Medikamente im Test
  • Über 9 000 Medikamente
  • Geprüft durch unabhängige Experten
  • Ständig aktualisiert

Antibiotika: Cefaclor, Cefadroxil, Cefalexin, Cefixim, Cefpodoxim und Cefuroxim (Cephalosporine)

Wirkungsweise

Cephalosporine sind eine Antibiotikagruppe, die in ihrer chemischen Struktur den Penicillinen ähnelt. Wie diese töten sie Bakterien während der Wachstumsphase ab, indem sie den Aufbau ihrer Zellwand hemmen. Ausgewachsene Bakterien werden von diesen Antibiotika nicht beeinflusst.

Viele Cephalosporine, die noch nicht so lange im Handel sind (z. B. Cefixim), werden häufig verordnet, bieten aber gegenüber den älteren (Cefalexin, Cefaclor) bis auf wenige Ausnahmen meist kaum Vorteile.

Alle Cephalosporine sind geeignet zur Behandlung von mittelschweren Lungenentzündungen außerhalb des Krankenhauses sowie von bakteriellen Nasennebenhöhlen- und/oder Mittelohrentzündungen. Cephalosporine werden in Deutschland bei diesen Indikationen sehr häufig eingesetzt. Da die Erreger jedoch auf Penicilline meist ebenso gut ansprechen, kann erst einmal versucht werden, die Infektion damit zu bekämpfen. Besteht eine Allergie gegen Penicilline oder wirken diese nicht ausreichend, sind Cephalosporine weiterhin sinnvoll.

Der Wirkstoff Cefuroxim ist darüber hinaus zur Behandlung einer Lyme-Borreliose mit Einschränkung geeignet. Er sollte nur angewendet werden, wenn Doxycyclin (oder auch Amoxicillin) nicht eingesetzt werden können. Damit lässt sich vermeiden, dass die Bakterien aufgrund eines ungezielten Einsatzes von Cefuroxim vorschnell resistent werden. Ob dies auch für andere Cephalosporine gilt, ist unklar, weil es wenig Erfahrungen zu deren Einsatz bei Borreliose gibt. Im Frühstadium der Erkrankung genügt die Einnahme in Form von Tabletten. Sind Haut, Nerven und Gelenke mitbetroffen, müssen die Antibiotika als Infusion gegeben werden.

Cephalosporine sind außerdem geeignet bei komplizierten Harnwegsinfekten, wenn der Arzt geprüft hat, ob die Erreger für den ausgewählten Wirkstoff empfindlich sind. Bei unkomplizierten Harnwegsinfekten sind Cephalosporine mit Einschränkung geeignet. Sie müssen länger eingenommen werden als "geeignete" Mittel und sollten nur eingesetzt werden, wenn diese nicht angewendet werden können, beispielsweise während einer Schwangerschaft.

Die Eignung der Cephalosporine bei Harnwegsinfektionen wird je nach Art der Infektion unterschiedlich beurteilt. Näheres hierzu lesen Sie unter Behandlung mit Medikamenten.

Wichtig beim Einsatz von Cephalosporinen ist es grundsätzlich, auch die aktuelle Lage zu berücksichtigen. Hier finden Sie allgemeine Informationen zu Resistenzen. Die besondere Situation bei Harnwegsinfektionen wird unter Resistenzgefahr beachten dargestellt.

Anwendung

Alle Angaben hierzu lesen Sie unter "Anwendung" bei Antibiotika allgemein.

Cephalosporine werden wie die meisten Antibiotika über die Nieren ausgeschieden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion kann die Konzentration des Wirkstoffs im Blut ansteigen. Damit erhöht sich das Risiko für unerwünschte Wirkungen. Um das zu vermeiden, muss bei Nierenfunktionsstörungen die Dosierung des Antibiotikums verringert werden oder die Einnahmeabstände müssen ausgedehnt werden. Ausschlaggebend sind die Ergebnisse der Blutuntersuchung, mit der die Nierenfunktion kontrolliert wird. Von dieser Vorsichtsmaßnahme ausgenommen ist Cefaclor.

Achtung

Einige Präparate enthalten Parabene (siehe Tabelle). Diese Konservierungsmittel können Allergien auslösen. Wenn Sie auf Parastoffe allergisch reagieren, dürfen Sie die Mittel nicht anwenden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie diese Antibiotika nicht anwenden:

  • Sie reagieren auf den Wirkstoff allergisch. Dabei muss der Arzt auch Kreuzallergien zu anderen Wirkstoffen der gleichen Wirkstoffgruppe beachten. Beispielsweise vertragen 10 von 100 Personen, die auf Penicilline allergisch reagieren, auch keine Cephalosporine, weil diese chemisch ähnlich aufgebaut sind. Wenn Sie ohnehin Allergien haben (Asthma, Heuschnupfen), ist das Risiko, dass Sie auf Cephalosporine allergisch reagieren, erhöht. Dennoch können Sie mit diesen Mitteln behandelt werden. Sie sollten jedoch besonders aufmerksam auf Zeichen einer Allergie achten.
  • Wenn Sie starken Durchfall haben oder häufig erbrechen müssen, sind Antibiotikatabletten nicht sinnvoll, weil der Wirkstoff nicht in ausreichender Menge ins Blut gelangt. Das Mittel muss dann gespritzt oder infundiert werden.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Unbedingt beachten

Einige Cephalosporine verstärken die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden. Sie müssen deshalb die Blutgerinnung häufiger als sonst selbst kontrollieren oder vom Arzt kontrollieren lassen und gegebenenfalls nach Absprache mit dem Arzt die Dosis der Gerinnungshemmer verringern. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Wie alle Antibiotika können auch Cephalosporine Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen und Appetitlosigkeit verursachen. Leichter Durchfall ist dadurch bedingt, dass Antibiotika die nützlichen Darmbakterien abtöten. Mit dem Ende der Behandlung reguliert sich die Verdauung wieder.

In Einzelfällen wurden auch Nervosität, Schlafstörungen und Schwindel beobachtet.

Muss beobachtet werden

Wenn einige Tage nach Einnahmebeginn Juckreiz einsetzt, die Haut sich rötet und ein Hautausschlag auftritt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie innerhalb der nächsten 24 Stunden einen Arzt aufsuchen.

Wenn Sie Cephalosporine über mehrere Wochen und in hoher Dosierung einnehmen, tötet das Medikament die nützliche Bakterienflora auf den Schleimhäuten in Mund, Rachen und im Genitalbereich ab. Dann können sich Pilze verstärkt ausbreiten. Pilzinfektionen können sich dadurch bemerkbar machen, dass sich die Schleimhaut entzündet und sich ein weißlicher Belag bildet. Pilzinfektionen im Genitalbereich betreffen vor allem Frauen. Sie gehen mit starkem Juckreiz sowie einem weiß-krümeligen Ausfluss einher. Bei solchen Symptomen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Bei einer Immunschwäche können die Pilze innere Organe befallen. Fieber und Abgeschlagenheit können darauf hindeuten. Dann sollte der Arzt entsprechende Diagnosemaßnahmen einleiten.

Die Mittel können die Leber schädigen. Treten Übelkeit, Erbrechen und/oder dunkel gefärbter Urin auf und ist der Stuhl auffällig hell, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

In wenigen Einzelfällen können Cefaclor und Cefalexin die Nierenfunktion beeinträchtigen. Solche beginnenden Schäden der Nieren kann der Arzt nur durch gezielte diagnostische Maßnahmen feststellen. Bei vermehrter oder verminderter Urinproduktion, wenn die Haut nach Urin riecht, bei neu auftretenden oder sich verschlimmernden Wasseransammlungen z. B. in den Beinen (Ödeme) oder Schmerzen in der Nierengegend sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen und gezielt die Nieren untersuchen lassen. Nehmen Sie die Mittel gegen Harnwegsinfektionen ein, sind diese Anzeichen allerdings nicht immer eindeutig zu bemerken.

Sofort zum Arzt

Sehr selten können die Mittel die Leber auch schwer schädigen. Wenn sich die Haut gelb färbt – möglicherweise begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper –, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen.

Wenn starker Hautausschlag, Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel auftreten, müssen Sie die Anwendung sofort abbrechen und unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen, weil es sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln kann.

Auch bei heftigem blutigen Durchfall mit Bauchkrämpfen und Fieber müssen Sie sofort einen Arzt rufen. Keinesfalls dürfen Sie dann ein Mittel einnehmen, das Durchfall stoppt, wie z. B. Loperamid. Diese Beschwerden können auf einer Infektion mit dem Bakterium Clostridium difficile beruhen (pseudomembranöse Kolitis). Diese Bakterien können sich verstärkt vermehren, wenn Antibiotika die nützlichen Darmbakterien abgetötet haben. Das von den Clostridien abgegebene Gift löst eine schwere Darmentzündung aus, die lebensbedrohlich werden kann.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Bei der Behandlung von Kindern bis sechs Jahre berechnen sich die Wirkstoffmengen in der Regel nach dem Körpergewicht des Kindes und nicht nach dessen Alter. Bei älteren Kindern wird die Körperoberfläche zur Dosisberechnung herangezogen.

Bei Kindern zwischen drei und neun Jahren müssen Antibiotika bezogen auf das Körpergewicht relativ höher dosiert werden als bei Erwachsenen, weil bei Kindern die Organe rascher arbeiten, sodass die Wirkstoffe schneller ausgeschieden werden.

Kinder sollten Antibiotika als Saft erhalten, wobei die Trockensubstanz mit Wasser gemischt wird. Für die Dosierung müssen Sie unbedingt den der Packung beiliegenden Messlöffel verwenden, weil jedes Präparat andere Maße hat.

Für Neugeborene gelten besondere Bedingungen. Wenn bei ihnen eine Antibiotikatherapie erforderlich ist, sollte dies immer in einer Kinderklinik erfolgen, nicht ambulant.

Cefaclor darf als Saft bei Kindern jeden Alters angewendet werden, nicht jedoch bei Frühgeborenen.

Cefadroxil und Cefpodoxim dürfen als Saft bei Säuglingen ab einem Alter von vier Wochen eingesetzt werden.

Cefuroximsaft können Kinder ab drei Monate erhalten; Cefixim Kinder ab sechs Monaten.

Die hier bewerteten Mittel mit Cefalexin sind nicht für Kinder unter zwölf Jahren gedacht.

Zur Empfängnisverhütung

Frauen, die die Pille einnehmen, sollten beachten, dass die empfängnisverhütende Wirkung unter Umständen nicht mehr gewährleistet ist. Antibiotika zerstören einen Großteil der Bakterienflora im Darm. Daraus resultiert oft Durchfall, sodass die Wirkstoffe aus der Pille nur noch vermindert aufgenommen werden. Es ist nicht sicher, dass sie den Eisprung dann noch wirksam unterdrücken. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel zur Empfängnisverhütung: verringerte Wirkung.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Cefaclor, Cefadroxil und Cefuroxim dürfen Sie in der Schwangerschaft und Stillzeit anwenden. Bekommt das gestillte Baby jedoch Durchfall, sollten Sie ihm bis zum Ende der Behandlung keine Muttermilch geben.

Cefixim und Cefadroxil dürfen Sie in der Schwangerschaft und Stillzeit anwenden, wenn sie deutliche Vorteile gegenüber den Wirkstoffen Cefaclor, Cefadroxil und Cefuroxim haben. Bekommt das gestillte Baby jedoch Durchfall, sollten Sie ihm bis zum Ende der Behandlung keine Muttermilch geben.

Cefpodoxim sollten Sie sicherheitshalber nicht einnehmen. Über die Anwendung in der Schwangerschaft gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse.

Sie sehen nun nur noch Informationen zu: ${filtereditemslist}.