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Antiarrhythmikum der Klasse I: Propafenon

Wirkungsweise

Propafenon gehört zu den Antiarrhythmika der Klasse I und beeinflusst die elektrischen Vorgänge am Herzen. Der Wirkstoff vermindert den Einstrom von Natrium über den Natriumkanal an der Herzmuskelzelle, sodass die Weiterleitung der vom Sinusknoten ausgehenden elektrischen Impulse nur verzögert erfolgt. Propafenon verlangsamt also die Erregungsleitung am Herzen. Ob diese Verzögerung der Reizleitung möglicherweise auch Nachteile birgt, hängt von den Ursachen der Herzrhythmusstörung ab. Im EKG lassen sich Nutzen oder Risiken zumeist nicht erkennen.

Studien haben gezeigt, dass der Wirkstoff Herzrhythmusstörungen durch Vorhofflimmern oder -flattern wirksam unterdrücken kann. Da Propafenon aber auch selbst Herzrhythmusstörungen hervorrufen kann – siehe auch Herzrhythmusstörungen durch Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen – ist es nur mit Einschränkung geeignet und sollte nur für begrenzte Zeit (beispielsweise zur kurzzeitigen Behandlung nach erfolgreicher Kardioversion) eingenommen werden. Während der Behandlung sollte der Arzt immer wieder prüfen, ob Propafenon nicht doch weggelassen werden kann. Für eine langfristige Behandlung ist es wenig geeignet.

Gefährliche, lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen, wie sie nach einem Herzinfarkt häufig auftreten, lassen sich mit dieser Substanz nicht verhindern. Im Gegenteil: Studien mussten abgebrochen werden, weil sich die Herzrhythmusstörungen sogar noch verschlimmerten. Damit ist das Mittel genau für das Anwendungsgebiet nicht sinnvoll, für das es am häufigsten verordnet wurden: Herzrasen (Tachykardie) nach einem Herzinfarkt.

Anwendung

Um die unerwünschten Wirkungen der Klasse-I-Antiarrhythmika rechtzeitig zu erkennen, muss der Arzt einmal vor Beginn der Behandlung, dann in kurzen Abständen, später alle vier bis zwölf Wochen ein EKG schreiben und die Blutsalze (vor allem Kalium) überprüfen. Ein Kaliummangel muss vor Therapiebeginn ausgeglichen werden, weil er selbst Rhythmusstörungen auslösen kann. Die Kaliumwerte müssen vor allem überprüft werden, wenn Sie zusätzlich Thiaziddiuretika (bei hohem Blutdruck), Glucocorticoide (bei Entzündungen, Immunreaktionen), Beta-Sympathomimetika (bei Asthma, COPD) oder Abführmittel (bei Verstopfung) einnehmen.

Propafenon sollten Sie in regelmäßigen Abständen (also alle sechs, acht oder zwölf Stunden) einnehmen, damit die Konzentration im Blut möglichst gleich bleibt.

Wenn Ihre Leber oder Nieren nicht mehr richtig arbeiten, muss der Arzt die Dosis verringern, um zu verhindern, dass sich der Wirkstoff im Blut zu stark anreichert. Es kann sinnvoll sein, die Konzentration des Medikaments im Blut zu bestimmen, um zu verhindern, dass schwere unerwünschte Wirkungen auftreten.

Wie lange Sie das Mittel einnehmen müssen, hängt davon ab, wie stark Ihre Rhythmusstörungen sind und worauf sie beruhen. Meist sind die Beschwerden chronisch. Dann muss der Arzt entscheiden, wann das Risiko der Behandlung größer ist als der Nutzen.

Wenn Sie Propafenon absetzen, können die Rhythmusstörungen erneut auftreten.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Klasse-I-Antiarrhythmika nicht anwenden:

  • Sie haben eine deutliche Herzschwäche, verbunden mit sehr niedrigem Blutdruck.
  • Sie haben Rhythmusstörungen, bei denen der Herzschlag zu langsam geworden ist.
  • Die Erregungsleitung zwischen Vorhof und Herzkammer fällt teilweise oder komplett aus
  • Sie haben schweres Asthma oder eine schwere COPD.

