Medikamente im Test

Amphetamine: Amfepramon und Cathin

Wirkungsweise

Neben der aufputschenden Wirkung haben Amphetamine appetithemmende Eigenschaften. Auf diese setzt man bei Amfepramon und Cathin, die bei der Behandlung von Übergewicht eingesetzt werden.

Amphetamine ist der Oberbegriff einer Klasse von Wirkstoffen. Einer der bekanntesten Vertreter ist Methamphetamin, das im Zweiten Weltkrieg unter dem Handelsnamen Pervitin von Soldaten millionenfach eingesetzt wurde, um ihre Angst zu dämpfen und die Leistungsfähigkeit zu steigern. Die heutige Partyszene verwendet Methamphetamin als Suchtmittel.

Amfepramon ist ein synthetisch hergestelltes Amphetamin, bei dem die appetithemmende Wirkung im Vordergrund stehen soll. Die unerwünschten Wirkungen wie Blutdruckanstieg, Steigerung der Herzfrequenz und eine Lähmung der Pupillenmuskeln sollen hingegen relativ gering ausgeprägt sein.

Cathin, auch Norpseudoephedrin genannt, leitet sich von einem Naturprodukt ab. Es ist der wichtigste Inhaltsstoff der getrockneten Blätter des Kathstrauchs (Catha edulis). Vor allem im Jemen ist es eine alltägliche Gewohnheit, die frischen Kathblätter zu zerkauen und dann stundenlang in der Wangentasche zu tragen. Auf diese Weise wird die anregende Wirkung der Kath-Inhaltsstoffe genutzt.

Über die Wirksamkeit der Amphetamine zur Gewichtsreduktion liegen nur wenige Studien vor.

Die zu Cathin sind älter als 30 Jahre und entsprechen nicht dem heute geforderten wissenschaftlichen Standard.

Zu Amfepramon gibt es lediglich eine Studie neueren Datums. Hiernach lässt sich die Gewichtsabnahme, bei verringerter Kalorienzufuhr, durch das Medikament gegenüber einem Scheinmedikament tatsächlich etwas steigern. Nach einem Jahr hat sich dieser Unterschied jedoch wieder verloren. Zudem nahmen an der Studie zu wenig Personen teil und sie lief nicht lange genug, um schwerwiegende unerwünschte Wirkungen von Amfepramon am Herzen und der Psyche beurteilen zu können.

Problematisch ist bei Amphetaminen, dass sich der Körper bereits nach vier Wochen ununterbrochener Einnahme an den Wirkstoff gewöhnt hat. Um die erwünschte Wirkung zu erzielen, ist dann eine höhere Dosis notwendig. So kann sich eine Abhängigkeit entwickeln. Dieses Risiko und eine Vielzahl schwerwiegender unerwünschter Wirkungen überwiegen den nicht einmal sicher nachgewiesenen Nutzen. Daher werden Amfepramon und Cathin als "wenig geeignet" bewertet.

Anwendung

Diese Appetithemmer sollen nicht abends eingenommen werden, weil sie Nervosität und Schlaflosigkeit verursachen können. Die Anwendungsdauer ist auf höchstens vier bis sechs Wochen begrenzt. Keinesfalls darf die Behandlung länger als drei Monate dauern. Hat sich das Gewicht nach drei Wochen nicht verringert, sollte die Einnahme beendet werden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie keine Amphetamine anwenden:

  • Sie haben Lungenhochdruck.
  • Es liegt eine Schilddrüsenüberfunktion vor.
  • Sie haben ein Engwinkelglaukom (grüner Star).
  • Sie leiden an einer psychischen Erkrankung, z. B. Depressionen oder Magersucht, oder hatten bereits einmal eine solche Krankheit.
  • Sie haben längere Zeit Arzneimittel, Alkohol oder Drogen im Übermaß konsumiert oder waren davon abhängig.
  • Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, wie zum Beispiel hoher Blutdruck, Angina Pectoris und Herzrhythmusstörungen, sind bei Ihnen besonders schwer ausgeprägt oder Sie haben eine Erkrankung, die auf verengten Gehirngefäßen beruht.
  • Sie nehmen andere Appetithemmer ein, die wie die Amphetamine im Nervensystem wirken. Bei einer solchen Kombination steigt das Risiko für Lungenhochdruck deutlich an.

Unter folgenden Bedingungen sollten Sie Amphetamine nur einsetzen, wenn der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abgewogen hat:

  • Sie haben hohen Blutdruck oder eine Herzkrankheit.
  • Sie leiden an Epilepsie. Dann kann es bei der Einnahme von Amphetaminen häufiger zu Krampfanfällen kommen.
  • Sie gehören zu den Männern, die eine gutartige Prostatavergrößerung mit Restharnbildung haben.
  • Sie haben eine Stoffwechselerkrankung, zum Beispiel Diabetes.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten, dass Amphetamine bei gleichzeitiger Anwendung mit Sympathomimetika wie Phenylephrin (z. B. in Wick DayMed Erkältungsgetränk) und Pseudoephedrin (z. B. in Rhinopront Kombi) stärker wirken können. Das erhöht das Risiko einer missbräuchlichen Anwendung.

Unbedingt beachten

Die kombinierte Einnahme von Amphetaminen und MAO-Hemmern wie z. B. Moclobemid und Tranylcypromin (bei Depressionen) sowie Selegilin (bei Parkinsonkrankheit) kann zu einer deutlichen Wirkverstärkung führen. Dann ist ein erheblicher Blutdruckanstieg möglich, der in eine Hochdruckkrise führen kann. Das kann mit Kopfschmerzen und Sehstörungen verbunden sein. Außerdem besteht die Gefahr von Hirnblutungen und Organschäden. Diese gefährliche Wechselwirkung besteht auch noch in den ersten zwei Wochen nach dem Absetzen von MAO-Hemmern.

Nebenwirkungen

Anders als bei den anderen Wirkstoffen kann bei den Amphetaminen nicht exakt angegeben werden, wie häufig bestimmte unerwünschte Wirkungen auftreten. Der Grund dafür ist, dass die veröffentlichten Informationen über diese Wirkstoffe veraltet sind und nicht aktualisiert wurden.

Keine Maßnahmen erforderlich

Die Anwender können reizbar und angespannt sein und schlecht einschlafen. Möglicherweise schwitzen sie auch verstärkt.

Gelegentlich fühlt sich der Mund trocken an. Es können Magenbeschwerden mit Übelkeit und Verstopfung auftreten.

Selten tritt Durchfall auf. Es können sich Schwindel und Kopfschmerzen zeigen.

Nervosität, Unruhe und Schlafstörungen können auftreten. Diese unerwünschten Wirkungen sind vermeidbar, wenn das Mittel nicht kurz vor dem Schlafengehen eingenommen wird.

Muss beobachtet werden

Bei der Einnahme von Amphetaminen können Puls und Blutdruck ansteigen. Selten kommt es dann zu einem Schlaganfall, Angina-Pectoris-Anfall, Herzinfarkt oder Herzstillstand. Männer registrieren bei einem Herzinfarkt vornehmlich Schmerzen im Brustkorb, die in die Arme ausstrahlen, Schwindel, Übelkeit und Kraftlosigkeit. Bei Frauen stehen eher Übelkeit bis hin zum Erbrechen, unklare Beschwerden im oberen Bauchraum, Atemnot und Erschöpfung im Vordergrund.

Schon nach vierwöchiger Anwendung und erst recht bei längerem Gebrauch kann sich der Körper an den Stoff gewöhnt haben. In der Folge treten Kopfschmerzen, Unruhe, Benommenheit und depressive Verstimmungszustände auf. Dieses kann sich bis zu psychotischen Reaktionen und Krampfanfällen verstärken. Bei derartigen Symptomen sollten Sie sich rasch an einen Arzt wenden.

Sofort zum Arzt

Vereinzelt kommt es nach der Einnahme von Amphetaminen zu einem meist tödlichen Lungenhochdruck. Das Risiko für diese Erkrankung ist bei Menschen erhöht, deren BMI über 30 liegt, und wenn die Amphetamine länger als drei Monate eingenommen werden.

Bemerken Sie Atemprobleme, insbesondere wenn Sie sich körperlich anstrengen, sollten Sie die Behandlung abbrechen und sofort einen Arzt aufsuchen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Amphetamine dürfen bei Kindern unter zwölf Jahren nicht eingesetzt werden. Bei älteren Kindern sollte der Arzt Nutzen und Risiken sehr sorgfältig abwägen, zumal eine medikamentöse Hilfe beim Abnehmen für Kinder und Jugendliche nicht angebracht ist.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Amphetamine dürfen während Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen werden. Die Wirkstoffe erreichen durch die Plazenta und später mit der Muttermilch das Kind und können bei ihm die gleichen unerwünschten Wirkungen auslösen, die auch für Erwachsene gelten. Nach längerem Kontakt mit dem Medikament können auch bei Neugeborenen und Säuglingen Entzugserscheinungen auftreten.

Abgesehen davon ist die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft ein natürlicher Vorgang. Selbst wenn es mehr sein sollte, als der Arzt für vertretbar hält, sind Medikamente nicht der richtige Weg, um eine weitere Zunahme zu begrenzen. Auch während der Stillzeit sind Maßnahmen, um an Gewicht zu verlieren, abzulehnen.

Frauen, die während der Schwangerschaft längere Zeit Amphetamine eingenommen haben, wird empfohlen, sich mit dem Frauenarzt zu besprechen und gegebenenfalls mit gezielten Ultraschalluntersuchungen die Entwicklung des Neuralrohrs beim Kind überprüfen zu lassen. Es sind vermehrt Fehlbildungen dieses Bereichs mit der Einnahme von Amphetaminen in Verbindung gebracht worden.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Das Mittel kann das Reaktionsvermögen erheblich verändern. Dann ist es nicht mehr möglich, aktiv am Verkehr teilzunehmen, Maschinen zu bedienen und Arbeiten ohne sicheren Halt zu verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs