem geeignet bei komplizierten Harnwegsinfekten, wenn der Arzt geprüft hat, ob die Erreger für den ausgewählten Wirkstoff empfindlich sind. Bei unkomplizierten Harnwegsinfekten sind Cephalosporine mit Einschränkung geeignet. Sie müssen länger eingenommen werden als "geeignete" Mittel und sollten nur zum Einsatz kommen, wenn diese nicht angewendet werden können, beispielsweise während einer Schwangerschaft. Prinzipiell wird die Eignung der Cephalosporine bei Harnwegsinfektionen nach Art der Infektion unterschiedlich beurteilt. Näheres hierzu lesen Sie unter Behandlung mit Medikamenten.

Wichtig bei der Anwendung von Cephalosporinen ist es grundsätzlich, die aktuelle Resistenzlage zu berücksichtigen. Hier finden Sie allgemeine Informationen zu Resistenzen. Die besondere Situation bei Harnwegsinfektionen wird unter Resistenzgefahr beachten dargestellt.

Anwendung

Grundsätzliche Angaben hierzu lesen Sie bei Antibiotika allgemein.

Cephalosporine werden wie die meisten Antibiotika über die Nieren ausgeschieden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion kann die Konzentration des Wirkstoffs im Blut ansteigen. Damit erhöht sich das Risiko für unerwünschte Wirkungen. Um das zu vermeiden, muss bei Nierenfunktionsstörungen die Dosierung des Antibiotikums verringert werden oder die Einnahmeabstände müssen ausgedehnt werden. Ausschlaggebend sind die Ergebnisse der Blutuntersuchung, mit der die Nierenfunktion kontrolliert wird. Von dieser Vorsichtsmaßnahme ausgenommen ist Cefaclor.

Sie können die Mittel zur Mahlzeit einnehmen, bei manchen Vertretern der Cephalosporine verbessert sich dadurch die Aufnahme des Antibiotikums in den Körper.

Wenn Sie das Mittel mehrmals täglich einnehmen müssen, sollten Sie auf möglichst regelmäßige Zeitabstände zwischen den Einnahmen achten.

Achtung

Einige Präparate enthalten Parabene (siehe Übersicht). Diese Konservierungsmittel können Allergien auslösen. Wenn Sie auf Parastoffe allergisch reagieren, dürfen Sie die Mittel nicht anwenden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie diese Antibiotika nicht anwenden:

  • Sie reagieren auf den Wirkstoff allergisch. Dabei muss der Arzt auch Kreuzallergien zu anderen Wirkstoffen der gleichen Wirkstoffgruppe beachten. Beispielsweise vertragen 10 von 100 Personen, die auf Penicilline allergisch reagieren, auch keine Cephalosporine, weil diese chemisch ähnlich aufgebaut sind. Wenn Sie ohnehin Allergien haben (Asthma, Heuschnupfen), ist das Risiko, dass Sie auf Cephalosporine allergisch reagieren, erhöht. Dennoch können Sie mit diesen Mitteln behandelt werden. Sie sollten jedoch besonders aufmerksam auf Zeichen einer Allergie achten.
  • Wenn Sie starken Durchfall haben oder häufig erbrechen müssen, sind Antibiotikatabletten nicht sinnvoll, weil der Wirkstoff nicht in ausreichender Menge ins Blut gelangt. Das Mittel muss dann gespritzt oder infundiert werden.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Unbedingt beachten

Einige Cephalosporine verstärken die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden. Sie müssen deshalb die Blutgerinnung häufiger als sonst selbst kontrollieren oder vom Arzt kontrollieren lassen und gegebenenfalls nach Absprache mit dem Arzt die Dosis der Gerinnungshemmer verringern. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Nebenwirkungen

Cephalosporine können Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Es kann zu Beginn der Behandlung zu einem allgemeinen Unwohlsein kommen, beispielsweise treten Kopfschmerzen, Schwäche, Schlaflosigkeit, Schläfrigkeit und Schwindel auf. Die Beschwerden vergehen nach kurzer Zeit oder spätestens nach Beendigung der Behandlung wieder.

Wie alle Antibiotika können auch Cephalosporine Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen und Appetitlosigkeit verursachen. Leichter Durchfall ist dadurch bedingt, dass Antibiotika die nützlichen Darmbakterien abtöten. Mit dem Ende der Behandlung reguliert sich die Verdauung wieder.

In Einzelfällen wurden auch Nervosität, Schlafstörungen und Schwindel beobachtet.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen. Der Juckreiz kann auch erst einige Tage nach der Einnahme beginnen.

Wenn Sie Cephalosporine über mehrere Wochen und in hoher Dosierung einnehmen, tötet das Medikament die nützliche Bakterienflora auf den Schleimhäuten in Mund, Rachen und im Genitalbereich ab. Dann können sich Pilze verstärkt ausbreiten. Pilzinfektionen können sich dadurch bemerkbar machen, dass sich die Schleimhaut entzündet und sich ein weißlicher Belag bildet. Pilzinfektionen im Genitalbereich betreffen vor allem Frauen. Sie gehen mit starkem Juckreiz sowie einem weiß-krümeligen Ausfluss einher. Bei solchen Symptomen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Bei einer Immunschwäche können die Pilze innere Organe befallen. Fieber und Abgeschlagenheit können darauf hindeuten. Dann sollte der Arzt entsprechende Diagnosemaßnahmen einleiten.

Cefpodoxim: In wenigen Einzelfällen kann Cefpodoxim die Nierenfunktion beeinträchtigen. Solche beginnenden Schäden der Nieren kann der Arzt nur durch gezielte diagnostische Maßnahmen feststellen. Bei vermehrter oder verminderter Urinproduktion, wenn die Haut nach Urin riecht, bei neu auftretenden oder sich verschlimmernden Wasseransammlungen z. B. in den Beinen (Ödeme) oder Schmerzen in der Nierengegend sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen und gezielt die Nieren untersuchen lassen. Nehmen Sie die Mittel gegen Harnwegsinfektionen ein, sind diese Anzeichen allerdings nicht immer eindeutig zu bemerken.

Sofort zum Arzt

Das Mittel kann die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind: eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen. Solche Leberschäden treten in Einzelfällen auf.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen, oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Die oben beschriebenen Hauterscheinungen können in sehr seltenen Fällen auch erste Anzeichen für andere sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arzneimittel sein. Meist entwickeln diese sich während der Anwendung des Mittels nach Tagen bis Wochen. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus, und es bilden sich Blasen ("Syndrom der verbrühten Haut"). Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich sofort an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch lebensbedrohlich verschlimmern.

Auch bei heftigem blutigen Durchfall mit Bauchkrämpfen und Fieber müssen Sie sofort einen Arzt rufen. Keinesfalls dürfen Sie dann ein Mittel einnehmen, das Durchfall stoppt, wie Loperamid. Diese Beschwerden können auf einer Infektion mit dem Bakterium Clostridium difficile beruhen (pseudomembranöse Colitis). Diese Bakterien können sich verstärkt vermehren, wenn Antibiotika die nützlichen Darmbakterien abgetötet haben. Das von den Clostridien abgegebene Gift löst eine schwere Darmentzündung aus, die lebensbedrohlich werden kann.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Frauen, die die Pille einnehmen, sollten beachten, dass die empfängnisverhütende Wirkung unter Umständen nicht mehr gewährleistet ist. Antibiotika zerstören einen Großteil der Bakterienflora im Darm. Daraus resultiert oft Durchfall, sodass die Wirkstoffe aus der Pille nur noch vermindert aufgenommen werden. Es ist nicht sicher, dass sie den Eisprung dann noch wirksam unterdrücken. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel zur Empfängnisverhütung: verringerte Wirkung.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Cefaclor, Cefalexin und Cefuroxim dürfen Sie in der Schwangerschaft und Stillzeit anwenden. Bekommt das gestillte Baby jedoch Durchfall, sollten Sie ihm bis zum Ende der Behandlung keine Muttermilch geben.

Alternativ können Sie auch Cefadroxil oder Cefixim während Schwangerschaft und Stillzeit anwenden, wenn diese Mittel deutliche Vorteile gegenüber den Wirkstoffen Cefaclor, Cefalexin und Cefuroxim hat. Bekommt das gestillte Baby jedoch Durchfall, sollten Sie ihm bis zum Ende der Behandlung keine Muttermilch geben.

Cefpodoxim sollten Sie sicherheitshalber in Schwangerschaft und Stillzeit nicht einnehmen. Über die Anwendung in der Schwangerschaft gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Cephalosporine zählen zu den hochwirksamen Antibiotika, deren Wirkkraft auch für Infektionen anderer Organsysteme bewahrt werden muss. Dennoch gehören sie mittlerweile zu den Standardtherapeutika, wenn bei Kindern Harnwege und Blase – gegebenenfalls unter Beteiligung der Niere – infiziert sind. Dies gilt insbesondere für die Regionen in Deutschland, in denen bereits eine hohe Resistenzrate gegen Trimethoprim, das frühere Standardmedikament bei Harnwegsinfektionen, besteht. Zur Behandlung akuter Harnwegsinfektionen ohne Fieber werden bei Kindern unter zwölf Jahren Cefaclor und Cefadroxil eingesetzt. Sind bereits die Nieren beteiligt kommen Cefixim und Cefuroxim zur Anwendung.

Leidet Ihr Kind bereits an einer eingeschränkten Nierenfunktion, darf Cefpodoxim Säuglingen erst ab drei Monaten gegeben werden. Cefixim sollen Kinder unter zwölf Jahren nicht bekommen. Bei älteren Kindern und generell bei der Anwendung von Cefadroxil und Cefuroxim, muss der Arzt – wenn die Nieren nur eingeschränkt arbeiten – die Dosis der Antibiotika reduzieren oder deren Einnahmeabstände verlängern.

Grundsätzlich gilt: Bei der Behandlung von Kindern bis sechs Jahre berechnen sich die Wirkstoffmengen in der Regel nach dem Körpergewicht des Kindes und nicht nach dessen Alter. Bei älteren Kindern wird die Körperoberfläche zur Dosisberechnung herangezogen.

Bei Kindern zwischen drei und neun Jahren müssen Antibiotika bezogen auf das Körpergewicht relativ höher dosiert werden als bei Erwachsenen, weil bei Kindern die Organe rascher arbeiten, sodass die Wirkstoffe schneller ausgeschieden werden.

Kinder sollten Antibiotika als Saft erhalten, wobei die Trockensubstanz mit Wasser gemischt wird. Für die Dosierung müssen Sie unbedingt den der Packung beiliegenden Messlöffel verwenden, weil jedes Präparat andere Maße hat.

Für Neugeborene gelten besondere Bedingungen. Wenn bei ihnen eine Antibiotikatherapie erforderlich ist, sollte dies immer in einer Kinderklinik erfolgen, nicht ambulant.

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