Unter folgenden Bedingungen sollte der Arzt Nutzen und Risiken einer Anwendung von Propafenon besonders sorgfältig abwägen.

  • Die Struktur des Herzmuskels ist geschädigt.
  • Die Leber funktioniert nur noch sehr eingeschränkt.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten, dass Rifampicin (bei Tuberkulose) die Wirkung von Propafenon abschwächt.

Unbedingt beachten

Antiarrhythmika der Klasse I sollen Sie nicht gleichzeitig mit Medikamenten anwenden, die selbst Herzrhythmusstörungen verursachen können oder die Wirkung der Antiarrhythmika verstärken und somit das Risiko für unerwünschte Wirkungen erhöhen. Dazu gehören:

  • Antiarrhythmika der Klasse III wie Amiodaron, Dronedaron oder Sotalol (ebenfalls bei Herzrhythmusstörungen)
  • Metoprolol und Propanolol aus der Gruppe der Betablocker (bei hohem Blutdruck, koronarer Herzkrankheit)
  • Diltiazem, Gallopamil und Verapamil aus der Gruppe der Calciumantagonisten (bei hohem Blutdruck)
  • Virustatika wie Ritonavir (bei HIV-Infektionen, Aids)
  • Clarithromycin, Erythromycin und Roxithromycin aus der Gruppe der Makrolid-Antibiotika (bei bakteriellen Infektionen)
  • Cotrimoxazol (bei Harnwegsinfektionen)
  • trizyklische Antidepressiva (z. B. Amitryptilin, Trimipramin) und selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (z. B. Fluoxetin, Paroxetin, Sertralin, Venlafaxin, alle bei Depressionen)
  • Neuroleptika (z. B. Chlorpromazin, Haloperidol, bei Schizophrenien und anderen Psychosen)
  • Lithium (bei manisch-depressiven Störungen)
  • Diphenhydramin und Mizolastin aus der Gruppe der Antihistaminika zum Einnehmen (bei Allergien)
  • Abführmittel (bei Verstopfung) und Diuretika (bei hohem Blutdruck) stören den Kaliumhaushalt, was zusätzliche Rhythmusstörungen nach sich ziehen kann.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Der Wirkstoff löst bei bis zu 10 von 100 Behandelten Magen-Darm-Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Verstopfung, selten auch Durchfall aus. Der Durchfall kann problematisch werden, wenn Sie gleichzeitig ein Diuretikum einnehmen (bei hohem Blutdruck), das Wasser und Salze aus dem Körper ausschwemmt. Herzrhythmusstörungen können sich dadurch verstärken. Wenn Durchfall nur vorübergehend in Erscheinung tritt, müssen Sie nichts unternehmen. Ist er ausgeprägt und bleibt über Tage bestehen, sollten Sie aber einen Arzt aufsuchen.

Bei 1 bis 10 von 100 Anwendern treten Kopfschmerzen auf, Übelkeit bei bis zu 10 von 100.

Das Mittel kann Geschmacksstörungen und Mundtrockenheit hervorrufen. Es können auch Taubheitsgefühle im Mund auftreten. Außerdem können auch an anderen Körperbereichen Missempfindungen wie Taubheitsgefühle, Kribbeln, Lähmungen vorkommen.

Bei etwa 1 von 100 Behandelten macht das Mittel müde und ruft Potenzstörungen hervor.

Muss beobachtet werden

Wenn häufig Schwindelanfälle auftreten und nicht nachlassen, sondern eher noch zunehmen, sollten Sie innerhalb von ein bis drei Tagen den Arzt aufsuchen. Diese unerwünschte Wirkung tritt bei Propafenon bei etwa jedem Zehnten auf.

Wenn Sehstörungen wie Doppelbilder oder verschwommenes Sehen auftreten (bei mehr als 1 von 100 Behandelten), sollten Sie den Arzt benachrichtigen.

Der Wirkstoff verändert bei etwa 1 von 100 Behandelten das seelische Befinden und lösen Angst, Nervosität, Schlafstörungen und Albträume aus. Je nachdem, wie ausgeprägt diese Beschwerden sind, sollten Sie möglichst rasch mit dem Arzt das weitere Vorgehen besprechen.

Bei bis zu 10 von 100 Behandelten tritt Kurzatmigkeit auf. Dies sollten Sie Ihrem Arzt mitteilen.

Bei etwa 1 von 100 Behandelten rötet sich die Haut und juckt, was darauf hinweist, dass Sie vermutlich allergisch auf das Mittel reagieren. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Während der Behandlung kann sich eine bisher noch nicht spürbare Herzschwäche bemerkbar machen. Besteht bereits eine solche Herzinsuffizienz, kann sie sich noch weiter verschlechtern. Wenn sich verstärkt Wasser in den Beinen einlagert und/oder Müdigkeit, Schwäche, verminderte Leistungsfähigkeit oder Atemnot auftreten, sollten Sie innerhalb von ein bis drei Tagen einen Arzt aufsuchen.

Das Mittel kann die Leber schädigen. Treten Übelkeit, Erbrechen und/oder dunkel gefärbter Urin auf und ist der Stuhl auffällig hell, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Der Blutdruck kann absinken. Diese Reaktion kann so heftig sein, dass beim Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen Schwindelanfälle, Übelkeit oder eine kurze Ohnmacht auftreten. Sie sollten solche Lageveränderungen deshalb immer nur langsam und nicht abrupt vornehmen. Treten die Beschwerden erstmalig auf oder verschlimmern sie sich, sollten Sie innerhalb von ein bis drei Tagen mit dem Arzt sprechen.

Sofort zum Arzt

Nehmen Juckreiz und Hautausschlag zu und treten zusätzlich Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel auf, müssen Sie unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen, weil es sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln kann.

Propafenon kann genau das auslösen, was es bekämpfen sollen: Herzrhythmusstörungen. Das beruht unter anderem darauf, dass der Wirkstoff auf alle Herzmuskelzellen einwirken und nicht nur auf diejenigen, von denen die Rhythmusstörungen ausgehen. Die unerwünschte Wirkung tritt besonders häufig auf, wenn zusätzlich ein Mangel oder ein Überschuss an Kalium und Natrium besteht oder bei Durchblutungsstörungen am Herzen durch verengte Herzkranzgefäße. Bei plötzlich einsetzendem zu schnellem Herzschlag (Puls über 100 Schläge pro Minute), der nicht auf körperliche Belastung oder Aufregung zurückzuführen ist, sollten Sie sich umgehend in ärztliche Behandlung begeben.

Das Mittel kann die Leber auch schwer schädigen und eine Gelbsucht auslösen. Wenn Sie zusätzlich einen starken Juckreiz am ganzen Körper verspüren, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen. Wenn die Tabletten abgesetzt werden, bilden sich die Symptome wieder zurück.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Kinder erhalten eine Dosis abhängig vom Körpergewicht.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Es liegen keine ausreichenden Erfahrungen zur Anwendung in der Schwangerschaft vor. Wenn das Mittel in der Schwangerschaft eingesetzt werden soll, muss der Arzt Nutzen und Risiken sehr sorgfältig abwägen.

Da das Mittel in geringen Mengen in die Muttermilch übergehen kann, sollten Sie in der Stillzeit darauf verzichten.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Das Mittel senkt den Blutdruck, macht müde, leicht schwindlig und kann Sehstörungen verursachen. Sie sollten deshalb nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne festen Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs