Medikamente im Test
  • Über 9 000 Medikamente
  • Geprüft durch unabhängige Experten
  • Ständig aktualisiert

Antibiotika allgemein

Wirkungsweise

Als Antibiotika gelten alle Substanzen, die Bakterien bekämpfen. Früher waren das überwiegend Mittel, die aus Naturstoffen wie Pilzen biosynthetisch gewonnen wurden. Mittlerweile gibt es rund 160 verschiedene Wirkstoffe dieser Art. Um ihre Wirkung zu verändern oder zu verbessern, sind sie im Vergleich zu den aus Naturstoffen gewonnenen Produkten mittlerweile vielfach chemisch abgewandelt. Heute zählen deshalb auch chemisch-synthetisch gewonnene Mittel wie Sulfonamide beziehungsweise Kombinationen daraus zu den Antibiotika.

Antibiotika töten Bakterien entweder ab (bakterizide Wirkung) oder hemmen ihre Vermehrung (bakteriostatische Wirkung).

Auf welche Weise sie eingreifen, ist für die Wirksamkeit der Mittel unerheblich. Bakteriostatische Substanzen sind im klinischen Einsatz nicht schwächer wirksam als bakterizide und umgekehrt.

Antibiotika wirken immer nur auf die Erreger einer Krankheit, nicht gegen die Krankheit selbst. Bei einer Lungenentzündung zum Beispiel töten sie die Bakterien ab, die diese auslösen. Die Entzündung selbst bleibt von Antibiotika unbeeinflusst. Sie heilt ab, weil keine Erreger mehr vorhanden sind, die entzündliche Reaktionen im Gewebe unterhalten.

Resistenzentwicklung

Mit mehreren Mechanismen gelingt es Bakterien immer wieder, Antibiotika zu überlisten und ihr Überleben zu sichern:

  • Sie produzieren spezielle Enzyme, die Antibiotika unwirksam machen.
  • Sie bauen im eigenen Stoffwechsel diejenigen Enzyme um, die von Antibiotika angegriffen werden.
  • Ihre Zellwand wird für Antibiotika undurchlässig.
  • Sie schleusen die Antibiotika mit speziellen Pumpvorgängen wieder aus ihrem Zellinnern heraus.
  • Sie verändern einzelne Zellbestandteile oder Strukturen ihrer Zellwand, sodass Antibiotika diese nicht mehr angreifen können.
  • Sie verändern Stoffwechselwege, die Antibiotika sonst blockieren. Sie konstruieren also eine Art "Umgehung" für den normalen Stoffwechsel.

Mithilfe dieser Mechanismen werden ganze Bakterienstämme gegen Antibiotika unempfindlich (resistent). Dies geschieht umso leichter, je häufiger Bakterien mit Antibiotika in Kontakt kommen. Außerdem können Bakterien ihre Resistenzmechanismen von einer Bakterienart auf die andere übertragen. Es entstehen auch Stämme, die gegen mehrere Antibiotika gleichzeitig unempfindlich sind.

Bei sich wiederholenden bakteriellen Infektionen an einem Organ (zum Beispiel Lunge, Nieren) kann es deshalb sinnvoll sein, das Antibiotikum zu wechseln. Das gilt insbesondere bei der Behandlung von Kindern.

Resistente Keime machen vor allem im Krankenhaus Probleme, speziell auf Intensivstationen. Dort werden Antibiotika besonders oft angewendet, sodass sich schnell resistente Bakterienstämme bilden. Diese können bei mangelhafter Hygiene im Krankenhaus von einem Patienten auf andere übertragen werden. Jede Klinik hat heute eine eigene spezifische Bakterienflora. Im Krankenhaus erworbene (nosokomiale) Infektionen sind gefürchtet, weil es dagegen nur noch wenige wirksame Substanzen gibt und selbst diese in Einzelfällen versagen können.

Krankenhausinfektionen mit mehrfach resistenten Problemkeimen sind daher einer der wichtigsten Gründe, warum hochwirksame Antibiotika nicht vorschnell in der ambulanten Praxis eingesetzt werden sollen. Auch sollten sie – je nachdem, wie schwer der Krankheitsverlauf ist – nur so kurz wie möglich angewendet werden, weil sich mit der Dauer der Einnahme das Risiko für eine Resistenzentwicklung erhöht. Jeder neu entwickelte Wirkstoff ist wertvoll, weil es mit ihm noch gelingt, Bakterien abzutöten, die gegen andere Antibiotika bereits resistent geworden sind. Je häufiger das Mittel jedoch eingesetzt wird, desto rascher werden die Keime auch dagegen unempfindlich, was die Behandlungsmöglichkeiten unnötig einschränkt.

Das Problem der Resistenzentwicklung lässt sich weltweit beobachten. Es wird umso drängender, als in vielen Ländern Antibiotika rezeptfrei verkauft und wahllos bei allen möglichen Krankheiten eingesetzt werden (auch bei solchen, wo sie nicht wirksam sind). In den USA, Spanien und Ungarn beispielsweise sind mittlerweile bis zu 50 Prozent der Erreger von Lungenentzündungen (Pneumokokken) gegen Penicilline resistent. Es empfiehlt sich deshalb, Antibiotika besonders zurückhaltend einzusetzen und erst alle anderen Maßnahmen auszuschöpfen.

Dennoch breiten sich Bakterien, die gegen die bekannten Antibiotika resistent sind, immer weiter aus. Deshalb werden dringend neue Antibiotika benötigt. Die Weltgesundheitsorganisation hat eine Liste mit Bakterien zusammengestellt, gegen die dringend nach neuen Antibiotika gesucht werden muss.

Die nachfolgenden Angaben gelten für alle hier besprochenen Antibiotika. Darüber hinaus sind die bei den einzelnen Wirkstoffgruppen zusätzlich genannten Besonderheiten zu beachten.

Anwendung

Antibiotika gibt es zum Beispiel zum Auftragen auf die Haut, als Tabletten zum Lutschen und Schlucken sowie als Sprüh-, Injektions- oder Infusionslösung und als Scheidenzäpfchen (Vaginalsuppositorien). Welche Zubereitung sinnvoll ist, richtet sich nach Art, Ort und Schweregrad der Infektion. Die äußerlich anzuwendenden Antibiotika werden im Kapitel Haut, Haare und bei Bakterielle Infektionen der Scheide besprochen, Lutschtabletten bei Halsentzündung.

Als Tablette, Kapsel oder Saft geschluckt, werden Antibiotika im Dünndarm ins Blut aufgenommen. Es dauert eine halbe bis zwei Stunden, bis sich im Blut ausreichende Wirkstoffkonzentrationen aufgebaut haben. Bei den meisten bakteriellen Infektionen ist das ausreichend schnell.

Bei schweren Infektionen oder wenn die Wirkung rasch und stark einsetzen muss (zum Beispiel bei einer schweren Lungenentzündung oder bei einer fortgeschrittenen Lyme-Borreliose), ist es sinnvoll, Antibiotika zu spritzen oder als Infusion zu geben. Dann gelangen sie direkt ins Blut und damit auch rasch und in hoher Konzentration an den Ort der Entzündung. Injektionen oder Infusionen sind auch sinnvoll, wenn Erbrechen und Durchfall Tabletten wirkungslos machen.

Antibiotika in Körperhöhlen zu spritzen, zum Beispiel in ein Gelenk oder in die Harnblase, ist unnötig und verbessert die Wirkung nicht. Das Blut transportiert ausreichende Konzentrationen auch in schwer erreichbare Gewebe. Nur bei einer Bauchfellentzündung im Rahmen einer Bauchfelldialyse (kontinuierliche ambulante Peritonealdialyse, CAPD) ist es sinnvoll, die Antibiotika direkt in die Bauchhöhle zu geben.

Die Dosierung ist abhängig von der Art und Schwere der Infektion sowie vom Körpergewicht beziehungsweise der Körperoberfläche.

Da die meisten Antibiotika über die Nieren ausgeschieden werden, müssen bei eingeschränkter Nierenfunktion größere Einnahmeabstände eingehalten werden. Steigt die Konzentration im Blut zu sehr an, besteht ein höheres Risiko für unerwünschte Wirkungen. Bei chronisch Nierenkranken muss der Arzt die Dosis und den Rhythmus der Einnahme über die Kontrolle der Nierenwerte im Blut steuern.

Über welchen Zeitraum hinweg Antibiotika eingenommen werden müssen, ist umstritten. Bei unkomplizierten Harnwegsinfekten hat sich beispielsweise gezeigt, dass eine Behandlungszeit von drei Tagen ausreichen kann, um die Keime abzutöten. Auch bei anderen Infektionen kann es durchaus sein, dass die Bakterien schon nach wenigen Tagen abgestorben sind. Bei vielen Entzündungen ist aber unklar, ob eine kurze Behandlungszeit ausreicht. Um sicher zu sein, dass tatsächlich alle Krankheitserreger abgetötet worden sind, werden deshalb zum Beispiel Mandel- und Nierenbeckenentzündungen für sieben bis zehn Tage, schwerwiegende Infektionen wie Knochenentzündungen vier bis sechs Wochen behandelt. Diese Therapiezeiten haben sich in der Praxis bewährt. Sie dürfen keinesfalls ein Antibiotikum vor der vom Arzt empfohlenen Zeit absetzen, nur weil die Beschwerden vorbei sind. Sonst riskieren Sie gegebenenfalls einen Rückfall.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie keine Antibiotika einnehmen:

  • Sie reagieren auf den Wirkstoff allergisch. Dabei muss der Arzt auch Kreuzallergien zwischen mehreren Wirkstoffen beachten. Wenn Sie Penicilline nicht vertragen, reagieren Sie in seltenen Fällen auch auf Cephalosporine allergisch, weil diese chemisch ähnlich aufgebaut sind.
  • Wenn Sie starken Durchfall haben oder häufig erbrechen müssen, sind Antibiotika-Tabletten nicht sinnvoll, weil der Wirkstoff nicht in ausreichender Menge ins Blut gelangt. Das Mittel muss dann gespritzt oder infundiert werden.

Wenn Sie auf andere Stoffe (zum Beispiel Blütenpollen, Hausstaubmilben) allergisch reagieren oder an Neurodermitis leiden, besteht grundsätzlich auch ein größeres Risiko, dass Sie auf Antibiotika, vor allem Penicilline, allergisch reagieren. Trotzdem können Sie mit diesen Mitteln behandelt werden. Sie sollten dann lediglich besonders wachsam sein, ob Anzeichen für eine Allergie auftreten.

Nebenwirkungen

Die nachfolgend genannten unerwünschten Wirkungen können prinzipiell bei allen Antibiotika auftreten. Die Häufigkeit hängt einerseits von der Dosierung und der Therapiedauer ab, andererseits wird sie von den Wirkstoffeigenschaften mitbestimmt.

Keine Maßnahmen erforderlich

Es kann zu Beginn der Behandlung zu einem allgemeinen Unwohlsein kommen zum Beispiel mit Kopfschmerzen, Schwäche, Schlaflosigkeit, Schläfrigkeit und Schwindel. Die Beschwerden vergehen nach kurzer Zeit oder spätestens nach Beendigung der Behandlung wieder.

Es können Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen und Appetitlosigkeit auftreten. Leichter Durchfall ist dadurch bedingt, dass die Antibiotika auch die nützlichen Darmbakterien abtöten. Die Verdauung reguliert sich wieder, wenn die Behandlung beendet ist.

Muss beobachtet werden

Wenn Sie die Antibiotika über längere Zeit (mehrere Wochen) und in hoher Dosierung einnehmen müssen, töten die Mittel auch die nützliche Bakterienflora auf den Schleimhäuten in Mund, Rachen und im Genitalbereich ab. Dann können sich dort Pilze vermehren. Solche Pilzinfektionen machen sich bemerkbar, indem sich die Schleimhaut entzündet und sich ein weißlicher Belag bildet. Im Genitalbereich tritt starker Juckreiz auf, bei Frauen zusätzlich unangenehm riechender, weiß-krümeliger Ausfluss. Wenn Sie solche Symptome bemerken, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wenn Ihr Immunsystem geschwächt ist, können die Pilze auch innere Organe befallen. Dafür gibt es keine spezifischen Hinweise. Fieber und Abgeschlagenheit können darauf hindeuten. Dann sollte der Arzt entsprechende Diagnosemaßnahmen einleiten.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt und Sie ein Alternativmedikament benötigen. Solche Reaktionen treten üblicherweise einige Tage nach Beginn der Antibiotikaeinnahme auf. Wenn Sie deratiges beobachten, sollten Sie innerhalb der nächsten 24 Stunden einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie beziehungsweise einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Das gilt auch, wenn Unterhautgewebe im Kopf- und Rachenbereich anschwillt. Geschieht dies im Gesicht an Lippen und Zunge, drohen Atemnot und Erstickungsanfälle (Angioödem).

Bei Penicillinen zeigt sich häufig ein Hautausschlag, der nicht mit solchen allergischen Reaktionen verwechselt werden sollte. Weiteres unter Penicilline.

Die oben beschriebenen Hauterscheinungen können in sehr seltenen Fällen auch erste Anzeichen für andere sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arzneimittel sein. Meist entwickeln diese sich während der Anwendung des Mittels nach Tagen bis Wochen. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus und es bilden sich Blasen ("Syndrom der verbrühten Haut"). Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich sofort an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch lebensbedrohlich verschlimmern.

Wenn heftiger, bei manchen auch blutiger, Durchfall mit Bauchkrämpfen und Fieber einsetzt, müssen Sie ebenfalls sofort einen Arzt rufen. Keinesfalls dürfen Sie dann ein Mittel einnehmen, das Durchfall stoppt, wie Loperamid. Diese Beschwerden können ein Hinweis auf eine Darminfektion mit dem Bakterium Clostridium difficile sein (pseudomembranöse Colitis). Diese Bakterien können sich verstärkt vermehren, wenn die Antibiotika die nützlichen Darmbakterien abgetötet haben. Das von ihnen abgegebene Gift löst eine schwere Darmentzündung aus, die lebensbedrohlich werden kann. Behandelt wird dann mit einem speziellen Antibiotikum gegen Clostridien.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Wenn Sie die Pille anwenden, ist zu beachten, dass die empfängnisverhütende Wirkung unter Umständen nicht mehr gewährleistet ist. Antibiotika zerstören einen Großteil der Bakterienflora im Darm. Daraus resultiert oft Durchfall, sodass die Wirkstoffe aus der Pille nur noch vermindert aufgenommen werden. Es ist nicht sicher, dass sie den Eisprung dann noch wirksam unterdrücken. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel zur Empfängnisverhütung: verringerte Wirkung. Zudem können Antibiotika zu Übelkeit und Erbrechen führen. Haben Sie innerhalb von drei Stunden nach der Pillen-Einnahme erbrochen, müssen Sie diese innerhalb der nächsten zwölf Stunden wiederholen. Übergeben Sie sich mehrmals, ist ein sicherer Schutz in diesem Monat nicht mehr gewährleistet.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Bei der Behandlung von Kindern bis sechs Jahre berechnen sich die Wirkstoffmengen in der Regel nach dem Körpergewicht des Kindes und nicht nach dessen Alter. Bei älteren Kindern wird die Körperoberfläche zur Dosisberechnung herangezogen.

Bei Kindern zwischen drei und neun Jahren müssen Antibiotika bezogen auf das Körpergewicht relativ höher dosiert werden als bei Erwachsenen, weil bei Kindern die Organe rascher arbeiten, sodass die Wirkstoffe schneller ausgeschieden werden.

Kinder sollten Antibiotika als Saft erhalten, wobei die Trockensubstanz mit Wasser gemischt wird. Für die Dosierung müssen Sie unbedingt den der Packung beiliegenden Messlöffel verwenden, weil jedes Präparat andere Maße hat.

Für Neugeborene gelten besondere Bedingungen. Wenn bei ihnen eine Antibiotikatherapie erforderlich ist, sollte dies immer in einer Kinderklinik erfolgen, nicht ambulant.

Sie sehen nun nur noch Informationen zu: ${filtereditemslist}.