Medikamente im Test

Antibiotika: Azithromycin, Clarithromycin, Erythromycin und Roxithromycin

Wirkungsweise

Erythromycin ist ein langerprobtes und bewährtes Makrolidantibiotikum. Die anderen Wirkstoffe – Azithromycin, Clarithromycin und Roxithromycin – aus dieser Gruppe wurden erst in den vergangenen Jahren entwickelt. Sie sind im Vergleich zu Erythromycin nicht wirksamer, aber oft besser verträglich.

Weil Makrolidantibiotika jahrzehntelang unkritisch eingesetzt wurden, sind viele Bakterienstämme dagegen bereits resistent geworden. Besteht eine Resistenz auf das am häufigsten angewendete Erythromycin, sollte der Arzt auch keines der anderen Makrolide (Azithromycin, Clarithromycin, Roxithromycin) verordnen. Es ist anzunehmen, dass die Erreger dann auch gegen diese Verbindungen unempfindlich sind.

Makrolide sind geeignet zur Behandlung von Lungenentzündungen außerhalb des Krankenhauses, soweit diese auf untypische Erreger wie Mykoplasmen und Legionellen zurückgehen, außerdem auch bei Chlamydieninfektionen als Alternative zu einer Behandlung mit Doxycyclin und bei leichten bakteriellen Hautinfektionen. Bei allen anderen Lungenentzündungen außerhalb des Krankenhauses sind Makrolide wegen der erhöhten Resistenzrate nur noch mit Einschränkung geeignet. Sie sollten nur eingesetzt werden, wenn Penicilline nicht infrage kommen.

Zur Behandlung von Infektionen mit Helicobacter pylori und den dadurch bedingten Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren kann Clarithromycin in Kombination mit anderen Antibiotika (z. B. Amoxicillin) eingesetzt werden.

Wichtig beim Einsatz von Makroliden ist es, die aktuelle Lage zu berücksichtigen. Hier finden Sie allgemeine Informationen zu Resistenzen.

Anwendung

Grundsätzliche Angaben zur Anwendung der Mittel lesen Sie unter Antibiotika allgemein. Alle Mittel können Sie zwar grundsätzlich unabhängig von den Mahlzeiten einnehmen, sie werden aber besser ins Blut aufgenommen, wenn Sie sie vor dem Essen schlucken, dies gilt insbesondere für Erythromycin und Roxithromycin. Wenn Sie merken, dass Sie das Antibiotikum besser vertragen, wenn Sie es mit dem Essen einnehmen, ist auch das möglich.

Wenn Ihre Nieren und/oder Ihre Leber nur eingeschränkt arbeiten, muss der Arzt die Dosis verringern.

Azithromycin nehmen Sie drei oder fünf Tage lang ein. Die Gesamtdosis beträgt normalerweise 1,5 Gramm, bei Chlamydieninfektionen im Genitalbereich genügt eine Einmalgabe von 1 Gramm.

Bei stark eingeschränkter Nierenfunktion sollten Sie nicht mehr als zwei Gramm Erythromycin pro Tag einnehmen.

Klacid uno Retardtabletten: Dieses Mittel nehmen Sie nur einmal täglich ein.

Achtung

Beachten Sie für die folgenden Abschnitte auch die Ausführungen unter Antibiotika allgemein.

INFECTOMYCIN Saft: Dieses Präparat enthält als Konservierungsmittel Parabene. Wenn Sie auf Parastoffe allergisch reagieren, dürfen Sie es nicht einnehmen.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Clarithromycin, Erythromycin und Roxithromycin nicht einnehmen, bei Azithromycin sollte der Arzt den Nutzen gegen die möglichen Risiken sorgfältig abwägen:

  • Ihre Leberfunktion ist stark eingeschränkt. Bei einer mäßig ausgeprägten Funktionsstörung sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abwägen.
  • Sie haben Herzrhythmusstörungen und werden deshalb mit speziellen Medikamenten behandelt (Antiarrhythmika wie beispielsweise Chinidin).
  • Sie haben Migräne, niedrigen Blutdruck oder Parkinsonkrankheit und nehmen Mittel mit Mutterkornalkaloiden (z. B. Ergotamin, Bromocriptin) ein. Wenn Sie diese Mittel gleichzeitig mit Makrolidantibiotika einnehmen, können Durchblutungsstörungen auftreten.
  • Sie haben eine Psychose und werden dagegen mit Pimozid (Handelsname Orap) behandelt. Die Kombination mit Makrolidantibiotika kann bedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen.

Clarithromycin und Erythromycin dürfen Sie außerdem nicht bekommen, wenn Sie wegen einer koronaren Herzerkrankung mit Ivabradin behandelt werden.

Das gilt auch, wenn Sie erhöhte Blutfettwerte haben und deshalb Wirkstoffe wie Atorvastatin, Lovastatin oder Simvastatin einnehmen. Bei gemeinsamer Anwendung kann sich eine schwerwiegende Nebenwirkung der Statine auf die Muskelzellen verstärken.  

Unter folgenden Bedingungen sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Makrolidantibiotika sorgfältig abwägen:

  • Sie haben eine ausgeprägte Herzschwäche.
  • Der Salz-Wasser-Haushalt ist gestört, vor allem aufgrund eines Kalium- und/oder Magnesiummangels.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Bei der gleichzeitigen Anwendung von Makroliden und anderen Arzneimitteln gibt es eine Vielzahl von Wechselwirkungen. Im Folgenden sind die wichtigsten benannt. Wenn Sie Medikamente einnehmen, die in dieser Aufzählung nicht enthalten sind, sollten Sie sicherheitshalber mit dem Arzt oder Apotheker sprechen und klären, ob Wechselwirkungen zu erwarten sind. Folgendes ist zu beachten:

  • Erythromycin oder Azithromycin sollten Sie nicht gleichzeitig mit Clindamycin einnehmen, weil sich die Mittel in ihrer Wirkung gegenseitig abschwächen können.
  • Makrolide verstärken die nierenschädigende Wirkung von Ciclosporin (bei rheumatoider Arthritis und Schuppenflechte sowie nach Organtransplantationen).
  • Makrolide verstärken die Wirkung und Nebenwirkungen von Theophyllin (bei Asthma), Carbamazepin (bei Epilepsien), Methylprednisolon (bei Entzündungen, Immunreaktionen) sowie Midazolam und Triazolam (bei Angststörungen). Dann steigt das Risiko für unerwünschte Wirkungen. Der Arzt muss gegebenenfalls die Blutspiegel bestimmen und die Dosis verringern.
  • In Kombination mit Ergotamin oder Dihydroergotamin (bei Migräne) oder Bromocriptin (bei Parkinsonkrankheit) können Durchblutungsstörungen, vor allem in den Fingern, auftreten (Raynaud-Phänomen). Diese Mittel sollten Sie deshalb nicht gleichzeitig mit Makrolidantibiotika einnehmen.

Clarithromycin und Erythromycin können die Wirkungen und Nebenwirkungen von Cilostazol (bei arteriellen Durchblutungsstörungen) verstärken. Sie können zudem den Abbau von Calciumantagonisten wie Felodipin, Diltiazem oder Verapamil (alle bei hohem Blutdruck) verhindern und so das Risiko erhöhen, dass der Blutdruck stark absinkt, der Herzschlag sich verlangsamt und die Erregungsleitung im Herzen gestört wird. Ältere Menschen über 60 Jahre sollten diese Mittel nicht gleichzeitig einnehmen, weil zudem die Gefahr einer Nierenschädigung besteht.

Diese Mittel können zudem die Wirkung von Tacrolimus und Sirolimus (nach Organtransplantationen) verstärken und verlängern. Außerdem können sie den Abbau von Colchizin (bei Gicht) hemmen, was zu schweren Vergiftungserscheinungen führen kann (starkes Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Muskelkrämpfe). Das gilt insbesondere, wenn die Nierenfunktion eingeschränkt ist.

Unbedingt beachten

  • Makrolide verstärken die Wirkung von Digoxin (bei Herzschwäche) sowie von Flecainid, Propafenon, Amiodaron und Dronedaron (alle bei Herzrhythmusstörungen), sodass sich die Gefahr für Herzrhythmusstörungen erhöht. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel bei Herzrhythmusstörungen: verstärkte Wirkung.
  • Makrolide verstärken die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden. Sie müssen deshalb die Blutgerinnung häufiger als sonst selbst kontrollieren oder vom Arzt kontrollieren lassen und gegebenenfalls nach Absprache mit dem Arzt die Dosis der Gerinnungshemmer verringern. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.
  • Makrolide dürfen Sie nicht gleichzeitig mit Terfenadin (bei Allergien) oder Pimozid (bei Schizophrenien und anderen Psychosen) einnehmen, weil dabei schwere, unter Umständen lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen vom Typ Torsade de pointes auftreten können. Möglicherweise kann diese unerwünschte Wirkung auch in Kombination mit Ebastin und Mizolastin (beide bei Allergien) und Ivabradin (bei koronarer Herzkrankheit) auftreten.

Wenn Sie gleichzeitig Statine einnehmen (bei erhöhten Blutfetten, Wirkstoffe z. B. Atorvastatin, Lovastatin, Simvastatin), können sich die Statine im Blut anreichern, sodass sich das Risiko für unerwünschte Wirkungen erhöht, vor allem für Muskelschäden. Statine dürfen Sie deshalb nicht gleichzeitig mit den genannten Antibiotika einnehmen.

Sie dürfen diese Mittel auch nicht zusammen mit Ivabradin (bei koronarer Herzkrankheit) anwenden, weil dann die Blutspiegel von Ivabradin um ein Vielfaches ansteigen und das Risiko für unerwünschte Wirkungen am Herzen steigt.

Nebenwirkungen

Angaben hierzu lesen Sie unter "Unerwünschte Wirkungen" bei Antibiotika allgemein. Zusätzlich ist zu beachten:

Keine Maßnahmen erforderlich

Es können Magenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, weiche Stühle, Durchfall oder Verstopfung auftreten (bei 5 von 100 Behandelten).

Bei 1 bis 10 von 1 000 kommt es zu vorübergehenden Störungen des Geruchs- oder Geschmackssinns. Bei 1 bis 10 von 10 000 können Hörstörungen (Hörverlust, Taubheit, Ohrgeräusche) auftreten, die wieder verschwinden, wenn die Makrolidantibiotika abgesetzt werden. Diese unerwünschte Wirkung kommt vor allem bei Personen über 60 Jahre vor.

Muss beobachtet werden

Selten können die Mittel die Leber schädigen. Treten Übelkeit, Erbrechen und/oder dunkel gefärbter Urin auf und ist der Stuhl auffällig hell, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Bei 1 bis 10 von 1 000 können sich Missempfindungen an Armen und Beinen mit Taubheitsgefühl, Kribbeln und Brennen entwickeln. In der Regel vergehen diese Beschwerden nach Absetzen der Mittel wieder. Sind die Erscheinungen sehr unangenehm oder verstärken sie sich, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Die Mittel können die Leber auch schwer schädigen und eine Gelbsucht auslösen. Wenn die Haut sich gelb färbt und Sie zusätzlich einen starken Juckreiz am ganzen Körper verspüren, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen. Wenn die Mittel abgesetzt werden, bilden sich die Symptome wieder zurück.

In seltenen Einzelfällen kann es – vor allem, wenn gleichzeitig ein Mangel an Kalium, eine Herzerkrankung und/oder Herzrhythmusstörungen vorliegen – zu besonders schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen vom Typ Torsade de pointes kommen. Diese können sich in Herzstolpern und Schwindel bis hin zur Bewusstlosigkeit äußern. Frauen haben dafür ein erhöhtes Risiko.

Besondere Hinweise

Allgemein

Angaben hierzu lesen Sie unter "Hinweise" bei Antibiotika allgemein. Zusätzlich ist zu beachten:

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Azithromycin dürfen Kinder ab einem Jahr oder einem Körpergewicht von mehr als 10 Kilogramm erhalten.

Mittel mit Clarithromycin können Kinder ab sechs Monaten bekommen. Für die Anwendung bei Kindern unter sechs Monaten liegen nur begrenzte Erfahrungen vor. Werden Neugeborene in den ersten Lebenswochen mit Clarithromycin behandelt, kann es in einzelnen Fällen zu Veränderungen der glatten Muskulatur am Übergang zwischen Magen und Zwölffingerdarm kommen, was sich durch schwallartiges Erbrechen bemerkbar macht.

Mittel mit Erythromycin können an Kinder ab drei Monaten gegeben werden. Werden Neugeborene in den ersten Lebenswochen mit Erythromycin behandelt, kann es in einzelnen Fällen zu Veränderungen der glatten Muskulatur am Übergang zwischen Magen und Zwölffingerdarm kommen, was sich durch schwallartiges Erbrechen bemerkbar macht.

Tabletten mit 300 Milligramm Roxithromycin können an Kinder mit einem Körpergewicht von mehr als 40 Kilogramm verabreicht werden. Für die 150-Milligramm-dosierten Tabletten liegen keine Dosierungsempfehlungen für Kinder unter 40 Kilogramm Körpergewicht vor. Für sie stehen andere Zubereitungsformen mit Roxithromycin zur Verfügung, die Kinder ab einem Körpergewicht von 7 Kilogramm bekommen können.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Mit Erythromycin liegen die meisten Erfahrungen vor. Wenn in der Schwangerschaft Makrolide eingesetzt werden sollen, weil Penicilline oder Cephalosporine nicht angewendet werden können, ist Erythromycin das Mittel der Wahl. Dies gilt auch für die Stillzeit. Allerdings sollten Sie das Mittel möglichst nicht in den ersten beiden Wochen nach der Geburt einnehmen, weil es dann beim Neugeborenen zu Veränderungen der glatten Muskulatur am Übergang zwischen Magen und Zwölffingerdarm kommen kann, was sich durch schwallartiges Erbrechen bemerkbar macht.

Azithromycin, Clarithromycin und Roxithromycin können Sie in der Schwangerschaft einnehmen, wenn es unbedingt erforderlich ist. Im Allgemeinen sollten aber Penicilline oder Cephalosporine bevorzugt werden. Das gilt auch für die Stillzeit.

Für ältere Menschen

Bei hoher Dosierung können vorübergehend Hörstörungen auftreten, die sich mit dem Ende der Behandlung wieder geben.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs