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Antiarrhythmikum der Klasse III: Sotalol

Wirkungsweise

Sotalol ist ein Betablocker und wird zu den Antiarrhythmika der Klasse III gerechnet. Es wird gegen Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Testergebnis Sotalol

Zwar gehört Sotalol zu den Betablockern, wirkt aber nicht nur blutdrucksenkend, sondern auch auf das Reizleitungssystem des Herzens. Das Mittel ist wegen unerwünschter Wirkungen nicht zur Behandlung von hohem Blutdruck zugelassen, wohl aber zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen, vorwiegend bei zu schnellem Herzschlag. Sotalol wird außerdem eingesetzt bei Vorhofflimmern nach einem speziellen Eingriff zur Wiederherstellung des natürlichen Herzrhythmus (Kardioversion) bei gleichzeitig bestehender koronarer Herzkrankheit.

Dass Sotalol Extrasystolen verhindern kann, ist erwiesen. Ob es jedoch auch lebensbedrohliches Herzrasen (Kammerflimmern) verhütet und dadurch nach einem Herzinfarkt lebensverlängernd wirkt, ist noch unklar. Eine großangelegte Studie musste abgebrochen werden, weil die mit Sotalol behandelten Personen früher starben als diejenigen, die ein Scheinmedikament (Placebo) erhielten. Sotalol scheint bei Rhythmusstörungen nach einem Herzinfarkt also weniger nützlich zu sein als andere Betablocker aus der Gruppe der Klasse-II-Antiarrhythmika.

Für eine akute oder zeitlich begrenzte Behandlung schwerwiegender Herzrhythmusstörungen an den Herzvorhöfen und -kammern ist Sotalol daher nur mit Einschränkung geeignet. Es kann die Reizleitung am Herzen selbst beeinträchtigen und damit schwere Rhythmusstörungen auslösen. Die Auswertung aller bisher vorliegenden Untersuchungsergebnisse geben Hinweise darauf, dass damit langfristig das Sterberisiko ansteigt. Für eine länger andauernde Behandlung von Herzrhythmusstörungen ist das Mittel daher wenig geeignet.

Da Sotalol mit dem Harn ausgeschieden wird, muss die Dosis bei eingeschränkter Nierenfunktion reduziert werden.

Anwendung

Die Menge des Wirkstoffs wird langsam erhöht. Die anfängliche Dosierung liegt bei 160 Milligramm pro Tag, verteilt auf zwei Einzelgaben. Sie kann – je nachdem, wie ausgeprägt die Rhythmusstörungen sind – auf bis zu 640 Milligramm Sotalol pro Tag, verteilt auf zwei oder drei Einzelgaben, gesteigert werden. Wenn Sie Sotalol einnehmen, sollte der Arzt einmal monatlich ein EKG schreiben, um das Mittel rechtzeitig absetzen oder die Dosis verringern zu können, wenn sich das EKG auffällig verändert. Der Herzrhythmus sollte zudem bei jeder Dosisveränderung von Sotalol überprüft werden.

Sotalol sollte nicht zum Essen eingenommen werden. Besonders Milchprodukte können die Aufnahme des Wirkstoffs in den Körper behindern.

Wenn Ihre Nieren nicht mehr richtig arbeiten, muss häufig die Dosierung reduziert werden. Das Mittel sollte nicht plötzlich abgesetzt werden, da sich ansonsten die Beschwerden einer Angina Pectoris verschlimmern können oder der Herzschlag unregelmäßiger wird. Wenn die Einnahme des Mittels beendet werden soll, sollte dies langsam über einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen erfolgen.

Achtung

Sie dürfen Sotalol auf keinen Fall von einem auf den anderen Tag absetzen, weil dann Herzschlag und Blutdruck schlagartig in die Höhe schießen können (Rebound-Phänomen) und die Beschwerden sich gefährlich verschlimmern können. Anzeichen dafür sind meist Zittern, vermehrtes Schwitzen, Herzklopfen und Kopfschmerzen. Sie dürfen die Dosis nur in Absprache mit dem Arzt nach und nach reduzieren und sich so aus der Therapie ausschleichen. Dies gilt vor allem, wenn Sie Sotalol bereits mehrere Wochen lang eingenommen haben.

Nach längerem Fasten oder bei schwerer körperlicher Belastung kann der Blutzucker stark absinken. Die damit verbundenen Symptome – Zittrigkeit, Herzrasen, Schweißausbruch, Angst, Unruhe – werden durch Betablocker, zu denen Sotalol gehört, verschleiert. Das kann zur Folge haben, dass eine solche Unterzuckerung nicht rechtzeitig erkannt wird. Besonders gefährlich ist das, wenn Sie Diabetes haben und mit blutzuckersenkenden Medikamenten behandelt werden. Sie sollten vor allem zu Behandlungsbeginn häufiger als gewohnt den Blutzucker bestimmen und besonders sorgfältig auf Unterzuckerungssymptome achten.

Gegenanzeigen

Sotalol dürfen Sie unter folgenden Bedingungen nicht einnehmen:

  • Ihr Herz schlägt sehr langsam.
  • Sie haben eine Herzschwäche.
  • Ihr Blutdruck ist zu niedrig.
  • Sie haben schwere periphere arterielle Durchblutungsstörungen (PAVK).
  • Sie haben Asthma oder COPD. Sotalol kann die Atemwege verengen und somit Asthmaanfälle beziehungsweise schwere Fälle von Atemnot fördern.
  • Ihr Blut enthält zu wenig Kalium und/oder Magnesium.
  • Sie haben eine heftige Allergie (z. B. gegen Blütenpollen oder Insektengift) und es soll eine Hyposensibilisierung erfolgen. Sotalol kann dann aufgrund seiner Eigenschaften als Betablocker eine besonders schwere allergische Reaktion begünstigen und die Wirkung von Adrenalin, das als Notfallmedikament eingesetzt wird, abschwächen.

Unter folgenden Bedingungen sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Sotalol sorgfältig abwägen:

  • Die Funktion Ihrer Nieren ist eingeschränkt. Dann sollte der Arzt regelmäßig die Nierenfunktion überprüfen.
  • Sie haben Diabetes und der Blutzucker lässt sich nicht gut regulieren. Dann sollte der Blutzucker regelmäßig überwacht werden.
  • Es besteht eine Schilddrüsenüberfunktion. Das Mittel kann dann die Beschwerden einer Schilddrüsenüberfunktion überdecken.
  • Sie haben schwere arterielle Durchblutungsstörungen, z. B. in den Beinen (PAVK) oder das Raynaud-Syndrom. Da Betablocker den Blutfluss in den kleinen Blutgefäßen der Gliedmaßen vermindern können, kann sich die Durchblutung weiter verschlechtern, sodass sich die Beschwerden verschlimmern oder sich die Strecke, die Sie noch schmerzfrei gehen können, noch weiter verkürzt.
  • Sie haben Schuppenflechte (Psoriasis). Betablocker wie Sotalol können deren Symptome verschlimmern.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie zusätzlich zu Sotalol eines der nachfolgend genannten Arzneimittel einnehmen müssen, kann sich der Herzschlag deutlich verlangsamen und der Blutdruck kann absinken. Gegebenenfalls sollte der Arzt die Dosis dieser Medikamente anpassen:

  • ein anderer Betablocker (bei hohem Blutdruck, koronarer Herzkrankheit)
  • Diltiazem und Verapamil aus der Gruppe der Calciumantagonisten (alle bei hohem Blutdruck, koronarer Herzkrankheit).

Sotalol sollten Sie nicht gleichzeitig mit anderen Wirkstoffen aus der Gruppe der Antiarrhythmika der Klasse III einnehmen, weil sonst die Gefahr schwerwiegender Herzrhythmusstörungen steigt.

In Kombination mit anderen blutdrucksenkenden Mitteln kann der Blutdruck stark absinken.

Außerdem sollten Sie Sotalol möglichst nicht zusammen mit MAO-Hemmern, wie Moclobemid oder Tranylcypromin (bei Depressionen) anwenden, weil dies unterschiedliche Auswirkungen auf den Blutdruck haben kann. Einerseits verstärkt sich der blutdrucksenkende Effekt und andererseits besteht aber auch die Gefahr, dass der Blutdruck nach Absetzen des MAO-Hemmers stark ansteigt. Ist eine gleichzeitige Anwendung unvermeidbar, sollten Sie insbesondere zu Behandlungsbeginn und nach Absetzen des MAO-Hemmers ihren Blutdruck häufiger kontrollieren.

Unbedingt beachten

Sotalol dürfen Sie nicht gleichzeitig mit Medikamenten anwenden, die selbst Herzrhythmusstörungen verursachen können oder die Wirkung der Antiarrhythmika verstärken und somit das Risiko für unerwünschte Wirkungen erhöhen. Dazu gehören:

  • Antiarrhythmika der Klasse I
  • Virustatika wie Ritonavir (bei HIV-Infektionen, Aids)
  • die Antibiotika Clarithromycin, Erythromycin und Roxithromycin (bei bakteriellen Infektionen)
  • trizyklische Antidepressiva (z. B. Amitriptylin, Trimipramin) und selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (z. B. Fluoxetin, Paroxetin, Sertralin, Venlafaxin, alle bei Depressionen)
  • Neuroleptika (z. B. Chlorpromazin, Haloperidol, Lithium, alle bei Schizophrenien und anderen Psychosen)
  • Mizolastin und Hydroxyzin aus der Gruppe der Antihistaminika zum Einnehmen (bei Allergien)
  • Diphenhydramin (bei Allergien, Reisekrankheit, Schlafstörungen).

Wenn Sie den Wirkstoff zusammen mit wasserausschwemmenden Mitteln (Diuretika, z. B. Furosemid, Thiazide, bei hohem Blutdruck), cortisonhaltigen Mitteln (bei Entzündungen, Immunreaktionen) oder Abführmitteln einnehmen, besteht die Gefahr für einen zu hohen Kaliumverlust und dadurch bedingte zusätzliche Herzrhythmusstörungen.

Wenn Sie gleichzeitig Mittel mit den Wirkstoffen Digoxin (bei Herzschwäche oder zu schnellem Herzschlag) einnehmen müssen, kann es zu einer gefährlichen Verstärkung der Wirkung von Digoxin kommen. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel bei Herzschwäche: verstärkte Wirkung. Der Arzt sollte dann die Dosis von Digoxin anpassen.

Wenn Sie dieses Mittel einnehmen, dürfen Ihnen Verapamil oder Diltiazem (bei hohem Blutdruck) oder ein anderes Antiarrhythmikum keinesfalls gespritzt werden, weil es dabei zu einem Herzstillstand kommen kann.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Wenn Sie Sotalol zusammen mit Milch oder Milchprodukten einnehmen, wird es schlechter aus dem Magen-Darm-Trakt in den Körper aufgenommen. Sie sollten das Mittel deshalb besser mit ein bis zwei Stunden Abstand zu den Mahlzeiten einnehmen.

Nebenwirkungen

Die meisten unerwünschten Wirkungen sind dosisabhängig. Bei niedriger Dosierung treten sie seltener auf. Daher sollte zur Dauertherapie die niedrigste noch wirksame Dosierung gewählt werden.

Sotalol kann Haarausfall auslösen. Dieser lässt meist wieder nach, sobald das Medikament abgesetzt wird.

Keine Maßnahmen erforderlich

Übelkeit und Erbrechen sowie Verstopfung mit Völlegefühl können besonders zu Beginn der Behandlung auftreten. Darüber hinaus können die Mittel Müdigkeit, Kopfschmerzen und Schwindel verursachen.

Hände und Füße können insbesondere zu Beginn der Behandlung kalt werden oder kribbeln.

In Einzelfällen können Potenzstörungen auftreten oder das sexuelle Verlangen kann nachlassen. Möglicherweise beruht das nicht nur auf dem Arzneimittel, sondern kann auch die Folge einer fortschreitenden Arteriosklerose sein.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt und Sie ein Alternativmedikament benötigen.

Bei 1 bis 10 von 100 Anwendern kommt es zu Mundtrockenheit, vermindertem Tränenfluss und Bindehautentzündung. Wenn die Beschwerden Sie beeinträchtigen, sollten Sie mit einem Arzt darüber sprechen.

Es kann sein, dass Sie nachts mehr und intensiver träumen (auch Albträume). Wenn Sie dies als sehr störend empfinden, sollten Sie mit dem Arzt sprechen.

Wenn Sie Durchblutungsstörungen an Händen oder Füßen haben, bei denen die Finger oder Zehen weiß und gefühllos werden (Raynaud-Syndrom), können sich diese Beschwerden verschlimmern. Sprechen Sie mit dem Arzt, ob die Dosis von Sotalol verringert oder auf ein anderes Antiarrhythmikum gewechselt werden kann.

Da Sotalol den Widerstand in den Atemwegen erhöhen kann, kann Atemnot auftreten, vor allem bei Personen mit Atemwegserkrankungen (Asthma, chronisch obstruktive Bronchitis). Wenn dies geschieht, sollten Sie den Arzt aufsuchen.

Wenn Sie an Schuppenflechte leiden, kann sich in Einzelfällen das Hautbild verschlechtern. Sprechen Sie dann mit Ihrem Arzt, ob gegebenenfalls die Behandlung der Herzrhythmusstörungen umgestellt werden sollte.

Sofort zum Arzt

Sotalol kann selbst Herzrhythmusstörungen hervorrufen. Einerseits können sie die Herzfrequenz und die Reizüberleitung von den Vorhöfen zu den Kammern verlangsamen, andererseits können sich daraus Rhythmusstörungen mit zu schnellem Herzschlag entwickeln. Das Risiko für solche medikamentös bedingten Herzrhythmusstörungen wird durch bestimmte Begleitumstände (zu niedriger Kaliumspiegel, Vorschädigung des Herzens, Einfluss weiterer Medikamente) erhöht. Die Störungen selbst können durch regelmäßige EKG-Kontrollen erkannt werden. Wenn sich der Herzschlag auf über 100 Schläge pro Minute beschleunigt und dies nicht auf körperliche Belastung oder Aufregung zurückzuführen ist, sollten Sie sich umgehend in ärztliche Behandlung begeben.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Wenn dieses Mittel in der Schwangerschaft eingesetzt werden soll, muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung sorgfältig abwägen.

Wenn Sie bis zur Geburt Sotalol einnehmen, kann sich das auf das Kind auswirken. Der Blutzuckerspiegel kann niedriger sein als sonst und der Herzschlag kann verlangsamt sein. Das reguliert sich innerhalb von zwei Tagen von selbst und hat keine negativen Folgen. Dennoch sollten die Geburtshelfer wissen, dass Sie einen Betablocker einnehmen, damit sie das bei der Untersuchung des Neugeborenen berücksichtigen können.

Sotalol geht in bedeutsamen Mengen in die Muttermilch über. Während der Stillzeit sollten Sie das Mittel möglichst nicht anwenden. Dies gilt insbesondere, wenn Sie ein Früh- oder Neugeborenes versorgen.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Sicherheit und Wirksamkeit des Mittels wurde bei Kindern bisher nicht in kontrollierten Studien nachgewiesen. Wenn Herzrhythmusstörungen bei Kindern den Einsatz des Mittels dennoch erforderlich machen, sollte dies nur durch erfahrene Kinderkardiologen erfolgen.

Für ältere Menschen

Der Wirkstoff kann sich bei eingeschränkter Nierenleistung, die im Alter häufiger vorliegt, im Blut anreichern, sodass vermehrt unerwünschte Wirkungen auftreten. Lässt sich die Anwendung von Sotalol nicht vermeiden, sollte der Arzt die Tagesdosis mindestens um die Hälfte reduzieren und alle vier Wochen ein EKG schreiben.

Beim Tragen von Kontaktlinsen

Wenn die Behandlung dazu führt, dass Sie weniger Tränenflüssigkeit produzieren, sollten Sie keine Kontaktlinsen tragen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Das Mittel kann schwindlig machen und die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen. Dann sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs